Mittwoch, 23. September 2015

Die spezielle Retriever-Ausbildung oder eine weitere Tierquälerei <: [

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Labrador_mit_angelegter_Retrieverleine.jpg#/media/File:Labrador_mit_angelegter_Retrieverleine.jpg
„Labrador mit angelegter Retrieverleine“ von Peter Brockfeld - Eigenes Werk.
Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons
Neulich begegnet uns ein Mann mit Labbi. Der Labbi, weil ja ein Retriever, hatte natürlich eine Retriever-Leine um. Ihr wisst, das sind diese dünnen Dinger, die dafür gedacht sind, den Retriever bei der Arbeit blitzschnell ableinen zu können, indem man ihm die Leine einfach über den Kopf stülpt. Es gibt diese Retriever-Leinen mit Stopp und ohne. Mit Stopp (wie im Bild) heißt, dass sich die Schlaufe um den Hals nicht so weit zuziehen kann, dass sich der Hund, sollte er ziehen, selber erwürgt.
Ohne Stopp heißt, na, ja nun eben ohne Stopp. Also schön lecker Würgehalsband, das sich enger zuzieht, je mehr der Hund zieht. Die Cesar-Millan-Fans unter euch werden das ziemlich gut kennen und lieben, denn damit hängt olle Millan seine renitenten und zu unterwerfenden Opfer gerne medienträchtig auf.

Gedacht ist die stopplose Variante jedoch tatsächlich als Arbeitshilfe für wirklich gut ausgebildete Retriever, die zuverlässig gelernt haben, nicht in der Leine zu hängen. Gedacht ist diese Variante für die Dummyarbeit. Gedacht ist diese Variante jedoch definitiv nicht für den Alltag, denn auch ein gut ausgebildeter Retriever hat mal Feierabend und zerrt eben doch mal zum nächsten Kackhaufen hin, um dran zu schnüffeln, denn letztlich ist auch ein gut ausgebildeter Retriever in seiner Freizeit - Überraschung! - auch nur ein Hund.

Jedenfalls, unser Labbi hatte natürlich eine Retriever-Leine an, die ohne Stopp auskommen musste. Und unser Labbi befand sich auch nicht im Training, sondern auf seinem Gassigang.
Und offensichtlich muss unser Labbi auch noch viel lernen, denn von lockerer Leine war da nichts zu hören - nämlich nichts -, sondern im Gegenteil, der röchelte wie unser Rasenmäher kurz bevor das Kabel durchbrannte und die Sicherungen im Haus rausflogen. Unser Labbi hat sich also schön selber stranguliert. Und komisch, der hat gar nicht gelernt, dass es ihm besser gehen würde, wenn er von sich aus einfach weniger ziehen würde. Nö, der hat sich an die Atemnot schon gewöhnt. Ist zwar nicht so schick, aber irgendwie hält Hund das aus. Man gewöhnt sich eben an alles.

Nu, der Mann blieb also erstmal ungefragt bei uns stehen, sein Labbi setzt sich brav hin. Es werden ein paar knappe Worte zwischen Labbibesitzer und einem Fraule, das relativ wenig gewillt ist, mit Leuten zu reden, denen es offensichtlich nichts ausmacht, wenn sie ihre Hunde strangulieren, die aber auch nicht dauernd moralapostelnd auf die Leute einwirken will, gewechselt und schließlich geht der Mann weiter.
Der Labbi hat das aber wohl nicht gleich kapiert. Ich nehme an, durch den ständigen Mangel an Sauerstoff ist bei dem schon die eine oder andere Gehirnzelle hopps gegangen, und jetzt braucht der halt was länger, bis er was merkt - zumal, wenn keiner vorher mit ihm spricht. Normal, oder.
Jedenfalls, plötzlich reißt der Mann dermaßen mit einer solchen brutalen Kraft an der Labbi-Leine, dass es nicht nur den schier von den Latschen haut, sondern auch Fraule zu Tode erschreckt.
Und der platzt dann doch endlich mal die Hutschnur und sie fordert den Mann auf, unverzüglich mit diesem widerlichen Mist aufzuhören. Da sagt der doch glatt im Brustton tiefster Überzeugung: "Das ist eine spezielle Retrieverausbildung".

