Freitag, 29. Juni 2012

Ein ganz heißes Eisen - Die Schweizer und der deutsche Fußball : )


© Bild.de
Passend zum Wetter fasse ich heute mal ein ganz heißes Eisen an: Meine Nachbarn, die Schweizer!
Wie ihr ja wisst, lebe ich in Konstanz. Für die, die es nicht wissen, Konstanz liegt haargenau an der Grenze zur Schweiz. Und so kommt es, dass wir in der Schweiz ganz oft unterwegs sind. Fraule arbeitet dort, ich gehe dort zur Hundeschule und in meine Oase, wir gehen dort wandern, tanken oder zu Hundetreffen und Workshops.
Wir kennen mittlerweile eine ganze Menge Schweizer. Und ich würde behaupten, wir mögen uns sehr und verstehen uns prima - wenn man mal von Fraules gelegentlichen Sprachschwierigkeiten absieht. Aber sie bemüht sich und mittlerweile kommt sie ganz gut mit im Schwitzerdütsch, wenn nicht plötzlich wieder ein neuer Dialekt auftaucht, denn die gibt es dort reichlich. Die ganze Beziehung geht sogar soweit, dass man behaupten könnte, es entstünden zarte Freundschaften, wir teilten oft die gleichen liberalen Einstellungen, politischen Richtungen, Moralvorstellungen, beklagten die gleichen Missstände oder regten uns über die gleichen Unerhörtheiten auf. Man möchte meinen, wir sind uns alles in allem gar nicht so unähnlich.

Aufgrund der geografischen Nähe zueinander hat sich zudem zwangsläufig eine gewisse Symbiose entwickelt. Die "Dütschen" nutzen die Vorteile der Schweiz, als das wären, ähm, ja, tanken halt, und ähm, na gut, ansonsten fällt mir gerade nicht so viel ein. Bei dem derzeitigen Eurokurs wäre das Kaffeetrinken in der Schweiz purer Luxus und für das gleiche Geld geht Ottonormaldeutscher lieber zu Aldi für 'ne Woche fett einkaufen. Die Nähe zu Zürich ist sicherlich auch attraktiv, denn Zürich ist eine tolle Stadt in jederlei Hinsicht - solange man nicht den Geldbeutel auspacken muss. 
Auf der anderen Seite nutzen die Schweizer (und selbstverständlich auch die Deutschen, die in der Schweiz wohnen) gerne den günstigen Eurokurs und den Mehrwertsteuervorteil und kommen nach Deutschland zum Einkaufen und Essengehen.
Wir haben doch auch
schöne Stürmer : )
© bild.de

So. Halt! Bevor jetzt hier einer anfängt und meckert, Achtung! Liebe Freunde des sparsamen Fuchses, das würden wir nämlich alle so halten, wenn wir könnten, und es ist der pure Neid, wenn wir mit spitzer Zunge darüber lamentieren, dass einem in Konstanz zeitweilig nur noch schwitzerdütsch in den Ohren dröhnt und man unentwegt im Stau steht, weil die Schweizer das kleine Städtchen zum Kollabieren bringen - was man im übrigen lieber der miserablen städtischen Verkehrsplanung zuschreiben sollte.
Aber solange es separate Kassen gibt, wo grüne Zettel abgestempelt und ausgefüllt werden können, gibt es da überhaupt gar nix zu mosern - ganz im Gegenteil: Konstanz und dem Einzelhandel geht es nicht umsonst so gut! Würden die Schweizer nicht kommen und ihr Geld bei uns ausgeben, könnten wir unser schönes Einkaufszentrum sicher bald dicht machen, genauso wie viele andere Geschäfte, Restaurants oder Kinos. Das wir das, bitte schön, mal nicht vergessen!

Einmal im Jahr gibt es das Seenachtsfest, eine gemeinschaftliche Produktion von Konstanz und dem direkt angrenzenden und bisher ein kleines bisschen plattenbaulastigen Kreuzlingen, das mit je einem Feuerwerk auf beiden Seiten endet, bei dem die lokalen Pyrotechniker beider Nationen jedes Jahr mit Feuereifer miteinander wetteifern, wer das schönere gebastelt hat. Und selbstredend gibt es noch zahlreiche andere gemeinsame Festivitäten, die beide Seiten, Deutsche wie Schweizer, gerne zusammen begehen.

