Portugiesische Wasserhunde : )


(Stand: November 2012)

Wer ein bisschen mehr über meine Rasse wissen will, außer dass wir manchmal einen kahlgeschorenen Hintern unser eigen nennen, der kann hier weiterlesen oder gleich einen der Links ganz unten ausprobieren.

Porties, die Fischerhunde aus der Algarve : ) 
Quelle: Lisa Harper
Wir - also Portugiesische Wasserhunde / Cao De Água Português / Portuguese Waterdogs / PWDs oder einfach kurz: Porties - sind verdammt alt. Und wenn ich verdammt sage, dann meine ich verdammt: Wir sind älter als die Tontöpfe der alten Römer, die man überall in der Innenstadt von Konstanz findet, kaum, dass man anfängt, ein Loch zu graben! Früher, da haben wir den portugiesischen Fischern beim Fischen geholfen. Wir waren immer mit im Boot und vor allem im Wasser, haben aufgepasst, dass kein Fisch entwischt und haben ausgebüchste wieder eingesammelt. Wir sind geschwommen und getaucht (mit offenen Augen, versteht sich) und haben die Schwärme zusammengetrieben, haben angezeigt, wenn das Netz kaputt war, und manchmal, ja, da haben wir sogar unser Herrle gerettet, wenn es aus Versehen ins Wasser gefallen ist, weil es, wie unter Fischern damals so üblich, nicht schwimmen konnte.
Wir waren so wichtig und hilfreich, dass uns angeblich die Hälfte des Fangs zustand und die Fischer waren so stolz auf uns, dass sie uns niemals verkauft hätten! Wenn sie uns weggegeben haben, dann nur an besondere Menschen, und denen haben sie uns dann von Herzen geschenkt. Wenn das mal keine herzzerreissende Geschichte ist!

Löwenschur - unverwechselbares Haarkleid : )
Damit wir uns im Wasser immer optimal bewegen konnten, hatten die Fischer zwar einerseits eine ziemlich zweckmäßige, aber leider auch total bescheuerte Idee: Um möglichst beweglich zu sein, haben sie uns ab der letzten Rippe den Hintern und die Hinterläufe kahl geschoren. Den Rest ließen sie sehr lang, damit die inneren Organe vor dem kalten Meerwasser geschützt wurden. Die Schnauze wurde ebenfalls kurz geschoren, der Pony jedoch fiel über die Augen, damit diese beim Schwimmen nicht von der Sonne geblendet wurden. Das ganze Kunstwerk nennt man heute "Löwenschur" oder auch "Lion Clip" und war unsere traditionelle Arbeitsschur. Wenn wir heute auf Ausstellungen gehen, dann müssen wir so geschoren sein. Zumindest in Europa. 

© portugiesischer-wasserhund-online.de
(Das ist übrigens mein Papa, Anjo.
Der ist ziemlich berühmt
in unserer Szene!)
Die meisten Leute finden ja, dass die Löwenschur echt scheiße aussieht, das kann ich bestätigen aus persönlicher Erfahrung: Als ich nämlich ein Welpe war, jajaja, da hatte ich auch eine Löwenschur (dank meines schwäbischen Herrles, grumpf, war nämlich im Preis inbegriffen), und alle dachten, ich hätte eine Krankheit oder haben mich gleich ausgelacht. Den psychischen Schaden, den ich damals davon getragen habe, muss ich wohl keinem erklären! Danke also nochmal an alle, die mich verhöhnt und verspottet haben, grumpf <: {
Weil die Löwenschur also tatsächlich nur was für die wirklich Hartgesottenen unter uns ist, tragen die meisten von uns ihr Fell heute einfach gleich lang. Man nennt das den "Working Retriever Clip", der vor allen in den USA sehr populär ist. Ich trage den heute auch und bin sehr froh drum!
Oft werde ich übrigens verdächtigt, ein Pudel zu sein. Frechheit! Pudel, meine Freunde der totalen Sonnenfinsternis, kamen erst nach uns! Pudel sind in der Regel lila und tragen Bommel an den Füßen! Pudel gehören normalerweise singenden Sächsinnen mit blonden Perücken auf den Köpfen und können offenbar nicht selber laufen, denn sie werden ausschließlich durch die Gegend getragen. Wie kann man uns also mit Pudeln verwechseln???

