Sonntag, 26. Mai 2013

Maja Nowak: Warum bist du bloß nicht Liedermacherin geblieben? <: ?

Wieviele Hundeflüsterer braucht die Welt noch? <: ?
Leute, ich muss es verkünden: Ein neuer Stern am Hundeflüstererfirmament tut sich auf. Endlich! Maja Nowak, einst rübergemachte Liedermacherin aus der DDR, hat sich ganz der Hundeerziehung verschrieben und flüstert sich jetzt durchs Fernsehen mit ihrer ganz eigens ausgedachten und vollkommen gewalt- und leckerlifreien Methode. Na, wenn das mal keine Sensation ist!

Meine grenzenlose Neugier ist geweckt, denn der ganze Schrott, der zurzeit in der Glotze zu bewundern ist und die Hirne der Konsumierer durch seine sensationsgeile Aufmachung weichkocht, benötigt dringend einer seriösen und wissenschaftlich fundierten Konkurrenz. Und wenn sich schon das ZDF mit einer solchen Sendung schmückt, dann nährt das auf jeden Fall meine Hoffnung auf hohe Qualität - denn sieht man mit dem Zweiten nicht besser?

Zwar macht mir bereits der Titel der 5-teiligen Fernsehsendung "Die Hundeflüsterin - Maja Nowak hilft" - wird ab Juni ausgestrahlt -, ein klitzekleines bisschen Zahnschmerzen, aber wir wollen ja mal nicht vorschnell urteilen, oder.
Schließlich gehe ich - als treuer Fan der öffentlich-rechtlichen Anstalten - mal davon aus, dass das ZDF schon bei der Wahl des Titels gut recherchiert hat und daher weiß, dass das Wort "Hundeflüsterer" - spätestens seit Cesar Millan - ein häufig missverstandener und falsch angewendeter Begriff ist. Denn einen wahren Hundeflüsterer zeichnet seine angeborene Begabung aus, mit einem Tier auf einer emotionalen Ebene kommunizieren zu können, die weder erlernbar noch lehrbar ist, da sie nicht auf Methoden, Wissenschaft und Rationalität basiert, sondern auf einem nicht erklärbaren Bauchgefühl, auf Intuition und Empathie oder auch einer inneren Verbundenheit oder Seelenverwandtschaft. Weltweit gibt es eine handvoll echter Hundeflüsterer, so heißt es.
Und Maja Nowak ist nun also eine von denen. Bin ich froh, dass das ZDF sie gefunden hat und sie zufälligerweise auch noch aus Deutschland kommt. Sehr praktisch!

Ich muss es gestehen, der Samen des Misstrauens gegenüber einem meiner Lieblingssender beginnt mächtig zu gedeihen, als ich lese, wie das ZDF von Maja Nowak schwärmt:
Die Sendung unterscheide sich von allen bisherigen Coaching- und Hundetrainer-Formaten, "in denen die Tiere mit Belohnungen und durch Konditionierungen über lange Zeit dressiert werden", denn - und jetzt kommt's:
"[Maja Nowak] kommuniziert mit Hunden auf einzigartige Weise, nämlich wie ein Hund und nicht wie ein Mensch. Lehren, die Maja Nowak aus der langjährigen Beobachtung von Hunden gezogen hat. Und die sind leicht verständlich. [...] Hier wird kommuniziert. Maja Nowak hat einen ganz eigenen Zugang zu den Tieren – kreativ, ohne Leckerlis und ohne Gewalt. Das Beeindruckende: Eine Veränderung passiert sehr schnell. Der Hund muss nicht mühsam über Wochen und Monate dressiert werden. Er versteht sofort, wenn jemand „seine Sprache“ spricht."

Na gut. Der Redakteur hat sich soeben als totale Katastrophe entpuppt, denn ganz offensichtlich ist er seiner journalistischen Verpflichtung einer fundierten Recherche nicht nachgekommen und hat sich keinerlei wissenschaftlicher Kenntnisse befleissigt - dafür aber jede Menge Klischees wiedergegeben. Aber was soll's, da kann ja nun Frau Nowak auch nix für.

