Donnerstag, 15. September 2011

Willis Killerkolumne: Die Sache mit der Doppelmoral : )

F Ü R  D I E  F E L L P R E S S E  U N T E R W E G S . . .

Killerkolumnist hält die Pfote
in die Wunde : )
Jetzt wollen wir doch mal ehrlich sein. Es ist ganz einfach, sich über die Ungerechtigkeiten dieser Welt aufzuregen und den moralischen Zeigefinger gegenüber seinen Mitmenschen zu erheben. Aber wie steht es eigentlich um die eigene Moral? Gilt dieselbe hoch aufgelegte Meßlatte auch für einen selber? Oder schaut man da nicht ab und an mal über die ein oder andere Verfehlung großzügig hinweg?
Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Fraule echauffiert sich regelmäßig über die vielen Hundehaufen, die auf dem Bürgersteig direkt neben meiner Kackwiese des Vertrauens, womöglich sogar - wie zum Hohn - direkt neben dem Hundekackeimer rumfläzen. Sie rühmt sich lautstark damit, jeden meiner mal mehr mal weniger wohlgeformten Exemplare unter großen Mühen aufzusammlen und ordnungsgemäß zu entsorgen. Aber stimmt das denn auch wirklich? Ist es nicht vielmehr so, dass es auch durchaus vorkommen kann, dass, im Schutze der Dunkelheit, auch eines meiner Häufchen geflissentlich "übersehen" wird? Vielleicht nicht unbedingt auf dem Bürgersteig, aber zumindest doch mal eigentlich immer noch recht gut erreichbar auf der Wiese daneben? Möglicherweise liegt es daran, dass aus Versehen keine Tüte griffbereit ist. Aber erstens: Hätte sie dann nicht schnell eine holen können? Zweitens: Ging es den anderen Häufchenignorierern vielleicht nicht ebenso? Und drittens: Hat sie in dem Moment nicht vielleicht auch einfach gedacht: "Scheiß drauf! Eins mehr oder weniger macht den stinkenden Braten auch nicht fett..."? Und wenn es je so gewesen sein mag, darf sich Fraule dann eigentlich auch nur ansatzweise über einen einzigen Haufen auf dem Bürgersteig aufregen? Umso mehr, als dass sie mittlerweile eiskalte Wiederholungstäterin geworden ist und sich das schlechte Gewissen nur noch ab 300 Gramm aufwärts meldet?

Tja. Solche Themen gibt es viele, nicht wahr? Zum Beispiel die Hundeerziehung. Eine ganz heikle Angelegenheit.
Selbstverständlich gehört Fraule zu den Vertretern der gewaltfreien Erziehung. Voller Überzeugung, dass man durch positive Lehrmethoden zum Ziel kommt, rümpft sie über jeden die Nase, der das anzweifelt und verurteilt alle, die noch die traditionellen Methoden befürworten. Überzeugt davon, Gutes zu tun, macht sie mit bei der Petition gegen Stachelhalsbänder, besucht mit mir eine Hundeschule, die sich konsequent gegen aversive Lehrmethoden ausspricht und liest nur Bücher, die sich mit Erziehung durch positive Verstärkung beschäftigen. Gegenüber Bekannten, die der Meinung sind, dass der Hund noch mit der Nase in sein Pipi getunkt werden muss, um ihm zu zeigen, dass er drinnen nicht strullern soll, demonstriert sie totales Entsetzen und fühlt sich berufen, alle Unwissenden an ihrem bescheidenen Halbwissen um die neuesten Erkenntnisse teilhaben zu lassen und die Welt in ihrem Dunstkreis nach Kräften zu missionieren.
Ja, Fraule ist total gegen Gewalt. Hunde verhauen, mit Sachen beschmeissen, Stachel- und Sprühhalsbänder, Elektroschocker - das geht ja gar nicht, meint sie. Und sonst so? Was ist aber eigentlich mit den weniger skandalträchtigen Methoden, die nichtsdestotrotz ebenfalls auf Zwang, Unterdrückung oder Erschrecken basieren und somit negative Verknüpfungen zur Folge haben können? Wie zum Beispiel dem Schnauzgriff, den Po runterdrücken, um ein Sitz zu bekommen, an der Leine rucken, um Hundi zum Folgen zu bringen, anstelle so lange zu warten, bis er von sich aus kommt, ein Klaps auf den Hintern, wenn er in flagranti dabei erwischt wird, wie er zum 17. Mal den Baum im Garten ausgräbt und vorhat, danach mit dreckverschmierten Pfoten und Schnauze durchs frischgeputzte Haus zu marschieren oder Anschreien, weil er am Küchenschrank hochspringt, um die Wurst zu klauen.
Denkt sie da nicht ganz heimlich, dass das vielleicht nicht irgendwie übertrieben ist, dass es im Leben nunmal nicht immer nur mit Harmonie und Konsens zugeht, dass es niemandem schadet, wenn er manchmal auch etwas gegen seinen Willen tun muss und dass es außerdem in der Praxis oft sowohl an Zeit, Geduld als auch an Verständnis mangelt, die sanfte Schiene zu fahren? In Wahrheit bezweifelt Fraule, dass der Hund ernsthaft Schaden nimmt, wenn er mal angebrüllt oder gezwungen wird, unfreiwillig die frischgewaschenen Socken auszugeben oder an der Leine mitgeschleift wird, weil er sich anders partout nicht dazu bringen lässt, von den anderen Kumpels abzulassen. Im Gegenteil, sie glaubt sogar - ganz still und heimlich -, dass es Situationen gibt (wie in der Kindererziehung auch), die aversive Vorgehensweisen notwendig machen, um schnell und effizient Grenzen aufzuzeigen.

