Freitag, 25. Oktober 2013

Meiner kommt auch ohne Belohnung... : )

Jetzt abrufbar?
Das kommt natürlich voll auf die Bindung an... ; )
Herrlisch, herrlisch, immer wieder herrlisch!
Spricht man über Belohnung, fällt den meisten natürlich sofort "Leckerli" ein. Schade, diese Einfallslosigkeit, aber heute mal egal - über das Thema "Richtig belohnen" hatte ich mich ja schon ausgelassen, ihr erinnert euch.

Jedenfalls... Leckerli... und schon sind wir mitten in einer fröhlichen Diskussion. Lässt man jetzt mal dieses leidige Debattieren darüber, ob man nun mit Leckerlis belohnen sollte oder nicht, außer Acht, dann wird es so richtig spannend, wenn in diesem Zuge dann sowas kommt wie, "mein Hund kommt auch ohne Leckerlis zurück. Der braucht keine Belohnung."

Und sowas kommt, Freunde der kühnen Worte! Und zwar immer! Darauf könnt ihr wetten! : )

Was in dieser stolzen Behauptung deutlich mitschwingt, ist ja eigentlich so 'ne Art überhebliches Mitleid: "Hach, ihr armen Idioten, die ihr eure Hunde mit Leckerlis dazu bringen müsst, zu euch zurückzukommen. Habt ihr wohl keine so gute Bindung zu eurem Hund, nicht? Och!"

Grumpf. Jaja, die Bindung... Eine der menschlichen Eitelkeit schmeichelnden, relativ selbstgefälligen Erklärung für erwünschtes Verhalten des Hundes: "Ich muss gar nichts tun, meinen Hund interessiert einfach nichts so sehr wie mich..."

Hört sich toll an, die Wahrheit aber ist leider sehr viel nüchterner.
Glaubt ihr wirklich, euer Hund kommt zurück, weil ihr Seelenverwandte seid und der Hund wegen eurer "Bindung" - was immer das sein mag - lieber bei euch ist, völlig scheißwurscht, ob da gerade eine Herde Gnus an seiner Nase vorbeispringt, sich siebenundfünzig Karnickel in Riechweite auf der Wiese verlustieren, die Hundekumpels herumtollen oder ein Reh zwischen zwei Bäumen hervorlugt und "fang mich" ruft?
Na logo, allein, weil euer Hundi euch so unendlich liebt, wird er ganz von sich aus bei euch bleiben oder gleich zurückkommen, sobald ihr ihn ruft.
Hihi, jaja...

Anhand der Beispiele müsstet ihr eigentlich etwas merken:
Es geht immer um Motivation! Es geht immer um Bedürfnisbefriedigung. Und es geht immer darum, ob ein Umweltreiz stärker ist, als der Mensch. Hört sich nicht charmant an, ist aber so.
Wenn der Hund zu euch zurückkommt, dann weil dies für ihn bedürfnisbefriedigender, lohnender ist, als zum Beispiel weiter mit den Hunden auf der Wiese zu toben. Immer! Völlig egal, ob ihr aktiv etwas tut oder nur blöd rumsteht und Persönlichkeit ausstrahlt. Er kann viele Gründe dafür haben:
  • Vielleicht kommt er also tatsächlich zurück, weil er dafür ein Leckerli bekommt, und ihn das gerade mehr anmacht, als die anderen Hunde auf der Wiese.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er weiß, dass er ansonsten bestraft wird.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er weiß, dass er als Belohnung danach nochmal spielen gehen darf.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er Angst hat, dass sein Mensch sonst einfach ohne ihn weitergeht. Weil er diese Art der Strafe nämlich schon mal erfahren hat und er sich noch genau an das Gefühl der Trennungsangst erinnern kann.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er Schutz sucht, weil ihm das Spiel zu wild wurde und er darauf einfach keine Lust hat.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil ihm jetzt die Distanz zu den anderen Hunden verlockender erscheint als ihre Nähe.
  • Vielleicht kommt er zurück, weil er auf das Rückrufsignal positiv konditioniert wurde und er fast keine andere Wahl hat, als zu reagieren. 
Ihr seht, es gibt wirklich viele Motivationen fürs Zurückkommen - ebenso, wie es viele fürs Nichtzurückkommen gibt -, weil es viele Arten von Konsequenzen (Belohnungen und Strafen) gibt - weit über die Gabe oder Nichtgabe von Leckerlis und über Bindung hinaus!
Sicher ist, jeder einzelne davon entspringt immer einem bestimmten Bedürfnis des Hundes, das vollkommen orts-, zeit- und situationsabhängig ist.
Ein Hund - und es tut mir echt leid, euch da enttäuschen zu müssen - kommt nicht zurück, weil ihr so viel "Energy" ausdünstet oder eure "Bindung so stark" ist. Denn glaubt mir, sobald ein anderer Reiz stärker ist, habt ihr (zunächst) mal keine Schnitte mehr. Es sei denn, ihr verfügt über die entsprechenden Trainingswerkzeuge, um dem konkurrierenden Reiz seinen Rang abzulaufen.

