Donnerstag, 28. Februar 2013

Der vegane Hund : )

+ + + Kumpels, Kläffer, Groupies, Lausemädchen: Achtung! Achtung, Achtung, Achtung!!! + + + 

Schweineohren ade! : )
Ich höre es immer wieder: Wir Hunde sollen Veganer werden!!!
Erst dachte ich ja, na super! Das ist bestimmt 'ne neue Würstchensorte, immer her damit!
Aber nein! Ganz falsch! Nix da Würstchen! Es sei denn aus Tofu... o weia...!

Nein, Hunde sollen kein Fleisch mehr fressen! Alaaarm! Zu Hilfeeeee!
Und nicht nur das, die sollen auch sonst nix mehr fressen, was irgendwie aus oder von einem Tier produziert wurde. Keine Knochen, keine Rinderkopfhaut, kein Pansen, keine Hühnerfüsse oder Schweineohren, geschweige denn Würstchen! Keine Eier, kein Fisch, kein Honig, kein Käse, kein Yoghurt, kein Hüttenkäse, kein JOR NÜSCHT!!! Womöglich nicht mal mehr saftige, dampfende Pferdeäpfel - schließlich werden die auch vom Tier produziert...

Nicht ohne meine Rinderkopfhaut! : )
Ja, bin ich denn ein Ossi-Hund??? Ich meine, mal ehrlich, wir alle wissen doch, die im Osten, die haben ja nüscht. Aber ich bin doch ausm Westen! Sogar ausm Südwesten, einem der ganz wenigen Bundesländer, die es sich sogar noch leisten können, in den Länderfinanzausgleich einzuzahlen. Dem Schlaraffenland, sozusagen...grumpf! Da wird doch wohl noch 'n klitzekleines Würstchen für mich drin sein!? Nicht?

Aber abgesehen mal davon: Was soll ich denn statt dessen fressen? Soll ich jetzt meinem ehemaligen Fressen das Fressen wegfressen und mich auf Gras, Wurzeln, Möhrchen und Salatblätter konzentrieren? Oder ist das dann nicht auch irgendwie unmoralisch? Dann vielleicht einfach von Luft und Liebe? Also, bei aller Liebe: NEIN DANKE!

Ich will was Handfestes! Ab und zu mal 'ne Möhre zum Spaß ist ja nett, obwohl die mir gesundheitstechnisch nur püriert oder gedünstet überhaupt was bringt. Aber vor allem will ich FLEISCH! Denn zur Erinnerung: Hunde sind vorwiegend FLEISCHFRESSER, und das werden auch ein paar verträumte Idealisten nicht ändern! Wir sind sozusagen dafür gemacht, hauptsächlich Fleischhaltiges zu fressen! Von der Nase über die Reißzähne bis zum Poppes - alles ist darauf ausgerichtet! Und wir haben auch keinerlei moralische Bedenken, dies zu tun - da können wir euch beruhigen!
Ich soll den Knochen hergeben?
Vergiss es! : )
Ich weiß, es gibt garantiert gänzlich tierproduktfreies Hundefutter, Kapseln oder Pulver, das mir alle Nährstoffe liefert, die ich brauche, um groß und stark zu bleiben. Voll gesund, ganz sicher! Aber ich sag euch mal was: Diese pürierte Schlabberpampe und euer Astronautentütenfutter könnt ihr selber fressen! Ich habe gesunde Hauerchen im Maul, und die wollen echtes Fleisch ZERKAUEN, meine Geschmacksnerven wollen echtes Fleisch SCHMECKEN und meine Nase will echtes Fleisch RIECHEN! Mir reicht schon dieser Trockenfutterfraß, den ich persönlich bekomme, statt BARF, wie sich das für einen richtigen Hund gehören würde. Aber wenigstens bekomme ich zwischendrin mal was Ordentliches zwischen die Kiemen! 