ICH GLAUB ECHT, ES HACKT!

Ihr habt wohl 'n bisschen zu viel unter Chemtrails gestanden, ihr jämmerlichen Retriever-"Experten", oder wie kommt es, dass ihr so selten dämlich doof seid, dem noch dämlicheren Gequatsche irgendwelcher inkompetenten Flachpfeifen, die sich trotz Paragraph 11 Zertifizierung immer noch Hundetrainer nennen dürfen, zu glauben und denen eure Hunde anzuvertrauen?
Wo bleibt eigentlich euer Bauchgefühl? Wo bleibt eigentlich eure Loyalität gegenüber eurem sogenannten besten Kumpel? Oder ist er doch nur Sportgerät für euch?

Und was genau sind das für "Ausbilder", die in der heutigen Zeit, mit dem heutigen Wissen, mit den heutigen ausgereiften Methoden immer noch diesen mittelalterlichen Schwachsinn verbreiten - vermutlich einfach nur aus ignoranter Lernresistenz und Arroganz heraus, seinen eigenen Horizont nach ein paar Jahrzehnten Wissensstagnation mal wieder ein wenig aufzupimpen! Oder ist es die pure Angst, weil ihr schon ahnt, dass das neumodische Zeugs schlichtweg zu hoch ist für euer simples Gemüt?

Wisst ihr, wenn ihr für euch entscheidet, weiterhin doof zu bleiben, dann ist das eure bedauerliche Entscheidung. Wenn man diese Doofheit aber auch noch an andere weiterverkauft (und vermutlich sogar tatsächlich noch Geld dafür bekommt!) und vor allem andere Lebewesen darunter leiden müssen, dann handelt ihr grob fahrlässig.
Mal ernsthaft: Das, was ihr da vermittelt, ist gesetzeswidrig. Das ist kein Kavaliersdelikt. Ihr, durch die Vermittlung von Schwachsinnigkeiten, und die Hundehalter natürlich selber, fügen Tieren körperlichen wie seelischen Schaden zu.
Beim nächsten Mal wird Fraule herausfinden, wer diesen Mist verkauft und dies dem Veterinäramt melden oder zur Anzeige bringen. Wir haben nämlich langsam wirklich die Faxen dicke!

Den Gesichtsausdruck des Labbis, den hat nur Fraule gesehen. Der arme Kerl hat so erbärmlich traurig geschaut, dass man glatt hätte heulen können! Der war ein voll lieber Kerl - das muss selbst ich zugeben -, gewillt alles richtig zu machen. DOCH BITTE SEHR, WIE SOLL ER DENN, WENN IHM NICHT GESAGT WIRD, WAS ER TUN SOLL???

Was mir bei solchen, fast schon täglichen Geschichten, die wir erleben dürfen, am meisten den Humor nimmt, ist diese bedingungslose Bereitschaft vieler Menschen genau das zu tun, was ihnen andere sagen, ohne über den Sinn oder Unsinn nachzudenken.
Und das ist es, was mir wirklich wirklich Angst macht! <: [

Montag, 10. August 2015

Alpharolle und Nackenschütteln - gängige Korrekturen in der Welt der Lernresistenten >: []

„Und da hat der mich im Spiel attackiert (der Welpe, Anm. d. Killerrüdenred.), und dann hab ich den genommen und ordentlich durchgerüttelt und auf den Rücken gedreht. Danach war gut“.

