Donnerstag, 3. März 2016

Salve, Cesar! Eine neue Meisterleistung vom Hundeflüsterer : )

Es tut mir leid, echt, ehrlich! Ich wollt mich über olle Tierquäler Cesar Millan ja nicht mehr aufregen. Es ist ja auch schon alles über ihn gesagt worden. Und es ist ja auch so, dass Cesar-Millan-Fans selbst dann noch Cesar-Millan-Fans bleiben würden, wenn er für die Präsidentschaftswahlen kandidieren und den Tierquälerjob an den Elektroschocker hängen würde. Denn Cesar, ja, gefälligst, der tut ja auch viel Gutes... Ich weiß zwar ehrlich nicht genau wo, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ob er in dem Video unten so viel Gutes tut, ist hingegen doch etwas fraglich. Na doch, ein Gutes tut er: Er legt sich bei der Jagd auf den schweinchenhassenden Simon ein paar Mal ordentlich auf die Fresse. Ich fand zumindest diese Fangmich-Szene echt, hmm, amüsant. Oder. Nee doch nicht.

Aber mal in medias res:

Also, wir haben da Simon, eine kleine französische oder englische Bulldogge oder etwas in der Art, der offensichtlich die Schweine seines Frauchens so schweinisch scheiße findet, dass er sie attackiert und eines sogar schon getötet hat. Nicht schön, nein.
Die Schweine leben in einem großen grünen Gehege und Simon wird nun von unserem Meister des Flüsterns und Zischens dort hinein geführt.
Ein normaler Mensch würde sich ja schon jetzt fragen, warum die arme Sau, also der Hund, eigentlich in das Schweinegehege rein muss? Was hat der da drin zu suchen? Aber gut, wir wissen es nicht, vielleicht hat das ja total berechtigte Gründe. Vielleicht ist Simon nämlich eigentlich ein Schweinehütehund und muss nur noch ein bisschen auf die Schweinchen geprägt werden.



Wir wissen ja alle, dass eine von CMs Hauptspezialitäten das Zischen wie eine Schlange ist. Das ist sein Abbruchsignal für unerwünschtes Verhalten, für das ihn Millan-Fans neben seinen weißen Zähnen und seinem verstandraubendem Charme so lieben. Sachlich betrachtet, ist Zischen ein Schreckreiz, auf den viele Hunde empfindlich reagieren: Der Hund bricht sein Verhalten meist ab, weil er Angst bekommt. Lernen tut er dabei natürlich nichts Konstruktives.
Jedenfalls, für jemanden, der am Tag wahrscheinlich ca. 500 Mal zischt wie eine Boa Constrictor, würde ich mal davon ausgegangen sein, dass man dann die Methodik im Effeff beherrscht und vor allem ein perfektes Timing besitzt. Na ja. Er ist halt auch nur ein Mensch. So wie die Klickerfraktion häufig trotzdem zum falschen Zeitpunkt klickt, ist's mit Cesars Timing auch nicht weit her - allerdings mit verherenderen Folgen. Denn der Hund wird für richtiges Verhalten bestraft!
Simischweinibaby dreht sich nämlich gleich mal in der ersten Simon-Schweine-Cesar-Szene weg von den Schweinen und wird dafür ordentlich bezischt und gerupft. Schade eigentlich. Wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, Simischweinibaby mal ordentlich zu loben. Aber gut. Den Fans macht das olle Cesar noch viiiiieeeel sympathischer, zeigt das doch nur, dass sich selbst ein Hundeflüsterergott mal irren kann. Falsch! Die Fans werden diesen groben Fehler gar nicht bemerken. So weit reicht deren Fachkenntnis gar nicht. Wie auch, wenn man immer nur von weißen Zähnen geblendet wird.

