Sonntag, 15. Dezember 2013

Trost oder nicht Trost - das ist hier nicht die Frage! : )

Ich habe ja nix gegen Leute, die fragen, ob sie ihren Hund Silvester bei Angst ignorieren sollten. Im Gegenteil: Die fragen nämlich nicht, weil sie selber auf solche bescheuerten Ideen kommen würden, sondern deshalb, weil ihnen ein solcher Verrat am eigenen Hund vom Superspezialisten empfohlen wird, ihnen damit eigentlich aber total unwohl ist. Gut, dass die sich noch von ihrem Bauchgefühl lenken lassen, und nicht von irgendeiner Vollwurscht, auf der vielleicht "Experte" drauf steht, aber nur heiße Luft drin ist.

Also ganz kurz: Ein Trainer oder "Hundeexperte" oder auch Tierarzt, der einem besorgten Hundehalter rät, seinen Hund bei Angst zu ignorieren und ihn bloss nicht zu trösten, weil es dem Hund sonst bestätigen würde, dass seine Angst berechtigt sei oder irgend ein ähnlicher Blödsinn, der ist vergleichbar mit dem Gebärdensprachler, der bei der Nelson-Mandela-Trauerfeier vor ein paar Tagen aufgrund schizophrener Anfälle nur Nonsens übersetzt hat und alle Gehörlosen dieser Welt verwirrte. Nur, dass dieser arme Kerl vor lauter Scham sein Haus nicht mehr verlassen kann, während unser "Hundeexperte" zwar vielleicht auch schizophren ist und deshalb keinen Schimmer vom Thema Angst hat, ihrer Entstehung im Gehirn, was sie dort treibt und was mit ihr passiert, wenn man sie ignoriert oder im Gegenteil, dem Hund Trost anbietet, aber trotzdem noch gute Chancen hat, eine eigene Fernsehsendung zu ergattern.

Also, liebe Hundeliebenden! Hört nicht auf die Stimmen! Ihr DÜRFT eure Hunde trösten, wenn sie zu euch kommen und euren Schutz suchen! Ihr SOLLTET sogar! BITTE! Schickt sie nicht weg, ignoriert sie nicht, traut eurem Gefühl und Herzen. Und das nicht nur zu Silvester...

Körperkontakt und Nähe - ohne ihn körpersprachlich aus Versehen zu bedrohen! - helfen dem ängstlichen Hund besser durch die Situation zu kommen, als ihn in seinem Elend allein zu lassen.

TROST VERSTÄRKT ANGST NICHT!!!

Es sei denn, ihr stellt euch dabei dubbelig an: Über den Hund beugen, ihn anstarren, selber Schiss haben, ein ängstliches Gesicht machen und solche Scherze - ihr wisst, was ich meine...

Die Angst wird durch Trösten vielleicht nicht besser werden oder gar verschwinden, aber sie wird erträglicher. Keinesfalls aber schlimmer! Das wäre verhaltensbiologisch betrachtet nämlich ziemlich unlogisch, dann wäre Trost, den man in der Biologie auch "Social Support" nennt und den es unter vielen Tieren, die in sozialen Gruppen leben, und bekanntermassen ja auch unter Menschen gibt - oder habt ihr geglaubt, ihr Menschen habt darauf den Alleinvertretungsanspruch? - evolutionstechnisch lange ausgestorben.
Nein, Trösten hat eine wichtige Funktion: Sie hilft Individuen die Angst in den Griff zu bekommen: Durch Trösten sinkt der Blutdruck, die Herzfrequenz wird langsamer und der Hormonspiegel des Stresshormons Kortisol geht nach unten. Der Körper kann beginnen, sich zu entspannen, der Angst wird ihr Nährboden entzogen.

Ignoriert ihr hingegen euren Hund und seine Angst und Panik, wird er einer Situation ausgesetzt, für die er selber keine Lösung finden kann, denn egal, was er versuchen wird, er kann dem Angstauslöser nicht entfliehen. Diese Auswegslosigkeit plus sein unzuverlässiger Mensch, der ihm die "soziale Unterstützung" zur Bewältigung dieser irrationalen Emotion verweigert, kann dazu führen, dass alles nur noch viel schlimmer wird: Demnächst reicht ein Schuss, ein Knall, eine Tür fällt zu, irgendein Geräusch mitten im Jahr, das ähnlich ist, oder sogar Geräusche, die nicht mal mehr so ähnlich und auch viel leiser sein können und vorher nie Angst ausgelöst haben - und zack! plötzlich reagiert der Hund auch hierauf.
Es kann passieren, dass er mit jedem Jahr immer früher und früher nervös und ängstlich wird, weil er immer mehr Reize, die regelmässig vor Silvester auftreten (wie Festvorbereitungen, Böller, die im Haus lagern (und riechen), Übernachtungsgäste, das Fonduegerät, das einmal im Jahr rausgekramt wird, oder sogar die Weihnachtstage mit allem Drumherum, die nunmal regelmässig Silvester ankündigen), mit diesem angstauslösenden Ereignis verknüpft.
Wollt ihr das?

Würdet ihr eure Kinder bei Angst und Panik auch ins Zimmer sperren und feiern gehen? Na klar, oder? Denen kann man ja schließlich noch ganz rational erklären, dass kein Grund zur Angst besteht. Was? Nicht? Ihr würdet sie in den Arm nehmen und trösten, weil sie sich dann besser fühlen???
Interessant...

Sucht euch 'nen neuen Hundetrainer. Dringend! : )


Mehr Infos zum Thema gibt's hier auf Nicole Dumkes Blog.

Oder hier ein ausführlicher Artikel von Heike Benzing mit vielen Infos und Tipps zum Thema Silvester-Prophylaxe auf der Seite von Easy Dogs.

Freitag, 29. November 2013

Qualtiät beim Dogs Magazin - ein seltener Gast : )

Das "Dogs Magazin", Deutschlands größtes und wohl bekanntestes Hundemagazin, steht ja nun für eine, nun, sagen wir mal, etwas einseitige Hundeexperten- und Trainerauswahl, die dort regelmäßig zu Wort kommen darf, so dass man ob der Auftrittshäufigkeit mancher Autoren auch geneigt sein könnte zu denken, dass die da irgendwie alle miteinander ins Bett springen...

Wären wir in der Politik, könnte man behaupten, das konservativ angestaubte Magazin, das seinen etwas miefigen Modergeruch gerne mit scheinbar zeitgeistigen Themen versucht zu übertünchen, stünde im besten Falle irgendwo in der politischen Mitte, allerdings mit eindeutiger Tendenz nach rechts bis - im schlimmsten Falle - ziemlich rechts:
Hallenfüllende Rappeldosen-Kabarettisten, Blechnapfschwinger, konditionierungsfreie Kommunikationssängerinnen, würgende und funkensprühende Brutaloimporte aus Mexiko und sogar ahnunglose Belletristikautoren, die ihre dauerhaft erfolgslosen Erziehungsversuche am eigenen Hund in Krause-Büchern und -Lesungen vermarkten werden hofiert und gepämpert und dürfen unreflektiert ihr populistisches, wissenschaftlich-erkenntnissfreies, selbsterfundenes Dumpfbackengeschwafel in den Orbit der Hunde-Community blasen und Ottonormalhundehalter mit 100 Jahre alten Grimms Märchen in Angst und Schrecken versetzen, wie vorzugsweise der spannenden Geschichte, in der sich Hunde ohne starke Rudelführer vor der Nase ungebremst zur Weltherrschaft aufschwingen.

"Experten", die gerne die "harte Hand" propagieren und diese dann verharmlosend als "Kommunikation statt Konditionierung" oder "Führung durch Persönlichkeit" und ähnlichem sinnentleerten Blabla titulieren, warten mit Ratschlägen auf, die normalerweise sofort jeden Normaldenkenden die Beine in die Hand nehmen lassen sollten. Gefährliche und unethische Methoden werden zur Nachahmung freigegeben, so dass weitere missverstandene Hundegenerationen charakterlich versaut werden und einer zweifelhaften Zukunft entgegen blicken dürfen, die für viele nicht selten im dauerhaften Tierheimaufenthalt endet, weil der Hund vor lauter Verhaltensproblemen nicht mehr händelbar oder gar zur unberechenbaren Waffe geworden ist.

Für mich alles Gründe, mein mühsam erspartes Taschengeld lieber in Würstchen zu investieren, als auch nur in eine einzige Seite dieses bescheidenen Hochglanzwurstblattes. Und offen gestanden glaube ich auch nicht, dass sich das so schnell ändern wird, auch wenn doch jetzt mal ein kleines Lichtlein am Firmament aufgetaucht ist:

Die Dogs hat es nämlich tatsächlich gewagt - was selten genug vorkommt -, eine Trainerin zu Wort kommen zu lassen, die den Titel "Expertin" wahrlich verdient hat und die jedem einzelnen dieser bildungsfreien Autodidakten das Würstchen vom Brot wegargumentieren könnte, weil sie eine von ganz wenigen ist, die dort gehört werden, deren Wissen nicht auf Glaube, Wunschdenken oder esotherisch angehauchten, albernen Energieausdünstungen basiert, sondern auf millionenfach bewiesenen und nie widerlegten wissenschaftlichen Theorien aus verschiedenen Bereichen wie der Verhaltensforschung, Lerntheorie und Neurobiologie.
Ute Blaschke-Berthold, Doktor der Biologie mit Schwerpunkt Verhaltens- und Neurobiologie, leidenschaftliche Hundetrainerin, Verhaltenstherapeutin und Begründerin von CumCane, hat sich einem Interview zur Verfügung gestellt, in dem sie ihre äußerst erfolgreiche Arbeit vorstellt, die auf gewaltfreiem Hundetraining basiert, das die Bedürfnisse des Hundes berücksichtigt und den Verstand und das Auge des Menschen schult, diese zu erkennen, um sie dann im erzieherischen Sinne einsetzen zu können.

Das Interview könnt ihr hier nachlesen.

Möglicherweise kann man das Interview in der Dogs als einen wegweisenden Vorstoß in eine neue Richtung verstehen. Es wäre schön, wenn's so wäre. Ich persönlich bin da allerdings skeptisch. Die Seilschaften zwischen Verlag und Deutschlands führenden Hunde"experten" scheinen fest verankert, wie man in der Vergangenheit ja selbst bei skandalösen Blechnapfaffären feststellen konnte.
Und nicht zu vergessen: Sex sells, aber Gewalt auch. Und solange das so ist, werden es unspektakuläre Erziehungsmethoden schwer haben, als ausschließlicher Erziehungsstandard in Magazinen wie der Dogs Einzug zu halten - auch wenn es tunlichst so sein sollte, wenn man mit der Zeit gehen und Verstand walten lassen möchte!

Hoffen wir also, dass Utes wertvoller Beitrag keine Alibifunktion hat. So nach dem Motto: "Gugge, wir sind total neutral, wir sind offen, selbst für die unheimlich Langweiligen da auf der anderen Seite des Andreasgrabens. Aber die nächsten Male dürfen wir dafür wieder bisschen fett Umsatz mit dem charismatischen kleinen Mexikaner oder anderen übel riechenden Würstchen machen, oder?"
Das wäre in der Tat ungemein schade, kann das Dogs Magazin doch ähnlich wie die Bild-Zeitung viele Menschen erreichen und Meinungen bilden und sollte sich dieser Verantwortung auch stellen.
Aber ein ganz kleines bisschen fürchte ich doch, so wird es kommen, grumpf! >: )

Dienstag, 26. November 2013

Willis Selbstreflexion: Mir geht's gut! : )

Jawohl, mir geht's gut! : )
Zeit für einen kleinen persönlichen Zwischenbericht:

Mir geht's gut! Na gut, mal abgesehen davon, dass ich heute mächtig Durchfall habe und kotzen musste. Ich schätze, die olle Wurscht im Kong war schlecht, die war schon etwas schmierig, örks. Aber der Rest, der passt.

Spaziergänge machen wieder richtig Spaß. Seit vielen Monaten gab's keine Ausfälle mehr. Ich kann an Menschen auf dem Bürgersteig vorbeigehen und kreischende Kinder an mir vorbeiziehen lassen, ohne dass sie mich in Angst und Anfälle versetzen. Mein Alternativverhalten, das bis zum Erbrechen - scheinbar im wahrsten Sinne des Wortes - mit mir geübt wurde, lautet: Seitenwechsel und ab und an kurz Fraule anglotzen oder wahlweise Sitzen. Ich darf den Feind natürlich anschauen. Aber so wie früher brauche ich das interessanterweise gar nicht mehr. Ich nehme ihn kurz zur Kenntnis. Aber fixiere ihn nicht mehr schon ab einer Entfernung, wo erst der Hut am Horizont auftaucht. Die Belohnung für mein vorbildliches Benehmen ist natürlich bedürfnisorientiert. Als das wäre, dem Feind im Nachgang mal kurz an die Hose gehen. Spaaaaß!