Wegen mir könnt ihr natürlich auch an Luft, Liebe und Bindung glauben. Aber ich denke, speziell in den Fällen, wo es dann doch mal nicht klappt mit der "Personality", hilft es ja durchaus weiter, zu wissen, was wirklich dahinter steckt, um handlungsfähig zu bleiben, statt sich hilflos über das "bindungslose" Verhalten des Hundes zu wundern.

Wer das jetzt immer noch nicht nachvollziehen kann, stelle sich einfach Folgendes vor:
Ihr habt ein Kind. Das liebt euch, ihr liebt es, eure Bindung ist ganz ganz toll.
Jetzt geht ihr mit diesem Kind zu Toys"R"Us oder auf eine Geburtstagsparty, wo es all seine Lieblingskumpels trifft. Euer Kind wird natürlich die ganze Zeit über bei euch an der Hand bleiben. Nämlich, weil eure Bindung fesselnder ist, als jede Ritterburg oder jeder Kumpel, der mit dem neuesten Spiel für die Wii lockt und ruft: "Spiel mit mir!"

Hehe, jaja, träumt weiter... : )

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Sind wir wirklich immer positiv? : )

Impulskontrolle beim Mensch
geht manchmal auch mächtig in die Hose : )
Hehe, weil ich's gerade in meinem Lieblingsforum "Trainieren-statt-Dominieren" auf FB gelesen habe...

Da stellt eine Hundebesitzerin die ketzerische Frage, ob die Positiven im Alltag denn auch alle wirklich immerzu so positiv schaffen würden wie es das Lehrbuch vorschreibt. So nach dem Motto, irgendwann geht einem die Bettelei des nervtötenden Köters so dermassen mächtig auf den Sack, dass mensch nicht umhin kann, seinen Unwillen durch deutlich aversive Worte zum Ausdruck zu bringen...


Hach jaajaaaaa...

Was ein Zufall, ich muss es erzählen:
Genau gestern wurde ich höchst uncharmant und alles andere als positiv verstärkend bemotzt, nur, weil ich es gewagt hatte, aufs Parkett und - viel schlimmer - auf den Teppich zu kotzen. So nach dem Motto: Wenn du schon kotzt, kannst du dich dann nicht wenigstens nur aufs Parkett konzentrieren, heilandsackzement, du blöder Hund du!?

INFAM! Ich frage euch: Was kann ICH dafür, wenn ich kotzen muss? Was kann ich dafür, wenn mich bisher noch keiner dahin geshaped hat, in solchen Momenten zum Klo zu rennen, den Deckel aufzuklappen und fein säuberlich da reinzureihern?! Eine bodenlose Frechheit! Und dann immer von Alternativverhalten labern!

Nun ja, sehr unschön, aber eines muss ich zur Vervollständigung der Faktengrundlage dann doch noch anfügen:

Fraule war tatsächlich wirklich in dieser Sekunde fertig mit dem Hausputz. Eine Tätigkeit, die ihr schon mal per se den Tag versaut und die gute Laune verhagelt.
Sie hatte in der Tat 5 Stunden lang schwitzenderweise nix anderes gemacht als zu wischen, zu saugen, zu feudeln, zu waschen, aufzuräumen, Wäsche zusamenzulegen, Teppiche auszuklopfen und lauter stupiden Scheiß zu erledigen, für den sich der Rest unseres Mehrpersonenhaushaltes offensichtlich für zu überqualifiziert hält.