Frau Merkel in der Fankurve -
also, so schlimm
sind wir doch gar nicht : )
(c) Foto: Sascha Schuermann/dapd
In Kreuzlingen übrigens wohnen sehr viele "Dütsche" in friedlicher Nachbarschaft mit den Schweizern. Allerdings meistens in schicken Neubauenklaven, in die sich kein Schweizer je hinein trauen würde. Oder womöglich freiwillig keinen Fuß hineinsetzen würde, denn ganz so nah muss es dann doch wohl nicht sein... Dass die Deutschen da natürlich auch nicht etwa nur deshalb wohnen, weil sie ihr Herz für die Eidgenossen entdeckt haben und mal in einer anderen Kultur ansässig werden wollen, müssen wir hier natürlich auch nicht diskutieren. Wer als Deutscher in der Schweiz wohnt, tut dies, weil er dann prima Rosinen picken kann: Je nach familiärer Situation schön Steuern sparen und den teuren Rest äußerst günschtig in Deutschland einkaufen und dazu noch den geringeren  Mehrwertsteuersatz abdrücken. Jaja, der schnöde Mammon. In der Regel wohnen dort Deutsche, die auch in der Schweiz arbeiten oder seit neuestem junge Familien, die sich ein Haus im immobilienüberteuerten Konstanz nicht leisten können und Kreuzlingen sich neuerdings als qualitativ hochwertiger Konkurrent erweist. Denn ich muss zugeben, wenn Kreuzlingen bis vor kurzem eigentlich wirklich sehr häßlich war, wird seit einiger Zeit hart daran gearbeitet, die Stadt nach Strich und Faden aufzupimpen. Und so langsam aber sicher entsteht ein neues Stadtbild, in dem zu wohnen gar nicht mehr so unattraktiv ist.

Und so leben wir alle ganz friedlich mit- und nebeneinander, und beide Seiten wissen die Vorteile des anderen ziemlich genau zu schätzen - wenn man es vielleicht manchmal auch nur ungern zugibt und ab und zu mal ein wenig spitzzüngig werden muss. 

Allerdings, und jetzt wird's ernst: Die zarten Bande der Freundschaft werden schweizseitig schlagartig gekappt, wenn es um das Thema Fußball geht. 
Es ist wirklich erstaunlich, was dann mit unseren lieben Freunden vom anderen Seeufer passiert. Sie mutieren dann nämlich zu miesen kleinen hämischen Sackgesichtern, die ihre ganze negative Energie bündeln und rüber nach Deutschland schicken, mit dem einzigen Ziel unserer Nationalelf die Pest an den Hals zu wünschen. Womit sich also auch schon die Frage beantwortet, warum wir gestern so schmachvoll aus dem Match geschmissen wurden.

Bunga bunga:
Und DAS zieht ihr tatsächlich
dem Volke der Dichter und Denker vor? : )
© Foto: afp, Gabriel Bouys
Ich frage mich nun aber ernsthaft: Woher bloss diese negativen Vibrationen? Warum kenne ich keinen einzigen Schweizer, der jemals auch nur darüber nachgedacht hätte, für die Deutschen zu skandieren? Selbst das sanfteste schweizer Lämmlein wird zum reissenden Wolf, wenn es um unsere Nationalelf und den deutschen Fußball geht. Es ist ein Trauerspiel! Man stelle sich vor: Gestern hat gesamt Kreuzlingen - außer den deutschen Enklaven natürlich, die ganz still und leise vor ihrer Glotze mitgefiebert haben (oder gleich zum Public Viewing nach Konstanz gepilgert sind, um hemmungslos sie selber sein zu dürfen), und die sich völlig eingeschüchtert vom schweizer Nationalstolz, in dem der Fahnenmast vor der Haustüre obligatorisch ist, nicht mal trauen würden, eine klitzekleine deutsche Fahne im Garten zu hissen - einen Freudentanz veranstaltet, nur weil diese pomadisierten Papagallos und macho-marzialischen Mamakinder mit Spängchen und Bändern im Haar oder Mayonnaisestreifen aufm Kopp uns aus dem Halbfinale gekickt haben. Und ihr wollt mir doch jetzt nicht erzählen, dass ihr ansonsten Italienfans seid! Nein, das seid ihr nicht, denn ich habe ganz genau beobachtet, dass es völlig wurscht ist, gegen wen wir spielen. Ihr seid garantiert und auf alle Fälle gegen uns. Grumpf!

Doch woran mag das bloß liegen? Darüber grübel' ich schon die ganze Zeit nach. Mir lässt das einfach keine Ruhe.