Mittlerweile ist eine feste Verhaltenskette entstanden: Feind kommt, ich glotze kurz, ich wechsel in den meisten Fällen unaufgefordert die Seite (früher auf Signal), wir gehen aneinander vorbei und erst danach schaue ich ebenso unaufgefordert (früher auch auf Signal) zu Fraule hoch, gemäß dem Motto: Los, wo bleibt meine Belohnung, ich war toll!
Die Stänkerer unter euch sagen jetzt sicher, na super, der guckt doch nur hoch, damit er was abstauben kann. Bingo! Genau so soll es sein! Was zunächst als Bewältigungsstrategie und sowohl Verhaltensabbruch als auch -aufbau begann, ist heute eine Interaktion mit Fraule. Die Motivation für mein Verhalten hat sich grundlegend geändert: Ich schaue nicht mehr angstmotiviert, sondern in der Tat, um dafür belohnt zu werden. Was will man mehr?

Toll ist, dass Fraule mir jetzt viel mehr vertraut und sich dadurch selber viel mehr zutraut. Das wiederum bewirkt, dass wir viel positiver gestimmt losmarschieren. Das mulmige Gefühl "Was macht der Dödel jetzt als nächstes für einen Mist?" ist einem rundum guten Gefühl gewichen.

Klar liegt's natürlich auch daran, zu erkennen, wie meine Tagesform aussieht, wie hoch der Stresslevel ist. Und der ist zurzeit wirklich niedrig, hatte ja berichtet, ihr erinnert euch. Und wir wissen auch, dass alte Verhaltensformen nie ganz gelöscht werden und vor allem eben in stressigen Situationen wieder durchbrechen können. Und dass ich schnell gestresst bin, hach ja, das wissen wir nun auch hinlänglich. Aber nur schon das zu wissen, ist doch die halbe Miete, oder?

Wir schaffen das!

Schließlich bin ich ja nicht umsonst der Killerrüde, nüsch wohr nüsch? : )

Mittwoch, 6. November 2013

Volkssport Giftköder auslegen? >: []

Giftköderalarm! Überall, man hört und liest es fast täglich. Es ist mittlerweile so normal geworden, dass es anscheinend immer mehr Menschen gibt, die vergiftete oder tödliche Fleischstücke auslegen, dass man sich kaum noch darüber aufregt.

Aber Moment mal! Sollten wir da nicht mal genauer hinsehen? Was genau sind das eigentlich für Typen, die so etwas tun?
Ehrlich, wenn ich mich auch noch so anstrenge, mir fällt da kein einziges Klischee ein, auf das der typische Giftköderausleger passen würde. So wie zum Beispiel der alte, verbitterte, einsame Opa, der nichts und niemanden hat auf der Welt, der unauffällig in dieser Gesellschaft lebt, nie aufgemuckt hat, der seine Usambarafeilchen hegt und pflegt und seinen Kanarienvogel liebt, und der jetzt plötzlich den gesamten Frust seines erfolglosen Loserdaseins mit dem Verteilen von Giftködern kompensiert? Nee, ich weiß nicht... 

Was also sind das für Menschen, die so etwas tun?
Sind es eher ältere oder jüngere? Männer oder Frauen? Sind die alleinstehend? Einsam? Oder haben die Familie, Kinder womöglich? Gehen die rechtschaffen sonntags in die Kirche und legen nach dem Gang zum Altar auf ihrem Sonntagsspaziergang mal ein paar mit Rasierklingen und Nägeln gespickte Fleischstücke aus? Oder sind die nur nachts unterwegs? Kommen diese Leute aus der Mittelschicht? Haben die Geld oder keines?

Und woher kommt dieser mordsmäßige Hass, der ja Antrieb genug zu sein scheint, sich im Laden mit dem nötigen Zeug zu versorgen, um seine Giftköder zu basteln, in der Hoffnung, damit dann möglichst viele Tiere zu erwischen, die dann elendig unter Schmerzen zugrunde gehen?
Und das ist ja nicht alles an Aufwand: Ich muss das Zeug ja auch noch verteilen, vielleicht mit dem Auto irgendwo hinfahren, wo mich keiner kennt, oder nachts heimlich durch die Gegend schleichen - immer der Gefahr ausgesetzt, dabei beobachtet und erwischt zu werden!

Ist es wirklich nur, weil der Nachbarshund dauernd in den Vorgarten pinkelt? Weil so viel Kackhaufen rumliegen? Weil man als Kind mal gebissen wurde?

Das ist jedenfalls nichts Spontanes, das ist vorsätzlich! Dahinter steckt eine enorme kriminelle Energie!
Muss man als Mensch auch vor so einem Menschen Angst haben, wenn man dem aus Versehen mal dumm kommt?

Fragen über Fragen!

Ich verstehe natürlich, dass es auf dieser Welt nichts gibt, was es nicht gibt. Und dass man nicht alles verstehen oder erklären kann. Es gibt eben kranke Geister, deren Gemüt sie die seltsamsten und abnormsten Dinge tun lässt. Und so gibt es natürlich auch Leute, denen es Genugtuung verschafft, andere Lebewesen zu quälen und zu töten.

Was ich nur nicht verstehe: Warum werden es scheinbar immer mehr? Ist das jetzt so 'ne Art Mode geworden? Eine Plattform für fantasielose Trittbrettfahrer? Ein Sport? "Ach, heute geh' ich mal wieder ein paar Hunde elendig zugrunde richten..."?

Ich sag' es mal mit Gernod Hassknecht aus der "heute"-Show:

ZUGRUNDE RICHTEN??? JA, HABT IHR DENN DEN ARSCH AUF, IHR MIESEN, HEIMTÜCKISCHEN, FEIGEN PENNER, IHR!?
WENN ICH JEMALS AUCH NUR EINEN VON EUCH TYPEN DABEI ERWISCHE, DANN STOPF ICH EUCH EURE RASIERKLINGEN INS MAUL, EGAL, OB IHR JUNG ODER ALT, MÄNNLICH ODER WEIBLICH, GESTÖRT ODER NICHT SEID! HABT IHR DAS KAPIERT??? DANN MACHE ICH AUS EUCH HACKFLEISCH, IHR KRANKEN SPACK...


   ... >: []

Freitag, 25. Oktober 2013

Meiner kommt auch ohne Belohnung... : )

Jetzt abrufbar?
Das kommt natürlich voll auf die Bindung an... ; )
Herrlisch, herrlisch, immer wieder herrlisch!
Spricht man über Belohnung, fällt den meisten natürlich sofort "Leckerli" ein. Schade, diese Einfallslosigkeit, aber heute mal egal - über das Thema "Richtig belohnen" hatte ich mich ja schon ausgelassen, ihr erinnert euch.

Jedenfalls... Leckerli... und schon sind wir mitten in einer fröhlichen Diskussion. Lässt man jetzt mal dieses leidige Debattieren darüber, ob man nun mit Leckerlis belohnen sollte oder nicht, außer Acht, dann wird es so richtig spannend, wenn in diesem Zuge dann sowas kommt wie, "mein Hund kommt auch ohne Leckerlis zurück. Der braucht keine Belohnung."

Und sowas kommt, Freunde der kühnen Worte! Und zwar immer! Darauf könnt ihr wetten! : )

Was in dieser stolzen Behauptung deutlich mitschwingt, ist ja eigentlich so 'ne Art überhebliches Mitleid: "Hach, ihr armen Idioten, die ihr eure Hunde mit Leckerlis dazu bringen müsst, zu euch zurückzukommen. Habt ihr wohl keine so gute Bindung zu eurem Hund, nicht? Och!"

Grumpf. Jaja, die Bindung... Eine der menschlichen Eitelkeit schmeichelnden, relativ selbstgefälligen Erklärung für erwünschtes Verhalten des Hundes: "Ich muss gar nichts tun, meinen Hund interessiert einfach nichts so sehr wie mich..."

Hört sich toll an, die Wahrheit aber ist leider sehr viel nüchterner.
Glaubt ihr wirklich, euer Hund kommt zurück, weil ihr Seelenverwandte seid und der Hund wegen eurer "Bindung" - was immer das sein mag - lieber bei euch ist, völlig scheißwurscht, ob da gerade eine Herde Gnus an seiner Nase vorbeispringt, sich siebenundfünzig Karnickel in Riechweite auf der Wiese verlustieren, die Hundekumpels herumtollen oder ein Reh zwischen zwei Bäumen hervorlugt und "fang mich" ruft?
Na logo, allein, weil euer Hundi euch so unendlich liebt, wird er ganz von sich aus bei euch bleiben oder gleich zurückkommen, sobald ihr ihn ruft.
Hihi, jaja...

Anhand der Beispiele müsstet ihr eigentlich etwas merken:
Es geht immer um Motivation! Es geht immer um Bedürfnisbefriedigung. Und es geht immer darum, ob ein Umweltreiz stärker ist, als der Mensch. Hört sich nicht charmant an, ist aber so.
Wenn der Hund zu euch zurückkommt, dann weil dies für ihn bedürfnisbefriedigender, lohnender ist, als zum Beispiel weiter mit den Hunden auf der Wiese zu toben. Immer! Völlig egal, ob ihr aktiv etwas tut oder nur blöd rumsteht und Persönlichkeit ausstrahlt. Er kann viele Gründe dafür haben:
  • Vielleicht kommt er also tatsächlich zurück, weil er dafür ein Leckerli bekommt, und ihn das gerade mehr anmacht, als die anderen Hunde auf der Wiese.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er weiß, dass er ansonsten bestraft wird.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er weiß, dass er als Belohnung danach nochmal spielen gehen darf.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er Angst hat, dass sein Mensch sonst einfach ohne ihn weitergeht. Weil er diese Art der Strafe nämlich schon mal erfahren hat und er sich noch genau an das Gefühl der Trennungsangst erinnern kann.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er Schutz sucht, weil ihm das Spiel zu wild wurde und er darauf einfach keine Lust hat.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil ihm jetzt die Distanz zu den anderen Hunden verlockender erscheint als ihre Nähe.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er auf das Rückrufsignal positiv konditioniert wurde und er fast keine andere Wahl hat, als zu reagieren. 
Ihr seht, es gibt wirklich viele Motivationen fürs Zurückkommen - ebenso, wie es viele fürs Nichtzurückkommen gibt -, weil es viele Arten von Konsequenzen (Belohnungen und Strafen) gibt - weit über die Gabe oder Nichtgabe von Leckerlis und über Bindung hinaus!
Sicher ist, jeder einzelne davon entspringt immer einem bestimmten Bedürfnis des Hundes, das vollkommen orts-, zeit- und situationsabhängig ist.
Ein Hund - und es tut mir echt leid, euch da enttäuschen zu müssen - kommt nicht zurück, weil ihr so viel "Energy" ausdünstet oder eure "Bindung so stark" ist. Denn glaubt mir, sobald ein anderer Reiz stärker ist, habt ihr (zunächst) mal keine Schnitte mehr. Es sei denn, ihr verfügt über die entsprechenden Trainingswerkzeuge, um dem konkurrierenden Reiz seinen Rang abzulaufen.

Wegen mir könnt ihr natürlich auch an Luft, Liebe und Bindung glauben. Aber ich denke, speziell in den Fällen, wo es dann doch mal nicht klappt mit der "Personality", hilft es ja durchaus weiter, zu wissen, was wirklich dahinter steckt, um handlungsfähig zu bleiben, statt sich hilflos über das "bindungslose" Verhalten des Hundes zu wundern.

Wer das jetzt immer noch nicht nachvollziehen kann, stelle sich einfach Folgendes vor:
Ihr habt ein Kind. Das liebt euch, ihr liebt es, eure Bindung ist ganz ganz toll.
Jetzt geht ihr mit diesem Kind zu Toys"R"Us oder auf eine Geburtstagsparty, wo es all seine Lieblingskumpels trifft. Euer Kind wird natürlich die ganze Zeit über bei euch an der Hand bleiben. Nämlich, weil eure Bindung fesselnder ist, als jede Ritterburg oder jeder Kumpel, der mit dem neuesten Spiel für die Wii lockt und ruft: "Spiel mit mir!"