Leute, ich finde gerade keine Ecke mehr, in die ich kotzen könnte, wenn ich sowas höre. Und abgesehen ja mal davon, dass ich eigentlich knallhart bin, bricht es mir mein Killerrüdenherz, wenn ich an den kleinen Kumpel denke, der jetzt wahrscheinlich seine noch ziemlich neue Welt nicht mehr versteht. Hat der gerade angefangen, Vertrauen zu seinem Menschen aufzubauen, hat der begonnen, sich zu Hause und sicher und geborgen zu fühlen, spielt der mit seinem Vollpfosten von Mensch, und weil er ihn dabei "attackiert" (ha!), wird seine Welt mal eben einfach so komplett zusammengeschüttelt – natürlich um einer beginnenden Weltherrschaftsbestrebung des Zwerges zuvorzukommen.

Ich frage mich ehrlich, WANN hört dieser unsägliche, vor Doofheit triefende Irrsinn endlich auf? Wann fangen die Menschen an, endlich mal ihr Erdnussbutterhirn einzuschalten und verabschieden sich von diesem mittelalterlichen, total überholten und grottenfalschen Rudel-Chef-Schwachsinn?
Ich krieg‘ echt Schnappatmung, wenn ich solche Geschichten höre. Und diese kommt auch noch von einer Person aus MEINEM Umkreis mit der sprichwörtlichen 30jährigen Hundeerfahrung. 30 Jahre! Versteht ihr? D R E I S S I G!
Wenn man 30 Jahre, sprich, 3 Jahrzehnte!, oder auch 10.950 Tage so arbeitet – muss man dann nicht irgendwann bemerkt haben, wieviel Schaden man mit diesen Rambo-Methoden angerichtet hat? Oder ist man dann vielleicht nie auf die Idee gekommen, dass die Bissigkeit, Ängstlichkeit, krankhafte Unterwürfigkeit oder andere Verhaltensauffälligkeiten der Hunde ggf. etwas mit den angewandten „Korrekturen“ zu tun haben könnte??? Oder will mir der 30-Jahre-Hundeerfahrungs-Sitzenbleiber jetzt verklickern, dass all diese Hunde nach all diesen hirnbefreiten Gewaltattacken glücklich und fromm wie Lämmer durch den Rest ihres Lebens gemäht sind und nie mehr „korrigiert“ werden mussten? Na klaro. So war das!

Wie dermaßen lernresistent kann man in 30 Jahren eigentlich sein???
Ich sag euch. Bisher dachte ich ja, dass der gute alte Skinner mit seiner Lerntheorie tatsächlich Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt hätte. So wie man nicht leugnen kann, dass Dinge von oben nach unten fallen - wegen der Gesetzmäßigkeit der Schwerkraft und so, die ja auch keine Erfindung des Menschen ist – so gibt es eben Gesetze, wie Lebewesen lernen. Und Lernen bedeutet im ursprünglichsten Sinne, dass man etwas anderes ausprobiert, wenn man feststellt, dass eine Strategie nicht klappt. Denn nur so kann man überleben bzw. sich an eine sich ständig verändernde Umwelt anpassen.

Aber nööööööö! Olle Skinner hat sich total geirrt! Die Lerngesetze gibt es zwar schon bei den meisten Arten, nur der Mensch, der funzt anders.
Der ruckt nämlich 30 Jahre lang an der Leine wie ein Vollhorst, ohne zu bemerken, dass der Ruck gerade mal die nächsten 5 Meter anhält. Der schüttelt 30 Jahre lang seine Welpen und merkt nicht, dass der sich zukünftig demütig an seinen Menschen ranschleicht und einnässt vor lauter Panik vor seinem unberechenbaren "Rudelchef" (ich krieg schon Herpes, wenn ich das Wort nur tippen muss). Oder anfängt, Zicken zu entwickeln, weil er nämlich zu denen gehört, die sich nicht gern ungestraft in Todesangst versetzen lassen. Der dreht 30 Jahre lang auf den Rücken und nennt das eloquent „Alpharolle“, ohne zu merken, dass er seinen Hund damit genauso wenig unterwürfig macht, als wenn er ihm die Rute nach oben halten würde, um ihn fröhlich zu stimmen.