So. Und was sag' ich eigentlich Nachbars Katze, die gerade mal wieder 'ne halbtote Maus vor der Tür ablegt oder dem Löwen im Dschungel, der sich gerade 'n Zebraschenkel zu Gemüte führt? Hey... ihr...also ähm, peace und so, entschuldigt mal die Störung, aber das mit dem Jagen und Töten, das ist jetzt politisch aber mal so gar nicht in Ordnung und konkret ausbeutend! Versucht doch mal so ein paar knackige Baumrinden oder saftige Palmwedel, die wachsen nämlich wieder nach, wisst ihr. Das ist total nachhaltig und wär voll korrekt von euch... Have respect, dudes, jo jo...

Oder gilt das womöglich nur wieder für uns gearschten Haushunde und alle anderen (Haus-)Tiere sind ausgenommen? Wieso immer wir? Frechheit! Dann sollen gefälligst wenigstens auch die Katzen mitmachen, grumpf! Sagt denen, Mäusejagd ist uncool, dann fress ich ab sofort auch Brot ohne Wurst!

Die Zeiten, wo ich's vegan
probiert habe, sind lange vorbei! : )
Ernsthaft, was ist das mal wieder für ein verquerer Furz im Gedärm einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft, die sich keinen Kopf darüber zu machen braucht, was sie morgen zum Essen auf den Tisch stellt?
Ehrlich, ich bin ja totaaaal tolerant, wie allgemein bekannt. Und daher ist mir schnurzpiepegal, was ihr Menschen so täglich in euch reinstopft. Wegen mir könnt ihr den ganzen Tag lang Hamburger mampfen oder euch Salatgurken reinpfeifen. Ihr werdet Gründe dafür haben, unterschiedlichster Motivation und Überzeugung. Das finde ich voll korrekt.

Aber müsst ihr uns euer Credo deshalb auch gleich überstülpen und uns einmal mehr zu einem Menschenähnlichen machen?
Auch, wenn wir seit Zehntausenden von Jahren mit in euren Häusern leben und uns euch angepasst haben, wie sonst kein Tier auf dieser Welt, bleiben wir dennoch Carnivoren und würden uns gerne einen Rest Würde erhalten und nicht zum zahnlosen Tiger verkommen.
Wenn ihr es mit eurem Gewissen nicht vereinbaren könnt, uns mit Nahrung aus der Massentierschlachtung zu versorgen - was euch ja ehrt! -, dann hab ich 'ne super Idee: Kauft uns Fleisch von glücklichen freilaufenden Tieren von vertrauensvollen Biobauern! Oder schafft euch einfach kein Haustier an, dann stellt sich euch dieses Dilemma erst gar nicht. Erzählt mal der Schlange in eurem Terrarium, dass sie fortan nur noch Kartoffeln runterwürgen darf... Mann, echt ey...

Also, ich sag euch was: Bevor ich zum veganen Hund mutiere, werde ich eher zum dominanten Alpha-Rüden und die Weltherrschaft endgültig an mich reißen! Sobald ich die erste Blume in meinem Napf finde, ich schwör, hau ich mit der Pfote aufn Tisch und zeige mal allen, wo der Schinken hängt! : )

Sonntag, 24. Februar 2013

Respekt und Empathie - Nicht Jedermanns Sache! : )

Ja, Freunde der Verniedlichung, süße Bilder gehen um die Welt. Niedliche Bilder, die wichtige Botschaften vermitteln, die zu Tränen rühren oder den Betrachter in Verzückung geraten lassen sollen.
Mit Erfolg. Dieses beeindruckende Foto hier zum Beispiel. Ein "Kampfhund", der sich von einem Kind friedlich und entspannt bemalen lässt. Ist das nicht toll? 

Die Botschaft, die das Foto vermitteln möchte, ist - auch durch die ironische Überschrift - klar wie Würstlwasser:
Seht her, Kampfhunde sind ungefährlich, ihr könnt eure Kinder ruhig mit ihnen alleine lassen, die tun nix. Seht her, man kann sie sogar bemalen, sie sind geduldig und brav wie Lämmer, sie haben ihren schlechten Ruf einfach nicht verdient...