Hehe, jaja, träumt weiter... : )

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Sind wir wirklich immer positiv? : )

Impulskontrolle beim Mensch
geht manchmal auch mächtig in die Hose : )
Hehe, weil ich's gerade in meinem Lieblingsforum "Trainieren-statt-Dominieren" auf FB gelesen habe...

Da stellt eine Hundebesitzerin die ketzerische Frage, ob die Positiven im Alltag denn auch alle wirklich immerzu so positiv schaffen würden wie es das Lehrbuch vorschreibt. So nach dem Motto, irgendwann geht einem die Bettelei des nervtötenden Köters so dermassen mächtig auf den Sack, dass mensch nicht umhin kann, seinen Unwillen durch deutlich aversive Worte zum Ausdruck zu bringen...


Hach jaajaaaaa...

Was ein Zufall, ich muss es erzählen:
Genau gestern wurde ich höchst uncharmant und alles andere als positiv verstärkend bemotzt, nur, weil ich es gewagt hatte, aufs Parkett und - viel schlimmer - auf den Teppich zu kotzen. So nach dem Motto: Wenn du schon kotzt, kannst du dich dann nicht wenigstens nur aufs Parkett konzentrieren, heilandsackzement, du blöder Hund du!?

INFAM! Ich frage euch: Was kann ICH dafür, wenn ich kotzen muss? Was kann ich dafür, wenn mich bisher noch keiner dahin geshaped hat, in solchen Momenten zum Klo zu rennen, den Deckel aufzuklappen und fein säuberlich da reinzureihern?! Eine bodenlose Frechheit! Und dann immer von Alternativverhalten labern!

Nun ja, sehr unschön, aber eines muss ich zur Vervollständigung der Faktengrundlage dann doch noch anfügen:

Fraule war tatsächlich wirklich in dieser Sekunde fertig mit dem Hausputz. Eine Tätigkeit, die ihr schon mal per se den Tag versaut und die gute Laune verhagelt.
Sie hatte in der Tat 5 Stunden lang schwitzenderweise nix anderes gemacht als zu wischen, zu saugen, zu feudeln, zu waschen, aufzuräumen, Wäsche zusamenzulegen, Teppiche auszuklopfen und lauter stupiden Scheiß zu erledigen, für den sich der Rest unseres Mehrpersonenhaushaltes offensichtlich für zu überqualifiziert hält.

Sie kam gerade von ihrer letzten Amtshandlung zurück, dem Entsorgen diverser Mülltüten und Altpapierläger (inklusive einer mühevollen Zerkleinerung der im Keller vergessenen Sammlung von sperrigen Ikeakartons, die andere nicht namentlich genannte Personen dort zwischengelagert hatten in der irrigen Hoffnung auf selbstkompostierende Zersetzungsprozesse), und sie stellte sich gerade vor ihrem geistigen Auge vor, wie sie sich ermattet und zutiefst befriedigt mit einer Tasse Kaffee aufs Sofa setzen würde, um den kurz anhaltenden Effekt eines blitzblanken Hauses auf sich wirken zu lassen, als sich ihr schon beim Öffnen der Haustür das nicht zu übersehende Malheur offenbarte.

Die Impulskontrolle meines Fraules war sogleich komplett erschöpft und ihr vulkanausbruchähnlicher Unmut ergoss sich in einem Schwall obszöner und politisch ausgesprochen überhaupt nicht korrekter Worte auf das am nächsten sich befindliche Opfer und zufälligerweise auch Verursacher des Übels: MICH!

Aber jetzt das eigentlich Interessante an der Sache:

Nicht nur, dass Fraule zeitgleich WUSSTE, dass ich eigentlich überhaupt gar nix dafür konnte und mit Sicherheit nicht absichtlich auf den dämlichen Teppich gekotzt hatte. Nein, sie war auch noch soweit Herrin ihrer Sinne, als dass sie ebenfalls ganz genau WUSSTE, dass ihr Gemotze total unfair und auch alles andere als erziehungstechnisch positiv verstärkend war. Und trotz all dieser klugen Erkenntnisse traf sie, während sie lautstark meine arme Kotze aufwischte, BEWUSST eine Entscheidung: Sie WOLLTE böse sein! Und sie hat es genossen! Dä!
Und dass ich daneben stand wie ein begossener Pudel - oder sagen wir, vielleicht eher etwas verwundert, denn sowas passiert dann eigentlich doch recht selten in unserem gemeinsamen Miteinander - war ihr in diesem Moment total scheißwurscht.

Als Teppich und Parkett endlich wieder sauber waren, hab' ich schließlich ein Leckerli abgestaubt, wir haben uns zusammen aufs Sofa gesetzt und den blitzblanken Anblick genossen.

Was soll ich sagen: Fraule ist eben auch alles andere als ein Gutmensch! : )

Freitag, 4. Oktober 2013

Belohnung für den Menschen - Streicheln : )

Dr. Wollmatingen klärt auf! : )
Jetzt stellen wir uns mal vor, wir sind draußen, irgendwo auf einer Wiese, einem Feldweg, am oder im Wald. Es riecht überall nach frischer Wiese, attraktiven Lausemädchen, testosteronverbreitenden Hundetölen, wohlriechenden Kackhaufen unterschiedlichster Wald- und Wiesenbewohner, es schnuppert nach Rehen, Wildschweinen und Karnickeln - sprich, wir stehen mitten im olfaktorischen Hundeeldorado, das den Corisolspiegel selbst des gestandensten Hundes in Wallung bringt.
Fiffi könnte hier Stunden damit zubringen, die verschiedensten Gerüche zu inhalieren, selektieren, reflektieren und die übelsten mit dem eignen Duft zu übertünchen, ohne sich eine Sekunde zu langweilen.
Trotzdem schafft er es, auf das "Zu miiiiiir" ohne zu zögern zum Menschen zurückzulaufen - eine riesen Leistung! -  es macht "klick!" und voller Vorfreude schaut Fiffi erwartungsfroh seinen wohlwollenden Menschen an, denn er weiß, yeah, jetzt kommt was, was noch besser ist, als die stinkigen Fährten grunzender Wildschweine, zickzackspringender Riesenhasen und lästiger Reviermarkierer!

Und jetzt stellen wir uns mal vor, wir sind Welpe und machen einen Ausflug in die Stadt, weil unsere Menschen am Samstagnachmittag gemütlich bummeln gehen wollen und gleich mal die Gunst der Stunde nutzen, um Welpi ein bisschen auf Stadttauglichkeit zu sozialisieren.
Millionen Geräusche, Autolärm, Kindergebrüll, Hupen, Fahrradfahrer, Kinderwägen, hektische Menschenmassen, riesige Häuser, breite Strassen, an der Leine ziehende Hunde - das ganze Programm stürzt auf Welpi ein - und der ist ziemlich beeindruckt!
Jetzt treffen Welpis Menschen zufällig Bekannte oder Freunde, die im Angesicht des kleinen Wollknäuels verständlicherweise ganz aus dem Häuschen geraten. Vor Verzückung wissen sie gar nicht, wohin mit sich und ihren Gefühlen, und für sehr nette Menschen, die nun wirklich kein Herz aus Stein haben und voll auf das Kindchenschema anspringen, ist es völlig ausgeschlossen, dem Drang der Haptik zu widerstehen.

In beiden Fällen beobachten wir nun nahezu das Gleiche:
In bester Absicht, und weil es mit der körperlichen Elastizität auch nicht mehr so bestellt ist wie früher, beugen sich die Menschen überschwenglich über Fiffi und Welpi und fangen vorwarnungsfrei und wie wild an, sie durchzukraulen und zu wuscheln. Fest davon überzeugt, Gutes zu tun, unterstützen sie ihren wohlgemeinten Sympathieausbruch mit verzückten "achs" und "ochs".

Haach ja...
Also, mir als Hund fällt da immer gleich die alte Großtante ein, die mit knochiger Hand ungefragt, und die entsetzten Blicke der paralysierten Mutter ignorierend, in den Kinderwagen grapscht und dem dickbackigen Baby entzückt in dieselben zwickt und dabei "heititeititei" und "dududududuuu" schnorchelt. Und die die aufgerissenen Augen und den hochrot anlaufenden Kopf des Kindes gerührt als Ausdruck des Wohlbefindens oder in die Hosekackens interpretiert.

Uns Hunden geht's da ganz ähnlich wie dem Dickbackenbaby: Es ist uns einfach nicht möglich zu erklären, dass wir das Angefasstwerden als totale Scheisse empfinden. Dabei ziehen wir alle Register des freundlich, aber bestimmten "Nein"-Sagens: Unsere Körperhaltung wird steifer oder geduckter, wir schauen zur Seite, unsere Augen drehen sich nach hinten, bis das Weiße zu erkennen ist, wir versuchen, den Händen zu entflutschen - aber sie sehen es nicht! Ein Jammer!

Der Mensch geht so auf in seiner Absicht, nett zu uns sein zu wollen (und natürlich auch ein ganz klein wenig seines Oxytocinspiegels wegen), dass ihm gar nicht in den Sinn käme, dass seine blöde Streichelei in bestimmten Situationen genau das Gegenteil dessen bewirkt, was in ruhiger, reizarmer Umgebung durchaus ein Zugewinn oder echte Entspannung sein mag.

In Fall 1 lässt es Fiffi vielleicht über sich ergehen, weil er als erwachsener Hund schon weiß, dass das Elend bald vorüber ist. Aber eine Belohnung interpetiert er dennoch als etwas anderes! So wird er sich beim nächsten Mal vielleicht überlegen, ob die Karnickelköttel nicht doch Belohnung genug sind.  

Im Fall 2 lernt Welpi nicht nur, dass Stadtbummel echt sowas von überhaupt gar keinen Spaß machen, sondern dass man sich Menschen offensichtlich nicht vom Hals halten kann, indem man nur freundlich "bitte" sagt. Nächstes Mal wird er einfach mal etwas anderes ausprobieren, schliessich ist sein Repertoire gross.

Ja, selbstredend gibt es auch die Hunde, die Streicheln in allen Lebenslagen belohnend empfinden. Aber glaubt mir, wenn ich mir die Kumpels so ansehe, das ist keinesfalls die Mehrheit!

Mein Tipp:
Lasst den Hund entscheiden und ihn kommen - und übt euch selber in Impulskontrolle! : )

Freitag, 27. September 2013

Alles easy? Von wegen: Der steinige Weg zur Tiefenentspannung! : )

Wie oft habe ich wohl schon auf die Wichtigkeit von Ruhe und Entspannung hingewiesen? Mehrfach! Genau.
Und wie oft habe ich Fingerpointing betrieben bezogen auf den Hundesport und die häufig sehr ehrgeizigen Menschen, die mehrfach die Woche mit ihren Hunden stundenlang trainieren und immer noch mehr machen, weil ihre Hunde scheinbar gar nicht mehr müde werden? Auch mehrfach.

Soweit die schnöde Theorie, Freunde der Fußreflexzonenmassagen, kommen wir zur entlarvenden Praxis und fangen wir damit an, zur Abwechslung mal wieder mit dem Finger auf uns selber zu pointen, statt auf andere - auch wenn das deutlich weniger Spaß macht. Grumpf.

Schlafen kann ich auch noch, wenn ich tot bin! : )
Seit es mich gibt, war ich weit entfernt davon, einer dieser höchst suspekten Schnarchbacken zu sein, die tiefenentspannt durch die Welt dackeln. Ich bin ein Zappelphilip. In meiner Welt gibt es einfach zu viele Reize, die mich reizen. Während viele dieser Reize anderen Hunden komplett am Arsch vorbeigehen, nehme ich sie mindestens mal sichtbar wahr. Und reagiere. Im besten Fall ein Ohrenzucken, im schlimmsten Fall, na ja, was auch immer : )
Das nennt man dann wohl reaktiv. Ich bin immer in Habachtstellung. Jedes Geräusch, jedes bewegte oder unbewegte Objekt - ich sehe alles! Ich merke alles! Und bin gewappnet für alle Eventualitäten...

Wenn man mit so einem wie mir zusammenlebt, kennt man es nicht anders, und denkt, der ist halt so. Das ist seine Natur, Portugiesische Wasserhunde sind "lebhaft", und man lernt damit umzugehen. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Dennoch. Als ich klein war, haben wir sicherlich viel zu viel gemacht. Zu schnell zu lange spazieren gegangen, zu viel gejoggt, zu viel Programm, zu viele verschiedene Menschen, zu viel wach - einfach ein bisschen zu viel von allem.
Dies mag - neben meinen aufgeregten genetischen Voraussetzungen - die Grundsteinlegung dafür gewesen sein, dass ich lange Zeit einfach echt schlecht im Herunterkommen war. Alles poppen, was rumlag oder -stand (das wurde nach der Kastration besser), nicht zur Ruhe kommen, mindestens 30 Minuten abends Hin- und Herlaufen, bis ich mich Hinlegen konnte, schnelles Aufschrecken und - sich viel und ausgiebig Kratzen und Schlecken.