Ich beschließe also, mir das gewalt-, konditions- und belohnungsfreie hündisch von Frau Nowak mal reinzuziehen und herauszufinden, ob sie hält, was sie verspricht. So, wie ich es schon mal ganz theoretisch im Post "Wie erkenne ich einen guten Hundetrainer" beschrieben hatte, nehme ich mir Stift und Papier und beginne anhand des ersten Falles zu beobachten, wie oft Frau Nowak nun tatsächlich gewaltfrei agiert - oder eben auch nicht.

Im diesem ersten Fall geht's um den Strassenhund Marcy aus Russland, der nun bei einer Arzthelferin in Deutschland lebt, die mit den Beißattacken ihrer Hündin gegenüber Menschen verständlicherweise komplett überfordert ist.
Die Hundeflüsterin betritt die Bühne, schickt die Arzthelferin erstmal von derselben - und ich beginne, mitzuschreiben...

... bis nur wenige Minuten später.
Ehrlich, ich war echt gewillt! Ich wollte ganz neutral, nach meinem eigenen Ratschlag aus dem Post, eine Strichliste führen. Wie oft wird belohnt, wie oft wird gestraft, usw.

Aber was muss ich euch sagen? Nach nur wenigen Minuten schon musste ich dringend Stift und Papier wegschmeißen und erstmal ordentlich kotzen gehen!
Diese Frau Hundeflüstererin macht 10 Minuten lang nichts anderes als zu strafen! Positive Strafe, negative Strafe - da ist alles dabei. So viele Striche passen gar nicht auf meinen Zettel!
Ganz leckerlifrei bedroht sie körpersprachlich und handgreiflich diese arme Kreatur, die vor lauter Meideverhalten schon nicht mehr weiß, wohin mit sich. Die bemitleidenswerte Hündin, die sowieso schon vor lauter Angst vor Menschen, diese attackiert sobald sie ihre Individualdistanz unterschreiten, wird nun bei dieser "kommunikativen" Spezialbehandlung noch mehr geängstigt und traumatisiert. Jede Körperfaser dieses Hundes drückt fürchterliche Angst aus. Er wird mit Gewalt festgehalten, mit Gesten und Mimik bedroht, bezischt und auf den Boden gedrückt. Nach einiger Zeit des Kampfes gibt er auf und legt sich "entspannt" ab. Ein voller Erfolg! Ich kriege echt gleich Brechdurchfall!
ENTSPANNT??? Ja, wollt ihr uns verarschen? Seit wann kann man denn Jemandem durch Gewaltanwendung die Angst nehmen und entspannen?
Was für eine bodenlose Volksverdummung! Ich überlege ernsthaft, ob das ZDF wirklich unsere Fernsehgebühren verdient hat.