Haarpracht ohne Unterfell : )
Überhaupt, unser Fell, das ist ganz besonders und oft ganz weich! Fremden Menschen, denen ich begegne, haben oft einen starken Drang mich anzufassen und dann fragen sie, ob ich wohl dauernd gewaschen werde. Hehe, ja klar, mit Perwoll... Die Wahrheit ist, so gut wie nie! Wenn ihr wüsstet, was noch alles in den Tiefen meines Atze-Schröder-Toupets so schlummert  : )
Wir haben kein Unterfell, deshalb haaren wir auch nicht. Oder besser, deshalb fliegen keine Haare durch die Gegend, denn natürlich fallen uns auch Haare aus, aber die bleiben gewöhnlich im Fell hängen. Wenn doch mal was ausfällt, dann sind das eher kleine Wollmäuse (oder massenweise die Haare von unserem Kuhfell daheim, wenn ich mich darauf herumwälze). Deshalb müssen wir leider auch regelmäßig gebürstet werden. Sonst verfilzen wir. Und zwar so ordentlich, dass ihr daraus schicke Filzpantoffeln walken könntet, hehe.

Ein Hund für Allergiker : )
Dazu kommt nun noch - und das macht uns wirklich speziell - dass die meisten Menschen mit Hundehaarallergie nicht auf uns reagieren! Ist das cool?! Warum, weiß ich allerdings nicht. Irgendwas ist bei uns eben anders als bei den anderen. Das ist auch der Grund, warum Bo aus den USA so berühmt ist. Nur, weil die Tochter des amerikanischen Präsidenten Barrack Obama allergisch auf Hundehaare reagiert, wurde Bo zum First Dog. Mit dessen Haaren kommt sie nämlich super aus. (Heißt also, einer von uns hat's tatsächlich bis ganz nach oben geschafft! Wenn ich mal groß bin, werde ich auch so berühmt, so viel ist sicher. Dann verdiene ich massenweise Kohle und Fraule muss nie wieder arbeiten gehen (kleine Anmerkung am Rande)!)

Eine Rasse vor dem Aussterben : (
Das mit Bo, das hatte übrigens zur Folge, dass plötzlich jeder einen von uns haben wollte. Es gab einen mörder Bo-Boom, plötzlich redete die ganze Welt von Porties und die Nachfrage stieg von Null auf Hundert. Vorher kannte uns keine Sau - jetzt waren wir plötzlich "mega-in".
 
© Vasco Bensaude
Na ja, Problem oder eigentlich - in diesem Fall zumindest - viel mehr das Glück bei der ganzen Sache war jedoch, dass es nur noch wenige von uns gibt. Denn als die zunehmende Industrialisierung dazu führte, dass Porties durch Technik abgelöst wurden, wurde unser Fachwissen und Geschick nicht mehr benötigt, und mit der Zeit wurden wir immer weniger. Als wir fast ausgestorben waren (es gab wohl nur noch rund 50 Porties weltweit!), kam dann in der 1930er Jahren ein Reeder aus Lissabon, der so begeistert von uns und unserer Geschichte war, dass er sich zur Aufgabe gemacht hat, uns nicht aussterben zu lassen. Er hieß Vasco Bensaude und ist selbstredend unser Nationalheld!
Dieser Reeder ist der Begründer des heutigen Rassestandards und ihm (und anderen natürlich schon auch) ist zu verdanken, dass es nun weltweit ungefähr wieder 10.000 Porties gibt - auch mich! Hurra! : )




Der Bo-Boom >: ]
© Bo Obama,
mein Vorbild
Na ja, und als eben Bo diesen Portie-Hype auslöste, wollte jeder einen Portie, aber es gab ja nur sehr wenige. (Fraule betont übrigens immer wieder, dass sie lange vor Bo schon entschieden hatte, dass sie mal einen Portie bekommen wird!) Es gibt auch nur ganz wenige Züchter weltweit, und wenn man einen Welpen haben will, muss man meistens lange warten, bis man einen bekommt - wenn man überhaupt einen bekommt! Allein in Deutschland gibt es gerade mal eine handvoll seriöser Züchter. Und die waren von diesem Boom total angenervt, weil dauernd die Presse anrief oder irgendwelche Deppen, die sofort und auf der Stelle einen Portie wollten, der genau so aussehen sollte wie Bo - schwarz mit weißen Füßen und weißer Brust (als wenn braun nicht viel schöner wäre!).  Da kann man also nur froh sein, dass es keine oder nur ganz wenige Welpen gab, denn sonst wären vielleicht sogar einige von uns bei irgendwelchen Idioten gelandet, die nur einer Mode hinterherhecheln, statt sich wirklich für uns zu interessieren. Die gleichen Pappnasen jagen heute bestimmt schon längst dem nächsten Trend nach...Ich habe gehört, Möpse sind gerade schwer angesagt, bestimmt, weil sich irgendeine Very Important Person einen Mops passend zur Haarfarbe gekauft hat...