Berühmter Schweizer Schwinger:
© Nöldi Forrer : )
Die einen sagen ja, es liegt am mangelnden Selbstbewusstsein der Schweizer, weil sie doch so klein und wir so groß sind und sie Angst haben, dass ihnen Frau Merkel doch noch eines Tages den Euro aufzwingt oder das Bankgeheimnis klaut, oder es läge am Neid, nun mal einfach keine ruhmreiche Fußballnation zu sein. Mensch, dafür könnt ihr doch phantastisch schwingen!
Die anderen sagen, das läge daran, dass die Deutschen den neutralen Nachbarn in ihrer ignoranten, großkotzigen Tour nicht wahr nehmen würden. Wer kennt schon den Schweizer Bundeskanzler? Und was weiß der Durchschnittsdütsche tatsächlich über unsere geheimnisvollen Eidgenossen, außer, dass es in ihrem Land eine Menge hoher Berge gibt, Tunnels, Milch und Appenzeller Käse, teure Uhren und prominente deutsche Steuerflüchtlinge? So gut wie nix. Hören wir in den Nachrichten etwas über die Schweiz, dann garantiert im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung oder Bankaffairen. Dagegen werden die Schweizer gemeinerweise wiederum überflutet mit Infos aus und über Deutschland. In der Weltpolitik, im Sport, EU, Fernsehen, Shows, Tatort und über die immer mehr werdenden Zugereisten... 

Da kann man verständicherweise doch auch schon mal etwas giftig werden. Das gebe ich zu. 
Aber ich sag' mal so: Solange sich diese Giftspritzerei auf den deutschen Fußball konzentriert - von mir aus. Die WM 2014 gewinnen wir trotzdem. Aber dann gehen wir auch ganz schnell wieder zur friedlich-freundschaftlichen Tagesordnung über, oder? : )

Ähm, wenn uns jetzt am Montag die Einreise verweigert wird, weiß ich warum. Aber Fraule kann echt nix dafür... : )

Montag, 25. Juni 2012

Ein Sack voller Porties : )

Gestern, Leute, da war ich zum ersten Mal in meinem Leben bei einem portugiesischen Wasserhunde Treffen. Ihr werdet jetzt denken: Na und? Wir gehen andauernd zu Treffen meiner Rasse. Jahaaa, das stimmt, gibt es doch auch dicke Goldies, Dackel, Möpse & Co. wie Sand am Meer!
Das ist bei uns ja nun etwas anders. In meiner Gegend leben keine Porties und beim täglichen Spaziergang treffe ich zwar hunderte Tölen aller Arten, aber leider keinen meiner Rasse. Einem dann tatsächlich mal zu begegnen ist also schon was Besonderes. Abgesehen davon, schätze ich, war Fraule so scharf darauf, dahin zu gehen, um mit kritischem Blick zu prüfen, ob ich völlig aus der Art schlage oder doch nur ein bisschen...
Zu dem Treffen in Niederbipp in der Schweiz kamen bestimmt an die 15 bis 20 Porties zusammen. Ich war ganz verwirrt! Hab' ich mich doch dauernd mit den anderen verwechselt... Spaaaaß... Ich bin natürlich nicht zu verwechseln - es kann nur einen Killerrüden geben...
So. Der Böööööörner war, dass zwei meiner Wurfbrüder, Nunio und Zsasi, auch da waren! 


Willi und seine Brüder:
Zsasi links, Nunio rechts : )


Die schwarze Gang : )



Dieter-Thomas Kuhn? : )

Nunio - der Kleinste im Wurf : )

Zsasi - Powerpaket : )

Zsasi und Willi : )




Man sagt ja immer, Geschwister erkennen sich nicht untereinander und schon gar nicht nach fast 2 Jahren. Ich konstatiere: Falsch! Ich schwöre, wir drei kamen uns zumindest irgendwie vertraut vor, oder warum sind ausgerechnet immer wir drei umeinander gesprungen? Die anderen, die waren auch ok, aber den meisten Spaß hatten wir drei miteinander. Und das ist ja wohl sicher kein Zufall!

Willi und seine Geschwister
vor knapp 2 Jahren - alle gleich : )
Als Welpen waren wir übrigens kaum zu unterscheiden. Heute sehen wir drei komplett anders aus. Der eine (Zsasi) ist groß und sieht unserem Vater sehr ähnlich, der andere (Nunio) ist sehr zierlich, er war der kleinste aus dem Wurf, beide haben stark graues oder aufgehelltes Fell, der eine mit einer harschigen, der andere mit einer seidenweichen Haptik  - und ich, hm, sagen wir so, bin ziemlich kompakt... im Vergleich zu den anderen zumindest... Fraule sagt: Diät! Grumpf! Ich bin nicht dick! Frechheit...
Aber unsere Mimik und Gestik, unser Temperament, unsere Kläffer und anderen Geräusche, die wir so von uns geben, die sind total identisch. Obwohl die anderen anders aussehen, hat Fraule mich in denen voll wiedererkannt, sagt sie...