Da wird 30 Jahre lang rumkommandiert, gebrüllt, gekickt und runtergedrückt – und keiner fragt sich auch nur mal eine Sekunde von diesen insgesamt 15.768.000 Sekunden, ob das, was er da fabriziert, tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt: Nämlich ein Verhalten dauerhaft abzustellen (ohne 10 neue unerwünschte hervorzubringen).

Ich finde das wirklich bemerkenswert. Meine Idee, warum die Lerngesetze beim Menschen nicht zu wirken scheinen, ist ja, dass selbst die größten Dumpfbacken irgendwie vom sozialen Netz aufgefangen werden. Tiere hingegen, die sich als lernresistent erweisen, sterben. So einfach ist das. Was wieder mal beweist, wie ungerecht die Evolution ist. Aber gut. Das Leben ist kein Ponyhof.

So. Und wer jetzt mit „Die Hündin schüttelt auch ihre Welpen“ oder „Hunde schmeißen andere Hunde zum Unterwerfen auch auf den Rücken“ kommt, dem schenk ich 'ne Brille. Zeig mir EINE (geistig gesunde) Hündin, die ihre Welpen schüttelt. Zeig mir EINEN Hund, der einen anderen auf den Rücken dreht, um ihn zu unterwerfen.
Wer schüttelt, will töten. Eine Mutter wird ihre Kinder aber wohl nicht töten wollen. Und wer geschüttelt wird, hat Todesangst. Will man seinen Schutzbefohlenen in Todesangst versetzen?
Und ein Hund legt sich selber auf den Rücken und wird nicht geworfen. Und das tut er aus freiwilligen Stücken, um zu signalisieren, dass er friedlich ist. Wird ein Mensch, der seinen Hund auf den Rücken legt, wohl das damit erreichen? Und wenn nicht, was erreicht er wohl statt dessen? Naaaa?
Und wenn diese 30-Jahre-Hundeerfahrungsexperten mit biologischer Firewall jetzt noch sagen „Ja, neee, diese modernen Hundeschulen heute, das ist ja ganz nett mit dem Belohnen und so… Aber meins ist das nicht…“
Dem antworte ich: "Hier geht's nicht um Irokesenschnitt gegen Kurzhaarfrisur oder Sushi mit Fugu gegen Zwiebelrostbraten. Hier geht's um real existierende Gesetze. Um tierschutzrelevantes Verhalten, das angezeigt werden muss, wenn man es sieht."
ICH kann zwar nicht anzeigen, wer hört schon auf einen Hund, aber ich kann auch schütteln. Und was das bedeutet, konntet ihr gerade lernen! >: []  

Donnerstag, 16. Juli 2015

Anleitung zum Strafe schönreden oder die Baumannsche Definition von Verhaltensunterbindung : )

Wisst ihr, wenn man heute eine Putzfrau "Raumpflegerin" nennt, dann ist das nett. Die muss dann zwar trotzdem noch die Scheiße von anderen ausm Klo und die Zahnpasta vom Spiegel wischen, aber sie macht das bestimmt mit viel mehr Freude, wenn sie dabei "Raumpflegerin" genannt wird.
Es ist auch nett, dass eine Sekretärin heute "Office Managerin" tituliert wird oder der Hausmeister "Facility Manager". Haargenau die gleichen Aufgaben wie zuvor gehen einfach gleich viel leichter von der Hand, wenn man einen wohlklingenderen Jobtitel dazu hat.
"Nullwachstum" hört sich gewiss besser an als Stagnation und "friedlich entschlafen" ist irgendwie weniger erschreckend als wenn einer "gestorben" ist. Unangenehmes wird durch die richtigen Worte plötzlich sehr viel angenehmer.