Die Reaktion auf solche Fotos, die in Facebook zahlreich kursieren, ist immer die gleiche:
"Gröhl!"
"Wie süß!"
"Voll niedlich!"
"Boah, voll gefährlich, kicher!"
"Lach! Meine Kinder machen das mit unseren Hunden auch immer!"
"Bei uns gibt's auch haufenweise solche Fotos! Unsere Kinder können sogar auf dem Hund sitzen und Pferdchen spielen, der findet's toll!"
Undsoweiterundsofort...

Alter, mir kommt gleich mein letztes Würstchen wieder hoch! Was fällt mir nicht alles zu einem solchen Foto ein. Das letzte allerdings wären Attribute wie "süß" oder "niedlich".
Wie gedankenlos und dämlich kann man eigentlich sein, stünde da zum Beispiel ziemlich vorne. Wie falsch ist dieses Foto und wie dumm und oberflächlich sind die Kommentare dazu, käme direkt danach.

Wenn man in einem Kommentar kritisch anmerkt, dass Hunde ziemlich sicher Lebewesen seien und kein Stück Papier und es somit fraglich sei, warum ein Kind einen Hund überhaupt bekritzeln müsse, stößt man auf komplettes Unverständnis und erntet hochinteressante Antworten:
"Herrje, das Leben ist so ernst, da muss doch mal ein bisschen Spaß erlaubt sein!"
"Du liebe Güte, man kann's auch übertreiben! Der Hund leidet ja wirklich sehr!"
"Kinder bemalen doch auch Menschen, die machen da keinen Unterschied!"

Aaaaaaargh! Bei dieser geballten Intellektualität schlag ich mir doch die Pfote vor den Kopp! Kinder bemalen auch Menschen??? Spaß haben???
Na klar, bemalen Kinder auch Menschen! Kinder bemalen alles, was ihnen unter die Finger gerät. Na und? Ist das deshalb in Ordnung? Bei der Tapete dann vielleicht doch nicht. Oder bei Papas teuerstem Oberhemd. Oder später dann beim Eisenbahnwagon oder in der U-Bahn. Hey, was denn? Immer schön locker bleiben, wir wollten doch nur Spaaaaß!

Ich finde es bezeichnend für unsere ichzentrierte, spaßgesteuerte Welt, dass beim Anblick dieses Fotos keinem der fleissigen "Süßfinder" mal sowas in den Sinn gekommen wäre wie Respekt, Wertevermittlung, Vermenschlichung, Erziehungsauftrag oder Verantwortung. Warum nicht? Weil's "nur" ein Hund ist?
Was vermittelt ein Erwachsener seinem Kind da eigentlich, wenn er ein solches Verhalten duldet oder sogar befürwortet - denn immerhin schießt er ja ein Foto fürs Familienalbum? Mach mit dem Hund, was dir gefällt, der macht ja nix? Und was der fühlt (falls soweit überhaupt gedacht wird!) ist völlig wurscht, Hauptsache, wir haben ein bisschen Spaß?

Versuchen wir uns doch mal ganz kurz in den Hund zu versetzen - auch wenn's schwer fällt. Denn Empathie ist scheinbar nicht Jedermanns Sache, und schon gar nicht gegenüber artfremder Geschöpfe.

Ein glücklicher Hund sieht anders aus! >: [
Findet der Hund das nun eigentlich wirklich so toll? Oder die Abwaschprozedur später?
Was meint denn wohl der nächste Hund dazu, der vom Kumpel zum Beispiel? Ist doch ein tolles Spiel, das will man seinem besten Freund natürlich nicht vorenthalten. Zum Beispiel dummerweise genau dann, wenn die Eltern gerade nur ganz kurz beim Einkaufen sind und der Hund auch gar nicht so richtig müde ist und hinliegen mag, so dass man ihn ein bisschen dazu zwingen muss...

Wie soll ein Kind die vielen verschiedenen Situationen und Stimmungen unterscheiden können? Wie soll ein Kind die Feinheiten der Körpersprache eines Hundes verstehen lernen, wenn es die meisten Eltern nicht einmal können?
Hunde lassen immer erkennen, ob ihnen eine Situation unangenehm oder gar lästig ist. Situationen, die Menschen völlig missinterpretieren und immer noch "süß" und "niedlich" finden, wie das zweite Foto hier - weil sie ausschließlich die Menschenbrille auf der Nase haben und sich nicht die Mühe machen, die Gefühle des Hundes zu erahnen oder gar auf die Idee zu kommen, dass er überhaupt welche hat.