Was noch sehr erstaunlich war: Wir alle liefen stundenlang dort frei auf der Wiese zusammen rum und alles war bis zum Schluß total friedlich, entspannt und - leise! Es wurde so gut wie nie gebellt und selbst die unkastrierten Rüden haben keinen Affentanz veranstaltet. Man sagt, das wäre unserer Rasse eigen. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber ich weiß, dass wenn wir längere Zeit mit den Hunden aus der Hundeschule unterwegs sind, können die Spiele später schon mal etwas rauer und der Umgangston ruppiger werden. Das war gestern nicht einmal zu beobachten. Ich sage euch, wir sind einfach die allercoolsten! So.

Und nu' zum Abschluß gugge den Film "Ein Sack voller Porties" : )

Montag, 18. Juni 2012

Darth Vader : )

Am Wochenende traf ich einen Kumpel. Der hat sich mächtig gefreut mich zu treffen, so wie ich auch, denn wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Der Kumpel ist ein bisschen wie ich: Jung, dynamisch, kräftig, lebhaft, und wenn er nicht spielen will, dann (und hier unterscheidet er sich von mir) will er alles besteigen, was bei drei nicht aufm Baum sitzt, weil er - der Glückliche! - nicht kastriert ist (und auch nicht wird, denn ein richtiger Rüde muss Eier haben, grumpf). Heißt, der ist immer in Bewegung, Action pur, sein Motto: Still sitzen kann ich noch genug, wenn ich alt bin.
Seine Menschen haben also im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, um ihn in Schach zu halten. Ohne Leine darf er nur selten rumlaufen, weil sein Jagdtrieb recht ausgeprägt ist und er dann nur noch - wenn überhaupt - von hinten zu sehen wäre. Also müssen sie die Leine gut festhalten, damit der Kumpel nicht den nächst Besten - also mich zum Beispiel - ständig besteigt und anspringt, weil so super finde ich das dann auch nicht. 

© Darth Vader und mein Kumpel
röcheln um die Wette : )
So. Alles kein Problem. Mein Kumpel trägt übrigens ausschließlich Halsband. Seine Menschen sind eher vom konservativen Schlag: Geschirr? Wozu soll das gut sein? Hunde hatten schon immer ein Halsband an, dann wird das auch reichen.
Na ja, ich sag' mal so. Würde mein Kumpel nicht UNENTWEGT mit Karacho in sein Halsband springen und dabei röcheln wie Darth Vader höchstpersönlich - na klar, dann reichte das. Das ist jetzt ja aber eher nicht der Fall. Ich könnte schwören, eines Tages hat der sich selbst erhängt, allerdings erst, nachdem er ein Schleudertrauma, Knorpeldefekte, chronische Kehlkopfentzündung, Blutungen, Nervenschädigungen, Narben und Verengungen an der Luftröhre und / oder andere äußerst kostengünstige Krankheiten genossen hat - vor allem, wenn man von Welpe an in die Leine prescht und die Menschen - die eine Hundeschule übrigens eher für die Erfindung des Teufels halten - nicht an der Leinenführigkeit arbeiten, es also auch nicht zu erwarten ist, dass die fröhliche In-die-Leine-Springerei bei meinem testosteronbeflügelten Kumpel jemals von alleine aufhören sollte.

Also, ich finde ja konservativ super.
Früher war nämlich auf alle Fälle alles besser. Ohne MacBook, IPod, IPad und IPhone war die Welt doch viel beschaulicher. Oder? Ich frage mich nur, was wollen die Menschen meines Kumpels bloss mit all diesem neumodischen Teufelszeug? : )

Donnerstag, 14. Juni 2012

Die Mär vom autoritären Rudel mit ganz viel Alpha und Dominanz und so : )

Jaja, ich werde gewaltfrei erzogen. Gähn! Kann der auch mal was Neues erzählen...?
Aber passt uff: Jetzt kommen ein paar ganz Schlaue, die bei dem Wort "gewaltfrei" gleich mal den Verdacht der antiautoritären Erziehung äußern! Pfui! Pfui, pfui, pfui!