Und auch wir Hunde profitieren davon!
Wenn uns jemand mit der Wasserflasche traktiert und das statt Strafe dann "Verhaltensunterbindung" nennt, oder wenn zum Leinenruck plötzlich "Leinenimpuls" und zum Würgen und Kicken "Resozialisierung" gesagt werden darf, dann ist das für uns Hunde nämlich auf alle Fälle ein riesen Unterschied und deutlich angenehmer auszuhalten. Und weil das so viel angenehmer ist, hören wir aus lauter Kooperationsbereitschaft auf, das unerwünschte Verhalten zu zeigen, und nicht so wie früher vor lauter Schreck oder Angst (ach nein, Furcht, bleiben wir doch wissenschaftlich korrekt). Wir versuchen auch nicht zu meiden, wegzulaufen oder uns zu verstecken oder verknüpfen die Situation negativ mit der Folge unangenehmer Verhaltensnebenwirkungen, weil wir den Reiz als Strafe empfinden, nein!, wir bleiben locker, weil wir wissen, dass es sich lediglich um eine "Aggressionsblockade" handelt und die Verhaltensunterbrechung gut für uns ist. Wir entscheiden nämlich ab sofort nicht mehr selber, ob wir etwas als Strafe empfinden, weil es sie ja gar nicht gibt. Oder nur im verhaltensbiologischen Rahmen. Aber natürlich nicht im wahren Leben.

Gewachsen ist diese elegante Aushebelung unerwünschter wissenschaftlicher Lerntheorien jüngst auf dem Mist unseres Meisters der Euphemismen Thomas Baumann. Über seine Facebook-Seite Dogworld-Stiftung verweist er einmal mehr Skinners Lerntheorie knallhart auf die stille Treppe, wo sie in der Realtität gefälligst die Schnauze zu halten hat, denn maximal hat sie ihre Existenzberechtigung in den Laboren der Wissenschaft.

Positive Strafe - also das Hinzufügen unangenehmer Reize als Konsequenz für ein Verhalten - lässt, laut Lerntheorie, das gezeigte Verhalten weniger häufig auftreten. Mindestens seit der Zertifizierung deutscher Hundetrainer gemäß Paragraph 11 TschG weiß heute aber ein jeder Trainer, dass der Preis, den man zahlen muss, wenn man mit Strafe arbeitet, recht hoch sein kann. Deshalb werden Trainer in den Fragebögen und Prüfungen dazu angehalten, Strafe im Sinne von körperlicher und seelischer Gewalt nicht als Trainingsmaßnahme einzusetzen.

Und da kommt die schlaue Baumannsche Definition der "Verhaltenskorrektur" ins Spiel. Denn die hat nur den Anspruch, Verhalten für den Moment zu unterbinden und ist daher zweifelsfrei nicht als Strafe zu verstehen. Also alles im grünen Bereich bei den Baumännern.

Und ich kann nur sagen: ZUM GLÜCK können wir Skinners Gesetzmäßigkeit von Baumanns Absichten unterscheiden! Und so unterbrechen wir unser Verhalten eben einfach so. Und nicht etwa, weil wir die Wasserflasche als Strafe empfinden - natürlich nicht, wir sind ja nicht doof!

Der Thomas bringt das einleuchtend auf den Punkt:
"Jemand der schreibt, Strafreize seien nie sinnvoll, mag seine Gründe dafür haben, aber er weiß nicht so viel über Hunde! Zumal der Begriff Strafreiz ohnehin falsch ist, denn ich strafe nicht, sondern ich unterbinde unerwünschtes und gefahrbringendes Verhalten. Das hat nichts mit Strafe zu tun..."
Und erklärt unmissverständlich:

"Der Begriff STRAFE ist einzig und allein Sache der VERHALTENSBIOLOGEN ansonsten ist der Begriff STRAFE dumm und überholt!!! Ich bestrafe keinen Hund und wüsste auch nicht, warum ich das tun sollte!"

Jaaahaaa! Wieso sind wir bloß nicht viel eher da drauf gekommen, wo das alles so schön einfach macht?

Wenn ein Lehrer einen Schüler demnächst 100 Mal "Ich soll den Unterricht nicht stören" auf die Tafel schreiben lässt, dann ist das Gott sei Dank ab sofort keine Strafarbeit mehr, sondern einfach nur eine Verhaltenskorrekturarbeit.
Wenn ein Gewaltverbrecher demnächst im Knast einsitzen muss, dann nicht etwa um ihn durch Freiheitsentzug zu bestrafen, sondern natürlich nur um sein "gefahrbringendes Verhalten zu unterbinden". Allensfalls ist es Sache der GERICHTSBARKEIT das Ganze Strafe zu nennen.

