Sonntag, 17. Februar 2013

Entspannung für den Hund - Was ein neumodischer Firlefanz! : )

Ommmmm!
Ich sag's euch... Ommmmm!
Entspannung ist das halbe Leben - vor allem, wenn die andere aus Action, Stress und Aufregung besteht.
Wieder so'n neumodischer Firlefanz, werden jetzt manche sagen. Aber wenn's doch schee macht???

Ich behaupte, aktive Entspannung - regelmäßig angewendet - kann wahre Wunder wirken, und das nicht nur bei den Hunden, die sich sehr schnell aufregen und die per se nervöser sind als andere, sondern bei allen. Entspannung tut einfach gut. Welcher Mensch weiß das nicht aus eigener Erfahrung? Und nein! Ein Hund ist kein Mensch, aber mit Verlaub, ein Säugetier, und das haben wir gemeinsam, bäh!

Mit der richtigen Entspannung sinkt der Stresslevel schneller, man kommt eher zur Ruhe, kann eher regenerieren, wird ausgeglichener, wird nicht mehr so schnell überfordert, regt sich erst gar nicht mehr so schnell auf UND kann schließlich seine Energie gezielt da ablassen, wo es auch erwünscht ist...

Ein kurzes Entspannungsspiel auf
einem Workshop bei Supergerdi,
alias Gerd Schreiber : )
Action und Entspannung sollten im besten Fall miteinander einhergehen: Nach aufregenden Sequenzen sollten immer kleine Entspannungsübungen folgen, und sie sollten immer den Abschluss bilden. Ein Hund, der zum Beispiel von der HuSchu nach Hause kommt, ist zwar wahrscheinlich ziemlich müde, kommt aber vielleicht einfach nicht so schnell herunter, als dass er sich gleich hinlegen und pennen könnte. Eine gezielte Entspannungsübung kann da Wunder wirken.
Agile quirlige Powerpakete werden oft zum actionreichen Hundesport gebracht, damit sie sich da "mal richtig austoben können". Das ist nett gedacht, der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen: Nicht selten werden diese Hunde dabei so hoch geputscht, dass sie Tage (!) brauchen, um wieder herunterzukommen. Ein überdrehter Hund ist eigentlich wie ein überdrehtes Kind: Todmüde, aber unfähig, selber den Ausknopf zu drücken. Hier ist eine Hilfestellung dringend notwendig.

Erlaubt ist alles, was (dem Hund!) gut tut: Verbale Beruhigung, Kraulen, Streicheln, Massieren (an Stellen, die dem Hund wirklich gefallen und nicht von denen man nur annimmt, dass sie gut kommen!), konditionierte Entspannung mit oder ohne olfaktorischer Unterstützung (wie bestimmten Duftölen), isometrische Übungen und - Schlaf! Viel Schlaf! Aber auch ein entspannter Gassigang ohne Spiel und Ablenkung kann hilfreich sein, ruhige Bewegung, Schnüffeln lassen in einer stressfreien Zone - es kommt einfach auf die jeweilige Situation an. Ach ja, und eine Selbstreflektion des Menschen könnte ebenso entstressen: Ein genervter, hektischer, aufgeregter Mensch bringt selten Entspannung ins Spiel, ihr wisst, was ich meine...

Entspannungsübungen, wie isometrische Übungen oder die konditionierte Entspannung, sollten immer mal wieder zwischendrin geübt oder "aufgeladen" werden. Wer's richtig aufgebaut hat, kann später zum Beispiel über ein konditioniertes Wort oder eine bestimmte Berührung den Hund damit in aufregenden Situationen ein Stück herunterfahren. Ein Hund auf hohem Stresspegel wird beim "Eeeeeeasyyyyy" sicher nicht gleich ins Koma fallen, aber seine Aufregung wird etwas sinken, und er bleibt womöglich ansprechbar, so dass er souverän aus der Stresssituation herausgeführt werden kann.

Wer jetzt sagt, na ja, MEIN Hund ist IMMER entspannt, der braucht das nicht, dem sage ich: Hilfe, ein Alien!
Es ist doch wie bei jedem Individuum: Zwischen dem hyperaktiven, dauerkläffenden ADHS-Zappelphilip und dem tiefenentspannten Gemütshund gibt es alle nur denkbaren Varianten. Der eine braucht ganz viel, der andere nur wenig Entspannung, dem einen muss man's beibringen, der andere weiß selber, wie er da raus kommt. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen, auch ein Hund, der nicht so aussehen mag, kann dennoch gestresst sein. Eine genaue Beobachtungsgabe und korrekte Interpretation der Körpersprache sollten die Nuancen erkennen lassen.