Da habt ihr aber die Rechnung ohne Fraule gemacht. Für die sind - Skandal! - weder Kinder noch Hunde gleichberechtigte Partner, denen man beim Sich-frei-entfalten zuschauen sollte. Beide sind Schutzbefohlene, auf die aufgepasst werden muss, und zwar gut, weil sie sonst unentwegt Scheiße bauen, der ihnen das ein oder andere Mal durchaus auch zum Nachteil gereichen kann.
Wenn also Menschen so weit gehen und sagen, Hunde sind ihre Partner und sie nicht die Chefs der Hunde, dann ist das bei uns anders. Vielleicht ist das aber auch nur Wortklauberei, denn der Sinn dahinter ist bei beiden möglicherweise der gleiche. Soll heißen: Ich darf mich zwar entfalten und meine Kreativität auspacken, aber nur so lange, wie Fraule das zulässt. Das geht sicherlich weiter, als bei anderen Menschen und ihren Hunden, aber dennoch schränkt sie mich am Ende ein.
Schließlich gibt sie an, wann ich esse, was ich esse und wieviel ich esse, grumpf, wann wir Gassi gehen, wo wir Gassi gehen, ob ich jemals poppen (darf ich nicht), und mit welchen Kumpels ich spielen darf. Also ist sie meine, sagen wir mal, "partnerschaftliche Chefin" und Ressourcenverwalterin, sie hat die Aufgabe, meine Bedürfnisse zu befriedigen, und ich muss spuren, ob ich will oder nicht. Antiautoritär ist das nicht. Und hiervon mal ganz abgesehen, haben wir ja schon gelesen, wo das ganze "Kinder-an-die-Macht"-Gefasel so hinführen kann...
Ich werde also gewaltfrei erzogen. Ich werde belohnt für erwünschtes Verhalten, aber nicht positiv bestraft für unerwünschtes Verhalten. Ich werde nicht geschlagen, bedroht und geängstigt. Und zwar einzig und allein deswegen, weil das auf lange Sicht betrachtet nicht den von uns gewünschten Erfolg bringt - und abgesehen davon anmassend und respektlos ist. Aber dass sich Fraule von mir deshalb auf der Nase herumtanzen lassen würde, das kann ich leider nicht gerade behaupten.

Willi kurz vor der Übernahme
der Weltherrschaft : )
Wenn nun die Dauerzweifler endlich eingesehen haben, dass meine Erziehung eben nicht antiautoritär, sondern einfach nur ohne Gewalt funktioniert, dann wird gleich das nächste schwere Geschütz aufgefahren: Hunde unter sich, im "Rudel", agieren auch nicht gewaltfrei, heißt es dann. Da geht's öfters mal ruppig zu, also spricht doch auch nichts dagegen, wenn der Mensch auch mal ruppig wird. Oder.
Der Mensch spricht übrigens unentwegt vom Rudel. Er glaubt auch, wenn der Hund in der Familie lebt, bildeten sie ein gemischtes Rudel. Wie beim gemischten Doppel.

Die Wahrheit ist, biologisch betrachtet, bilden Mensch und Hund leider niemals ein Rudel. Ein Rudel definiert sich aus Artgenossen und besteht in der freien Wildbahn in der Regel aus den Eltern und unterschiedlich alten Würfen. Und in diesem Rudel geht es zumeist erstaunlich friedvoll zu. Gewalt ist hier gar nicht nötig, weil die Kinder niemals die AUTORITÄT der Eltern anzweifeln werden. Die Eltern bestimmen über die Ressourcen (Futter, Revier, Fortpflanzung), so dass Ressourcenkämpfe nicht nötig sind. Die Energie wird lieber dazu verwendet, Beute zu jagen und zu erlegen. Zoff wäre da nur destruktiv für die Stabilität des Rudels. Die Eltern stellen die Regeln des Zusammenlebens auf und sehen auch zu, dass diese eingehalten werden - was übrigens auch wieder nix mit Dominanz zu tun hat. Denn "Dominanz ist immer beziehungsspezifisch, zeit- und situationsabhängig" (Thomas Riepe aus "Herz, Hirn, Hund"). Heißt, je nach Situation sind die meisten Hunde mal dominant und mal nicht. Der Nachwuchs jedenfalls wird die Regeln der Eltern gewöhnlich nicht ernsthaft anzweifeln.
Und auch die Welpen werden nicht gewalttätig erzogen. Nicht, dass jetzt gleich wieder kommt, aber der Schnauzgriff! der Schnauzgriff! Eine Mutter hat viele Möglichkeiten, ihren frechen Nachwuchs in die Schranken zu weisen, da werdet ihr Gewalt vergeblich suchen. Und selbst, wenn die Mutter ihren Welpen mal anknurrt, die Zähne bleckt, ihn wegschubst oder gar den Schnauzengriff anwendet, ist das nichts, was ein Mensch im Stande wäre zu imitieren - denn er ist ein Mensch und keine Hundemutter!
Wenn die Kiddies dann im Fortpflanzungsalter sind, ziehen sie gewöhnlich irgendwann von dannen. Suchen sich einen Partner und gründen ein neues Rudel. Und solange sich die verschiedenen Rudel nicht "ins Gehege" kommen, leben alle friedlich bis an ihr Lebensende.
Es sollte nun also auch deutlich werden, dass Wolfsgehege, die überall entstehen, damit "der Mensch mal gucken kann, wie ein Wolf in der freien Natur so lebt", alles andere als natürliche Bedingungen wiederspiegeln und somit nicht dazu geeignet sind, auf natürliches Verhalten von Wolfsrudeln rückzuschließen. Wölfe werden zusammengekauft und auf viel zu engem Raum - der mit dem natürlichen Revier nichts gemein hat - zusammengesteckt und als Rudel deklariert. Dass es da zu Auseinandersetzungen kommen kann, weil um Ressourcen gestritten wird, liegt wohl auf der Hand. Und dann wird gleich auch wieder das Märchen vom dominanten Alpha-Wolf - von dem sich der Mensch nur so schwer trennen kann, um eine Rechtfertigung dafür zu haben, selber dieser druffkloppende Alpha-Wolf sein zu dürfen - genug Nahrung erhalten, um sich weiter in den Köpfen zu manifestieren.