Wenn also ab sofort bei physischer und psychischer Straf- äh, Verzeihung Korrekturanwendung (zu der Schreckreize, wie der Gebrauch von Wasserflaschen, laut Skinners lerntheoretischer Definition von positiver Strafe ja gehören) alle nur noch von Verhaltensunterbindung sprechen - ja, mensch! dann gibt es physische und psychische Strafe eigentlich gar nicht mehr! Das ist ja super! Ein Geniestreich! Her mit den Wasserflaschen!

Es ist schon toll, wie leicht es doch manchmal sein kann. Ich muss sagen, ihr Menschen habt's da wirklich besser als wir Hunde. Wenn wir bellen, dann wird das nachweislich weiterhin als Bellen und Aggression interpretiert werden. Und wenn wir beißen, dann wird keiner auf die Idee kommen zu sagen, das war kein Beißen, denn der Begriff Beißen ist total dumm und überholt, das war eine Verhaltenskorrektur. Nee. Wenn wir beißen, dann aus "offensiver Aggression". Oder neuerdings auch aus "Lust".
Bei euch Menschen hingegen heißen Putzfrauen "Raumpflegerinnen", Sekretärinnen "Office Managerinnen", Stagnation "Nullwachstum" und Strafe nennt sich ab sofort "Verhaltensunterbindung". Und schon ist die Welt für die Freunde des Euphemismus' wieder hübsch rosarot. So schläft es sich einfach besser.
What a difference a word makes! : )


Noch mehr Euphemismen und andere Strafmaßnahmen, die keine sind, findet ihr bei olle Baumann direkt im Thread.

Montag, 6. April 2015

Eiersuche falsch verstanden >: []

Ich weiß, es ist Ostern, da sucht man Eier. Und ich weiß, ich habe keine, und deshalb rieche ich für viele Kumpels offensichtlich unwiderstehlich.

So auch gestern am schönen Strand von Kervel in der Bretagne. Der Strand war mehrere hundert Meter breit, es war Ebbe. Kaum eine Sau war dort und so hatten olle Kurt und ich mächtig Spaß. Bis, ja bis plötzlich so ein dämlicher wildgewordener Handfeger keine Mühen scheute, die hunderte von Metern zu überwinden und sich schnurstracks von hinten auf mich drauf zu schmeißen und mich zu berammeln. So schnell konnt' keiner gucken! Aufdringliche Tölen bin ich ja schon gewöhnt, aber der war terrierzäh!
Fraule und Kurt waren gleichermaßen perplex wie ich und machten im Versuch ihn abzuwehren keine sehr gute Figur. Diese kleine Ratte klebte an mir wie Kaugummi. Alles an Distanzversuchen, verscheuchen, einschüchtern, anschreien, ja, selbst als ich mich dann mal zur Wehr setzte, blieb komplett wirkungslos, die blöde Töle war restlos unbeeindruckt. Kurt hat übrigens versucht mich zu verteidigen und ne riesen Welle veranstaltet. Was dem Mistzwerg auch komplett am Arsch vorbei ging. Na ja, wenn jetzt einer aufgeregt da hin und herspringt, kläfft und zaghaft anrempelt, wär ich wohl auch nicht ganz so beeindruckt. Aber egal, der Wille zählt und ab sofort gehört Kurtle zu meinen loyalsten Groupies.