Paaaaartyyyyyy! : )
Dass all dies mit Stress zu tun haben könnte, war uns damals nicht bewusst. Im Gegenteil: Da ging es hauptsächlich um die Frage: Hab ich den jetzt ausgelastet oder braucht der mehr? Schließlich ist der, gemäß Handbuch, "lebhaft". Wenn ich einen Tag mal weniger gemacht habe, hatte Fraule gleich ein schlechtes Gewissen und dachte an Vernachlässigung und Unterforderung.

Wenn die Hundeschule damals riet, nicht zu viel zu machen, dann hielt sich Fraule ganz preußisch daran - plus, ganz rheinländisch, eben noch ein ganz kleines bisschen was oben drauf. Schließlich war ja der allgemeine Eindruck: Der braucht das, der kann das ab, der ist robust. Und wenn die Hundeschule von Entspannung sprach, nun ja, da dachte Fraule, klar, jeder andere, aber nicht mein Hund. Der ist doch entspannt!
Das war noch bevor ich anfing, Menschen in Hosenbeine zu zwicken : )

Ihr merkt was: Entscheidend an dem ganzen Galama ist etwas ganz anderes: Fraules Kopp! Die gehört nämlich zu den Leistungsorientierten, die selber immer irgendwie beschäftigt sein müssen, die selten nix tun und wenn ja, dann nur behaftet mit einem hochgradig schlechtem Gewissen und der Latte an Aufgaben im Kopf, die eigentlich noch erledigt werden müssten.
Und dieser Maßstab wird im gewissen Sinne auch auf alle Mitmenschen, aber auch auf scheinbar robuste Killerrüden übertragen. "Das ist mir jetzt zu viel!" oder "Ich kann nicht mehr!" wird nur dann akzeptiert, wenn dies durch anschließendes Inohnmachtfallen unter Beweis gestellt wird oder der Killerrüde sich vor lauter Burn-Out freiwillig einen kompletten Tag lang keinen Zentimeter mehr aus dem Körble wegbewegt.

Schande auf ihr Haupt!!!

Doch seitdem und mit zunehmendem Interesse am Thema und wachsendem Bildungsstand, haben sich in Fraules Hirn in den letzten Jahren so viele neue Gehirnzellen entwickelt, dass plötzlich viel mehr Raum zum Umdenken da ist.
Sie fing an, Zusammenhänge (am eigenen Hund) zu erkennen, besser zu interpretieren, zu beobachten und ihre Messlatte zu überdenken. Moderat zunächst, aber immerhin. Und so fingen wir vor eineinhalb Jahren an, Entspannungsübungen in mein Leben einzubauen und generell nicht mehr ganz so viel zu machen. Seit meinem Burn-Out Anfang des Jahres - ein sehr lehrreiches Ereignis! - entwickelten wir uns weiter:

Ich werde viel mehr zum Schlafen verdonnert, was ich, nach einiger Zeit es Erlernens, sehr gerne annahm. Mittlerweile bin ich ein Hund, der tatsächlich mindestens 18 Stunden des Tages verpennt. Ich gehe nicht mehr joggen oder nur noch ganz selten und niemals länger als eine knappe Stunde. Wir meiden viele Menschen und Städte sowieso. Wir achten auf Routinen und Rituale, und Kopftraining machen wir nur alle Nas' lang und nie länger als ein paar Minuten.
Über Monate war ich nicht mal mehr in einem Hundeschulkurs - das war aber mehr Zufall.

Und siehe da, schaut man über die vielen letzten Monate hinweg, habe ich mich durchaus verändert: Ich wurde zusehends relaxter. Ich fing ganz unauffällig an, mich nicht mehr über alles und jeden aufzuregen, konnte bestimmte Geräusche zumindest unkommentiert lassen, rannte nicht mehr so viel nervös herum bzw. konnte über Entspannungsübungen schneller heruntergeholt werden, und schlief schneller ein - es machte den Anschein, als sei mein Grunderregungslevel ein stückweit gesunken.

Aber weiß man das sicher? Natürlich nicht! Zunmal die Veränderung schleichend eintritt und man erst eine Weile braucht, gewisse Fortschritte zu erkennen. Und selbst dann gibt's immer noch genügend Spielraum für andere Interpretationen. So einfach, wie sich das Thema in der Theorie anhört, ist die Praxis nämlich nicht.

 
So. Und seit ein paar Monaten - auch eher Zufall - gehe ich nicht mehr in meine Hundeoase. Grumpf. Ihr erinnert euch, seit ich 6 Monate alt war, durfte ich dort zwei Nachmittage die Woche die Sau 'rauslassen.
Mit dem Effekt, der nun ganz deutlich erkennbar ist: Ich kratze mich nicht mehr! Und glaubt mir, ich habe mich VIEL gekratzt. Schon immer. Jeden Tag. Fraule hat alles ausprobiert, um herauzufinden, woran das liegen könnte. Ohne Erfolg. Bis sie dachte, na gut, der hat halt 'n Spleen. Und nun scheint das Thema mit einem Schlag erledigt.
Aber auch das hat sich erst über die letzten Monate langsam so entwickelt. 

Seitdem gehe ich abends mit meinen Menschen schlafen, ohne nochmal mit der Wimper zu zucken. Ich latsche nach oben, lege mich schnurstracks ab und schlafe ein. Kein Rumlaufen, kein Kratzen, kein Rauf- und Runterspringen vom Bett - nix!
Seitdem schlafe ich tagsüber noch mehr.
Seitdem bin ich draußen viel entspannter, ansprechbarer und sehr viel schneller umorientierbar.
Seitdem interessieren mich anderer Leute Hosenbeine nicht mehr.
Seitdem scharre ich nicht mehr auf dem Fußboden oder poppe Kissen.
Seitdem geht es mir besser, ohne zu wissen, dass es mir voher "schlechter" ging!

Leute, keine Panik! Ich gehöre immer noch nicht zu den Weicheiern, die sich im Park völlig gechillt im Gras hin- und herwälzen. Niemals!
Wenn ich mich freiwillig hinlege und maximal sogar den Kopf ablege, dann ist das das Höchste der Gefühle, was geht. Mehr ist nicht drin. Aber das ist bereits in etwa 400% mehr als das, was vorher je möglich war.

So. Und die Moral von der Geschicht: Bohr in der Nase nicht, hehe. Spaaaaß!
Nee, also:

Erkenntnis Nr. 1: Auch, wenn man es theoretisch weiß, hilft manchmal einfach nur Try & Error, um zu lernen.
Erkenntnis Nr. 2: Irgendwann kommt die Einsicht: Dass warnende Stimmen nicht übertrieben haben. Dass Sensibilität ein weit gefasstes Feld ist. Dass der eigene Ehrgeiz einem im Weg stehen kann.
Erkenntnis Nr. 3: Stress wirkt langfristig und baut sich daher auch nur langsam ab! Manchmal erkennt man erste Erfolge erst nach Monaten!
Erkenntnis Nr. 4: Schmeiß die scheiß Messlatte weg!

Oh, und eine Erkenntnis hätte ich fast vergessen: Ich werde niemals ein Therapiehund werden!

 : )

Dienstag, 17. September 2013

Spielen für Dummies : )

Los, spiel mit mir! : )
Mann ey, erst kommt monatelang nix, und jetzt bin ich schon wieder da... Aber was sein muss, muss sein!

Wir unheimlich glücklichen Hunde, die wir über positive Verstärkung erzogen werden, kennen natürlich alle auch das Spiel als Einsatz einer Belohnung.
Nun ja, ich gebe zu, MIR persönlich reicht in der Regel ja ein Leckerli, aber gut, so ein kleines Spielchen in Ehren kann Hund auch nicht verwehren...

Nun gibt es Menschen, die behaupten, dass ihr Hund leider niemals spiele. Der wär' einfach nicht so. Dem würden schon beim Anblick eines Balles die Gesichtszüge entgleisen oder imaginäre Karnickel in der entgegengesetzten Richtung plötzlich all seine Aufmerksamkeit abfordern...

Nehmen wir doch also das Spiel der Menschen mal etwas genauer unter die Lupe:

Der Mensch steht solide wie ein Baum auf der Wiese und zieht freudig den Ball, das Zergel oder Quietschie aus der Tasche und hält es seinem Hund unter die Nase, sagt, "such!" und schmeißt es zackig und elanvoll von sich.
Der Hund, schon deutlich bocklos, bewegt sich immerhin tatsächlich, wenn auch nur gemächlich, in Richtung Spieli. Kaum davor angekommen, hört er schon seinen Menschen - der übrigens immer noch wie angewachsen an der gleichen Stelle steht - hoffnungsfroh und aufmunternd "brings" schreien. "Na loooos, na briiiiings, briiiings!"

Na gut, denkt sich der Hund im besten Fall, dann bring ich's halt. Er nimmt das Spieli auf, schon ein bisschen absichtlich umständlich, es fällt ab und an wieder aus dem Maul, so als wäre es plötzlich viel zu groß für die kleine Hundeschnauze, dann schlappt er lustlos zurück zu seinem Menschen. "Suuuupi gemacht!", lobt der Mensch enthusiastisch, "gaaaaaanz toll gemacht!" - schließlich will er seinen Hund ja motivieren.
Dann grapscht er nach dem Spieli, das der Hund nun spontan beschlossen hat, doch ins Herz zu schließen und nicht herzugeben, und ruft "Aus". "Aaaauuuuuus, aaaaaaaaus, auhauuuuuus". Lässt der Hund nicht los, dann greift der Mensch dem Hund ins Maul und holt sich's da raus, gemäß dem Motto, "bist du nicht willig, so nehm ich Gewalt", schließlich wollen wir ja spielen und sind noch nicht fertig.
Das Spieli fliegt erneut in die Wiese: "Suuuuch!"
Oder es wird in der Tasche verstaut und das Spiel damit als beendet erklärt.

Poooah! Jetzt mal ehrlich: Hättet ihr Bock auf so'n scheiß Spiel? Also, ich nicht. Kein Wunder, dass viele Hunde nicht spielen wollen. Sie wissen ja, was sie erwartet.

Worüber viele Menschen sich nicht bewusst sind: Spielen ist, bitte schön, ganz und gar nicht gleich Apportieren! Apportieren ist Arbeit, und wie Menschen sehr gut wissen, ist Arbeit nicht unbedingterweise immer Spaß. Das gilt auch für Hunde, denn nicht jeder Hund apportiert gerne.
Also nur, weil der Mensch zu faul ist, sich in dem Spiel mitzubewegen und deshalb erwartet, dass der Hund das Spieli wieder brav zurückschleppt und am besten noch in der Hand ablegt, ist das noch lange kein Spiel!
Keine Frage, es gibt Hunde, die lieben es zu apportieren. Für die wär' dieser Art Schikane sicher ok. Aber es gibt eben auch viele Hunde, die finden Apportieren voll sinnentleert.

Deshalb sollte der Mensch, wenn er denn dann Spielen erfolgreich als Belohnung einsetzen möchte, möglicherweise einfach mal mitmachen? Ein wenig Dynamik, meine Herrschaften. Ihr dürft durchaus auch mal in Wallung geraten. Mit euren Hunden springen und rennen und hüpfen. Es gilt: Wer sich bewegt hat NICHT verloren.

Und benutzt dabei gleich mehrere Spielis! Dann müsst ihr sie euren Hunden nämlich nicht wegnehmen. Ganz schön clever, was? Ja, so bin ich...
Spiel heißt, der Hund soll Spaß haben. Sonst ist es nun mal keine Belohnung. Und so darf durchaus der Hund entscheiden, was für ihn Spiel ist: Vielleicht will er das Spieli tragen oder zergeln, vielleicht lieber schütteln und zerrupfen oder liegenlassen. Meistens nämlich dann, wenn plötzlich ein zweites spannendes Spieli fliegt.