Uga uga... Grumpf : )
© Wikipedia
Übrigens: Ich glaube ja, der Mensch, der ja bekanntlich vom Affen abstammt, schmeißt seine eigene Geschichte gerne mal mit der des Hundes durcheinander. Viele Affenarten leben in großen Familien zusammen. Und damit das funktioniert, gibt's eine klare Hierarchie. Da gibt's den körperlich überlegenen Oberaffen, der den Ton angibt und ganz oben aufm Baum sitzt (solange, bis ihn einer runterschmeißt). Und da drunter sitzen die Mütter, die Kinder, Omas, Opas, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen - die ganze Bagage tummelt sich da aufm Affenhügel und muss auf engstem Raume irgendwie miteinander klar kommen. Und gar nicht selten rappelt's im Karton, weil's natürlich nicht so einfach ist, mit der buckligen Verwandtschaft... Es gibt immer Einzelne, die in der Hierarchie nach oben streben und durch Kampf versuchen, auf der Leiter nach oben zu klettern.
Ich glaube, die Menschen wenden das, was sie kennen, eben sehr gerne auf alles an, was ihnen im Leben so begegnet. Aber bitte: Wir sind Hunde, wir sind doch keine Primaten! Bei uns läuft das zivilisierter ab. Bei uns gibt es diese starren Hierarchien nicht. Und wir kämpfen auch nicht um die Führung im Rudel. Wir kennen unseren Platz. Also verwechselt uns nicht dauernd mit diesem marzialischen Barbar, der sich Mensch schimpft : )

Dienstag, 12. Juni 2012

Eine unfaire Bestrafung <: [

Heute morgen auf meiner Kackwiese:
Ich an der Leine, pöbel' einen ausgesprochen brav an mir vorbeiziehenden Hund an. Der ging auf seiner Seite ganz ruhig an mir vorbei und hat maximal nur mal kurz zu mir rüber geschaut.

Ich meine, dass bei mir heute morgen alles schief lief und ich mich so gepflegt daneben benommen habe, darüber brauchen wir hier gar nicht zu diskutieren. Halsband statt Geschirr (Abbruchsignal über deeskalierenden Geschirrgriff also nicht möglich), keine Leckerlis oder sonstige Ablenkung dabei, kein Klicker und ein voll müdes und unmotiviertes Fraule am anderen Ende der Leine - klar find' ich da alle Hunde spannender. Und wenn ich an der Leine bin und nicht zum Kumpel darf, dann versuche ich mir halt mein Recht zu erkämpfen. Das ist absolut nichts Neues und in unserem Hause durchaus bekannt.
Aber Fraule reagiert in diesen Situationen mittlerweile absolut stoisch. Sie weiß ja, wie sie es hätte verhindern können und dass sie geschlampert hat. Und so sitzt sie statt dessen meine Pöbelei aus und wartet den Anfall ab, aber natürlich auch nicht ohne zumindest beruhigend auf mich einzuwirken. Sobald ich mich ihr dann wieder zuwende, lobt sie mich mit großem Enthusiasmus und wir setzen unseren Weg fort.
Das mögen jetzt sicherlich einige höchst verwunderlich finden. Auch noch loben für ungebührliches Benehmen? Nein. Nicht fürs ungebührliche Benehmen, aber eindeutig fürs Umorientieren. Und im Vergleich zu früher rege ich mich heute viel weniger oft auf und schneller wieder ab...

Ganz anders, als bei dem Hund heute, der so brav an uns vorbei ging.
Als er nämlich schon an mir vorüber war, wollte er dann doch noch mal kurz Hallo sagen und drehte sich, fast schon ein wenig schüchtern, in meine Richtung. Die Reaktion seines Fraules kam unmittelbar: Sie briet ihm sofort einen mit der Leine über. Und hatte Erfolg damit. Der Hund drehte unverzüglich wieder ab und setzte seinen Weg, ein wenig geduckt und mit der Rute nach unten, weiter fort.

