Freitag, 29. Juni 2012

Ein ganz heißes Eisen - Die Schweizer und der deutsche Fußball : )


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Passend zum Wetter fasse ich heute mal ein ganz heißes Eisen an: Meine Nachbarn, die Schweizer!
Wie ihr ja wisst, lebe ich in Konstanz. Für die, die es nicht wissen, Konstanz liegt haargenau an der Grenze zur Schweiz. Und so kommt es, dass wir in der Schweiz ganz oft unterwegs sind. Fraule arbeitet dort, ich gehe dort zur Hundeschule und in meine Oase, wir gehen dort wandern, tanken oder zu Hundetreffen und Workshops.
Wir kennen mittlerweile eine ganze Menge Schweizer. Und ich würde behaupten, wir mögen uns sehr und verstehen uns prima - wenn man mal von Fraules gelegentlichen Sprachschwierigkeiten absieht. Aber sie bemüht sich und mittlerweile kommt sie ganz gut mit im Schwitzerdütsch, wenn nicht plötzlich wieder ein neuer Dialekt auftaucht, denn die gibt es dort reichlich. Die ganze Beziehung geht sogar soweit, dass man behaupten könnte, es entstünden zarte Freundschaften, wir teilten oft die gleichen liberalen Einstellungen, politischen Richtungen, Moralvorstellungen, beklagten die gleichen Missstände oder regten uns über die gleichen Unerhörtheiten auf. Man möchte meinen, wir sind uns alles in allem gar nicht so unähnlich.

Aufgrund der geografischen Nähe zueinander hat sich zudem zwangsläufig eine gewisse Symbiose entwickelt. Die "Dütschen" nutzen die Vorteile der Schweiz, als das wären, ähm, ja, tanken halt, und ähm, na gut, ansonsten fällt mir gerade nicht so viel ein. Bei dem derzeitigen Eurokurs wäre das Kaffeetrinken in der Schweiz purer Luxus und für das gleiche Geld geht Ottonormaldeutscher lieber zu Aldi für 'ne Woche fett einkaufen. Die Nähe zu Zürich ist sicherlich auch attraktiv, denn Zürich ist eine tolle Stadt in jederlei Hinsicht - solange man nicht den Geldbeutel auspacken muss. 
Auf der anderen Seite nutzen die Schweizer (und selbstverständlich auch die Deutschen, die in der Schweiz wohnen) gerne den günstigen Eurokurs und den Mehrwertsteuervorteil und kommen nach Deutschland zum Einkaufen und Essengehen.
Wir haben doch auch
schöne Stürmer : )
© bild.de

So. Halt! Bevor jetzt hier einer anfängt und meckert, Achtung! Liebe Freunde des sparsamen Fuchses, das würden wir nämlich alle so halten, wenn wir könnten, und es ist der pure Neid, wenn wir mit spitzer Zunge darüber lamentieren, dass einem in Konstanz zeitweilig nur noch schwitzerdütsch in den Ohren dröhnt und man unentwegt im Stau steht, weil die Schweizer das kleine Städtchen zum Kollabieren bringen - was man im übrigen lieber der miserablen städtischen Verkehrsplanung zuschreiben sollte.
Aber solange es separate Kassen gibt, wo grüne Zettel abgestempelt und ausgefüllt werden können, gibt es da überhaupt gar nix zu mosern - ganz im Gegenteil: Konstanz und dem Einzelhandel geht es nicht umsonst so gut! Würden die Schweizer nicht kommen und ihr Geld bei uns ausgeben, könnten wir unser schönes Einkaufszentrum sicher bald dicht machen, genauso wie viele andere Geschäfte, Restaurants oder Kinos. Das wir das, bitte schön, mal nicht vergessen!