Apropos spannend: Ja, auch da gibt es Unterschiede. Nicht jedes Spieli ist spannend. Ihr werdet schon wissen, auf welche eure Hunde so abfahren oder nicht. Meistens kommen die mit Quietschie ganz gut an. Oder Echtfelldummies. Oder Nichtechtfell. Oder im Tigerlook. Oder Zebra. Scheißegal. Also, ich persönlich fahr ja voll auf Dotties ab : )

Und bitte, Spielen heißt, sich Zeit zu nehmen! Ein Spiel dauert. Ein Spiel ist eine lange Belohnung. Das Spieli nach 3 Sekunden wieder in die Tasche zu stopfen und damit das Spiel für beendet zu erklären, ist für den Hund in etwa so prickelnd wie für den fußballorientierten Menschen nach 3 Minuten Bundesliga zu "hallo deutschland" umzuswitchen mit dem Kommentar, dass ein Tor mitzuerleben gefälligst Vergnügen genug bedeute.

Wenn ihr dann nach einer Weile das Spiel doch beenden wollt, dann lasst die Spielis trotzdem eine Weile liegen. Der Hund verliert irgendwann sein Interesse daran. Und dann ist immer noch Zeit genug, es einzusammeln. Oder lasst ihm eines zum Tragen, wenn er das gerne macht, und sammelt nur die anderen ein.

Und wenn ihr einen Hund haben solltet, der tatsächlich gerne spielt und dabei gleich auf 180 hochfährt, dann lasst doch das Spiel am Ende einfach etwas ruhiger auslaufen. Der Hund kann dann wieder herunterfahren und wird nicht zu arg gefrustet sein, wenn es vorbei ist, und seine dollen fünf Minuten bekommen.

Wenn ihr nun noch dem Ganzen die Krone aufsetzen wollt, dann macht euch noch ein Spielsignal und ein Spielendesignal zu eigen!
Bevor das Spiel losgeht, kündigt ihr es an: "Play!" Und wenn ihr beenden möchtet, dann kündigt ihr das auch an: "Ende!"
Das hat Vorteile! Der Hund weiß, was kommt. Er kann sich drauf einstellen. Er erschrickt nicht, wenn plötzlich was fliegt. Er weiß, ok, gibt jetzt halt kein Leckerli, gibt Spiel - kein Grund, sauer zu sein. Oder er denkt, "yeaaaahh", ein Spiel! Geili!
Und wenn fertig ist, dann ist eben fertig. Dann weiß er, nach dem Spielendesignal passiert nix mehr. Er muss also auch keine Erwartungshaltung mehr haben, die irgendwann in Frust umschlägt.

DAS nennt man Spielen! Eigentlich ganz einfach. Und ich könnte schwören, selbst die unlustigsten Hunde würden mitmachen. Zumindest eine Weile. Vielleicht bestimmt ja auch der Hund, wann er die Schnauze voll hat, und nicht der Mensch.
Und ja, es gibt auch Hunde, die wollen wirklich nicht spielen. Vielleicht, weil sie körperliche Einschränkungen haben, sich unwohl fühlen, Schmerzen haben, alt sind, oder tatsächlich Spielen einfach blöd finden. Gibt ja auch Menschen, die nicht gerne spielen. Aber das ist ja dann auch ok.
Jeder Jeck is' schließlich anders. Grumpf! : )

Sonntag, 15. September 2013

Schlecht erzogen >: )

Schlecht erzogen : )
Hundebegegnungen an der Leine sind bei mir nicht immer relaxt - ich geb's zu. Fraule geht deshalb mit mir gewöhnlich einen Bogen oder lässt mich seitlich des Weges im Sitz warten oder etwas suchen, bis der andere vorbei ist. Das klappt meistens sehr gut, manchmal nicht. Vor allem, wenn's der Erzfeind ist. Da kann der Abstand gar nicht groß genug sein.

Unser Besuch mit zwanzig Jahren Hundeerfahrung sagt, das sei falsch. Es könne doch nicht angehen, so viel Geschisse um einen Hund zu machen, und sogar beim Spaziergang anzuhalten, nur um in Ruhe an einem Hund vorbei zu kommen.

"Wieso nicht?", fragt Fraule und versucht zu erklären, dass man dem Hund in kleinen Schritten beibringen könne, solche für ihn zu aufregenden Situationen souverän zu meistern. Für ein entspanntes Aneinandervorbei sei ein Abstand, der so groß ist, dass der Hund ruhig bleiben kann, die erfolgversprechendste Maßnahme. Und je öfter er dabei tatsächlich erfolgreich sei und daran gehindert würde, in alte Muster zurückzufallen, desto eher könne man den Abstand schließlich auch verkleinern. Oder eben auch nicht. Jeder Hund sei unterschiedlich und hätte seine höchsteigene Individualdistanz, abhängig von der Tagesform, und für den einen sei Nähe eben kein Problem, für den anderen zeitlebens schon.

"Schlecht erzogen", sagt der Besuch mit zwanzig Jahren Hundeerfahrung entschieden. "Wie lange soll denn dieses sogenannte Training dauern? Kurz bevor er stirbt, hat er's dann drauf, oder wie?"

"Vielleicht", sagt Fraule. "Vielleicht auch nicht. Und das macht auch nichts. Wenn sich mein Hund wohler fühlt, wenn ich ein wenig Abstand einhalte, warum sollte ich ihm den nicht zugestehen? Welchen Zacken breche ich mir aus der Krone, wenn ich zur Seite gehe und kurz warte, dafür aber keinen Aufstand habe und mein Hund locker bleibt?"

"Aber es muss doch auch andere Möglichkeiten geben. Er muss lernen, zu gehorchen. Ein Hund hat zu funktionieren. So sehe ich das", sagt der Besuch mit zwanzig Jahren Hundeerfahrung.

"Du meinst 'mit harter Hand', richtig?" fragt Fraule interessiert. "Mal zeigen, wer der Chef ist. Kurz anschreien, ordentlich an der Leine rucken oder einen mit der Leine überziehen - dann wird das schon, stimmt's?"

"So hat das immer geklappt. Wieso heute nicht mehr?", behauptet der Besuch mit zwanzig Jahren Hundeerfahrung.

"Bist du ganz sicher? Hat das wirklich immer so geklappt?", fragt Fraule. "Guck sie dir doch an, die Hunde, die so erzogen werden, falls du dich dazu herablassen kannst, dir die Mühe zu machen, hundliche Körpersprache zu bemerken und gar zu verstehen: Geduckte Haltung, angelegte Ohren, ängstliche Blicke, tiefhängende Ruten, misstrauisch dem eigenen Menschen und anderen Hunden gegenüber - tickende Zeitbomben.
Das sind die, die dann eines Tages in die Zeitung kommen, weil sie 'plötzlich wie aus dem Nichts' zugebissen haben. Die dann am Ende im Tierheim landen oder eingeschläfert werden, weil der eigene Mensch behauptet, dass der Hund leider bösartig sei und keine Züchtigung mehr wirken würde. Die Tierheime sind voll mit diesen Hunden.
Und die anderen, die 'lieben, die brav funktionieren', also die, die sich nie trauen, sich zu wehren, das sind die, die ein Leben lang gehemmt neben dir herlaufen. Welch glückliches Leben! Erinner dich an deinen letzten Hund. Der ist immer gegangen, wenn du gekommen bist. Ist es das, was du unter funktionieren verstehst?
Ich für meinen Teil will keinen Hund, der vor mir den Duckmäuser macht und Meideverhalten zeigt. Das finde ich grauenvoll. Deshalb gehe ich diesen Weg. Er ist meinetwegen langwieriger und mühevoller, als wenn man maßregelt, aber langfristig erfolgreicher, denn der Hund bekommt die Chance, alternative Verhaltensweisen zu lernen. Und dieser Weg macht mir Spaß. Ich freue mich über jeden kleinen Erfolg und sehe, dass mein Hund gerne mit mir trainiert und keine Angst hat vor mir. Er kann heute viele Situationen besser meistern als vorher und er lernt täglich dazu.  
Wenn ich nicht gewillt bin, dieses "Opfer" zu bringen, dann sollte ich keinen Hund haben."

"Einfach schlecht erzogen", murmelt der Besuch mit zwanzig Jahren Hundeerfahrung.

Danach wurde übers Wetter geredet... : )

Mittwoch, 31. Juli 2013

Weniger ist mehr... : )

"Ich weiß nicht, was ich machen soll! Ich mache so viel Programm mit meinem Hund, ich bin mehrmals die Woche mehrere Stunden aufm Hundeplatz, wir trainieren, und er kann dann noch mit anderen Hunden rumflitzen und toben, aber der ist abends immer noch nicht ausgelastet! Der bellt unentwegt und rennt hin und her und ist einfach nicht müde zu kriegen... Dabei ist der erst 6 Monate alt. Was soll ich dem bloß bieten, wenn der älter ist?"


Grumpf.

Ich sag's mal so, so dass es auch ein Mensch versteht:
"Ich weiß nicht, was ich machen soll! Mein Kind ist jeden Tag mehrere Stunden mit anderen Kindern aufm Spielplatz und die rennen und toben und kreischen und prügeln sich, bis der Arzt kommt. Aber jeden Abend ist es dann total aufgekratzt und will nicht einschlafen. Es ist immer komplett überdreht und heult beim kleinsten Anlass. Es reagiert bei jedem Geräusch und regt sich auf. Dabei ist es erst 5 Jahre alt. Wie soll das bloß werden, wenn es größer wird?"

Die Durchschnittseltern werden in dieser Situation ziemlich sicher selber auf die Idee kommen, dass ihr Kind von der vielen Aufregung und Reizüberflutung am Tag abends noch so aufgedreht ist, dass es Schwierigkeiten hat, von selber wieder herunterzukommen und dass es dabei ihrer Hilfe bedarf.
Und Durchschnittseltern werden wissen, wie sie ihr Kind am schnellsten beruhigen können: Durch Vorlesen möglicherweise, durch leise Musik, kein aufregendes Fernsehen, beruhigende Worte oder Düfte und/oder Körperkontakt etc.
Durchschnittseltern werden von sich aus auch auf die Idee kommen, dass der Tag für das Kind an diesem Tag etwas zu viel war. Sie werden entweder wissen, dass es eine Ausnahmesituation war oder aber das Tagesprogramm entsprechend reduziert werden sollte, wenn sie nicht jeden Abend das gleiche Theater erleben möchten.


Wieso nun aber kommen die Menschen - wenn sie es doch eigentlich wissen - höchstselten auf die Idee, dass es bei einem Hund haargenau so ist?
Wenn man in der Hundeschule den frischgebackenen Welpenbesitzern erzählt, dass ein Welpe 20 bis 22 Stunden ruhen und schlafen und selbst ein erwachsener Hund noch 18 bis 20 Stunden nur rumlungern sollte, dann fällt den meisten erstmal die Kinnlade herunter. Danach sagen sie fast alle: "Ja, aber der will ja gar nicht. Der läuft immer hinter mir her, der will immer da sein, wo die Party stattfindet!"

Na klar, will der das! Leute, lasst euch von einem ausgewachsenen Killerrüden sagen: Das ist so. Das ist aber nicht gut so!
Hunde haben im Laufe der Domestikation verlernt, auf ihr Ruhebedürfnis zu lauschen - dennoch ist es da! Ihr Wunsch, lieber immer in der Nähe ihres Menschen zu sein, ist weitaus stärker, als der, sich freiwillig hinzulegen und zu pennen.
Fragt da mal 'ne Katze. Die sind da nun wieder ganz anders, grumpf. Katzen nehmen sich ihr Recht und lassen sich selten aus ihrer Ruhe bringen, diese Mistviecher.
Aber zugegebnermaßen sind die eben auch nicht so stark an ihre Menschen gebunden, so dass sie gut ertragen können, nicht andauernd mit ihnen zusammen zu sein.


Es ist also mal wieder am Menschen dafür zu sorgen, dass der Hund auf seine Ruhezeit kommt - vorausgesetzt natürlich, er will später keinen hyperaktiven, kläffenden, komplett überdrehten ADHS-Hund, der beim kleinsten Reiz hochfährt und es nicht mal im Schlaf schafft, sich wirklich zu entspannen. Ein Leben im Dauerstress. Ein Albtraum für Hund UND Mensch.

Wer mit seinem Hund einmal in der Woche in die Hundeschule für EINE Stunde geht, der tut schon reichlich. Wer mit seinem Hund gerne trainiert oder ihm Denkaufgaben zur Auslastung gibt, der sollte bei jungen Hunden nicht länger als zehn Minuten arbeiten. Und auch erwachsene Hunde brauchen nicht mehr als maximal eine halbe Stunde. Und das, übrigens, auch keinesfalls täglich!