Hunde versuchen über ein Wegschauen, Kopfabwenden, Weggehen, durch ihre Mimik oder andere feine Signale mitzuteilen, dass sie der Situation gerne entfliehen würden, weil sie sich unwohl oder bedrängt fühlen - nur leider werden ihre Bitten übersehen oder ignoriert. Und nett wie sie sind, erdulden viele von ihnen dieses aufdringliche, dispektierliche menschliche Verhalten, weil sie eine hohe Toleranzgrenze haben und weil sie ihren Menschen zugeneigt sind - aber sicher nicht, weil es ihnen Spaß macht. 
Doch manchmal, wenn alles nichts hilft, sieht sich ein Hund eben doch mal dazu gezwungen, zu einer deutlicheren Kommunikation zu greifen. Und dann heißt es wieder: "Er hat einfach so, ohne Vorwarnung zugebissen!" Mir scheint, die Arschkarte ziehen irgendwie immer die Hunde!

Respekt und Empathie - 
in der Tat nicht Jedermanns Sache : )
Kinder sollen Spaß mit Hunden haben, gar keine Frage! Sie sollen gemeinsam Toben und Spielen dürfen und die Sau rauslassen. Aber sie müssen auch Werte vermittelt bekommen und lernen, dass sie es mit einem Lebewesen zu tun haben, das fühlt, das Glück und Freude, aber auch Schmerz und Unwohlsein empfindet, und dem man gefälligst mit Respekt zu begegnen hat, wie man dies gegenüber jedem Lebewesen tun sollte. Und das bedeutet automatisch, dass man artgerecht mit ihm umzugehen hat und es nicht vermenschlichen darf.
Und dies nicht zuletzt auch zum eigenen Schutz!
Und wer, wenn nicht die Eltern, könnten diese Werte vermitteln?
Doch wie sollten sie damit jemals Erfolg haben, wenn sie es weiterhin total süß und niedlich finden, dass sich ihre Kinderlein auf den Hund walzen, um "Pferdchen" zu spielen???
>: []

Sonntag, 17. Februar 2013

Entspannung für den Hund - Was ein neumodischer Firlefanz! : )

Ommmmm!
Ich sag's euch... Ommmmm!
Entspannung ist das halbe Leben - vor allem, wenn die andere aus Action, Stress und Aufregung besteht.
Wieder so'n neumodischer Firlefanz, werden jetzt manche sagen. Aber wenn's doch schee macht???

Ich behaupte, aktive Entspannung - regelmäßig angewendet - kann wahre Wunder wirken, und das nicht nur bei den Hunden, die sich sehr schnell aufregen und die per se nervöser sind als andere, sondern bei allen. Entspannung tut einfach gut. Welcher Mensch weiß das nicht aus eigener Erfahrung? Und nein! Ein Hund ist kein Mensch, aber mit Verlaub, ein Säugetier, und das haben wir gemeinsam, bäh!

Mit der richtigen Entspannung sinkt der Stresslevel schneller, man kommt eher zur Ruhe, kann eher regenerieren, wird ausgeglichener, wird nicht mehr so schnell überfordert, regt sich erst gar nicht mehr so schnell auf UND kann schließlich seine Energie gezielt da ablassen, wo es auch erwünscht ist...

Ein kurzes Entspannungsspiel auf
einem Workshop bei Supergerdi,
alias Gerd Schreiber : )
Action und Entspannung sollten im besten Fall miteinander einhergehen: Nach aufregenden Sequenzen sollten immer kleine Entspannungsübungen folgen, und sie sollten immer den Abschluss bilden. Ein Hund, der zum Beispiel von der HuSchu nach Hause kommt, ist zwar wahrscheinlich ziemlich müde, kommt aber vielleicht einfach nicht so schnell herunter, als dass er sich gleich hinlegen und pennen könnte. Eine gezielte Entspannungsübung kann da Wunder wirken.
Agile quirlige Powerpakete werden oft zum actionreichen Hundesport gebracht, damit sie sich da "mal richtig austoben können". Das ist nett gedacht, der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen: Nicht selten werden diese Hunde dabei so hoch geputscht, dass sie Tage (!) brauchen, um wieder herunterzukommen. Ein überdrehter Hund ist eigentlich wie ein überdrehtes Kind: Todmüde, aber unfähig, selber den Ausknopf zu drücken. Hier ist eine Hilfestellung dringend notwendig.

