Dienstag, 11. November 2014

Irrationale Angst - Die Verschwörungstheorien zum §11 TschG : )

Heute las ich in Facebook eine neuerliche Apokalypse-Prophezeiung von Thomas Baumann, Ex-Polizeidiensthundeführer- und ausbilder, renommierter Hundetrainer und Fachautor diverser Veröffentlichungen, zu seinem derzeitigen Lieblingsthema "Sachkundenachweis für Hundetrainer gemäß §11 TschG".

Alter, ich sage euch, das Ende naht! Unheilschwanger verkündet er dort nämlich inbrünstig wie Johannes in der Offenbarung den Weltuntergang. Zumindest den aller "andersfarbigen [Hundetrainer]Schafe" und prophezeit uns allen eine düstere Zukunft von Trainer"klonen", die
"geschlossen und wie im Chor verlauten lassen, dass eine moderne Hundeerziehung zwar konsequent aber frei von Zwängen sein muss." 
Ach du Scheiße, das ist echt bitter! Heißt das, Fraule sieht demnächst aus wie Viviane Theby?

Herr Bauman lässt uns leidenschaftlich wissen, dass die Politik und Gesellschaft momentan im sicheren Glauben gelassen wird, dass goldene Zeiten auf uns zu kommen, weil die Brutalos der Szene durch den Paragraphen 11 endlich ausgesiebt werden.
In Wahrheit aber würde alles viel viel viel schlechter werden, weil
"die meisten Prüfungen in den Veterinärämtern auf die reine Konditionierungslehre abzielen und Hundeverhalten auf die Hormone der Vierbeiner und biologisch nachvollziehbare Mechanismen heruntergebrochen [würde]."
Demnächst würden nur noch operante Konditionierungsautomaten durch die Gegend laufen, weil den meisten "modernen" Hundetrainern nicht mal klar wäre - diese Idioten, echt! - dass das Miteinander von Mensch und Hund hauptsächlich mal auf
"Liebe, Zuneigung, Sympathie, Antipathie, Autorität, Kooperation, Interaktion, Kommunikation, Empathie und vor allem Intuition"
basiere, dies aber nicht abprüfbar sei, weswegen man sich auf die Wissenschaft konzentriere.

Seine Weltuntergangsdepression gipfelt dann in der Behauptung:
"Aus dem sozial hochintelligenten Hund wird eine funktionale Kreatur gestaltet, deren Zukunft alles andere als rosig sein wird."
Mööönsch Thomas, jetzt reicht's dann aber doch mal, oder? Bisher war ich ja eher amüsiert, aber jetzt frag ich mich langsam, welche Pilze dir diesen Trip verpasst haben?

Zeit meines Lebens wurde ich konsequent, aber frei von "Zwängen" erzogen. Du hast jetzt leider versäumt in deinem Verschwörungspamphlet das Wort "Zwang" ein bisschen genauer zu definieren. Daher nehme ich mir jetzt mal die Freiheit zu interpretieren, dass du mit "Zwang" eigentlich aversives Einwirken meinst. Oder "autoritativ"? Ist doch auch so ein Wort, das du gerne magst.
Ebenso wie du mit "andersfarbigen" Schafen Trainer meinst, die sich nicht der gewaltfreien Erziehung verschrieben haben, sondern Strafe (und Achtung, jetzt kommt doch glatt wieder die operante Konditionierung ins Spiel, denn wir reden doch hier eindeutig über positive und negative Strafe und negative Verstärkung, oder?) als adequates Mittel der Erziehung betrachten.
Ich werde jedenfalls ohne diese Art "Zwänge" trainiert. Bin ich deshalb eine funktionale Kreatur, die lieblos erzogen wurde? Wen willst du hier beleidigen?
Glaubst du, meine Erziehung sei frei von Sympathie, Zuneigung, Kooperation, Interaktion, Kommunikation, Empathie und Intuition, nur weil ich gewaltfrei und ohne aversive Einwirkung trainiert werde?
Was ist denn das für ein unprofessioneller und unsachlicher Schwachsinn, mit dem du die Leute da aufwiegeln willst? Schließt denn das eine das andere so aus?

Möönsch Thomas, ehrlich mal, nenn das Kind doch beim richtigen Namen: Dich stört doch eigentlich, dass die Anwendung aversiver Methoden nicht mehr gesellschaftsfähig sein soll. Das zumindest lese ich zwischen deinen Zeilen.
Das hat mit dem Prüfungsinhalt allerdings rein gar nix zu tun. Dort wird nur fachliches Wissen abgefragt - wie das so üblich ist in Prüfungen. Und es wird versucht, ein gewisser Standard einzuführen und zu erhalten. Auch normal im Ausbildungsbereich, nüsch wohr nüsch?