Spannend ist übrigens auch immer, sich so ein Video mal a) ohne Ton anzuschauen und nur auf die Körpersprache zu achten oder b) gleich in Zeitlupe. Man glaubt gar nicht, was man ohne schicke Hintergrundmusik und Cesars unqualifiziertem Geblubber alles SEHEN kann.
So z. B. gleich mal bei Minute 1:29 einen ziemlich gestressten Simon. Der will überall sein, nur nicht bei den Schweinen (CM eingeschlossen). An dieser Stelle fängt er mir persönlich schon an sehr sehr leid zu tun...
Interessant ist dann auch die nächste Szene, die sein Frauchen so "unbelievable" findet: Da sieht man doch ganz deutlich, dass Klein-Simon mit dem Rücken zu viel zu dichten Schweinen sitzt. Wenn das nicht deeskalierend ist, weiß ich's auch nicht. Simon sagt klipp und klar: "Ich bin nett, ich dreh mich weg." Wieso wird er da eigentlich nicht über den Klee gelobt? Ach, ich vergaß.... Loben ist ja nur was für die Weichgespülten. Der Simon braucht das, na klar, nicht. Der soll ja außer Angst zu haben nix lernen.
Bei der Szene frag ich mich natürlich auch die ganze Zeit ganz intensiv: Warum muss CM mit Simon eigentlich auf eine Entfernung zu den Schweinen, die unter einem Meter liegt? Ach ich Trottel, ich vergaß: "Resozialisierung" in 3 Minuten. Natürlich! Wer in Amerika hat schon Zeit, sich Zeit zu lassen? Time ist Money und so.

Bei Minute 1:34 kommt eines der Schweine sogar noch näher. Und was macht Simon? Der steht erschreckt auf und versucht weg zu gehen! Auch das wird nicht zur Kenntnis genommen. Der Typ ist echt so ein Horst!

So. Und nachdem nun in etwas mehr als eineinhalb Minuten "Training" Simon an der Leine resozialisiert wurde, gehts gleich auf zum nächsten Schritt - Leine ab. Nicht kleckern, Leute, klotzen! Simon soll ja Angst lernen und zwar ordentlich - und sonst nix. Also nicht vergessen!

Und jetzt geht der Spaß los : )
Simon dreht noch auf Abstand zu den Schweinen ein paar Runden, doch dann macht ein Schwein den Fehler und quiekt. Zack! Ein klitzekleiner Reiz zu viel bei einer eh schon am nervlichen Rad drehenden Bulldogge und Simon prescht los und erwischt Schweini am Ohr. Cesar zischt und zischt unkontrolliert und ein bisschen angesäuert, Simon hat dafür gerade aber kein Ohr, der hat jetzt nur noch Schweineohren im Sinn. Ich versteh ihn, seufz...

Ok, dann kommt die übliche Cesar-Millan-Ich-Chef-du-Nix-Kiste: Simon wird an den Hiinterläufen gepackt, vorn hochgerissen und nochmal mit erhobenem Zeigefinger bezischt.
Ein japsender, Ohren anlegender, gestresster Simon legt sich darauf in den Platz - CM würde sagen: jetzt ist er unterwürfig. Und entspannt natürlich.

Hihi, dann steht Cesar auf, zischt nochmal ganz entschieden Klein-Simon an und löst alsdann seinen körpersprachlichen Druck auf. Simon, der schlaue, kleine, enthemmte, lässt die Gelegenheit nicht ungenützt und ergreift die Flucht. Eine fröhliche Hetzjagd beginnt. Simon hetzt die Schweine, Cesar hetzt Simon, die Kamera hetzt Cesar - ein Bild für die Götter, vor allem, wenn sich CM mit vollem Einsatz und Elan wie ein Torwart auf den Ball ins Grün schmeißt. Ich gestehe, das sehe ich nicht ungern...

Na ja, aber eigentlich auch wieder doch, denn die ganze Angelegenheit wird recht ernst und traurig noch dazu. Simon's Hetzerei auf das kleine Schweinchen kann schließlich unterbrochen werden und die Submissionsmissionierung nimmt weiter ihren Lauf. Obwohl sich Simon angesichts des leicht außer Atem gekommenden Millans, der sich ihm gerade wieder bedrohlich nähert, sofort hinlegt und alles gibt, um ihm zu signalisieren "Tu mir nix, ich tu dir auch nix", schubst CM ihn weg, wirft ihn - nachdem Simon dann doch mal geknurrt hat bei so viel massiver Bedrohung - schließlich auf den Rücken und fixiert ihn mit seinen Fingern am Hals so, dass er liegen bleiben muss. Wir sehen einen unterworfenen, hechelnden, lefzenzurückziehenden Simon. Ich behaupte, eine viel ärmere Sau als das Schweinchen mit dem blutenden Ohr! Dann ist der Film leider zu Ende.