Erlaubt ist alles, was (dem Hund!) gut tut: Verbale Beruhigung, Kraulen, Streicheln, Massieren (an Stellen, die dem Hund wirklich gefallen und nicht von denen man nur annimmt, dass sie gut kommen!), konditionierte Entspannung mit oder ohne olfaktorischer Unterstützung (wie bestimmten Duftölen), isometrische Übungen und - Schlaf! Viel Schlaf! Aber auch ein entspannter Gassigang ohne Spiel und Ablenkung kann hilfreich sein, ruhige Bewegung, Schnüffeln lassen in einer stressfreien Zone - es kommt einfach auf die jeweilige Situation an. Ach ja, und eine Selbstreflektion des Menschen könnte ebenso entstressen: Ein genervter, hektischer, aufgeregter Mensch bringt selten Entspannung ins Spiel, ihr wisst, was ich meine...

Entspannungsübungen, wie isometrische Übungen oder die konditionierte Entspannung, sollten immer mal wieder zwischendrin geübt oder "aufgeladen" werden. Wer's richtig aufgebaut hat, kann später zum Beispiel über ein konditioniertes Wort oder eine bestimmte Berührung den Hund damit in aufregenden Situationen ein Stück herunterfahren. Ein Hund auf hohem Stresspegel wird beim "Eeeeeeasyyyyy" sicher nicht gleich ins Koma fallen, aber seine Aufregung wird etwas sinken, und er bleibt womöglich ansprechbar, so dass er souverän aus der Stresssituation herausgeführt werden kann.

Wer jetzt sagt, na ja, MEIN Hund ist IMMER entspannt, der braucht das nicht, dem sage ich: Hilfe, ein Alien!
Es ist doch wie bei jedem Individuum: Zwischen dem hyperaktiven, dauerkläffenden ADHS-Zappelphilip und dem tiefenentspannten Gemütshund gibt es alle nur denkbaren Varianten. Der eine braucht ganz viel, der andere nur wenig Entspannung, dem einen muss man's beibringen, der andere weiß selber, wie er da raus kommt. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen, auch ein Hund, der nicht so aussehen mag, kann dennoch gestresst sein. Eine genaue Beobachtungsgabe und korrekte Interpretation der Körpersprache sollten die Nuancen erkennen lassen.

Action in der Oase...
Der Mensch sollte auch nicht von sich auf andere schließen: Was für ihn Peanuts sein mögen, kann für den Hund enorm anstrengend sein: Stadtverkehr, Reisen, Training, Sport, Trennung, Alleinsein, ein Umzug, Hundetreffen, Impulskontrolle, ein scheinbar netter Gassigang mit dem Nachbarshund, viele Termine an aufeinander folgenden Tagen, Arztbesuche, alles, was kein Alltag ist, aber auch alles, was Alltag ist. Meine zwei Nachmittage in meiner Hundeoase zum Beispiel sind Stress pur! Es macht, na klar, voll Spaß (Stress ist ja nicht unbedingterweise negativ!), mit den anderen herumzuturnen und non-stop Gas zu geben, aber es stresst mich auch, mit all den anderen Hunden auf begrenztem Raum auszukommen. Es ist mir in den seltensten Fällen möglich, mir dort mal eine Auszeit zu gönnen, und abends renn ich oft noch 'ne Weile aufgekratzt durch die Gegend, es sei denn, Fraule legt sich mit mir aufs Sofa und massiert oder streichelt mich.
Arbeitende Hunde wie Therapiehunde, Spurensucher usw. usw., die ihre Arbeit zwar sicher gern machen, deren Job aber geistig enorm viel von ihnen abfordert, sollten sich nach der Arbeit entspannen dürfen - auch, wenn sie ja eigentlich daran gewöhnt sein dürften! Für geistig stark geforderte Hunde ist es sicher wichtig, einen körperlichen Ausgleich zu haben und auch einfach mal "die Seele baumeln" lassen zu dürfen...