Sie kam gerade von ihrer letzten Amtshandlung zurück, dem Entsorgen diverser Mülltüten und Altpapierläger (inklusive einer mühevollen Zerkleinerung der im Keller vergessenen Sammlung von sperrigen Ikeakartons, die andere nicht namentlich genannte Personen dort zwischengelagert hatten in der irrigen Hoffnung auf selbstkompostierende Zersetzungsprozesse), und sie stellte sich gerade vor ihrem geistigen Auge vor, wie sie sich ermattet und zutiefst befriedigt mit einer Tasse Kaffee aufs Sofa setzen würde, um den kurz anhaltenden Effekt eines blitzblanken Hauses auf sich wirken zu lassen, als sich ihr schon beim Öffnen der Haustür das nicht zu übersehende Malheur offenbarte.

Die Impulskontrolle meines Fraules war sogleich komplett erschöpft und ihr vulkanausbruchähnlicher Unmut ergoss sich in einem Schwall obszöner und politisch ausgesprochen überhaupt nicht korrekter Worte auf das am nächsten sich befindliche Opfer und zufälligerweise auch Verursacher des Übels: MICH!

Aber jetzt das eigentlich Interessante an der Sache:

Nicht nur, dass Fraule zeitgleich WUSSTE, dass ich eigentlich überhaupt gar nix dafür konnte und mit Sicherheit nicht absichtlich auf den dämlichen Teppich gekotzt hatte. Nein, sie war auch noch soweit Herrin ihrer Sinne, als dass sie ebenfalls ganz genau WUSSTE, dass ihr Gemotze total unfair und auch alles andere als erziehungstechnisch positiv verstärkend war. Und trotz all dieser klugen Erkenntnisse traf sie, während sie lautstark meine arme Kotze aufwischte, BEWUSST eine Entscheidung: Sie WOLLTE böse sein! Und sie hat es genossen! Dä!
Und dass ich daneben stand wie ein begossener Pudel - oder sagen wir, vielleicht eher etwas verwundert, denn sowas passiert dann eigentlich doch recht selten in unserem gemeinsamen Miteinander - war ihr in diesem Moment total scheißwurscht.

Als Teppich und Parkett endlich wieder sauber waren, hab' ich schließlich ein Leckerli abgestaubt, wir haben uns zusammen aufs Sofa gesetzt und den blitzblanken Anblick genossen.

Was soll ich sagen: Fraule ist eben auch alles andere als ein Gutmensch! : )

Freitag, 4. Oktober 2013

Belohnung für den Menschen - Streicheln : )

Dr. Wollmatingen klärt auf! : )
Jetzt stellen wir uns mal vor, wir sind draußen, irgendwo auf einer Wiese, einem Feldweg, am oder im Wald. Es riecht überall nach frischer Wiese, attraktiven Lausemädchen, testosteronverbreitenden Hundetölen, wohlriechenden Kackhaufen unterschiedlichster Wald- und Wiesenbewohner, es schnuppert nach Rehen, Wildschweinen und Karnickeln - sprich, wir stehen mitten im olfaktorischen Hundeeldorado, das den Corisolspiegel selbst des gestandensten Hundes in Wallung bringt.
Fiffi könnte hier Stunden damit zubringen, die verschiedensten Gerüche zu inhalieren, selektieren, reflektieren und die übelsten mit dem eignen Duft zu übertünchen, ohne sich eine Sekunde zu langweilen.
Trotzdem schafft er es, auf das "Zu miiiiiir" ohne zu zögern zum Menschen zurückzulaufen - eine riesen Leistung! -  es macht "klick!" und voller Vorfreude schaut Fiffi erwartungsfroh seinen wohlwollenden Menschen an, denn er weiß, yeah, jetzt kommt was, was noch besser ist, als die stinkigen Fährten grunzender Wildschweine, zickzackspringender Riesenhasen und lästiger Reviermarkierer!

