Mittwoch, 3. August 2011

NEU -- NEU -- NEU: Willis Killerrezensionen: Heute: Im Land der Sümpfe : )

Also, da mich mein Job als Killerkolumnist der Fellpresse intellektuell nicht wirklich auslastet, habe ich zwischenzeitlich noch einen weiteren Job angenommen. Ich bin nun auch Killerrezensionist! Das bedeutet, ihr Unwissenden, ich schreibe Buchrezensionen und zwar bei Blogg dein Buch! Ich bin garantiert der erste Hund, der das tut, und daher lastet eine grosse Verantwortung auf mir. Ihr werdet also verstehen, dass ich hier nun ein wenig seriöser als sonst auftreten muss : )
Weil ich das noch nie vorher gemacht habe, hab' ich mich ein wenig von Fraule bequatschen lassen und mir einen historischen Roman ausgesucht, weil sie meinte, da lernt man eine Menge Zeug über die Vergangenheit, das wäre immer sehr interessant und bildend. Ich hätte sicher lieber etwas über Hunde, vorzugsweise über junge knackige (und nackige) Hundedamen, gelesen, aber na gut. Die Wahl fiel also auf "Im Land der Sümpfe" von Ivonne Hübner, erschienen im Dryas Verlag. Ich kann gleich vorweg nehmen: Bereut hab' ich's nicht!
Bestellen kann man das Buch übrigens beim Dryas Verlag direkt unter http://www.dryas.de/uckermark.php.


Nur kurz zum Inhalt:
12. Jahrhundert. Fjäder, die Tochter eines Fischers vom Oberuckersee, und Erik, der Sohn des Töpfers, wachsen gemeinsam auf und können sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen. Doch das Idyll im Land der Sümpfe, dem nordöstlichsten Winkel des Heiligen Römischen Reiches, ist trügerisch. Der machthungrige Markgraf von Askanien plant einen Kreuzzug gegen die Wenden, um diese zum Christentum zu bekehren. Ein blutiger Kampf beginnt. Fjäder und Erik werden kurz nach ihrer Hochzeit auseinander gerissen. Für beide beginnt eine jahrelange Irrfahrt.

Soweit der Text des Buchrückens, gut abgeschrieben, grumpf... : )



Killerrezensionist Willi
bei der Arbeit.
Heute: Im Tal der Sümpfe : )
 So, jetzt mein Senf dazu:
Das Buch "Im Land der Sümpfe" vereint auf etwas über 500 Seiten auf hohem Niveau alle maßgeblichen Lebensbereiche und Themen um die Zeit des Wendenkreuzzuges (1147), bis ins Detail hervorragend recherchiert und realistisch beschrieben, ohne zu romantisieren, ohne zu verklären: Es geht um Politik und Religion, die gnadenlose und brutale Ausbreitung des Christentums und systematische Unterdrückung und Ausmerzung heidnischer Götter, Sitten und Gebräuche, aber auch um simple weltliche Herrschaftsansprüche und Machtverhältnisse. Dabei werden vergangene Sprachen wie das Ukranische glaubhaft rekonstruiert, der harte Alltag, wie er zu damaligen Zeiten gewesen sein mag, sowie die Kultur und Kunst lange untergegangener Stämme, Adelsgeschlechter und Fürstenhäuser so eindrücklich geschildert, das man meinen könnte, dabei gewesen zu sein. Es geht um den Kampf zwischen Politik und Kirche, zwischen Politik und Politik und zwischen Religionen, es geht um Macht und Ehrgeiz, um Vorurteile und Rassenhass, um die Erhebung eines Volkes über ein anderes. Es geht um Handwerk, Architektur und Baukunst und immer wieder um die Geografie eines längst untergegangenen Reiches und die Heimat fast vergessener Volksstämme.
Die Liebesgeschichte von Fjäder und Erik webt in dieser komplexen, vielschichtigen Beschreibung historischer Daten einen würdigen Rahmen um die vielen Lebensbereiche des Hochmittelalters. Geradezu erleichternd ist es, dass sie auf jedwede Schwülstigkeit und Schlüpfrigkeit verzichtet, die in historischen Romanen leider oftmals ihr Zuhause gefunden zu haben scheint. Die scheinbare Vorhersehbarkeit der Liebesgeschichte der beiden Hauptprotagonisten und die sich im Leben Fjäders und Eriks eher nüchtern anbahnenden Liebesbeziehungen mit anderen Partnern stehen einem überraschenden Ende gegenüber und versagen sich auch hier jede kitschige Entgleisung.
Ivonne Hübner benutzt eine sehr erfrischende leichte, nüchterne und dennoch poetische Sprache mit ungewöhnlichen Metaphern und Vergleichen. Die zum Teil trockenen Themen über die politischen Machtkämpfe und Ränkespiele derer, die Geschichte schrieben, werden prägnant und anschaulich beschrieben, ohne sich je in Langatmigkeit zu ergiessen. Hübner bleibt beim Wesentlichen, dies aber mit realistischer Genauigkeit.
Wer die letzte Seite des Buches gelesen hat, möchte mehr erfahren über das kleine untergegangene Völkchen der Ukranen und die anderen angrenzenden Stämme. Zu diesem Zwecke sind dem Roman noch einige wissenswerte Informationen wie eine Zeittafel, eine Landkarte, eine Übersetzung der wichtigsten slawischen Ausdrücke und ein Namensregister angehängt. Desweiteren bietet die Autorin auf ihrer Seite unter huebner.dryas.de noch mehr Stoff zu den historischen Ereignissen und ihrer Recherchearbeit.