Applaus, Applaus, Applaus, Applaus!
Das war wieder eine echte Höchstleistung meines Lieblingshundeflüsterers! Was Simon nicht alles gelernt haben wird! Eine ganze Menge, nur nicht das: Schweine zukünftig in Ruhe zu lassen.
Zum einen hat der gelernt, dass Schweine, die er vorher schon scheiße fand, auch nachher noch scheiße geblieben sind. Einen Mann wie CM wird der auch nicht nochmal treffen wollen. Auf sein passives Frauchen ist auch kein Verlass, die hilft dem nämlich nicht aus der Patsche. Simon hat gelernt, auch in Zukunft die Dinge auf seine Art zu lösen. Denn niemand hat ihm gezeigt, was er gut gemacht hat - nämlich seine Ansätze, wegzugehen -, und niemand hat versucht, ihm aus einer Situation hinaus zu helfen, in die er gezwungen wurde! Und wenn einem keiner hilft, muss man sich selber helfen. Oder komplett aufgeben.

Herr Millan: Setzen, Sechs! Sie haben immer noch nichts dazu gelernt. Sie sind und bleiben ein unverbesserlicher, unqualifizierter Tierquäler, der wieder einmal mehr in einem Video für jeden deutlich sichtbar seinen Unsachverstand und seinen Diletantismus unter Beweis gestellt hat.
Aber hach Gott, ich hör sie schon wieder kreischen, die Fans: Er tut doch aber sonst viel Gutes. Er rettet Tiere! Wir anderen alle würden Simon ja einschläfern lassen!
Ich sag mal so: NEIN, das würden wir nicht. Wir würden CM einschläfern lassen. Jedem was er verdient! >: []

Dienstag, 9. Februar 2016

Sinn und Verstand - es gibt ihn noch! Aber nur im Kleinen... : )

Es gibt da einen Hund. Dieser Hund ist echt ne arme Sau. Der lebte in Spanien, zusammen mit seiner Gefährtin. Die beiden waren ein Herz und eine Seele und hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, denn mehr als sich selber hatten sie nicht. Sie lebten bei einem alten Knacker, der sie in einem Schuppen hielt und nie raus ließ. 4 Jahre lang lebten sie dort ohne Tageslicht, ohne Auslauf. Das Futter hat der miese alte herzlose Drecksack ihnen in den Schuppen geschmissen. Der Hund verlernte das Laufen, er lag nur noch rum. Die Muskulatur an den Hinterläufen bildete sich zurück, so dass er gar nicht mehr die Kraft hatte, sich von sich aus zu bewegen.
Eines Tages starb der Alte - Gott hab ihn selig - und die Hunde kamen in einen Shelter, wo die Hündin, seine Gefährtin und Beschützerin, ebenfalls nach ein paar Monaten starb. Der Hund musste plötzlich mit 450 anderen Hunden allein klar kommen, was ihm nicht gelang. Er wurde dort ziemlich gemobbt, hatte furchtbare Angst, so dass er sich nur in eine Ecke verkroch und dort auf sein Schicksal wartete.
Er musste 1 Jahr warten. Mittlerweile ist er geschätzte 12 Jahre alt.
Es geschah tatsächlich ein Wunder, das der Mehrheit alter abgeschobener Hunde niemals widerfährt: Es kam eine deutsche Familie und holte ihn zu sich, "weil er doch sonst keine Chance mehr gehabt hätte". Sie holten ihn höchstselbst in Spanien ab und brachten ihn zu sich nach Hause, mit dem Ziel, ihm einen schönen Lebensabend zu schenken. Diese Familie hatte vorher noch keinen Hund, dieser ist ihr Ersthund.
Die Leute sagen, "Seid ihr verrückt, was tut ihr euch an". Einige Hundetrainer sagen, was sie offensichtlich zu jedem zweiten Kunden sagen in ihrer unendlichen pädagogischen Einfühlsamkeit und Weisheit: "Das bekommt ihr nie hin". Oder auch: "Tierheimhunde trainieren wir nicht".