... ist voll super, aber anstengend!
Entspannungsübungen zu Hause bringen mich
schneller wieder auf den Boden der 
Tatsachen : ) 
Ebenso wie der Mensch ist auch kein Hund wie der andere. Jeder Hund hat seine ureigensten Eigenschaften, Vorlieben, Bedürfnisse und Macken, und was den einen aufregen mag, entlockt dem anderen vielleicht nur ein müdes Gähnen (im Sinne von tatsächlich "müde" ; )
Daher sollte jeder verantwortungsvolle Mensch seinen Hund so gut beobachten, dass er erkennen kann, wann er wirklich in Stress gerät und Hilfe braucht. Er sollte herausfinden können, welches für die spezielle Stresssituation auch die beste Gegenmaßnahme sein könnte. Denn natürlich hilft nicht immer alles gleich gut. Eine isometrische Übung ist Gold wert, aber manchmal ist der Stress zu groß, als dass der Hund sich in der Situation noch anfassen lassen wollte. Und manchmal wäre es schon ausreichend, das Agi-Turnier einfach abzubrechen, auch auf die Gefahr hin, womöglich als Verlierer dazustehen. Aber schließlich macht man das ganze Wettkampfzeug ja nur für den Hund und weil's ihm so viel Spaß macht, nicht wahr, und nicht etwa für sich selber, oder...

Gemeinsam entspannen -
die beste Art wieder aufzuladen : )
Die Bedeutung von Entspannung für den im Privat- und Berufsleben stark geforderten Menschen wird heutzutage nicht mehr angezweifelt und von Krankenkassen, Vereinen, Firmen und dem Staat durch vielseitige Programme gefördert.
In der Hundeerziehung sind wir noch weit davon entfernt, ihre Wichtigkeit zu erkennen und sie in das oftmals auch recht anspruchsvolle Hundeleben einzubauen.

Entspannung für den Hund mag also vielleicht "neumodisch" sein - im Sinne von "noch nicht im Bewusstsein von Ottonormalhundehalter" -, aber es ist ganz sicher kein Firlefanz!

Ein entspannter Hund ist die halbe Miete. Für die seelische und körperliche Gesundheit des Hundes, für seine Stimmung und sein Verhalten - UND damit nicht zuletzt auch für die seines Menschen...

In diesem Sinne: Ommmmmmm! : )

Dienstag, 5. Februar 2013

Seminar in Oberammergau: "Training ist Aufmerksamkeit plus Kommunikation plus Motivation" : )

Ute, mit der Hand durch die Wand : )
Freunde der jodelnden Lederhosen, da bin ich wieder!
Eine Woche Oberammergau, die grauen Zellen in Schwung bringen. Von wegen Urlaub! Statt nämlich 'ne schöne ruhige Kugel zu schieben, wie versehentlich angenommen, war ich mit Fraule auf dem Seminar "Training ist Aufmerksamkeit plus Kommunikation plus Motivation" bei Dr. Ute Blaschke-Berthold (ICH darf Ute sagen, dass ihr's wisst... ; ).
Wer sie noch nicht kennt, Ute ist die deutsche Mutter der Wattebauschfraktion und Begründerin des CumCane-Netzwerks, ihr erinnert euch, Supergerdi kommt auch daher...
Ute ist eine begnadete Didaktin, die mit unendlicher Ruhe und trockenem Humor den drögesten Stoff selbst ins schwerfälligste Menschenhirn einpflanzen und gedeihen lassen kann. Bei ihr ist Neurobiologie so spannend wie ein Kölner Tatort und so unvergesslich wie ein rosa Elefant mit zwei Rüsseln.