Toller Erfolg, oder? Und ich? Loser!

Ja. So könnte man das durchaus sehen.
Oder auch nicht.

Warum wird dieser Hund, der die ganze Zeit brav an der Seite seines Fraules spaziert, nicht über alle Maßen für dieses offensichtlich erwünschte und schwierig abzuverlangende Verhalten gelobt (was ihn vielleicht ja so stark motiviert hätte, sich später gar nicht mehr in meine Richtung zurückzudrehen...)?
Warum wird der Hund überhaupt dafür bestraft, einen Artgenossen begrüßen zu wollen? Und das sogar noch ohne zu pöbeln. Und zugegebenermaßen hab' ich's ihm ja nun auch nicht gerade leicht gemacht...

Ich weiß nicht.
Ihr Menschen seid immer so schnell dabei zu strafen, die Schuld zu suchen und Schuldige zu finden. Die positiven Dinge jedoch nehmt ihr dafür gerne als selbstverständlich hin.
Dieser Hund hat nichts getan, was zu bestrafen gewesen wäre. Im Gegenteil. Er hat natürliches und maßvolles Verhalten gezeigt und wollte schlicht mit mir kommunizieren. Und dafür bekam er einen aufn Kopp.
Das ist doch echt nicht fair! >: [

Montag, 11. Juni 2012

Das schlaue Bäuerlein : )

Herrle und Fraule "diskutieren" manchmal über meine Erziehung. Während Fraule, wie ihr ja mittlerweile wisst, überzeugte Anhängerin nicht aversiver Erziehungsmaßnahmen ist und weiß, dass Gut Ding Weile, Konsequenz und Ausdauer haben will, vertritt Herrle in Situationen, in denen ich ihm ein bisschen peinlich bin, in seiner Verzweiflung gerne mal Ansichten aus dem letzten Jahrhundert.
Nicht, dass er mich je hauen oder Klapperbüchsen auf mich schmeißen würde - das würde er nie tun, denn selbst er erkennt, dass man mit Angsterzeugen bei keinem Lebewesen weit kommt. Aber er ist eben pädagogisch betrachtet nicht umsonst nicht Lehrer geworden und ist in seiner Unwissenheit überzeugt davon, dass ich mit ein wenig mehr Nachdruck und weniger "Wattebäuschchenschmeißerei" bestimmte Unarten sicherlich längst abgelegt hätte.
Wenn die Diskussion dann an einem bestimmten Punkt endlich in die Sackgasse abbiegt, kommt kurz vor knapp noch ein letztes verzweifeltes Aufbäumen gegen die Chancenlosigkeit mit dem guten alten Beispiel vom Bauern:
 
"Glaubst du, ein Bauer würde je so ein Geschisse mit seinen Tieren machen? Da rennt der Hofhund rum und passt auf den Hof auf. Das ist seine Aufgabe. Und wenn der nicht spurt, dann rappelt's im Karton. Glaubst du, ein Bauer hätte jemals schon mal was über positive Verstärkung gehört oder je ein Hundebuch zur Hand genommen? Was meinst du wohl, was der zu einem Klicker sagen würde?"

Ein Herz für Dani ♥ 
und die Bauern ♥  : )
 
So. Mal ganz egal, was man darauf alles erwidern könnte - und da gäbe es natürlich eine ganze Menge - kam mir diese Anekdote überhaupt nur in den Kopf, weil ich neulich bei meiner lieben Freundin Dani ♥ auf Facebook den folgenden weltumstürzlerischen Eintrag mit großer Genugtuung und einem Schmunzeln entdeckte:

"Mein Nachbar (ein alter Bauer) heute morgen zu mir:
"Aah, der Hund wird belohnt,
wenn er die Kühe brav anschaut.
Das ist clever!"
Ich hab mich so gefreut :-)"

Fazit: Der schlaue Bauer sucht nicht nur Frau und hatte als erster Photovoltaik aufm Scheunendach, sondern ist auch sonst im 21. Jahrhundert weiter vorgedrungen als man möglicherweise vermuten würde... : )

Freitag, 8. Juni 2012

Hall of Willi: Welcome die Fünf von der HuSchu und olle Supergerdi : )

Mal wieder höchste Zeit für eine kleine Generalüberholung meiner "Hall of Willi" und den Einzug gleich zweier Neuzugänge:
Zum einen begrüße ich die Fünf von der HuSchu und zum anderen den bereits allseits bekannten.... Supergerdi! Alle sechs haben mein Leben mittlerweile nun so arg geprägt, dass es natürlich einem sträflichen Versäumnis gleich kommt, diese noch nicht gebührend gewürdigt zu haben. Aber nun seht selbst, make du klicke hier... : )