Diese ständige Leistungsorientierung, behaltet die doch einfach euch vor. Viele Kinder kennen sicher das Lied: Montags Klavier, dienstags Turnen, mittwochs Nachhilfe, donnerstags nochmal Turnen, freitags Chinesischunterricht, am Wochenende Turniere und nebenbei noch Schule, Hausaufgaben und Lernen - aus dem Kind soll ja schließlich mal was werden, und Rumhängen ist nicht!

Und doch bin ich sicher: Ein wenig weniger von all dem, und der mentalen Gesundheit wäre gedient. Bei Mensch wie Hund. Ich will damit nicht sagen, dass beide nicht gefordert werden sollten. Aber wie es halt so ist: Extreme wirken auf Dauer schlichtweg kontraproduktiv: Burnout, Nervenzusammenbruch, Lustlosigkeit, Überforderung, Entwicklungsstillstand oder gar -rückschritt, Aggression, Frust.
Und merke: Ein Extrem ist bei Hunden sehr viel schneller erreicht als mensch das auch nur ahnt! Was für den Menschen nämlich aussieht wie eine träge Schnarchbackenveranstaltung - weil ja gar nicht viel passiert! - ist für die Hunde dennoch oftmals bereits fordernd und anstrengend. Und das zeigen sie dann auch: Gähnen, Übersprunghandlungen, Unkonzentriertheit, gesteigerte Aggressivität, Leinebeißen, Rumspringen, Aufhocken, Kratzen, Buddeln etc.
Vielen Menschen fehlt dafür oft das Verständnis und erbost und ungeduldig interpretieren sie das als "der bockt rum" oder "der will jetzt seinen Kopf durchdrücken", ebenso wie sie fehlinterpretieren, dass ein hyperaktiver Hund immer noch mehr braucht, "um endlich mal müde zu werden".
 

Wie wichtig tatsächlich das Thema Entspannung für Hunde ist, wird heutzutage leider immer noch durchweg komplett unterschätzt.
Dabei behaupte ich, würden die Menschen von Welpe an darauf achten, dass nach jeder Action eine Entspannungssequenz folgt (durch Entspannungsübungen beispielsweise, oder einfach beruhigende Massnahmen wie Streicheln, Bürsten, Massieren, etwas zum Kauen geben, langsames Schlendern, Schnüffeln lassen etc.) und würden sie ihm die Ruhe gönnen, die er dringend benötigt - es gäbe viele Probleme nicht.
Ein entspannter Hund ist ein friedlicher Hund!

Manchmal ist weniger einfach mehr! : )

Noch mehr zum Thema Entspannung gibt's hier. Aber schlaft bitte nicht drüber ein... ; )

Donnerstag, 4. Juli 2013

Zu lange durch den Strohhalm geatmet >: []

Fraule hat Asthma. Schon seit ihrer Pubertät. Sie hatte also viel Zeit, sich daran zu gewöhnen und kann gut damit leben. Ohne Medikamente geht das allerdings nicht. Denn regelmässig, mehrfach am Tag, verengen sich die Atemwege und die Bronchialmuskulatur verkrampft, so dass Fraule das Atmen schwer fällt. Zum Glück gibt es für sowas ja aber Mittel, die augenblicklich wirken. Nach wenigen Sekunden kann Fraule wieder normal atmen für die nächsten Stunden, und das beklemmende Gefühl weicht der Erleichterung.
Es gab aber schon Zeiten, da waren die Anfälle so schlimm, dass kein Mittel mehr geholfen hat. Da hiess es dann: Aussitzen. Fraule erinnert sich an Momente, in denen sie die Nächte sitzend im Bett ausgeharrt hat, da das Liegen oder gar Schlafen mit Atemnot unmöglich ist. Sie erinnert sich an Momente, in denen sie mit dem Tempo einer uralten Frau durch die Strassen geschlichen ist, um an jeder Parkbank zu verschnaufen, weil die Luft zum Atmen so knapp war, dass jede Bewegung zu einer unglaublichen Anstrengung wurde. Sie erinnert sich, dass sie auf einer der vielen Parkbänke vor lauter Erschöpfung im Sitzen eingeschlafen ist.

Ich glaube, über die Furcht und Panik, die einen beschleicht, wenn man nicht mehr die Fähigkeit hat, genügend Sauerstoff in seine Lungen zu pumpen, muss ich nichts schreiben. Das sollte sich ein normaler Mensch vorstellen können. Dazu kommt das Gefühl der Verzweifelung, denn man kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie es nochmal ist, so zu atmen, dass man es gar nicht mitbekommt - so wie es für alle anderen um einen herum auch völlig selbstverständlich ist. Fraule erinnert sich an ihren viel zu schnellen Pulsschlag, an Herzrasen und Schwindel und an die Schmerzen in der Lunge und in jeder Rippe in den nächsten Tagen, weil das ungewohnte heftige Luftholen den Organen und Muskeln zusetzt. Und an das dringende Gefühl, LEBEN und einfach nur ATMEN zu wollen!

Wer sonst noch an Asthma leidet, weiß, wovon ich spreche. Alle anderen können sich einfach mal einen Strohhalm in den Mund stecken und versuchen, drei Minuten dadurch zu atmen.
Dann wären wir alle zumindest in der gleichen Ausgangslage, um ungefähr erahnen zu können, wie es einem Hund wohl so ergehen mag, dem man aus "Erziehungsgründen" mit einem Würgehalsband die Luft abschnürt, damit er "lernt", ein bestimmtes Verhalten nicht mehr zu zeigen. Oder den man - weil ein wenig Zug offensichtlich nicht die erhoffte Wirkung zeigt - dann eben so stark würgt, dass man ihn an der Leine nach oben lupft, bis er den Bodenkontakt verliert. Und weil das immer noch nichts bringt, ihn da oben einfach ein paar Minuten baumeln lässt.

Ja, ganz gewiss: Der Hund, der da gerade um sein Leben kämpft, hat ja natürlich dabei auch genug Zeit - wenn er da so baumelt - sich in Ruhe zu überlegen, warum er dort hängt. Er wird natürlich reflektieren und erkennen, dass sein ungebührliches Verhalten (wie etwa etwas so Ungeheuerliches wie Leineziehen) Grund für die Würgerei ist. Sein Mensch meint es ja nur gut mit ihm! Und er wird sich fest vornehmen, nie wieder an der Leine zu zerren, wenn man ihn nur erst herunterlassen würde und er jemals wieder aus der Ohnmacht erwachen sollte. Allerdings gibt es auch die Fälle, in denen es besser gewesen wäre, lieber nicht mehr aufzuwachen.

Ihr glaubt, solche Methoden sind nur Ausnahmeerscheinungen, kein normaler Mensch würde je mit seinem besten Freund auf vier Pfoten so umgehen? Tja. Falsch gedacht!
Es gibt immer noch viele sogenannte "Hundetrainer", die empfehlen, Hunde zu Erziehungszwecken zu würgen. Und man trifft mehr Menschen auf der Strasse als man sich vorstellen kann, die Würgehalsbänder bei ihren Hunden dauerhaft im Einsatz haben.

Seltsam.
Ich behaupte jetzt mal, in der Kindererziehung läuft das anders. Die wenigsten Eltern kämen je auf die Idee, ihre Kinder aus pädagogischen Gründen zu würgen oder aufzuhängen. Und ich schätze, sie kämen deshalb nicht auf die Idee, weil ihnen ganz intuitiv so was wie Misshandlung oder Folter in den Sinn käme.
Und in der Tat kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Würgen bis zur Besinnungslosigkeit in gewissen geheimdienstlerischen Kreisen durchaus zum festen Repertoire gewiefter Folterknechte gehört, um den Gefolterten ihre Geheimnisse zu entlocken.

Wieso aber kommt keiner, der seinem Hund ein Würgehalsband zumutet, auf die Idee, dass es auch Folter sein könnte, einem Hund die Luft abzuschnüren? Wieso erdreisten sich Menschen zu glauben, mit ihren Vierbeinern so umgehen zu dürfen?
Wieso haben diese Menschen überhaupt Hunde, wenn sie doch offensichtlich Universen davon entfernt sind, so etwas wie Empathie, Respekt oder gar Liebe für sie zu empfinden?
Wieso erzählen gerade diese Menschen gerne, dass sie ihre Hunde nicht "vermenschlichen" möchten - obwohl sie doch genau dies tun?! Schliesslich erwarten sie ja, dass der Hund wie ein Mensch unter Folter versteht und einsieht, warum er gefoltert wird und was von ihm erwartet wird.
Wie kann ein Mensch einem anvertrauten Schutzbefohlenen so etwas antun???

Ich schätze, möglicherweise deshalb, weil sie einfach selber zu lange durch den Strohhalm geatmet haben und ihr Hirn durch den Sauerstoffmangel irreparablen Schaden genommen hat! >: [

Mittwoch, 5. Juni 2013

Maja Nowak: Der Fall Marcy - Die Soap geht weiter! : )

Berühmtheit Marcy!
Ich bin ECHT neidisch! : ) 
Freunde des schnellen Erfolges, tja, was soll ich sagen...
Wir alle haben über Marcy gelesen. Dem "Strassenhund" aus Russland, der aus Angst vor fremden Menschen und Hunden gerne mal nach vorne ging oder zuschnappte und der daraufhin in der nagelneuen TV-Sendung im ZDF "Die Hundeflüsterin - Maja Nowak hilft" landete und dort Nowaks selbstausgedachter Trainingsmethode - vollkommen ohne Konditionierung, ohne Belohnung, ohne Bestrafung und rein über "Kommunikation" eben - zum Opfer fiel.
Und tatsächlich! Ein Wunder geschah! Höchst eindrucksvoll, in der Tat total belohnungsfrei, dafür nur mit ein ganz klein bisschen viel körpersprachlicher, physischer und vor allem psychischer Brachialgewalt, gelang es der frisch gebackenen TV-Hundeflüsterin, die vor lauter Angst panische Hündin total zu entspannen.
Oder auch in die, sagen wir, total erlernte Hilflosigkeit zu stürzen... Was ja aber auch eigentlich total dasselbe ist, Hauptsache, der aggressive Hund liegt endlich ab und ist geheilt, oder. Und das innerhalb von 10 Minuten, bitte schön - Zackzack muss das gehen, anders kann man ja auch unmöglich über 6.000 Hunde in einem einzigen Menschenleben therapieren - von dem man ja immerhin auch schon weit über die Hälfte mit Erwachsenwerden, Liedersingen und russische Seele entdecken und zu Buche bringen verbracht hat!
Und, hey, der nichtsahnende Zuschauer wird die Kröte schon schlucken. Schließlich ist Platz Platz, wo gibt's da überhaupt 'n Unterschied?

Diese Folge wurde am 11. Mai in ZDFinfo ausgestrahlt. Am 2. Juni sollte sie dann im ZDF gesendet werden.
Viele waren von diesem Einstand jedoch entsetzt. Und so gipfelte schließlich die Welle der Empörung von Leuten, die beschlossen hatten, sich gegen diese volksverdummende Hundeflüsterei zur Wehr zu setzen, in einer Petition, die die Absetzung der Sendung fordert. Nicht ganz unerfolgreich, denn bis heute nach nur wenigen Tagen haben bereits über 13.000 mitdenkende Mitmenschen unterschrieben.

Möglicherweise ein klitzekleines bisschen beeinflusst durch die Petition, fühlte sich das ZDF - das laut eines Presseberichts der Berliner BZ "keinen Anlass hat, an der Arbeitsweise von Frau Nowak zu zweifeln" - dennoch seltsamerweise befleissigt, den Beitrag mit Marcy zur Erstausstrahlung am 2. Juni und einen weiteren herauszuschneiden und durch harmlosere zu ersetzen.
In der ZDF-Mediathek sind wohl noch beide zu bewundern.

Marcys Fall gestaltet sich derweil immer dubioser.
Seit gestern schreibt die Tiervermittlung "Hundehilfe Russland" Marcy zur Vermittlung aus, bei Markertraining.de wird Marcy als Vermittlungshund des Monats vorgestellt.
Marcys Geschichte liest sich hier ein bisschen anders, als in der Fernsehfolge gehört:
  • Der angebliche "Strassenhund aus Russland" kam bereits als Welpe nach Deutschland zur ersten Pflegestelle.
  • Die Arzthelferin, die ja immerhin nur für Marcy aufs Land gezogen ist - wie es beim ZDF hieß -, ist ebenfalls nur eine Pflegestelle.
  • Desweiteren wird angegeben, dass der Hündin "fremde Menschen und Hunde [...] Angst [bereiten], und wenn sie sich bedroht fühlt, geht sie nach vorne und schnappt."
Von einer Heilung steht da nichts. Na ja. Ein bisschen dichterische Freiheit sollte man selbst einer serösen, fundiert recherchierenden, mit unseren Gebühren finanzierten Fernsehanstalt zugestehen. Schließlich tun sie das nur für uns, damit wir mit dem Zweiten besser sehen. Und sowas kommt beim Konsumenten einfach besser an...