Also schön. Den Ranzen faul in den Schnee legen war also nicht... Stattdessen: Gripskasten anstrengen. Zwei Einheiten pro Tag, entweder Theorie (da hatte ich dann endlich mal Pause und konnte dem gepflegten Killerrüdenschlaf frönen. Ansonsten jeden Tag um 7 Uhr aufstehen, gruuumpf!), oder praktische Übungen. Bei denen musste ich dann auch antanzen.

Impulskontrolle bei der Beobachtung
des verführerischen Dotties
im Besitz eines glücklichen anderen Hundes : )
Gelernt haben wir vor allem übers Hirn und fürs Hirn. Und haben zum Beispiel interessante neue Erkenntnisse über die vielzitierte Impulskontrolle gewonnen. Nämlich unter anderem, dass es völlig unsinnig ist, mich vor dem gefüllten Napf warten zu lassen, in der Hoffnung, ich könnte die dort praktizierte Impulskontrolle automatisch auch auf andere Reize übertragen. So funktioniert das leider nicht bei uns Hunden.

Impulskontrolle erlernt sich situativ. Theoretisch wär' das Sitzen vor dem Napf ja nicht mal so schlimm, wenn, ja wenn Impulskontrolle nicht ein paar kleine fiese Nebenwirkungen hätte, die auch für den Menschen nicht ganz uninteressant sind:
Zum einen benötigt Impulskontrolle enorm viel Glucose und entzieht diese dem Hirn (das sich fast ausschließlich von dem Zeug ernährt!), was somit extrem anstrengend und ermüdend ist. Jemand, der seinen Hund 10 Minuten im Platz warten lässt, weiß gar nicht, was er ihm da abfordert. (Über den Sinn einer solchen Übung lässt sich natürlich sowieso streiten, sag ich mal...)

Was aber noch interessanter ist, ist, dass Impulskontrolle das Gedächtnis, die Konzentration und die Ausdauer schwächt, während die Aggressivität stärker wird!

Ein Hund übt in seinem normalen Alltag an ziemlich vielen Stellen seine unterschiedlich ausfallende Fähigkeit zur Impulskontrolle aus. Weniger impulsive Hunde sind darin sehr viel besser als die impulsiven.
Beim Beobachten und Belauern von allen möglichen Reizen und in allen möglichen Situationen zum Beispiel, in denen er seine Impulsivität zurücknehmen muss. Allein diese Alltagssituationen sind für den Hund enorm anstrengend!
Der Mensch sollte also zusätzliche Impulskontrolle nur dort abverlangen, wo es wirklich Sinn macht. Die Devise lautet: So wenig wie möglich, so viel wie nötig!

Zusätzlich kann man durch die Zuführung von stärkehaltigem Futter für einen ausgeglicheneren Glucosehaushalt sorgen, denn Kohlehydrate setzen Glucose frei.
Langsam verdauliche Kohlehydrate wie Kartoffeln, Reis, Haferflocken, Amarant etc., setzen Glucose langsam frei und erzielen über einen längeren Zeitraum eine bessere Frustrationstoleranz.
Schnell verdauliche Kohlehydrate - gut geeignet fürs Training, weil sie die Glucose schnell freisetzen - wie zum Beispiel Bananenchips oder Traubenzucker (!), bewirken nur kurzfristig eine bessere Frustrationstoleranz.
Der Umsatz an Bananenchips im ortsansässigen Supermarkt stieg nach dieser Stunde übrigens um ein Vielfaches an... : )

Klugerweise sollte man Übungen zur Impulskontrolle eher am Ende einer Stunde einbauen und nicht vor einer neuen Übung, da die Konzentrationsfähigkeit, wie wir ja gerade gehört haben, nach der Impulskontrolle rapide abfällt. Und die Übungen sollten zudem immer nur kurz sein!

ICH persönlich bin natürlich höchst entzückt über diesen Input. Seitdem darf ich nämlich sofort an meinen Napf und muss nicht mehr deppert daneben warten und weiß jetzt außerdem, wie Bananenchips schmecken : )

Der Killerrüde fix und alle : )
So. Das war natürlich nur ein kurzer Exkurs in die vielseitigen Inhalte des Seminars. Ihr könnt mir glauben, die Woche war voll bepackt mit Neuem und der Vertiefung bereits Bekanntem. Fraule und ich waren abends tot (und bräuchten jetzt eigentlich mal 'ne Woche Urlaub zur Erholung!). 