Fassen wir also nochmal zusammen:
  • Lüge Nr. 1: Frau Nowak ist ganz sicher keine Hundeflüsterin. Aber immerhin eine echte Scharlatanin - das ist ja auch was.
  • Lüge Nr. 2: Frau Nowak mag ihre eigene Methode entwickelt haben. Aber die ist NICHT gewaltfrei. Schaut es euch an. Da muss man wirklich kein Experte in Körpersprache sein, um das zu erkennen!
  • Lüge Nr. 3: Frau Nowak mag ausgebildetete Hundepsychologin sein, aber bei der Lektion "Lerntheorie" hat sie offentlichlich geschwänzt. Sonst wüsste sie, wie Wirbeltiere lernen. Über positive (Belohnungen) und negative (Strafen) Konsequenzen. Auch operante Konditionierung genannt. Das mag sie uncool finden und es lieber Kommunikation nennen - aber Fakt ist, auch Frau Nowak konditioniert. Und zwar nicht über Belohnung (die einzige Wahrheit in diesem Märchen), sondern über Strafe. Und diese ist Bestandteil der operanten Konditionierung. 
  • Lüge Nr. 4: Frau Nowak mag mit Hunden in Russland oder in Kleinkakafuja gelebt haben, aber von Körpersprache versteht sie nichts, was schade ist, wenn man doch so lange angeblich so eng mit Hunden gelebt hat! Insofern ist es entweder Dummheit oder einfach frech von ihr zu behaupten, sie würde wie ein Hund kommunizieren. Frau Nowak kommuniziert wie ein bedrohlicher Mensch! Mehr nicht. Und ich werde jetzt hier nicht zum 97. Mal darauf eingehen, dass es vollkommen ausgeschlossen und lächerlich ist, wenn Mensch sich einbildet, auch nur annähernd wie ein Hund kommunizieren zu können! Und Hunde auch noch doof genug seien, einen Menschen mit einem Hund zu verwechseln. Wer sich einmal mit der extrem feinsinnigen und komplexen Körpersprache des Hundes beschäftigt hat und weiß, welche subtilen Signale Hunde untereinander senden, um sich zu verständigen, wird ganz schnell diesen sauarroganten und dummen Gedanken ad acta legen.
Wegen mir kann Frau Nowak ja "kommunizieren" wie sie es für richtig hält. Sie sollte ihre Methode jedoch nicht mit Worten schön reden, sondern sagen wie es ist. Damit die Leute auch wissen, was sie erwartet. Sie sollte dabei auf jeden Fall auch nicht vergessen zu erwähnen, zu welchen tickenden Zeitbomben Hunde mutieren, deren aggressives Verhalten man durch aversive Methoden hemmt. Und dass ein schneller Erfolg zwar durchaus in unsere erfolgsorientierte Leistungsgesellschaft passt, Lernprozesse allerdings komplex sind und man viel Geduld und sehr viel Training braucht, um unerwünschtes, und schon gar angst- oder aggressionsbasiertes Verhalten zu verändern.

Es ist ein Trauerspiel! Wieder einmal sind es die Medien - und dieses Mal sogar mein hochgehaltenes öffentlich-rechtliches Fernsehen - die aus reiner Unwissenheit und schlampiger Recherche oder auch schnödem Kalkül - die Einschaltquoten fest im Visier -, einen weiteren Scharlatan nach oben schwämmen und zu einem glorifizierten Ruf verhelfen. Ein weiterer falscher Hundeflüsterer, den die Welt nicht braucht.

Frau Nowak, warum bist du bloß nicht Liedermacherin geblieben! >: [

Samstag, 11. Mai 2013

30 Jahre Hundeerfahrung - Ein echtes Qualitätsmerkmal! : )

Der knallharte Killerrüdentipp des Tages:
"Manchmal sind 30 Jahre Erfahrung
einfach voll für'n Arsch..." : )
Wie oft hört man es: "...Hundeexperte mit 30 Jahren Erfahrung..."

Ehrlich? Wenn ich sowas höre, bekomme ich eine gigantische Piloerektion und nehme schnellstens die Beine in die Pfoten!
Denn dieser Satz, der bei so Vielen erstmal mächtig Eindruck schindet und denken lässt, "na, der muss es ja drauf haben", besagt ja nu' mal rein JOR NÜSCHT über die Methode, mit der der sogenannte Experte die Hunde "trainiert".
Und schlimmer noch, ganz oft steckt dann tatsächlich auch noch einer dieser "Experten" dahinter, die es tatsächlich geschafft haben, 30 Jahre lang ohne Weiterbildung durchs Leben zu gehen, die seit 30 Jahren alleine vor sich hin wurschteln, noch nie 'n Fachbuch gelesen haben, dafür aber mit Elan und Fleiß Hunde auf den Rücken schmeißen, den Alpha-Horst raushängen lassen und mit Blechnäpfen um sich scheppern. Herzlichen Glückwunsch!

Aber selbstredend will ich niemandem seinen Expertenstatus absprechen. Verdient ist verdient! 30 Jahre sind schließlich ja auch nich' nix, oder.
Ich bin einfach nur für ein kleines bisschen mehr Sprachgenauigkeit.
Ich meine, wenn man die Putzfrau heute Raumpflegerin nennt und die Sekretärin Office Managerin, dann könnte man sich beim banalen "Hundeexperten mit 30 jähriger Erfahrung" durchaus auch ein bisschen mehr einfallen lassen.