Die Gegenseite, jedenfalls, hat sich auch geäußert. In der gestrigen Stellungnahme des Dog Institus von Frau Nowak heißt es:
"Um keinen Spekulationen Raum zu geben, können wir nur Informationen mitteilen, die wir bisher erfahren haben. Wie uns die noch währende Pflegestelle von Marcy mitteilte, soll ihr der Hund entzogen werden, damit ist sie keinesfalls einverstanden. Da sich Marcy wunderbar entwickelt hat, wie man am kommenden Sonntag auf ZDF bei unserem 2. Besuch bei Marcys Zuhause sehen wird, möchte die Pflegestelle den Hund auf keinen Fall abgeben. Bitte alle Anfragen zu den Hintergründen an den Tierschutzverein Russland Hilfe.[...]"
Ob Frau Nowak wohl mitbekommen hat, dass das ZDF Teil 1 von Marcy herausgeschnitten hatte, da möglicherweise selbst dem amateurhaften Blickwinkel des Senders aufgefallen sein mag, dass diese Szenen vielleicht doch ein bisschen zu... na, sagen wir, nicht nicht strafend, nicht konditionierend und nicht gewaltfrei genug waren, um dem großspurigen Vorspann zur "gewaltfreien Kommunikation" gerecht zu werden?

Egal. Alles Spekulationen.

In Folge 2 jedenfalls dürfen wir eine glückliche Marcy erleben, die uns - aus welchen Gründen auch immer - in Teil 1 vorenthalten wurde und für die definitiv zum heutigen Zeitpunkt ein neues Zuhause gesucht wird, eines, das der Hündin vielleicht mehr als 10 Minuten Training zugesteht, um die Chance eingeräumt zu bekommen, sich zu einem sichereren, angstfreieren Geschöpf entwickeln zu dürfen.

Echt jetzt mal: "Verbotene Liebe" oder "Marienhof" bei der Konkurrenz sind doch eigentlich voll der Scheiß gegen diese Seifenoper, findet ihr nicht? Hehe... "Verlogene Liebe" oder so...
  
In diesem Sinne:
Dieser Post hier hat keine Kommentarfunktion. Es wurde beim letzten Mal bereits alles gesagt, und ich muss es nicht nochmal hören - mir ist immer noch ganz blümerant vor so viel Gewaltrechtfertigungsbereitschaft, fundiertem Nichtwissen, Klisches und reflektionsloser Promiverherrlichung - das muss ich erstmal verdauen.
Mehr wäre für meine kleine deutsche Hundeseele einfach zu viel : )

P.S.: Übrigens: Alle, die mir beim letzten Mal unterstellt haben, ich sei ja nur neidisch: Ihr hattet ja so recht! Ich bin wirklich neidisch! Ich wäre gerne Marcy! Ich meine, die war immerhin irgendwie mal so halb im Fernsehen : )

Sonntag, 26. Mai 2013

Maja Nowak: Warum bist du bloß nicht Liedermacherin geblieben? <: ?

Wieviele Hundeflüsterer braucht die Welt noch? <: ?
Leute, ich muss es verkünden: Ein neuer Stern am Hundeflüstererfirmament tut sich auf. Endlich! Maja Nowak, einst rübergemachte Liedermacherin aus der DDR, hat sich ganz der Hundeerziehung verschrieben und flüstert sich jetzt durchs Fernsehen mit ihrer ganz eigens ausgedachten und vollkommen gewalt- und leckerlifreien Methode. Na, wenn das mal keine Sensation ist!

Meine grenzenlose Neugier ist geweckt, denn der ganze Schrott, der zurzeit in der Glotze zu bewundern ist und die Hirne der Konsumierer durch seine sensationsgeile Aufmachung weichkocht, benötigt dringend einer seriösen und wissenschaftlich fundierten Konkurrenz. Und wenn sich schon das ZDF mit einer solchen Sendung schmückt, dann nährt das auf jeden Fall meine Hoffnung auf hohe Qualität - denn sieht man mit dem Zweiten nicht besser?

Zwar macht mir bereits der Titel der 5-teiligen Fernsehsendung "Die Hundeflüsterin - Maja Nowak hilft" - wird ab Juni ausgestrahlt -, ein klitzekleines bisschen Zahnschmerzen, aber wir wollen ja mal nicht vorschnell urteilen, oder.
Schließlich gehe ich - als treuer Fan der öffentlich-rechtlichen Anstalten - mal davon aus, dass das ZDF schon bei der Wahl des Titels gut recherchiert hat und daher weiß, dass das Wort "Hundeflüsterer" - spätestens seit Cesar Millan - ein häufig missverstandener und falsch angewendeter Begriff ist. Denn einen wahren Hundeflüsterer zeichnet seine angeborene Begabung aus, mit einem Tier auf einer emotionalen Ebene kommunizieren zu können, die weder erlernbar noch lehrbar ist, da sie nicht auf Methoden, Wissenschaft und Rationalität basiert, sondern auf einem nicht erklärbaren Bauchgefühl, auf Intuition und Empathie oder auch einer inneren Verbundenheit oder Seelenverwandtschaft. Weltweit gibt es eine handvoll echter Hundeflüsterer, so heißt es.
Und Maja Nowak ist nun also eine von denen. Bin ich froh, dass das ZDF sie gefunden hat und sie zufälligerweise auch noch aus Deutschland kommt. Sehr praktisch!

Ich muss es gestehen, der Samen des Misstrauens gegenüber einem meiner Lieblingssender beginnt mächtig zu gedeihen, als ich lese, wie das ZDF von Maja Nowak schwärmt:
Die Sendung unterscheide sich von allen bisherigen Coaching- und Hundetrainer-Formaten, "in denen die Tiere mit Belohnungen und durch Konditionierungen über lange Zeit dressiert werden", denn - und jetzt kommt's:
"[Maja Nowak] kommuniziert mit Hunden auf einzigartige Weise, nämlich wie ein Hund und nicht wie ein Mensch. Lehren, die Maja Nowak aus der langjährigen Beobachtung von Hunden gezogen hat. Und die sind leicht verständlich. [...] Hier wird kommuniziert. Maja Nowak hat einen ganz eigenen Zugang zu den Tieren – kreativ, ohne Leckerlis und ohne Gewalt. Das Beeindruckende: Eine Veränderung passiert sehr schnell. Der Hund muss nicht mühsam über Wochen und Monate dressiert werden. Er versteht sofort, wenn jemand „seine Sprache“ spricht."

Na gut. Der Redakteur hat sich soeben als totale Katastrophe entpuppt, denn ganz offensichtlich ist er seiner journalistischen Verpflichtung einer fundierten Recherche nicht nachgekommen und hat sich keinerlei wissenschaftlicher Kenntnisse befleissigt - dafür aber jede Menge Klischees wiedergegeben. Aber was soll's, da kann ja nun Frau Nowak auch nix für.

Ich beschließe also, mir das gewalt-, konditions- und belohnungsfreie hündisch von Frau Nowak mal reinzuziehen und herauszufinden, ob sie hält, was sie verspricht. So, wie ich es schon mal ganz theoretisch im Post "Wie erkenne ich einen guten Hundetrainer" beschrieben hatte, nehme ich mir Stift und Papier und beginne anhand des ersten Falles zu beobachten, wie oft Frau Nowak nun tatsächlich gewaltfrei agiert - oder eben auch nicht.

Im diesem ersten Fall geht's um den Strassenhund Marcy aus Russland, der nun bei einer Arzthelferin in Deutschland lebt, die mit den Beißattacken ihrer Hündin gegenüber Menschen verständlicherweise komplett überfordert ist.
Die Hundeflüsterin betritt die Bühne, schickt die Arzthelferin erstmal von derselben - und ich beginne, mitzuschreiben...

... bis nur wenige Minuten später.
Ehrlich, ich war echt gewillt! Ich wollte ganz neutral, nach meinem eigenen Ratschlag aus dem Post, eine Strichliste führen. Wie oft wird belohnt, wie oft wird gestraft, usw.

Aber was muss ich euch sagen? Nach nur wenigen Minuten schon musste ich dringend Stift und Papier wegschmeißen und erstmal ordentlich kotzen gehen!
Diese Frau Hundeflüstererin macht 10 Minuten lang nichts anderes als zu strafen! Positive Strafe, negative Strafe - da ist alles dabei. So viele Striche passen gar nicht auf meinen Zettel!
Ganz leckerlifrei bedroht sie körpersprachlich und handgreiflich diese arme Kreatur, die vor lauter Meideverhalten schon nicht mehr weiß, wohin mit sich. Die bemitleidenswerte Hündin, die sowieso schon vor lauter Angst vor Menschen, diese attackiert sobald sie ihre Individualdistanz unterschreiten, wird nun bei dieser "kommunikativen" Spezialbehandlung noch mehr geängstigt und traumatisiert. Jede Körperfaser dieses Hundes drückt fürchterliche Angst aus. Er wird mit Gewalt festgehalten, mit Gesten und Mimik bedroht, bezischt und auf den Boden gedrückt. Nach einiger Zeit des Kampfes gibt er auf und legt sich "entspannt" ab. Ein voller Erfolg! Ich kriege echt gleich Brechdurchfall!
ENTSPANNT??? Ja, wollt ihr uns verarschen? Seit wann kann man denn Jemandem durch Gewaltanwendung die Angst nehmen und entspannen?
Was für eine bodenlose Volksverdummung! Ich überlege ernsthaft, ob das ZDF wirklich unsere Fernsehgebühren verdient hat.

Fassen wir also nochmal zusammen:
  • Lüge Nr. 1: Frau Nowak ist ganz sicher keine Hundeflüsterin. Aber immerhin eine echte Scharlatanin - das ist ja auch was.
  • Lüge Nr. 2: Frau Nowak mag ihre eigene Methode entwickelt haben. Aber die ist NICHT gewaltfrei. Schaut es euch an. Da muss man wirklich kein Experte in Körpersprache sein, um das zu erkennen!
  • Lüge Nr. 3: Frau Nowak mag ausgebildetete Hundepsychologin sein, aber bei der Lektion "Lerntheorie" hat sie offentlichlich geschwänzt. Sonst wüsste sie, wie Wirbeltiere lernen. Über positive (Belohnungen) und negative (Strafen) Konsequenzen. Auch operante Konditionierung genannt. Das mag sie uncool finden und es lieber Kommunikation nennen - aber Fakt ist, auch Frau Nowak konditioniert. Und zwar nicht über Belohnung (die einzige Wahrheit in diesem Märchen), sondern über Strafe. Und diese ist Bestandteil der operanten Konditionierung. 
  • Lüge Nr. 4: Frau Nowak mag mit Hunden in Russland oder in Kleinkakafuja gelebt haben, aber von Körpersprache versteht sie nichts, was schade ist, wenn man doch so lange angeblich so eng mit Hunden gelebt hat! Insofern ist es entweder Dummheit oder einfach frech von ihr zu behaupten, sie würde wie ein Hund kommunizieren. Frau Nowak kommuniziert wie ein bedrohlicher Mensch! Mehr nicht. Und ich werde jetzt hier nicht zum 97. Mal darauf eingehen, dass es vollkommen ausgeschlossen und lächerlich ist, wenn Mensch sich einbildet, auch nur annähernd wie ein Hund kommunizieren zu können! Und Hunde auch noch doof genug seien, einen Menschen mit einem Hund zu verwechseln. Wer sich einmal mit der extrem feinsinnigen und komplexen Körpersprache des Hundes beschäftigt hat und weiß, welche subtilen Signale Hunde untereinander senden, um sich zu verständigen, wird ganz schnell diesen sauarroganten und dummen Gedanken ad acta legen.
Wegen mir kann Frau Nowak ja "kommunizieren" wie sie es für richtig hält. Sie sollte ihre Methode jedoch nicht mit Worten schön reden, sondern sagen wie es ist. Damit die Leute auch wissen, was sie erwartet. Sie sollte dabei auf jeden Fall auch nicht vergessen zu erwähnen, zu welchen tickenden Zeitbomben Hunde mutieren, deren aggressives Verhalten man durch aversive Methoden hemmt. Und dass ein schneller Erfolg zwar durchaus in unsere erfolgsorientierte Leistungsgesellschaft passt, Lernprozesse allerdings komplex sind und man viel Geduld und sehr viel Training braucht, um unerwünschtes, und schon gar angst- oder aggressionsbasiertes Verhalten zu verändern.