Fachliteratur : )
Ein Gutes hat der Bo-Boom aber dann doch hervorgebracht: Durch die wachsende Popularität gab es plötzlich eine Nachfrage für deutsche Fachliteratur zu unserer Rasse - Mangelware bis dato.
Daher entstand endlich das erste deutschsprachige Rassebuch über Porties! Es ist 2010 im Cadmos Verlag erschienen und heißt 

Das erste deutschsprachige
Buch über Porties
"Portugiesischer Wasserhund: Charakter, Erziehung, Gesundheit" von Silke Hirtz-Schmidt.

Silke ist übrigens zufälligerweise auch meine Züchter-Mama : ) Sie ist Deutschlands führende Portie-Züchterin... womit ich sagen will, dass ich aus einem wirklich guten Stall komme : )
Aber auch wenn ich jetzt hier gerade Schleichwerbung mache - ich würde es auch tun, wenn ich Silke nicht kennen würde. Denn erstens ist es wirklich ein gutes Buch und zweitens ist es das einzige deutschsprachige Buch, das es über uns gibt.
Also muss ich es ja wohl mal erwähnen, oder?!

Noch mehr zum Portie-Fell : )
Um nochmal auf unser Fell zurückzukommen: Es gibt es in vielen Farben, wie schwarz, schwarz mit weiß, braun, braun mit weiß und - ganz selten - ganz weiß, und in zwei Ausprägungen, nämlich curly (also gelockt) und wavy (gewellt). Ich bin gewellt, übrigens... Find' ich natürlich extrem sexy, versteht sich von selbst, oder : )


Unser Charakter : )
Willi -
durch und durch Wasserhund : )
Man sagt uns Porties übrigens nach, dass wir total intelligent sind (klar, sind wir das, schaut mich an, ich schreibe einen Blog!), dass wir Familienhunde sind und kinderlieb, dass wir gerne überall hochspringen und auf unseren Hinterbeinen stehen, dass wir eigenwillig, beharrlich, unerschrocken und maulorientiert (wir müssen einfach alles anschlabbern! : ) sind. Wir brauchen viel Bewegung, haben einen eigenen Kopf, wollen lernen und beschäftigt werden, sind ausgesprochen gerne aktiv und zu begeistern für jede Art Hundesport, Aktivitäten oder als Therapiehund. Ich kann nur sagen, das stimmt auf JEDEN Fall, auch wenn ich zugegebenermaßen weder ein Talent fürs Frisbeespielen noch besonderes Interesse fürs Apportieren hege.
Was aber ganz sicher richtig ist - wenn ich das mal so aus meinem persönlichen bisherigen Selbsterfahrungsschatz hinzufügen darf: Wir fressen auch unheimlich gerne und so ziemlich alles. Na ja, ich schätze, das gilt wohl für so ziemlich jedes Lebewesen dieses Planeten! Außer für Blobfische vielleicht...


So, mir fällt jetzt echt nichts mehr ein, was ich gerne noch erwähnen würde. Ich glaube, ich habe klar gemacht, dass wir was ganz Besonderes sind und dass es sich lohnt, unsere alte Rasse zu erhalten. Wer nun Lunte gerochen hat und noch mehr Informationen über uns haben möchte, dem seien folgende Adressen empfohlen:

Nützliche Links rund um den Portie : )

Seriöse Züchter in Deutschland : )
Go and Win - Willis Züchter: Silke Hirtz-Schmidt und Peter Schmidt aus Reken (NRW)
Cadamostos - Silke Hollje-Schumacher, Hatten (Niedersachsen)
Água e Fogo - Familie Markewicz aus Krauchenwies, Schwäbische Alp (BW)
Valiosos - Familie Lück, Dossenheim / Heidelberg (BW)
Leão Formoso - Martina Breunig, Theilheim (Bayern)

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