Und wir sind uns doch einig, dass jeder Trainer sein Grundhandwerk beherrschen sollte, so wie jeder Tierarzt auch wissen sollte wie ein Organismus funktioniert, nicht? Das schließt doch aber nicht aus, mit Herz und Seele und allem, was du sozioemotionale Intelligenz nennst, seine Arbeit zu verrichten?!

Weißt du, deine ganze unattraktive Rumheulerei lässt eigentlich nur den einen Schluss zu: Du hast volle Kanne Schiss! Rein wissenschaftlich betrachtet - or Mann ey, schon wieder Wissenschaft - ist Schiss immer irrational. Insofern sind deine haarstreubenden Gedankengänge ja auch irgendwie noch erklärbar.
Ja, man könnte echt den Eindruck bekommen, dir ginge der Arsch auf Grundeis. Du hast Angst, dass du mit deinem sozioemotionalem Dingsbums nicht weiter kommst. Und lassen wir jetzt einmal dahin gestellt sein, was du damit genau meinst. Vor allem in Hinblick auf die von dir erwähnte Integration verhaltensauffälliger Hunde, bei denen laut deiner Meinung die Konditionierungslehre ja versagt. Das nährt irgendwie auch wieder den Verdacht, dass du eigentlich nur die positive Verstärkung meinst und ein Befürworter der positiven Strafe bist. Aber huch, jetzt sind wir ja schon wieder mitten in der verhassten Konditionierungslehre! Oder vielleicht im sozioemotionalen Bereich der Autorität und Intuition? ; )

Aber pass uff, alter Knabe, ich hätte da mal einen heißen Tipp:
Statt Lobbyismus und Verschwörung zu unterstellen und Unfrieden zu stiften, einfach mal Klappe halten, hinsetzen und lernen - so wie das zur Zeit bundesweit hunderte, wenn nicht tausende Trainer und Trainerinnen tun, die ebenfalls nicht das Glück hatten, ihre Ausbildung - so sie denn eine haben - anerkannt bekommen zu haben.
Mit zunehmendem Wissen wird dein Selbstbewusstsein wieder wachsen und deine Prüfungsangst kleiner werden. Du wirst merken, dass alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird und dass in der Prüfung nur Wissen abgefragt wird, auf das sich jeder völlig gleichberechtigt vorbereiten kann. Stell dir vor, ich kenne sogar gewaltfrei (= auf positiver Verstärkung basierend) arbeitende Trainer, die bei CANIS ihre Prüfung abgelegt haben. Naaa? Das ist jetzt nicht gerade etwas geschenkt zu bekommen, wenn sich der Wattebauschwerfer in die Höhle des Blechnapfschwingers traut, oder.

Und die gute Nachricht: Nichts in der Welt wird dich nach bestandener Prüfung davon abhalten können, weiterhin "Liebe" und "Intuition" in dein Training einfließen zu lassen. So wie das jeder empathische Trainer tut, denn selbst der leidenschaftlichste Logiker und Mathmatiker ist letztlich nur ein Mensch. Das gilt sogar für die lobbyistischen Verbands- und Organisationsschweine mit wattebauschschmeißendem Hintergrund!

Also, immer locker bleiben! Trotz vielfacher Mahnung ging die Welt im Jahr 2000 auch nicht unter. Muttu keine Angst haben, Hase... : )

Dienstag, 4. November 2014

Die machen das schon unter sich aus... : )

Olle Kurt kriegt einen drauf : )
Manchmal verschlägt es Fraule ja die Sprache. Sonst immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, aber manchmal vernagelt wie ein Bretterverschlag. Natürlich immer genau dann, wenn's gerade mal wichtig wäre, das Maul aufzumachen. Aber sich dann lieber vorführen lassen wie ein dummes Schulmädchen. Hach Fraule, manchmal erwarte ich einfach mehr von dir!

Da war die mit olle Kurt unterwegs in einem Laden für Hundezeug. Normalerweise schon mal nicht Usus bei uns, das Ganze hatte einen Trainingshintergrund. Also Kurti schön an der Leine, wie es sich gehört, sonst wär der mal in jedes Regal gesprungen zum Gucken. Der Laden ansonsten kundenfrei und sehr ruhig.