Es ist ein Trauerspiel! Wieder einmal sind es die Medien - und dieses Mal sogar mein hochgehaltenes öffentlich-rechtliches Fernsehen - die aus reiner Unwissenheit und schlampiger Recherche oder auch schnödem Kalkül - die Einschaltquoten fest im Visier -, einen weiteren Scharlatan nach oben schwämmen und zu einem glorifizierten Ruf verhelfen. Ein weiterer falscher Hundeflüsterer, den die Welt nicht braucht.

Frau Nowak, warum bist du bloß nicht Liedermacherin geblieben! >: [

Samstag, 11. Mai 2013

30 Jahre Hundeerfahrung - Ein echtes Qualitätsmerkmal! : )

Der knallharte Killerrüdentipp des Tages:
"Manchmal sind 30 Jahre Erfahrung
einfach voll für'n Arsch..." : )
Wie oft hört man es: "...Hundeexperte mit 30 Jahren Erfahrung..."

Ehrlich? Wenn ich sowas höre, bekomme ich eine gigantische Piloerektion und nehme schnellstens die Beine in die Pfoten!
Denn dieser Satz, der bei so Vielen erstmal mächtig Eindruck schindet und denken lässt, "na, der muss es ja drauf haben", besagt ja nu' mal rein JOR NÜSCHT über die Methode, mit der der sogenannte Experte die Hunde "trainiert".
Und schlimmer noch, ganz oft steckt dann tatsächlich auch noch einer dieser "Experten" dahinter, die es tatsächlich geschafft haben, 30 Jahre lang ohne Weiterbildung durchs Leben zu gehen, die seit 30 Jahren alleine vor sich hin wurschteln, noch nie 'n Fachbuch gelesen haben, dafür aber mit Elan und Fleiß Hunde auf den Rücken schmeißen, den Alpha-Horst raushängen lassen und mit Blechnäpfen um sich scheppern. Herzlichen Glückwunsch!

Aber selbstredend will ich niemandem seinen Expertenstatus absprechen. Verdient ist verdient! 30 Jahre sind schließlich ja auch nich' nix, oder.
Ich bin einfach nur für ein kleines bisschen mehr Sprachgenauigkeit.
Ich meine, wenn man die Putzfrau heute Raumpflegerin nennt und die Sekretärin Office Managerin, dann könnte man sich beim banalen "Hundeexperten mit 30 jähriger Erfahrung" durchaus auch ein bisschen mehr einfallen lassen.

Wie wär's also zum Beispiel mit: "Dominanz- und Alpharollenspezialist". Sehr seriös! Oder: "Experte im Ängstigen und Traumatisieren", kurz: EAT - es soll sich ja keiner die Zunge brechen. Schön fände ich aber auch mal ein paar lateinische oder englische Brocken einzubringen. Die unterstreichen nämlich die Bedeutsamkeit. Zum Beispiel: "Der Submissions-Profi" oder "The Whispering Will Breaker". Ich meine, hallo?! Hier ist der Kreativität doch wahrlich keine Grenze gesetzt!
Und diese echt geilen Titel sind dazu noch voll adequat - denn jeder weiß sofort, woran er ist!

Ok, ich mach's kurz... Freunde des preussischen Obrigkeitsdenkens, was ich eigentlich sagen wollte: 30 Jahre Erfahrung - Toll! Nur, worin eigentlich? : )

Dienstag, 7. Mai 2013

Die teuflische Abhängigkeit vom Futterbeutel : )

Ein frischer, dampfender Pferdeapfel
kann durchaus belohnend wirken : )
© Wikipedia
Freunde der Futterbeutelgegner und Klickerhasser, jetzt kommt was für euch!

Ihr spottet doch immer so hübsch eloquent, dass die "Klickerfraktion" nur mit Leckerlis überleben würde und wehe dem, wenn sie mal ohne aus dem Haus ginge! Dann wäre der Hund nicht mal mehr zu 'nem müden Sitz zu bewegen. Und das ganze Geklickere sei damit auch voll fürn Arsch. So oder so ähnlich...

Hach, ich bin neidisch! Bei solchen Statements erkennt man einfach mal wieder eure hundert- bis mindestens tausendjährige Erfahrung im Umgang mit Hunden, toll!
Allerdings muss ich euch ein ganz klein biki enttäuschen, denn die "Klickerfraktion" - nennen wir sie doch einfach mal, "die, die mit dem Markersignal arbeiten" - ist jung, dynamisch und progressiv und daher nicht mal annähernd so unbedarft, wie ihr es euch in eurem verstaubten Paralleluniversum so vorstellt!

Vor kurzem hab' ich euch ja die Angst vor der Wissenschaft bereits genommen (ihr erinnert euch), deshalb seid ihr jetzt natürlich total aufnahmebereit für ein weiteres Kapitel aus der Lerntheorie:
Säugetiere lernen über die Konsequenzen ihres Verhaltens. Das wisst ihr natürlich, denn das lernt jedes Kind (außer Cesar Millan und Maja Nowak) im Biounterricht.
Diese Konsequenzen können - wie das Leben so spielt - gut oder schlecht sein. Gute Konsequenzen auf ein Verhalten - und jetzt kommt's! - bedeutet in der Praxis, dass etwas Positives, BELOHNENDES folgt, womöglich sogar ein BEDÜRFNIS über einen sogenannten funktionalen Verstärker (= Belohnung, die für den Hund tatsächlich eine Belohnung bzw. Bedürfnisbefriedigung darstellt) gestillt wird. Mit dem Effekt, dass der Hund das Verhalten öfters zeigen wird, da er positive Konsequenzen geil findet.

So. Und nun frage ich euch: Wenn ihr 'ne fette Portion Fritten rot-weiß mit Currywoosch intus habt und die euch so richtig fies im Magen liegt, hättet ihr dann das Bedürfnis, noch 'ne Portion reinzuschieben???

Ahaaaaa?! Klingelt's?

Was wäre in diesem Fall wohl der naheliegendste, natürlichste Verstärker? Vielleicht 'ne Flasche Bier zum Runterspülen? 'Ne Tablette gegen Sodbrennen? Oder gar den Finger in den Hals stecken?
Ei, nu' gugge: Gleich drei völlig unterschiedliche Verstärker, um ein ganz individuelles Bedürfnis zu befriedigen.

Tja. Und nun wird es euch sicher nicht verwundern, wenn ich euch verrate, dass das beim Hund haargenauso funktioniert! Kein Hund ist so simpel strukturiert, dass ihm immer und überall Leckerlis als das Non plus Ultra erscheinen!
Wer jetzt das Gegenteil behauptet, der hat entweder keine Fantasie oder Tomaten auf den Augen, wenn es darum geht, seinen Hund mal zu beobachten. 

So. Und da "die, die mit dem Markersignal arbeiten" ja mitdenken, wissen die das schon lange. Und deshalb schaffen die auch nicht nur mit Leckerlis, sondern mit allem, was für ihren Hund einen Verstärker darstellt.
Im übrigen spielt das Markersignal beim Lernen über Konsequenzen überhaupt keine Rolle. Es kündigt lediglich an, dass etwas positiv Verstärkendes folgt und vereinfacht die Ausführung der Belohnung und das Timing für den Menschen. Nicht mehr, nicht weniger.
Einzig das Verhalten des Hundes bestimmt die Art der Konsequenz!

Was macht euer Hund also wirklich gerne? Was tut ihm wirklich gut? Was sind seine Bedürfnisse in Abhängigkeit zu einer bestimmten Situation?
Zum Beispiel: Der Hund soll ein Sitz machen, würde aber viel lieber gerne rennen. Wäre es da nicht echt clever, ihn zur Belohnung danach rennen zu lassen, wenn es die Umgebung erlaubt, statt ihm ein Leckerli ins Maul zu schieben?
Oder er hat Schiss vor einem entgegen kommenden Hund. Helfen da wirklich Leckerlis, um seinem dringenden Bedürfnis nach mehr Abstand nachzukommen?

Hier mal ein paar killermäßige Anregungen, was eurem Hund gefallen könnte und BELOHNEND / VERSTÄRKEND wirken könnte:
  • Lobende Worte
  • Streicheln (Aber Achtung: Viele Hunde empfinden Streicheln zum Beispiel in aufregenden Situationen NICHT als Belohnung! Sie harren zwar oft aus, weil sie nett sind, meist aber meiden sie, durch Kopfwegdrehen etc., und so bleibt der verstärkende Effekt aus. Die Belohnung ist keine, im Gegenteil, die nett gemeinte Belohnung kann strafend wirken.)
  • Ohren kraulen (s. o.) 
  • (gemeinsam) Rennen
  • Zerren
  • Buddeln
  • Suchen
  • In Kuhfladen wälzen
  • Pferdeäpfel fressen
  • An Baumstämmen hochspringen
  • Schwimmen
  • Jagen
  • Schnüffeln 
  • Körperkontakt
  • Abstand zu anderen Hunden
  • Nähe zu anderen Hunden
  • Ein Stofftier zerlegen
  • Mit anderen Hunden spielen
  • Beobachten
  • Am Menschen hochspringen
  • Auf dem Sofa liegen
  • Bellen
  • u. v. m.!!!
So. Und all dies kann man kreativ einsetzen! Man MUSS keine säckeweise Leckerlis mitschleppen, wenn man der Meinung ist, dass sei uncool.
Sollte der Hund allerdings anderer Meinung und über Leckerlis hervorragend zu motivieren sein, warum sich diese Möglichkeit dann nicht offen halten? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Belohnen mit Leckerlis schnell geht, bequem ist und den Hund oft genug befriedigt.
Was zum Henker ist also so schlimm daran? Weil es für euch nicht zumutbar ist, ein paar Leckerlis in die Hosentasche zu stecken? Weil ihr meint, der Hund sollte einfach so das machen, was ihr von ihm erwartet? Womöglich auch noch ganz ohne Worte natürlich? So 'n bisschen telepathiemässig? Nee, ja, is' klar...

Und die, die jetzt sagen, ich will meinen Hund nicht bestechen, haben den Unterschied zwischen Bestechung und Belohnung nicht kapiert: Bei der Bestechung wird das Leckerli dem Hund schon vor Augen geführt, BEVOR er das erwünschte Verhalten gezeigt hat. Die Gefahr hierbei ist in der Tat groß, dass er zukünftig nur etwas macht, wenn er die Belohnung auch schon vor Augen hat. Deshalb ist es so wichtig, erst in die Tasche zu greifen, wenn das Verhalten auch gezeigt (und das Markersignal gegeben) wurde. Und warum gutes Verhalten dann nicht belohnen?
Herrje! Und selbst ab und an Bestechung - na und? Ist nicht jeder käuflich? Und wieso unbedingt beim Hund anfangen?

Da fällt mir noch was ein: Wie oft rennt ihr eigentlich so auf der Arbeit an der Schüssel mit Gummibärchen vorbei und schiebt euch welche - ganz selbstbelohnend! - rein? Und was ist mit dem Stück Kuchen am Nachmittag?
Na gut, ist natürlich gaaaanz was anderes, ihr seid ja Menschen. Und Menschen sind nun mal von Haus aus immer auf der Suche nach (Selbst-)Belohnung: Ob beim Shopping, beim Sport, durch Anerkennung auf der Arbeit, beim Essen, im Urlaub - heute gönnen wir uns mal was... Hunde müssen natürlich einfach nur funktionieren. Und zwar ohne diesen ganzen Belohnungsquatsch.

Grumpf, ehrlich? Wer so denkt, der sollte definitiv überlegen, ob ein Hund wirklich das Richtige für ihn ist, oder ob er sich nicht besser ein Tamagotchi zulegt.

Dem Rest wünsche ich viel Freude dabei, mit seinem Hund zusammen ein ausgefuchstes Belohnungssystem zu erarbeiten, zu dem ganz sicher auch Leckerlis gehören, oder für besonders tolle Leistungen durchaus auch hochwertigere Futterbelohnungen wie Wurststücke, Futtertube oder Käsestücke - ganz nach Gusto des Hundes!
Er hat es womöglich mehr verdient, als ihr eure Gummibärle, denn er musste dafür arbeiten! Grumpf! : )