Wie wär's also zum Beispiel mit: "Dominanz- und Alpharollenspezialist". Sehr seriös! Oder: "Experte im Ängstigen und Traumatisieren", kurz: EAT - es soll sich ja keiner die Zunge brechen. Schön fände ich aber auch mal ein paar lateinische oder englische Brocken einzubringen. Die unterstreichen nämlich die Bedeutsamkeit. Zum Beispiel: "Der Submissions-Profi" oder "The Whispering Will Breaker". Ich meine, hallo?! Hier ist der Kreativität doch wahrlich keine Grenze gesetzt!
Und diese echt geilen Titel sind dazu noch voll adequat - denn jeder weiß sofort, woran er ist!

Ok, ich mach's kurz... Freunde des preussischen Obrigkeitsdenkens, was ich eigentlich sagen wollte: 30 Jahre Erfahrung - Toll! Nur, worin eigentlich? : )

Dienstag, 7. Mai 2013

Die teuflische Abhängigkeit vom Futterbeutel : )

Ein frischer, dampfender Pferdeapfel
kann durchaus belohnend wirken : )
© Wikipedia
Freunde der Futterbeutelgegner und Klickerhasser, jetzt kommt was für euch!

Ihr spottet doch immer so hübsch eloquent, dass die "Klickerfraktion" nur mit Leckerlis überleben würde und wehe dem, wenn sie mal ohne aus dem Haus ginge! Dann wäre der Hund nicht mal mehr zu 'nem müden Sitz zu bewegen. Und das ganze Geklickere sei damit auch voll fürn Arsch. So oder so ähnlich...

Hach, ich bin neidisch! Bei solchen Statements erkennt man einfach mal wieder eure hundert- bis mindestens tausendjährige Erfahrung im Umgang mit Hunden, toll!
Allerdings muss ich euch ein ganz klein biki enttäuschen, denn die "Klickerfraktion" - nennen wir sie doch einfach mal, "die, die mit dem Markersignal arbeiten" - ist jung, dynamisch und progressiv und daher nicht mal annähernd so unbedarft, wie ihr es euch in eurem verstaubten Paralleluniversum so vorstellt!

Vor kurzem hab' ich euch ja die Angst vor der Wissenschaft bereits genommen (ihr erinnert euch), deshalb seid ihr jetzt natürlich total aufnahmebereit für ein weiteres Kapitel aus der Lerntheorie:
Säugetiere lernen über die Konsequenzen ihres Verhaltens. Das wisst ihr natürlich, denn das lernt jedes Kind (außer Cesar Millan und Maja Nowak) im Biounterricht.
Diese Konsequenzen können - wie das Leben so spielt - gut oder schlecht sein. Gute Konsequenzen auf ein Verhalten - und jetzt kommt's! - bedeutet in der Praxis, dass etwas Positives, BELOHNENDES folgt, womöglich sogar ein BEDÜRFNIS über einen sogenannten funktionalen Verstärker (= Belohnung, die für den Hund tatsächlich eine Belohnung bzw. Bedürfnisbefriedigung darstellt) gestillt wird. Mit dem Effekt, dass der Hund das Verhalten öfters zeigen wird, da er positive Konsequenzen geil findet.

So. Und nun frage ich euch: Wenn ihr 'ne fette Portion Fritten rot-weiß mit Currywoosch intus habt und die euch so richtig fies im Magen liegt, hättet ihr dann das Bedürfnis, noch 'ne Portion reinzuschieben???

Ahaaaaa?! Klingelt's?

Was wäre in diesem Fall wohl der naheliegendste, natürlichste Verstärker? Vielleicht 'ne Flasche Bier zum Runterspülen? 'Ne Tablette gegen Sodbrennen? Oder gar den Finger in den Hals stecken?
Ei, nu' gugge: Gleich drei völlig unterschiedliche Verstärker, um ein ganz individuelles Bedürfnis zu befriedigen.

