Mittwoch, 19. Februar 2014

Klickst du noch oder markierst du schon? : )

Wir waren am Wochenende bei uns im örtlichen traditionellen Hundeclubvereinsdingens zum ZOSsen. Hund von Welt muss einfach mal 'n bisschen was ausprobieren, und wir sind sehr nett dazu eingeladen worden...

Wie ihr euch nun vorstellen könnt, treffen da mit mir Welten aufeinander. Ich will nicht vorschnell urteilen, die Leute dort sind echt voll nett, aber ich sag mal so... Clubvereinsdingens, wo meist noch über dem Eingang ein verwittertes Schild mit "Schäferhundeirgendwas" drüber baumelt, gibt es meistens so seit ca. 100 Jahren, und die Methoden, mit denen dort geschafft wird, stammen aus der gleichen Zeit. Der Fortschritt landet in solchen Clubdingern meist ganz zum Schluss, trifft man dort halt in der Regel auf geballte 30-Jahre-Hundererfahrung-ich-weiß-alles-Vereinsmeiereien.
Aber! Auch hier landet er, der Fortschritt! Schritt für Schritt, aber unaufhaltsam!

Insofern sieht man da auf der Wiese zunächst mal eine Menge Zeugs, was dem modernen Hund so ein bisschen das Blut in den Adern gefrieren lässt: Da wird geruckt, gezischt, im Kasernenton befohlen. Da wird körpersprachlich deutlich eingeschüchtert und gehemmt. Und da werden Signale wie Aufregung oder Überforderung der Kumpels anhand des eigenen Ehrgeizes übersehen oder fehlinterpretiert.
Und doch sind dort alle sehr bemüht und wollen ihren Hunden Gutes tun, denn irgendjemand hat behauptet, ZOS könne man nur positiv aufbauen. Und daher sind jetzt alle, zumindest gedanklich, schon mal auf dem Trip, voll positiv unterwegs zu sein.

Dazu gehört natürlich auch der Aufbau des Klickers - DAS Symbol der weichgespülten Hundeerziehung!
Hihi, Leute, die nicht mal wussten, dass es sowas gibt, bauen nun den Klicker auf. Manchmal - gut gemeint - ein bisschen zu dicht am Hundeohr, so dass diesem ab dem ersten Klick die Lust aufs Klicken ordentlich vergeht. Manchmal etwas gottergeben, gemäß dem Motto, "Hach ja, dieses neumodische Zeugs, wenn's denn sein muss...". Manche kämpfen beim Klicken mit ihren Koordinierungsschwierigkeiten und ganz viele klicken mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf, so nach dem Motto, "Ich mach's, weil ich bin preußisch veranlagt, und was man mir sagt, mache ich, aber ehrlich? Ich habe null kapiert, was ich hier tue."

Aber: Alle bleiben wacker bei der Stange! Und das finde ich schon mal echt super!

Für uns nun wieder, mich und Fraule, gehört Klicken - also Markieren, wie es bei uns heißt - zum Leben dazu wie das Atmen. Wir machen ja nun auch seit es mich gibt nix anderes. Da wundert es demnach auch nicht, wenn bestimmte Abläufe bei uns so automatisiert von statten gehen, dass wir beide nicht mal mehr darüber nachdenken.

So auch beim ZOS. Ich sollte ein Trümmerfeld begehen und mich möglichst an vielen Orten freiwillig in den Platz legen. Fraule hat automatisch sofort markiert, sobald ich mich irgendwo hingelegt oder mich angstfrei durchgequetscht habe. Dieses Verhalten wurde mit Wurst verstärkt, weil Würstchen für mich nun mal schwer motivierend sind. Für uns eine Selbstverständlichkeit.

Ein Herr der eindeutig anderen Art der Hundeerziehung hat das beobachtet und kam anschließend zu Fraule. Ein interessantes Gespräch zwischen ihm - nennen wir ihn mal Leinenrucker - und Fraule entspann sich:


Leinenrucker: "Ahaaaa! Du klickst immer? Also auch Sachen, die mit dem Training selber gar nichts zu tun haben?"

Fraule: "Ja, ganz genau. Ich markiere jedes erwünschte Verhalten."

Leinenrucker: "Ahaaaa! Und du benutzt sowohl einen Klicker als auch ein Wort? Sind die denn gleichwertig?"