Jaja. So hin- und hergerissen zwischen Richtig und Falsch bastelt sie sich ihre ganz persönliche Moral und vergisst dabei auch nicht, die anderen weiterhin fröhlich zu bekehren. Man könnte das natürlich auch Doppelmoral nennen. Das weist Fraule aber mal ganz weit von sich. Sie hält ihre Methode für den praxisorientierten Ansatz, den "gesunden, soliden und goldenen Mittelweg". Alles andere ist was für Leute mit viel Zeit und Profis, die damit Geld verdienen. Fragt sich bloss, wieso sie dann doch hin und wieder das schlechte Gewissen plagt.

In diesem Sinne...

bleibt dran!

Euer knallharter Killerrüde
Willi  : )

2 eloquente Meinungen zu dem Quatsch : )

  1. Mensch Willi! Du schreibst mir voll aus der armen geknechteten Hundeseele! Inkonsequenz = Doppelmoral = Zweibeiner! WIR wissen das, aber DIE finden das völlig normal! Ist eben doch von Nachteil, wenn ein so großer Teil der Hirnaktivität im Großhirn abläuft! Einzig beim Hundehaufen wegräumen gibt es nur genau zwei Parteien: Die, die IMMER wegräumen (und sich mit Pestwurzblättern abmühen, wenn keine Tüte griffbereit ist!) und die, die NIE wegräumen (außer, wenn sie erwischt werden!). Hier bei uns gab es mal eine prima Idee zu diesem Thema: Irgend jemand hat sich die Mühe gemacht und Zahnstocher mit durchnummerierten Fähnchen versehen. Die hat er dann der Reihe nach in alle am Weg liegenden Kackhaufen gesteckt. Leider war das ein Optimist und so brach die Reihe nach dem 25. Haufen leider ab! Ich finde das regt zum Nachmachen an!
    Was die Erziehungsfehler angeht, schweige ich lieber, sonst denkt meine stets positiv bestärkende, gewaltverneinende Hundedompteuse noch zu viel nach! Nur so viel: In der rauhen Wirklichkeit eines Wolfsrudels gibt es grundsätzlich keine Diskussionen. Entweder du tust, was der Boss sagt, oder du bist raus!
    Gut das wir zuhause die Hosen anhaben, was Willi?!
    LG, Enya

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  2. :-) Toller Bericht, dann schauen wir mal, ob wir dem Fraule mehr Sicheheit geben können, das richtige zu tun!!!

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Wenn du allerdings einfach nur mal unter dem Deckmäntelchen der Anonymität oder wegen mir auch unter deinem richtigen Namen unflätig werden oder destruktiv stänkern willst, weil dir sonst keiner zuhört, dann wird dies hier leider nicht deine Bühne werden - versprochen! : )