Mein Fazit:
Also, für alle, die gerne gut recherchierte, fundiert aufbereitete und anspruchsvolle historische Romane lesen, die ohne Kitsch und Schlüpfrigkeit auskommen, denen sei "Im Land der Sümpfe" wärmstens empfohlen. Alle anderen bleiben besser bei Iny Lorentz.
Durch seine wenig romantisierende, geradlinige und dennoch kunstvolle Schreibweise ist dieser Roman im übrigen auch für Männer hervorragend geeignet ; )
Und auch Hunde kommen auf ihre Kosten, es kommt nämlich einer darin vor, der gar keine unwesentliche Rolle spielt... : )

Meine Bewertung:
Ich vergebe 5 von 5 möglichen knallharten Killerrüden : )

7 eloquente Meinungen zu dem Quatsch : )

  1. Also ich dachte, du lässt dir höchstens mal die Fernsehzeitung vorlesen. So ein Zweitverdienst ist aber schon mal nicht übel! Da kann der Erste gekürzt werden. Mach ma ruhig so weiter, mit der stocksteifen Seriosität. Da wirste bald ein nadelgestreiftes Fell tragen, statt Hippie-Blau.

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  2. Rezensionist Willi : )3. August 2011 um 11:29

    grumpf grumpf : )

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  3. Hi Willi,
    ist n'ne tolle Sache das mit dem Zweitjob als Rezensionist! Sollte ich mir vielleicht auch mal überleghen, dann kann ich meine Servicekraft hin und wieder von mir ablenken.
    Deine erste Rezension ist jedenfalls killerrüdenmäßig super gelungen und läßt auf mehr hoffen.
    LG, Enya

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  4. NA JA?! bin gespannt, ob dein sprachliches resumee zutrifft. bin bei diesen vermeintlich historisch fundierten schinken skeptisch. oft durchsetzt von bildern, die einem die nackenhaare zu berge stehen lassen. aber trotz und alle dem - literaturkritiker ist eine feine sache. gewöhn dich nur dran, dass andere leser eine konträre meinung haben- viel glück schnuffel;o)

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  5. Das findest du nur raus, wenn du's selber liest oder dich ein wenig mit der autorin beschäftigst : )

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  6. Bei 5 von 5 knallharten Killerrüden kann das Buch einfach nur perfekt für mich geeignet sein un ich glaub die freie Zeit am Strand in der Sonne (kennt ihr die noch) sollte doch gerettet sein.
    Danke für den tollen Tipp, jetzt kenn ich auch schon mein nächstes Buch und ich freu mich drauf!

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  7. Willi -> Mary : )4. August 2011 um 11:25

    YES!!! : )

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Deine Meinung ist willkommen! Ob Lob oder Kritik, mit Humor oder ohne - ich halte ne Menge aus!
Wenn du allerdings einfach nur mal unter dem Deckmäntelchen der Anonymität oder wegen mir auch unter deinem richtigen Namen unflätig werden oder destruktiv stänkern willst, weil dir sonst keiner zuhört, dann wird dies hier leider nicht deine Bühne werden - versprochen! : )