Tja. Und nun wird es euch sicher nicht verwundern, wenn ich euch verrate, dass das beim Hund haargenauso funktioniert! Kein Hund ist so simpel strukturiert, dass ihm immer und überall Leckerlis als das Non plus Ultra erscheinen!
Wer jetzt das Gegenteil behauptet, der hat entweder keine Fantasie oder Tomaten auf den Augen, wenn es darum geht, seinen Hund mal zu beobachten. 

So. Und da "die, die mit dem Markersignal arbeiten" ja mitdenken, wissen die das schon lange. Und deshalb schaffen die auch nicht nur mit Leckerlis, sondern mit allem, was für ihren Hund einen Verstärker darstellt.
Im übrigen spielt das Markersignal beim Lernen über Konsequenzen überhaupt keine Rolle. Es kündigt lediglich an, dass etwas positiv Verstärkendes folgt und vereinfacht die Ausführung der Belohnung und das Timing für den Menschen. Nicht mehr, nicht weniger.
Einzig das Verhalten des Hundes bestimmt die Art der Konsequenz!

Was macht euer Hund also wirklich gerne? Was tut ihm wirklich gut? Was sind seine Bedürfnisse in Abhängigkeit zu einer bestimmten Situation?
Zum Beispiel: Der Hund soll ein Sitz machen, würde aber viel lieber gerne rennen. Wäre es da nicht echt clever, ihn zur Belohnung danach rennen zu lassen, wenn es die Umgebung erlaubt, statt ihm ein Leckerli ins Maul zu schieben?
Oder er hat Schiss vor einem entgegen kommenden Hund. Helfen da wirklich Leckerlis, um seinem dringenden Bedürfnis nach mehr Abstand nachzukommen?

Hier mal ein paar killermäßige Anregungen, was eurem Hund gefallen könnte und BELOHNEND / VERSTÄRKEND wirken könnte:
  • Lobende Worte
  • Streicheln (Aber Achtung: Viele Hunde empfinden Streicheln zum Beispiel in aufregenden Situationen NICHT als Belohnung! Sie harren zwar oft aus, weil sie nett sind, meist aber meiden sie, durch Kopfwegdrehen etc., und so bleibt der verstärkende Effekt aus. Die Belohnung ist keine, im Gegenteil, die nett gemeinte Belohnung kann strafend wirken.)
  • Ohren kraulen (s. o.) 
  • (gemeinsam) Rennen
  • Zerren
  • Buddeln
  • Suchen
  • In Kuhfladen wälzen
  • Pferdeäpfel fressen
  • An Baumstämmen hochspringen
  • Schwimmen
  • Jagen
  • Schnüffeln 
  • Körperkontakt
  • Abstand zu anderen Hunden
  • Nähe zu anderen Hunden
  • Ein Stofftier zerlegen
  • Mit anderen Hunden spielen
  • Beobachten
  • Am Menschen hochspringen
  • Auf dem Sofa liegen
  • Bellen
  • u. v. m.!!!
So. Und all dies kann man kreativ einsetzen! Man MUSS keine säckeweise Leckerlis mitschleppen, wenn man der Meinung ist, dass sei uncool.
Sollte der Hund allerdings anderer Meinung und über Leckerlis hervorragend zu motivieren sein, warum sich diese Möglichkeit dann nicht offen halten? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Belohnen mit Leckerlis schnell geht, bequem ist und den Hund oft genug befriedigt.
Was zum Henker ist also so schlimm daran? Weil es für euch nicht zumutbar ist, ein paar Leckerlis in die Hosentasche zu stecken? Weil ihr meint, der Hund sollte einfach so das machen, was ihr von ihm erwartet? Womöglich auch noch ganz ohne Worte natürlich? So 'n bisschen telepathiemässig? Nee, ja, is' klar...