Donnerstag, 7. Juni 2012

Ende gut, alles gut : )

So. Ich hab's ja in Facebook schon verkündet. Das Pflaster ist endlich runter vom Ohr und das Ohr ist auch noch dran.
Fraule hat mit allen Mitteln der Kunst das Ding aufgeweicht und dann innerhalb von zwei Tagen Stückchen für Stückchen Teile davon abgeschnitten, weil ich natürlich immer noch ein wenig paranoid bin, was mein Ohr angeht und sie nur wenige Sekunden ran lasse. Ich geb's ja zu, ein Held ist was anderes...
Wasser, Sterilisationsspray, Öl - es gibt nix, was sie nicht auf mein Ohr gepappt hätte. Aber: Es wirkt! Und irgendwann kam der letzte Rest dann sogar ganz von selber runter.
Und ich betone: Ich bin kein Mal in den Keller gerannt! Nur fürs Protokoll....
Das Ohr sieht jetzt natürlich noch ein bisschen aus, wie durch den Wolf gedreht und riecht auch etwas ranzig. Es sollte nun wirklich mal gewaschen werden. Aber das hat Zeit. Das kommt später... : )

Dienstag, 5. Juni 2012

Sado-Maso-Spiele >: []

Mittlerweile weiß ja sogar ich in meinem zarten Alter von nicht mal zwei Jahren, dass Menschen auf die ungewöhnlichsten Dinge abfahren, gerade auch, wenn es um ihr höchst sonderbares Paarungsverhalten geht, bei dem ein Partner manchmal ganz schön viel aushalten können muss. Habe ich doch erst heute im Radio gehört, dass einer den Partner erschlagen hat, um ihn dann zu zerteilen, ein bisschen aufzuessen und Teile vom Rest mit der Post durch die Weltgeschichte zu versenden.
Also, das kann ich ja gut nachvollziehen. Würde ich nicht immer so gut gefüttert werden, würde ich sicher auch die ein oder andere Katze erledigen und wegputzen - aber mit der Post verschicken? Und vor allem, an wen? Und würde ich deswegen gleich auch wuschich werden? Also, Freunde der Perversitäten, ich schätze, nee.
Bei uns Hunden geht das mit dem Sex ganz einfach. Läufige Hündin sichten, anschnuppern, druff, zack - fertig. Ganz easy, und ganz ohne Hilfsmittel. So was haben wir gar nicht nötig. Die Else wird so gut riechen, davon wird jeder Rüde ganz von selber scharf wie Nachbars Lumpi!
Aber zurück zu den Menschen.
Wenn die sich bei der Paarung gegenseitig verhauen, verbrennen, einquetschen und aufspießen - na, wegen mir! Wenn's schee macht...

Aber, hallo! Und jetzt hört der Spaß echt auf! Habe ich doch in Facebook einen Online-Laden entdeckt, der sich clevererweise "Hundesportprofi" nennt, in Wirklichkeit aber nichts anderes ist, als ein sado-masochistisches Gruselkabinett für perverse Hunde. Und auch das wäre ja noch in Ordnung, würde der Laden auch tatsächlich den Bedarf des Hundes decken. Aber, und jetzt kommt der Clue: Es GIBT GAR KEINE perversen Hunde! Ich bin mir sicher! Oder kennt ihr einen, der von Stachelhalsbändern und Dr. H. Raisers Fährtengeschirren geil würde? Na, den möchte ich mal kennenlernen...

Ich frage mich also ernsthaft: Welcher Hund kauft dort ein? Oder kauft dort womöglich gar kein Hund ein?
Kaufen da vielleicht vielmehr perverse Menschen ein, die in ihren eigenen Sado/Maso-Läden nicht mehr das Richtige finden und nach einem neuen Kick suchen? Na dann, frohe Suche und viel Spaß!
Oder ist es möglicherweise etwa so, dass dort ziemlich wahrscheinlich solche Menschen einkaufen, denen womöglich voll einer abgeht, wenn sie diesen Scheiß nämlich ihrem Hund anziehen und dann zusehen, wie der sich vor Schmerz windet?
Ich habe gelernt: In der Menschenwelt gibt es wahrlich nichts, was es nicht gibt... Also schätze ich, so muss es wohl sein...
Und weil das so ist, gibt es wohl auch in der Hundewelt nichts, was es nicht gibt. Nur, dass wir Hunde dabei leider kein Mitspracherecht haben. Sonst wär' nämlich ganz schnell Schluss mit Sado/Maso, bzw. würde sich das Geschäft einzig auf die Menschenwelt beschränken - tolerant wie wir sind! : []