Montag, 22. Dezember 2014

Scheiß auf die gute Erziehung : )


Ich war mal vor langer Zeit bei den Eltern von Fraule zu Besuch. Da begab es sich, dass ich einen anderen Hund auf der Straße anbellte.
Da nahm Fraules Mama Fraule beiseite und sagte tadelnd: "Kind, dein Hund ist aber gar nicht gut erzogen!"

Gestern waren wir spazieren und da kam uns ein Mann entgegen. Fraule rief olle Kurt und mich zu sich, wir kamen und setzten uns neben sie. Da sagte der Mann wohlwollend im Vorbeigehen: "Die sind aber gut erzogen!"

Heute war olle Kurt das erste Mal mit im Büro. Und weil er so furchtbar neugierig ist, hat Fraule ihn durchs Büro schlappen lassen, woraufhin er sich erstmal alle Papierkörbe von innen angeschaut hat.
Der offizielle Bürohund hingegen, der sogar noch etwas jünger ist als Kurt, der macht das nie. Der macht überhaupt nie irgendetwas. Der ist total leise, unauffällig und unaufgeregt. Der zerbeißt nix, der räumt keine Mülleimer aus, der bellt nie und der guckt nie über den Tischrand hinaus, um zu sehen, was die Welt sonst noch so zu bieten hat.
Das ist zwar nicht unbedingt normal für so 'nen kleinen Pimpf, aber die Kollegen waren sich sehr schnell alle einig, dass der Bürohund viel besser erzogen ist als olle Kurt.

Letzte Woche waren wir mal wieder auf Seminar in Oberammergau.
Da waren sehr viele Menschen mit ihren Hunden, denn das Hundesporthotel Wolf ist sehr bekannt für seine Hundeseminare, und so ist dort immer viel los.
In der Eingangsrede der Hotelchefin wird jedes Mal inständig darum gebeten, dass jeder Mensch doch bitte die Hinterlassenschaften seines Hundes entsorgen möge, weil der Ärger mit den Nachbarn ansonsten vorprogrammiert sei - bei ca. 80 bis 120 Hunden, die 2 bis 3 mal täglich ihr Geschäft verrichten, nicht unbedingt ein Wunder. Kotbeutel bekommt man für umsonst natürlich an jeder Ecke. Die Robidogs werden täglich aufgefüllt.
Und trotzdem lässt sich kein Quadratmeter Wiese und Weg finden, der nicht zugeschissen ist. Und sogar auch noch auf dem Hotelgelände. Ganz schön schlecht erzogen, diese Hunde.

Dabei geben sich die Menschen wirklich viel Mühe mit der Erziehung: Da wird geschrien, geschlagen, heruntergedrückt und mit Wurfketten geschmissen, dass man die gute Erziehung quasi winseln hören kann. So viel gute Erziehung wie dieses Jahr, haben wir übrigens noch nie gesehen.

Eine junge, dynamische Trainerin dort lief generell mit ihren drei unangeleinten und geschirr- und halsbandfreien Hunden durch die Gegend, die in alle Richtungen davon stoben, während sie - vielleicht war es ja neu - unentwegt mit ihrem Telefon zugange war. Ihre Hunde rannten fröhlich und frei durchs Hotel und ab und an auch mal in die Zimmer fremder Hunde und ihrer Menschen oder in noch besetzte Trainingshallen hinein, um einfach mal freundlich und gut erzogen hallo zu sagen, während sich weniger gut erzogene Hunde mächtig darüber aufregten.
Die gute Erziehung der Trainerin wiederum hielt sie natürlich von einer Entschuldigung ab. Auch als einer ihrer Hunde eine Freundin ansprang, die gerade ihr Zimmer verlassen wollte, und ihr das Essen aus der Hand klauen wollte, war kein Laut aus dem wohlerzogenen Munde der Trainerin zu hören.

So. Seid ihr jetzt genauso verwirrt wie ich? Dann sag ich mal: Scheiß auf die gute Erziehung! Erstens weiß eh keiner was das ist, zweitens kommen die meisten beschtens ohne aus, weil man drittens damit auch nicht weiter kommt.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches Fest der Nächstenliebe. Und fühlt euch frei: Wer in der Christmette furzt und der Oma den letzten Sitzplatz unterm Hintern wegklaut, hat das Prinzip verstanden : )