Fraule: "Absolut! Ich benutze beides, man hat ja nicht immer den Klicker am Mann, nicht wahr? Wobei der Klicker draußen in aufregenden Situationen besser ins Hirn vordringt als das Wort, finde ich..."

Leinenrucker: "Also das ist spannend! Und wenn du klickst, dann heißt das eigentlich nur, dass der Hund danach ein Stück Wurst bekommt?"

Fraule: "Ja, ganz genau. Der Klick heißt, dass danach etwas Schönes, etwas Belohnendes kommt. Das muss nicht nur Wurst sein. Das kann alles mögliche sein. Zum Beispiel auch Distanz, wenn dein Hund sich vor etwas fürchtet - nur mal als Beispiel, um dir zu zeigen, wie weit das Thema bedürfnisorientierte Belohnung gefasst ist..."

Leinenrucker: "Ach! Das muss also nicht immer etwas zum Fressen sein? Das ist aber wirklich interessant..."

Fraule: "Nein, ganz genau. Es gibt ja Situationen, da kann der Hund vor lauter Aufregung gar nichts nehmen."

Leinenrucker: "Spannend! Und ich habe gesehen, wenn du klickst, dann lässt du dir sogar Zeit mit dem Belohnen? Du greifst erst dann in die Tasche. Das ist dann gar nicht mehr so hektisch!"

Fraule: "Absolut! Das ist ja das Schöne am Markieren. Du kannst dem Hund punktgenau sagen, dass er etwas toll gemacht hat. Und für das Belohnen selber hast du dann etwas Zeit, in Ruhe die Belohnung auszupacken. Menschen sind ansonsten nicht so gut im Timing, weißt du, und verstärken häufig Verhalten, das sie gar nicht verstärken wollen."

Leinenrucker: "Ja, das hab' ich wohl gemerkt... Und wie lange muss ich klicken? Ich meine, kann ich damit dann irgendwann wieder aufhören?"

Fraule: "Wenn du mit deiner Frau oder deinen Kindern irgendwann eine Form der Kommunikation gefunden hast, die sehr gut funktioniert, hörst du damit dann irgendwann wieder auf? Ich würde lieber ein Leben lang markieren und belohnen statt ein Leben lang zu strafen, zu rucken und zu schreien..."

Leinenrucker (nachdenklich): "Ja, da hast du recht... Weißt du, das ist alles sehr neu für mich. Und gar nicht so einfach, wenn man so aus einer völlig anderen Richtung kommt..."


Leute, und ich sage euch: Der Fortschritt macht auch vor Vereinsclubschäferhundedingens nicht halt! Wir kommen. Schritt für Schritt. Ich find's geil. Grumpf! : )

Freitag, 7. Februar 2014

Immer und überall dabei!? >: []

Der Horror für Hunde: Messen und Ausstellungen <: [
Wer einen Hund hat oder haben möchte stellt sich oft ganz romantisch vor, dass er mit seinem Kumpel so ein tolles Team bildet, dass sie einfach alles zusammen machen würden.
Egal, wo der Mensch wäre - der Hund wäre immer mit dabei. Und natürlich wäre er ebenso glücklich wie der Mensch, dass sie zusammen sein können:
Auf Spaziergängen, na klar, im Urlaub, auf dem Städettripp, samstags bei der Shopping-Tour, auf Weihnachtsmärkten, Messen, beim Busfahren, in Kneipen und Cafés - einfach immer.
Andere wiederum denken vermutlich gar nicht, haben vielleicht auch keine andere Wahl, und nehmen den Hund halt mit. Warum schließlich auch nicht, solange der eigentlich ganz ruhig mittrabt und kein Theater macht. Dann scheint es ja ok zu sein, oder?

Ehrlich? Bei diesem Thema krieg ich regelmäßig Sodbrennen!!!
Ich frage mich, ob auch nur ein einziger von diesen Romantikern, Praktikern oder Gedankenlosen sich auch nur einmal die Mühe gemacht hat, sein armes Schwein von Hund bei solchen Ausflügen genauer zu betrachten. Wahrscheinlich nicht, schließlich sind die Schaufensterauslagen spannender.
Selten sieht man so gehäuft und deutlich, wie dermaßen beschissen sich der Kumpel in diesen Situationen fühlt. Man kann dort wahre Körpersprachstudienorgien feiern!