Action in der Oase...
Der Mensch sollte auch nicht von sich auf andere schließen: Was für ihn Peanuts sein mögen, kann für den Hund enorm anstrengend sein: Stadtverkehr, Reisen, Training, Sport, Trennung, Alleinsein, ein Umzug, Hundetreffen, Impulskontrolle, ein scheinbar netter Gassigang mit dem Nachbarshund, viele Termine an aufeinander folgenden Tagen, Arztbesuche, alles, was kein Alltag ist, aber auch alles, was Alltag ist. Meine zwei Nachmittage in meiner Hundeoase zum Beispiel sind Stress pur! Es macht, na klar, voll Spaß (Stress ist ja nicht unbedingterweise negativ!), mit den anderen herumzuturnen und non-stop Gas zu geben, aber es stresst mich auch, mit all den anderen Hunden auf begrenztem Raum auszukommen. Es ist mir in den seltensten Fällen möglich, mir dort mal eine Auszeit zu gönnen, und abends renn ich oft noch 'ne Weile aufgekratzt durch die Gegend, es sei denn, Fraule legt sich mit mir aufs Sofa und massiert oder streichelt mich.
Arbeitende Hunde wie Therapiehunde, Spurensucher usw. usw., die ihre Arbeit zwar sicher gern machen, deren Job aber geistig enorm viel von ihnen abfordert, sollten sich nach der Arbeit entspannen dürfen - auch, wenn sie ja eigentlich daran gewöhnt sein dürften! Für geistig stark geforderte Hunde ist es sicher wichtig, einen körperlichen Ausgleich zu haben und auch einfach mal "die Seele baumeln" lassen zu dürfen...

... ist voll super, aber anstengend!
Entspannungsübungen zu Hause bringen mich
schneller wieder auf den Boden der 
Tatsachen : ) 
Ebenso wie der Mensch ist auch kein Hund wie der andere. Jeder Hund hat seine ureigensten Eigenschaften, Vorlieben, Bedürfnisse und Macken, und was den einen aufregen mag, entlockt dem anderen vielleicht nur ein müdes Gähnen (im Sinne von tatsächlich "müde" ; )
Daher sollte jeder verantwortungsvolle Mensch seinen Hund so gut beobachten, dass er erkennen kann, wann er wirklich in Stress gerät und Hilfe braucht. Er sollte herausfinden können, welches für die spezielle Stresssituation auch die beste Gegenmaßnahme sein könnte. Denn natürlich hilft nicht immer alles gleich gut. Eine isometrische Übung ist Gold wert, aber manchmal ist der Stress zu groß, als dass der Hund sich in der Situation noch anfassen lassen wollte. Und manchmal wäre es schon ausreichend, das Agi-Turnier einfach abzubrechen, auch auf die Gefahr hin, womöglich als Verlierer dazustehen. Aber schließlich macht man das ganze Wettkampfzeug ja nur für den Hund und weil's ihm so viel Spaß macht, nicht wahr, und nicht etwa für sich selber, oder...

Gemeinsam entspannen -
die beste Art wieder aufzuladen : )
Die Bedeutung von Entspannung für den im Privat- und Berufsleben stark geforderten Menschen wird heutzutage nicht mehr angezweifelt und von Krankenkassen, Vereinen, Firmen und dem Staat durch vielseitige Programme gefördert.
In der Hundeerziehung sind wir noch weit davon entfernt, ihre Wichtigkeit zu erkennen und sie in das oftmals auch recht anspruchsvolle Hundeleben einzubauen.

Entspannung für den Hund mag also vielleicht "neumodisch" sein - im Sinne von "noch nicht im Bewusstsein von Ottonormalhundehalter" -, aber es ist ganz sicher kein Firlefanz!

Ein entspannter Hund ist die halbe Miete. Für die seelische und körperliche Gesundheit des Hundes, für seine Stimmung und sein Verhalten - UND damit nicht zuletzt auch für die seines Menschen...

In diesem Sinne: Ommmmmmm! : )

0 eloquente Meinungen zu dem Quatsch : )

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Wenn du allerdings einfach nur mal unter dem Deckmäntelchen der Anonymität oder wegen mir auch unter deinem richtigen Namen unflätig werden oder destruktiv stänkern willst, weil dir sonst keiner zuhört, dann wird dies hier leider nicht deine Bühne werden - versprochen! : )