Mittwoch, 23. September 2015

Die spezielle Retriever-Ausbildung oder eine weitere Tierquälerei <: [

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Labrador_mit_angelegter_Retrieverleine.jpg#/media/File:Labrador_mit_angelegter_Retrieverleine.jpg
„Labrador mit angelegter Retrieverleine“ von Peter Brockfeld - Eigenes Werk.
Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons
Neulich begegnet uns ein Mann mit Labbi. Der Labbi, weil ja ein Retriever, hatte natürlich eine Retriever-Leine um. Ihr wisst, das sind diese dünnen Dinger, die dafür gedacht sind, den Retriever bei der Arbeit blitzschnell ableinen zu können, indem man ihm die Leine einfach über den Kopf stülpt. Es gibt diese Retriever-Leinen mit Stopp und ohne. Mit Stopp (wie im Bild) heißt, dass sich die Schlaufe um den Hals nicht so weit zuziehen kann, dass sich der Hund, sollte er ziehen, selber erwürgt.
Ohne Stopp heißt, na, ja nun eben ohne Stopp. Also schön lecker Würgehalsband, das sich enger zuzieht, je mehr der Hund zieht. Die Cesar-Millan-Fans unter euch werden das ziemlich gut kennen und lieben, denn damit hängt olle Millan seine renitenten und zu unterwerfenden Opfer gerne medienträchtig auf.

Gedacht ist die stopplose Variante jedoch tatsächlich als Arbeitshilfe für wirklich gut ausgebildete Retriever, die zuverlässig gelernt haben, nicht in der Leine zu hängen. Gedacht ist diese Variante für die Dummyarbeit. Gedacht ist diese Variante jedoch definitiv nicht für den Alltag, denn auch ein gut ausgebildeter Retriever hat mal Feierabend und zerrt eben doch mal zum nächsten Kackhaufen hin, um dran zu schnüffeln, denn letztlich ist auch ein gut ausgebildeter Retriever in seiner Freizeit - Überraschung! - auch nur ein Hund.

Jedenfalls, unser Labbi hatte natürlich eine Retriever-Leine an, die ohne Stopp auskommen musste. Und unser Labbi befand sich auch nicht im Training, sondern auf seinem Gassigang.
Und offensichtlich muss unser Labbi auch noch viel lernen, denn von lockerer Leine war da nichts zu hören - nämlich nichts -, sondern im Gegenteil, der röchelte wie unser Rasenmäher kurz bevor das Kabel durchbrannte und die Sicherungen im Haus rausflogen. Unser Labbi hat sich also schön selber stranguliert. Und komisch, der hat gar nicht gelernt, dass es ihm besser gehen würde, wenn er von sich aus einfach weniger ziehen würde. Nö, der hat sich an die Atemnot schon gewöhnt. Ist zwar nicht so schick, aber irgendwie hält Hund das aus. Man gewöhnt sich eben an alles.

Nu, der Mann blieb also erstmal ungefragt bei uns stehen, sein Labbi setzt sich brav hin. Es werden ein paar knappe Worte zwischen Labbibesitzer und einem Fraule, das relativ wenig gewillt ist, mit Leuten zu reden, denen es offensichtlich nichts ausmacht, wenn sie ihre Hunde strangulieren, die aber auch nicht dauernd moralapostelnd auf die Leute einwirken will, gewechselt und schließlich geht der Mann weiter.
Der Labbi hat das aber wohl nicht gleich kapiert. Ich nehme an, durch den ständigen Mangel an Sauerstoff ist bei dem schon die eine oder andere Gehirnzelle hopps gegangen, und jetzt braucht der halt was länger, bis er was merkt - zumal, wenn keiner vorher mit ihm spricht. Normal, oder.
Jedenfalls, plötzlich reißt der Mann dermaßen mit einer solchen brutalen Kraft an der Labbi-Leine, dass es nicht nur den schier von den Latschen haut, sondern auch Fraule zu Tode erschreckt.
Und der platzt dann doch endlich mal die Hutschnur und sie fordert den Mann auf, unverzüglich mit diesem widerlichen Mist aufzuhören. Da sagt der doch glatt im Brustton tiefster Überzeugung: "Das ist eine spezielle Retrieverausbildung".

ICH GLAUB ECHT, ES HACKT!

Ihr habt wohl 'n bisschen zu viel unter Chemtrails gestanden, ihr jämmerlichen Retriever-"Experten", oder wie kommt es, dass ihr so selten dämlich doof seid, dem noch dämlicheren Gequatsche irgendwelcher inkompetenten Flachpfeifen, die sich trotz Paragraph 11 Zertifizierung immer noch Hundetrainer nennen dürfen, zu glauben und denen eure Hunde anzuvertrauen?
Wo bleibt eigentlich euer Bauchgefühl? Wo bleibt eigentlich eure Loyalität gegenüber eurem sogenannten besten Kumpel? Oder ist er doch nur Sportgerät für euch?

Und was genau sind das für "Ausbilder", die in der heutigen Zeit, mit dem heutigen Wissen, mit den heutigen ausgereiften Methoden immer noch diesen mittelalterlichen Schwachsinn verbreiten - vermutlich einfach nur aus ignoranter Lernresistenz und Arroganz heraus, seinen eigenen Horizont nach ein paar Jahrzehnten Wissensstagnation mal wieder ein wenig aufzupimpen! Oder ist es die pure Angst, weil ihr schon ahnt, dass das neumodische Zeugs schlichtweg zu hoch ist für euer simples Gemüt?

Wisst ihr, wenn ihr für euch entscheidet, weiterhin doof zu bleiben, dann ist das eure bedauerliche Entscheidung. Wenn man diese Doofheit aber auch noch an andere weiterverkauft (und vermutlich sogar tatsächlich noch Geld dafür bekommt!) und vor allem andere Lebewesen darunter leiden müssen, dann handelt ihr grob fahrlässig.
Mal ernsthaft: Das, was ihr da vermittelt, ist gesetzeswidrig. Das ist kein Kavaliersdelikt. Ihr, durch die Vermittlung von Schwachsinnigkeiten, und die Hundehalter natürlich selber, fügen Tieren körperlichen wie seelischen Schaden zu.
Beim nächsten Mal wird Fraule herausfinden, wer diesen Mist verkauft und dies dem Veterinäramt melden oder zur Anzeige bringen. Wir haben nämlich langsam wirklich die Faxen dicke!

Den Gesichtsausdruck des Labbis, den hat nur Fraule gesehen. Der arme Kerl hat so erbärmlich traurig geschaut, dass man glatt hätte heulen können! Der war ein voll lieber Kerl - das muss selbst ich zugeben -, gewillt alles richtig zu machen. DOCH BITTE SEHR, WIE SOLL ER DENN, WENN IHM NICHT GESAGT WIRD, WAS ER TUN SOLL???

Was mir bei solchen, fast schon täglichen Geschichten, die wir erleben dürfen, am meisten den Humor nimmt, ist diese bedingungslose Bereitschaft vieler Menschen genau das zu tun, was ihnen andere sagen, ohne über den Sinn oder Unsinn nachzudenken.
Und das ist es, was mir wirklich wirklich Angst macht! <: [