Ich meine, hallo? Wie bitte würdet ihr Menschen euch wohl fühlen, wenn ihr nicht mehr 1,70 Meter hoch wärt, sondern nur noch ungefähr 50 cm und die Straße vor lauter Beinen nicht mehr sehen könntet? Wenn ihr vor lauter Gerüchen und Geräuschen schier gar nicht mehr wüsstet wohin mit euch? Wenn ihr dauernd angestossen würdet oder euch fremde Hände ungefragt befingern würden oder euch auf die Füße gelatscht würde?
Was glaubt ihr, wie fühlt sich ein Hund im Urlaub in Bella Italia, mitten in Florenz, wenn es glühend heiß ist, und er auf heißem Asphalt rumlatschen muss und weit und breit kein Brunnen in Sicht ist, der eine Abkühlung erlaubt? Wenn er ständig am Halsband weggerissen wird von anderen Hunden, dem nächsten Laternenpfahl, Pizzaresten auf dem Boden, Hauswänden, Mülleimern, etc?

Ich versteh's echt nicht.
Es gibt da zum Beispiel überall regelmäßig Hundemessen. Dort findet der Mensch alles rund um das Thema Hund. Er kann sich schlau machen zum Thema Erziehung, Gesundheit, Ausstattung - aber offensichtlich nicht über das, was am Naheliegendsten wäre. Denn was, bitte schön, haben Hunde dort verloren? Wieso meint jeder Depp, nur, weil das eine Hundemesse ist, dass er seinen Fifi mitbringen müsste?
Ich schwöre: Das ist Stress pur für die allermeisten Kumpels! Leuchtet euch das nicht ein?

Wer mir nicht glaubt: Macht einfach die Augen auf!
Hängende, eingezogene Ruten, angelegte, zurückgelegte Ohren, Zerren an der Leine, Hecheln, Schütteln, Züngeln, Bellen - um nur mal ein paar der üblichen Symptome zu nennen. Seht ihr das nicht vor lauter glitzernden Halsbändern, designten Näpfen und schicken Hundemäntelchen?

Leute, es ist toll, wenn ihr alles mit eurem Vierbeiner zusammen machen wollt. Aber glaubt mir: Es gibt Situationen, da tut ihr eurem Hund einfach keinen Gefallen damit.

Hunde haben nichts zu suchen auf Messen, Weihnachtsmärkten und anderen Volksversammlungen, wo es voll und laut und hektisch zugeht.

 Stressgesicht : (

Würg! : (

Stress: Zurückgelegte Ohren, Züngeln, starre Haltung,
kurze gespannte Leine, röchel -
der Kumpel fühlt sich nicht wohl! : (

Kleiner Welpe:
Der war komplett durch den Wind! : (

Der ist ganz schön traurig:
Rute hängt, Ohren eng angelegt...
Nee, Spaß sieht anders aus : (

Der bescheuert aufgemachte Königspudel
war vollkommen fertig: Langgezogene Maulspalte,
Zunge hängt raus, hibbelig, sprunghaft, 
Der war sicher schon 'ne Weile da,
er gehörte wohl zum Pudelstand : (

Mops mit spatelförmiger Zunge: Stress pur! : (

Und weil's so schön ist: Noch 'n Stressgesicht... : (
 
Besonders arme Schweine:
Die wunderschönen großen Tiere wurden
von jedem umzingelt, angepatscht und mussten
stundenlang da rumstehen, weil ihr Hundebesitzer 
offensichtlich gerne in der Aufmerksamkeit badete. 
Die stark eingezogene Rute
des einen ist auf diesem Bild 
deutlich zu erkennen : ( 

Wenn ihr euren Hund schon unbedingt mitschleppen müsst - es mag ja Gründe dafür geben - dann versucht es ihm doch wenigstens ein bisschen leichter zu machen.
Geht ab und an mal in eine ruhige Gasse, wo er sich erholen kann. Nehmt was zu Trinken mit im Sommer. Geht im Schatten, wo der Asphalt nicht ganz so heiß glüht. Versucht ihn ab und an mal zu beruhigen, ihm gut zuzureden und nehmt die Kleinen durchaus auf den Arm, statt sie gnadenlos am Halsband durch die Gegend zu schleifen. Dehnt eure Ausflüge nicht endlos aus. Macht viele Pausen.
Zügelt euren Egozentrismus und denkt einfach mal mit! Euer Hund, der wird es euch danken! : )