Einmal im Jahr gibt es das Seenachtsfest, eine gemeinschaftliche Produktion von Konstanz und dem direkt angrenzenden und bisher ein kleines bisschen plattenbaulastigen Kreuzlingen, das mit je einem Feuerwerk auf beiden Seiten endet, bei dem die lokalen Pyrotechniker beider Nationen jedes Jahr mit Feuereifer miteinander wetteifern, wer das schönere gebastelt hat. Und selbstredend gibt es noch zahlreiche andere gemeinsame Festivitäten, die beide Seiten, Deutsche wie Schweizer, gerne zusammen begehen.

Frau Merkel in der Fankurve -
also, so schlimm
sind wir doch gar nicht : )
(c) Foto: Sascha Schuermann/dapd
In Kreuzlingen übrigens wohnen sehr viele "Dütsche" in friedlicher Nachbarschaft mit den Schweizern. Allerdings meistens in schicken Neubauenklaven, in die sich kein Schweizer je hinein trauen würde. Oder womöglich freiwillig keinen Fuß hineinsetzen würde, denn ganz so nah muss es dann doch wohl nicht sein... Dass die Deutschen da natürlich auch nicht etwa nur deshalb wohnen, weil sie ihr Herz für die Eidgenossen entdeckt haben und mal in einer anderen Kultur ansässig werden wollen, müssen wir hier natürlich auch nicht diskutieren. Wer als Deutscher in der Schweiz wohnt, tut dies, weil er dann prima Rosinen picken kann: Je nach familiärer Situation schön Steuern sparen und den teuren Rest äußerst günschtig in Deutschland einkaufen und dazu noch den geringeren  Mehrwertsteuersatz abdrücken. Jaja, der schnöde Mammon. In der Regel wohnen dort Deutsche, die auch in der Schweiz arbeiten oder seit neuestem junge Familien, die sich ein Haus im immobilienüberteuerten Konstanz nicht leisten können und Kreuzlingen sich neuerdings als qualitativ hochwertiger Konkurrent erweist. Denn ich muss zugeben, wenn Kreuzlingen bis vor kurzem eigentlich wirklich sehr häßlich war, wird seit einiger Zeit hart daran gearbeitet, die Stadt nach Strich und Faden aufzupimpen. Und so langsam aber sicher entsteht ein neues Stadtbild, in dem zu wohnen gar nicht mehr so unattraktiv ist.

Und so leben wir alle ganz friedlich mit- und nebeneinander, und beide Seiten wissen die Vorteile des anderen ziemlich genau zu schätzen - wenn man es vielleicht manchmal auch nur ungern zugibt und ab und zu mal ein wenig spitzzüngig werden muss. 

Allerdings, und jetzt wird's ernst: Die zarten Bande der Freundschaft werden schweizseitig schlagartig gekappt, wenn es um das Thema Fußball geht. 
Es ist wirklich erstaunlich, was dann mit unseren lieben Freunden vom anderen Seeufer passiert. Sie mutieren dann nämlich zu miesen kleinen hämischen Sackgesichtern, die ihre ganze negative Energie bündeln und rüber nach Deutschland schicken, mit dem einzigen Ziel unserer Nationalelf die Pest an den Hals zu wünschen. Womit sich also auch schon die Frage beantwortet, warum wir gestern so schmachvoll aus dem Match geschmissen wurden.