Und die, die jetzt sagen, ich will meinen Hund nicht bestechen, haben den Unterschied zwischen Bestechung und Belohnung nicht kapiert: Bei der Bestechung wird das Leckerli dem Hund schon vor Augen geführt, BEVOR er das erwünschte Verhalten gezeigt hat. Die Gefahr hierbei ist in der Tat groß, dass er zukünftig nur etwas macht, wenn er die Belohnung auch schon vor Augen hat. Deshalb ist es so wichtig, erst in die Tasche zu greifen, wenn das Verhalten auch gezeigt (und das Markersignal gegeben) wurde. Und warum gutes Verhalten dann nicht belohnen?
Herrje! Und selbst ab und an Bestechung - na und? Ist nicht jeder käuflich? Und wieso unbedingt beim Hund anfangen?

Da fällt mir noch was ein: Wie oft rennt ihr eigentlich so auf der Arbeit an der Schüssel mit Gummibärchen vorbei und schiebt euch welche - ganz selbstbelohnend! - rein? Und was ist mit dem Stück Kuchen am Nachmittag?
Na gut, ist natürlich gaaaanz was anderes, ihr seid ja Menschen. Und Menschen sind nun mal von Haus aus immer auf der Suche nach (Selbst-)Belohnung: Ob beim Shopping, beim Sport, durch Anerkennung auf der Arbeit, beim Essen, im Urlaub - heute gönnen wir uns mal was... Hunde müssen natürlich einfach nur funktionieren. Und zwar ohne diesen ganzen Belohnungsquatsch.

Grumpf, ehrlich? Wer so denkt, der sollte definitiv überlegen, ob ein Hund wirklich das Richtige für ihn ist, oder ob er sich nicht besser ein Tamagotchi zulegt.

Dem Rest wünsche ich viel Freude dabei, mit seinem Hund zusammen ein ausgefuchstes Belohnungssystem zu erarbeiten, zu dem ganz sicher auch Leckerlis gehören, oder für besonders tolle Leistungen durchaus auch hochwertigere Futterbelohnungen wie Wurststücke, Futtertube oder Käsestücke - ganz nach Gusto des Hundes!
Er hat es womöglich mehr verdient, als ihr eure Gummibärle, denn er musste dafür arbeiten! Grumpf! : )

Freitag, 3. Mai 2013

We proudly present: Weil es auch anders geht! : )

Kumpels, Tölen, Groupies, Lausemädchen! Sperrt die Schlapp-, Steh- und Kippohren auf und tragt es in die Welt hinaus!

Weil es auch anders geht!
Die Aktion der Hundeschule "FinnsWelt" gegen Gewalt in der Hundeerziehung!

Wir bekennen Farbe! Wir stehen ein für unsere Philosophie!
Denn Gründe gibt es ohne Ende:

Weil Gewalt kein guter Lehrmeister ist!
Weil Gewalt Gegengewalt erzeugt!
Weil Respekt nicht beim Menschen aufhört!
Weil Hund nicht gleich Hund, sondern ein Individuum ist!
Weil Menschen und Hund entspannt besser lernen!
Weil wir miteinander wachsen!
Weil sie uns vertrauen!
Weil auch der Hund einen besten Freund braucht!
Weil Vertrauen keine Einbahnstrasse ist!
Weil wir ein Team sind!

Zahlreiche Kunden und ihre Hunde haben der Aktion IHR Gesicht gegeben! Sie alle unterstützen uns aus fester Überzeugung. Denn sie alle durften erfahren, welchen Lohn, welche Freude und Stolz es bedeutet, gewaltfrei auf Grundlage positiver Verstärkung zu trainieren und den Alltag mit ihren Hunden entspannt und mit Teamgeist zu meistern!



Wir möchten mit dieser Aktion dazu beitragen, ein neues Bewusstsein zu schaffen. Denn es muss endlich Schluss sein mit Leinenruck, Alphawurf, Schnauzengriff, Schreckreizen & Co.!

Weil diese "Lehren" auf Irrtümern entwickelt wurden!
Weil man heute weiß, wie Hunde wirklich lernen!
Weil es falsch ist!