Fraule unterhält sich gerade nett und entspannt mit der sehr sehr netten Ladenbesitzerin, da kommt ein unangeleinter AmStaff-Boxer-Verschnitt-oder-was-auch-immer - zunächst mal ohne Besitzer - langsam, aber zielstrebig in den Laden gestiefelt.
Fraule denkt, "huuuch", und geht mit olle Kurtle mal besser ums Eck. Der herrenlose Köter latscht interessiert hinterher, Fraule kriegt einen dezenten Schweißausbruch und sieht irgendwie schon den Laden zu Bruch gehen.
Da kommt dann endlich, betont langsam, der Besitzer in den Laden getrottet und statt seinen Hund zurückzurufen und anzuleinen, fängt er fröhlich und gutgelaunt an, im jovialen Tonfall darüber zu dozieren, dass alles ganz easy wäre und die Hunde das schon machen würden. Fraule solle mal locker bleiben, schließlich seien das "nur Hunde" - was auch immer er damit hat sagen wollen.

Der 7 Monate alte Kurt, der an der Hundedame in aufkeimender Testosteronausschüttung sehr interessiert war, fängt natürlich an, an ihr rumzuschnüffeln, und die Lady versteift sich prompt. Wohlgemerkt, all das auf engem Ladenraum. Fraule wirds wärmer.
Sie denkt sich, "Ok, Zeit, die Biege zu machen" und ruft Kurt rum. Der Typ, betont auf lässig und den Ich-bin-der-Flüsterer-vom-Bodensee machend, doziert von oben herab weiter, dass ja alles ganz cool wäre und seine Hündin jetzt gleich halt mal Bescheid geben würde. Was natürlich justamente auch passiert, denn olle Kurt, vom pubertären Leichtsinn angetrieben, war der leinenlosen, viel zu nahen Hundedame zu aufdringlich.
Der Typ ganz stolz lamentierend, wie toll seine Hündin das doch mache, und Fraule, um Contenance bemüht, nur ein - unbemerkt - ironisches "Wenn Sie meinen" rausquetschend.
Aus Rücksicht vor der netten Ladenbesitzerin und im Hinterstübchen die Warnung herumirrend, dass man als Trainerin einen Ruf zu verlieren hat, also immer schön geschmeidig bleiben sollte, sagte sie daher nichts weiter und trat rasch den Rückzug an.

So. Zum Glück muss ICH ja nicht geschmeidig bleiben. Deshalb mal Folgendes:
Dieses allwissende Dummgeblubber von wegen "Die regeln das schon!" geht mir und vor allem Fraule mal ganz mächtig auf die Eier. Spackos! Na klar regeln wir das unter uns, aber oft genug nicht unbedingt zum Wohle der Schwächeren, oder?!
Abgesehen davon will sich bei uns in der Familie keiner von irgendwelchen selbsternannten Hundeexperten aufoktroyieren lassen, wann hier wer was unter sich regelt! Fraule bestimmt - was uns angeht - wann wer was regelt! Sie hat den Erziehungsauftrag, nicht irgendwelche dahergelaufenen unangeleinten Hundetanten! Sie macht sich ein Bild, sie schätzt die Lage ein, sie entscheidet, wieviel Hundekontakt gut tut und wann, und sie wird sich diese Entscheidung nicht von wildfremden Klugscheißern abnehmen lassen. Na gut, in dem Laden schon - Totalausfall -, aber das kommt sicher nicht noch einmal vor, versprochen!

Es mag ja ungemein sophisticated sein, mit einem unangeleinten, noch dazu großen Hund durch die Stadt zu latschen. Eine ziemlich männliche Attitüde übrigens: Gugge, ich Rudelführer, mein Hund ohne Leine und so, uga-uga... WOW, die Welt kreist nur um dich! Wir sind total beeindruckt!
Aber statt dieser prästeinzeitlichen Ich-habe-den-Längsten-Demonstration würde es diesen Profilneurotikern tatsächlich gut zu Gesicht stehen, Respekt und Anstand zu wahren und ihre Tölen einfach ohne viel Aufhebens und bescheiden anzuleinen - aus Rücksicht auf andere angeleinte (!) Hunde und ihre Halter in der Nähe oder vielleicht auch nur deshalb, weil sich andere Menschen beim Anblick eines unangeleinten Hundes unwohl fühlen könnten. Egal ob draußen und schon gar drinnen auf engem Raum!

Übrigens: Wäre ICH in dem Laden gewesen und nicht olle Kurt, hätte ich mal gezeigt, wer tatsächlich den Längsten hat. Ist klar, oder? : )