Bunga bunga:
Und DAS zieht ihr tatsächlich
dem Volke der Dichter und Denker vor? : )
© Foto: afp, Gabriel Bouys
Ich frage mich nun aber ernsthaft: Woher bloss diese negativen Vibrationen? Warum kenne ich keinen einzigen Schweizer, der jemals auch nur darüber nachgedacht hätte, für die Deutschen zu skandieren? Selbst das sanfteste schweizer Lämmlein wird zum reissenden Wolf, wenn es um unsere Nationalelf und den deutschen Fußball geht. Es ist ein Trauerspiel! Man stelle sich vor: Gestern hat gesamt Kreuzlingen - außer den deutschen Enklaven natürlich, die ganz still und leise vor ihrer Glotze mitgefiebert haben (oder gleich zum Public Viewing nach Konstanz gepilgert sind, um hemmungslos sie selber sein zu dürfen), und die sich völlig eingeschüchtert vom schweizer Nationalstolz, in dem der Fahnenmast vor der Haustüre obligatorisch ist, nicht mal trauen würden, eine klitzekleine deutsche Fahne im Garten zu hissen - einen Freudentanz veranstaltet, nur weil diese pomadisierten Papagallos und macho-marzialischen Mamakinder mit Spängchen und Bändern im Haar oder Mayonnaisestreifen aufm Kopp uns aus dem Halbfinale gekickt haben. Und ihr wollt mir doch jetzt nicht erzählen, dass ihr ansonsten Italienfans seid! Nein, das seid ihr nicht, denn ich habe ganz genau beobachtet, dass es völlig wurscht ist, gegen wen wir spielen. Ihr seid garantiert und auf alle Fälle gegen uns. Grumpf!

Doch woran mag das bloß liegen? Darüber grübel' ich schon die ganze Zeit nach. Mir lässt das einfach keine Ruhe.

Berühmter Schweizer Schwinger:
© Nöldi Forrer : )
Die einen sagen ja, es liegt am mangelnden Selbstbewusstsein der Schweizer, weil sie doch so klein und wir so groß sind und sie Angst haben, dass ihnen Frau Merkel doch noch eines Tages den Euro aufzwingt oder das Bankgeheimnis klaut, oder es läge am Neid, nun mal einfach keine ruhmreiche Fußballnation zu sein. Mensch, dafür könnt ihr doch phantastisch schwingen!
Die anderen sagen, das läge daran, dass die Deutschen den neutralen Nachbarn in ihrer ignoranten, großkotzigen Tour nicht wahr nehmen würden. Wer kennt schon den Schweizer Bundeskanzler? Und was weiß der Durchschnittsdütsche tatsächlich über unsere geheimnisvollen Eidgenossen, außer, dass es in ihrem Land eine Menge hoher Berge gibt, Tunnels, Milch und Appenzeller Käse, teure Uhren und prominente deutsche Steuerflüchtlinge? So gut wie nix. Hören wir in den Nachrichten etwas über die Schweiz, dann garantiert im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung oder Bankaffairen. Dagegen werden die Schweizer gemeinerweise wiederum überflutet mit Infos aus und über Deutschland. In der Weltpolitik, im Sport, EU, Fernsehen, Shows, Tatort und über die immer mehr werdenden Zugereisten... 

Da kann man verständicherweise doch auch schon mal etwas giftig werden. Das gebe ich zu. 
Aber ich sag' mal so: Solange sich diese Giftspritzerei auf den deutschen Fußball konzentriert - von mir aus. Die WM 2014 gewinnen wir trotzdem. Aber dann gehen wir auch ganz schnell wieder zur friedlich-freundschaftlichen Tagesordnung über, oder? : )

Ähm, wenn uns jetzt am Montag die Einreise verweigert wird, weiß ich warum. Aber Fraule kann echt nix dafür... : )

6 eloquente Meinungen zu dem Quatsch : )

  1. nur Neid, weil die keinen Fussball spielen können!

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  2. Ähm... Also wir waren für Deutschland.... Muss ich jetzt auswandern?

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    1. jaaaaa, hurraaaa, es gibt sie doch! manu hat heut auch erzählt, sie war für deutschland! isch freu misch : )

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. der Quatsch muss ja nicht für die Ewigkeit im WWW stehen.
      :o))
      Grüessli, Trudy

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    2. Mensch Trudy, du hast ja nur Angst, dass sie dich rauswerfen... : )

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Wenn du allerdings einfach nur mal unter dem Deckmäntelchen der Anonymität oder wegen mir auch unter deinem richtigen Namen unflätig werden oder destruktiv stänkern willst, weil dir sonst keiner zuhört, dann wird dies hier leider nicht deine Bühne werden - versprochen! : )