Ach ja, das Fraule dieses Kaugummis gab's auch noch. Die kam gemächlichen Schrittes auf uns zu gewandert, war aber noch recht weit weg. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass jegliche Rückrufversuche ihrerseits reaktionlos im All verhallten, oder?
Als sie dann minutenspäter durchaus nicht atemlos ankam und endlich ihre notgeile Bestie angeleint und von mir weggezerrt hatte, erklärte sie resigniert, ach jaaa, das macht er immer. "Il monte tous les chiens", er reitet bei allen Hunden auf, was soll man da bloß tun? Resigniert und entschuldigend zuckt sie mit den Schultern.
Fraule versucht ihr zu erklären, dass sie möglicherweise ihrem dauergestressten Köter endlich die Klöten abschneiden oder ihn einfach nicht mehr zu anderen ranlassen solle, damit die nicht unter seinem testosterongesteuerten Kleinhirn leiden müssten und sie außerdem 'ne total doofe Kuh sei, wenn sie andere Hunde und Menschen vor lauter Ignoranz und Blödheit in solchen Stress bringen würde, zumal ich ja auch nicht umsonst an der Schleppleine liefe und sie froh sein könne, dass ich aus ihrem Fifi und ihr kein Hackfleisch gemacht hätte und dass es ihr außerdem voll stänke, immer wieder mit diesen rücksichtslosen, egoistischen Hundehaltern konfrontiert zu werden, die einem nicht mal an einem quasi menschenleeren Strand vom Ausmaß hunderter Fußballplätze erspart blieben.
Aber hach Gott, Fraule, an deinem Französisch feilen wir nochmal ein bisschen. Denn raus kam nur ein gequält lächelndes "pas de problem" : )

Montag, 2. März 2015

Wir sind weg - au revoir! : )

unser Zuhause auf 4 Rädern, o weia! : )
Jetzt ist es raus!
Ihr glaubt es nicht, aber tatsächlich hauen wir ab. Wir, das sind ich, Fraule und olle Kurt.

Mitte / Ende März gehts los. Der Plan ist, wir bummeln mit nem Camper für drei Monate durch die Weltgeschichte. Ich schätze, wir machen das, damit ich und olle Kurt mal was von der Welt sehen. Meer und so. Gut, Meer kenn ich ja schon, da muss man immer von Kotzen, aber die kleine Nervensäge kennt ja noch jor nüscht und braucht mal ne Horizonterweiterung.

Hier läuft alles auf Hochtouren: Packen, einräumen, organisieren und was man halt so tut, wenn man sich vom Acker macht. Genaue Pläne gibt's auch nicht. Wir werden uns treiben lassen, heißt es. Na, da bin ich mal gespannt, was wir so treiben werden.
Ich werde berichten : )

Wer uns genauer verfolgen will, kann das in Fraules Blog tun. Sie meint, sie will auch mal.

Ihr seht, es wird nie langweilig bei uns.
Abenteuer! Wir kommen! : )

Samstag, 28. Februar 2015

Lebenszeichen : )



Ja, ich weiß, lange her, dass ich mich gemeldet habe. Aber es gibt Situationen im Leben, die sind wirklich wichtiger als das Pöbeln.

Zunächst war da mal Weihnachten. Da musste ich unheimlich viel Würstchen verputzen - das hat meine volle Konzentration erfordert. Da hatte ich unmöglich Zeit, mir über die Ungerechtigkeiten im Leben eines Hundes Gedanken zu machen, das versteht ihr ja wohl.
Dann kam Silvester. Letztlich das Gleiche. So viele Würstchen zu verarbeiten, nur, damit ich von der Ballerei keinen an der Waffel bekomme. Tja, und danach natürlich den Rausch ausschlafen und so.
Der Januar war der Leibesertüchtigung gewidmet. Fraule meinte, die Würstchen müssen wieder runter. Also musste ich mich trimmen. Wie soll man da einen Gedanken frei haben für die wirklich wichtigen Themen im Leben???

So. Und jetzt, wo ich langsam wieder loslegen könnte, ist wieder alles ganz anders.

Große Veränderungen stehen an. So scheint's. Ich verstehe zwar nicht alles, aber so wie es aussieht, betreffen sie auch mich und olle Kurt. Nun ja. Ich werde euch wissen lassen, was läuft, sobald ich selber hintersteige. Bald, versprochen!

Bleibt mir doch so lange einfach gewogen.
Euer knallharter Killerrüde Willi : )