Klar habe ich in OAG auch eine Menge neuer Kumpels kennengelernt und konnte meinen Stall mit Groupies entsprechend erweitern. U. a. mit der beinahe einzigen frechen Aussiegöre, die NICHT bei einem der 700 Agility-Seminare teilgenommen hat, die parallel im Hotel stattfanden, sondern die uns bewiesen hat, dass selbst ein einjähriger durchaus temperamentvoller Aussie ganz agilityfrei ausgelastet, ausgeglichen und easy sein kann.

Zeit zum Rumrennen und Toben hatten wir natürlich auch. Die Felder entlang der Ammer bieten endlose Weiten für jede Menge Action!

Willi überprüft Aussie Malous Antrag
auf Aufnahme in den Groupiestall
Apropos Agility: Also, bei aller Liebe, aber man kann nicht gerade behaupten, dass eine freundschaftliche Annäherung oder gar Kommunikation zwischen der leider vorwiegend aversiv schaffenden Gegenseite und uns stattgefunden hätte. Im Gegenteil. Gegenseitiges misstrauisches Beäugen und die unterschiedliche Auffassung der Erziehungsmethoden sorgten eher für die Verhärtung der Fronten.
Aber mal ehrlich, ich glaube, das überlebe ich. Wer will schon befreundet sein mit einer Horde ehrgeiziger "Hundesportler", die ihren Hund hauptsächlich als Sportgerät betrachten und ihr Sportgerät fast ohne Unterlass anschreien? Die nicht mal davor zurückschrecken, selbst kleine Welpen an der Leine - am Halsband selbstredend - quasi aufzuhängen? Die ständig hysterisch brüllen und zischen "Lass das!", "Hör auf damit!", "Pfui!", "Ssssssssssss!" "Hör ich da etwa einen Collie kläffen? Hör ich da etwa einen Collie kläffen?" Die ihrer gefährlich dominanten Welpenbrut die Schnauzen zudrücken und sie auf den Boden drücken?
Nee, ehrlich, aber da ist mir durchaus die Kakophonie aus Klickergeräuschen, Markerworten, überschwenglichem Lob, auf dem Boden rollender Leckerlis und quietschender Spielis in einer ansonsten bemerkenswert ruhigen und entspannten Athmosphäre um Universen lieber.
Dort ist mir übrigens zum ersten Mal aufgefallen, wie häßlich Menschen aussehen, die zornesrot Schreien, Zischen, Zerren und Schimpfen. Grumpf...

Ja, die Woche war wirklich lehrreich und spannend. Ute hat uns auf ihre unnachahmliche geniale Art gefordert und gefördert, wir haben neue echt nette Leute kennengelernt - u. a. aus dem Land der Schluchtenscheißer mit einem ausgeprägten Faible für stundenlanges Warten neben Fuchsbauten, in denen ihre niedlichen Fellkinderchen gerade eine ausgelassene Party mit dem Hausherrn feiern  - und alte wiedergetroffen. Fraule hat an ihrem schwitzerdütsch gefeilt - in Anbetracht einer zahlenmässigen Überlegenheit an Eidgenossen in unserem illustren Grüppchen - und weiß daher jetzt definitiv, was "imfall" heißt. Wir haben gelernt, dass es Terrorterriers gibt, die einen Igel töten können und es dabei schaffen, den Igeldarm elegant um die Schleppleine zu wickeln, und speziell ich habe gelernt, dass es beim Rückruf ein alternatives Ankersignal gibt, für den Fall, dass ich mich nach kurzem Zögern doch entscheide, die Richtung zu Wechseln, um erstmal das Dottie vom Kumpel abzustauben (sicher ist sicher!), und erst dann schnurstracks zu Fraule zu sprinten: Zack... zack... zack.......... du Sack...!

Schö isch gsi, und deshalb sind wir im Dezember wieder mit dabei in OAG. Imfall! : )