Und jetzt stellen wir uns mal vor, wir sind Welpe und machen einen Ausflug in die Stadt, weil unsere Menschen am Samstagnachmittag gemütlich bummeln gehen wollen und gleich mal die Gunst der Stunde nutzen, um Welpi ein bisschen auf Stadttauglichkeit zu sozialisieren.
Millionen Geräusche, Autolärm, Kindergebrüll, Hupen, Fahrradfahrer, Kinderwägen, hektische Menschenmassen, riesige Häuser, breite Strassen, an der Leine ziehende Hunde - das ganze Programm stürzt auf Welpi ein - und der ist ziemlich beeindruckt!
Jetzt treffen Welpis Menschen zufällig Bekannte oder Freunde, die im Angesicht des kleinen Wollknäuels verständlicherweise ganz aus dem Häuschen geraten. Vor Verzückung wissen sie gar nicht, wohin mit sich und ihren Gefühlen, und für sehr nette Menschen, die nun wirklich kein Herz aus Stein haben und voll auf das Kindchenschema anspringen, ist es völlig ausgeschlossen, dem Drang der Haptik zu widerstehen.

In beiden Fällen beobachten wir nun nahezu das Gleiche:
In bester Absicht, und weil es mit der körperlichen Elastizität auch nicht mehr so bestellt ist wie früher, beugen sich die Menschen überschwenglich über Fiffi und Welpi und fangen vorwarnungsfrei und wie wild an, sie durchzukraulen und zu wuscheln. Fest davon überzeugt, Gutes zu tun, unterstützen sie ihren wohlgemeinten Sympathieausbruch mit verzückten "achs" und "ochs".

Haach ja...
Also, mir als Hund fällt da immer gleich die alte Großtante ein, die mit knochiger Hand ungefragt, und die entsetzten Blicke der paralysierten Mutter ignorierend, in den Kinderwagen grapscht und dem dickbackigen Baby entzückt in dieselben zwickt und dabei "heititeititei" und "dududududuuu" schnorchelt. Und die die aufgerissenen Augen und den hochrot anlaufenden Kopf des Kindes gerührt als Ausdruck des Wohlbefindens oder in die Hosekackens interpretiert.

Uns Hunden geht's da ganz ähnlich wie dem Dickbackenbaby: Es ist uns einfach nicht möglich zu erklären, dass wir das Angefasstwerden als totale Scheisse empfinden. Dabei ziehen wir alle Register des freundlich, aber bestimmten "Nein"-Sagens: Unsere Körperhaltung wird steifer oder geduckter, wir schauen zur Seite, unsere Augen drehen sich nach hinten, bis das Weiße zu erkennen ist, wir versuchen, den Händen zu entflutschen - aber sie sehen es nicht! Ein Jammer!

Der Mensch geht so auf in seiner Absicht, nett zu uns sein zu wollen (und natürlich auch ein ganz klein wenig seines Oxytocinspiegels wegen), dass ihm gar nicht in den Sinn käme, dass seine blöde Streichelei in bestimmten Situationen genau das Gegenteil dessen bewirkt, was in ruhiger, reizarmer Umgebung durchaus ein Zugewinn oder echte Entspannung sein mag.

In Fall 1 lässt es Fiffi vielleicht über sich ergehen, weil er als erwachsener Hund schon weiß, dass das Elend bald vorüber ist. Aber eine Belohnung interpetiert er dennoch als etwas anderes! So wird er sich beim nächsten Mal vielleicht überlegen, ob die Karnickelköttel nicht doch Belohnung genug sind.  

Im Fall 2 lernt Welpi nicht nur, dass Stadtbummel echt sowas von überhaupt gar keinen Spaß machen, sondern dass man sich Menschen offensichtlich nicht vom Hals halten kann, indem man nur freundlich "bitte" sagt. Nächstes Mal wird er einfach mal etwas anderes ausprobieren, schliessich ist sein Repertoire gross.

Ja, selbstredend gibt es auch die Hunde, die Streicheln in allen Lebenslagen belohnend empfinden. Aber glaubt mir, wenn ich mir die Kumpels so ansehe, das ist keinesfalls die Mehrheit!

Mein Tipp:
Lasst den Hund entscheiden und ihn kommen - und übt euch selber in Impulskontrolle! : )