3 Wochen ist der Hund nun bei der Familie. Die meiste Zeit schläft er, am liebsten allein, in einem anderen Zimmer. So kannte er es bisher. Er steht niemals von sich auf aus. Zum Gassi müssen sie ihn tragen, denn er mag nicht draußen sein, weil es dort viele Hunde gibt, die unangeleint, unerzogen und unbeaufsichtigt dort herumrennen und ihn bedrängen. Er hasst das. Er legt sich dann hin und macht nichts mehr. Seine Familie versucht, ihn zu beschützen und abzuschirmen, was nur schlecht gelingt - einige Hunde sind einfach zu frech. Deren Besitzer lachen einfach darüber und lassen es die Hunde "unter sich regeln".
In dem Wohnviertel gibt es viele Hunde. Und alle sind Therapiehunde - sagen die Besitzer. Und so kommen sie mit ihren Hunden ungefragt und therapieren den Hund, indem sie ihre Hunde zu ihm schicken und sie "mal machen lassen". Die Bitte der Familie - aus dem Bauchgefühl heraus, dass dies irgendwie nicht gut sein kann - dies zu unterlassen,  ignorieren sie - schließlich geht es um eine Therapie, die den Hund schnell heilen wird. Die Familie weiß nicht mehr, wie sie sich die wohlmeinenden Leute vom Hals halten sollen und sehen nur das Leid ihres Hundes.

3 Hundetrainer haben sie sich angeschaut. Der erste hat gleich seine Hunde aus dem Auto geholt, damit die den Hund kompetent therapieren können. Der zweite hörte, dass der Hund große Angst hat, wenn ein Mensch hinter ihm geht, und so ging er beim Probegassi die ganze Zeit dicht hinter ihm. Man kann schließlich nie früh genug anfangen mit dem Therapieren.
Der dritte beugte sich über den Hund und warf sich zum Streicheln enthusiastisch auf ihn und riet der Familie, ihn nicht in seiner Angst zu bestätigen, indem sie ihm zu viel Aufmerksamkeit schenkten. Sie sollten ihn besser ignorieren und auch bloß nicht loben.

Tja. Ich sag' jetzt einfach mal nix dazu. Weil, wenn ich jetzt anfange, dann hör' ich nicht mehr auf.
Ich konzentriere mich lieber auf das, was mich wirklich beeindruckt:
Diese Familie! Die keine oder wenig Erfahrung mit Hunden haben, und dennoch alles richtig machen. Weil sie auf ihr Bauchgefühl hören. Weil sie sensibel sind. Weil sie sich einlesen in die richtige Lektüre. Weil sie nicht aufgeben und sich nicht beirren lassen und nun auch einen Trainer gefunden haben, der sie so anleitet und berät, wie sie sich das vorgestellt haben.
Diese Familie, die dem Hund intuitiv die Zeit gibt anzukommen, die er braucht, um die furchtbare Vergangenheit, den Flug, die lange Reise ins Ungewisse, die neue Umgebung und die Trauer um den Verlust seiner Gefährtin zu verarbeiten. Die ihn nicht bedrängt, ihm alle Optionen offen lässt, sich sicher und zu Hause zu fühlen, die Vertrauen aufbaut durch Zurückhaltung, Einfühlsamkeit, Schutz und Liebe und die schon kleinste Veränderungen bemerkt, wie einen interessierten Blick, wenn ein Tennisball rollt, ein Blick in ihre Richtung, ein Schutzsuchen an ihrer Seite, ein sich ans Bein drücken oder das glänzende Fell, das langsam zu Tage tritt.

Wie sie sich Therapiehundeinvasionen und aufdringlichen Kläffern stumpfsinniger Nachbarn erwehren können, wissen sie nun auch. Und wie sie ihrem Hund den Stress des Viertels ersparen können, ebenfalls.
Und sie wollen noch mehr wissen! Weil sie diesen sanften Hund in ihr Herz geschlossen haben und fest entschlossen sind, ihm ein schönes Restleben zu bescheren.

Davor habe ich große Hochachtung! Und es bestätigt mir, dass Sinn und Verstand neben Horden riesengroßer Vollidioten doch noch nicht ausgestorben ist.
Über bodenlose Egozentrik, Dummheit, Unsensibilität, fachliche Unkenntnis und Dickfälligkeit kann ich mich auch wieder ein ander mal auslassen. Ich geniesse jetzt erstmal die ausgesprochen guten Vibrationen! : )