Freitag, 26. Oktober 2012

Cesar Millan und der Gärtner : )

Lassen Sie sich helfen,
Herr Millan : )
Cesar Millan, ich bin schwer enttäuscht! Da dachte ich doch glatt, ein Mann, der offensichtlich so großartig mit Hunden flüstert, dass sich Millionen Hundefreunde begeistert um ihn scharen und scheinbar reflektionslos seine Methoden kopieren, der müsste doch irgendwie einen Fundus an wissenschaftlichen Studien aus der Tasche ziehen können, um auf jede These selbstbewusst mit einer Gegenthese aufwarten zu können. Der müsste doch gewiss über ein ganz besonderes sprachliches Geschick verfügen, mit dem es ihm gelänge, nicht nur die Massen nach Belieben zu verführen, sondern vor allem auch die Kritiker an die Wand zu reden. Der müsste doch sicherlich einen besonders hohen IQ haben, wie ein Politker über eine riesige Kiste höchst halbseidener Argumente verfügen, die er im Schlaf beliebig anführen könnte, um jeden noch so penetranten Widerwörtler dumm dastehen zu lassen.

Aber was musste ich nun feststellen? Nichts dergleichen trifft zu! Ich bin wirklich wirklich entsetzt!

Kommt doch da so ein scheinbar harmloser kleiner Gärtner namens Alan Titchmarsh dahergelaufen - noch dazu ein Brite - und schafft es, Sie im Nullkommanix mit pfeilgeraden, blasphemischen Fragen von Ihrem Hundeflüstererolymp herunterzuholen und Ihnen ans göttliche Bein zu pinkeln.
Da wiegten Sie sich gerade noch in kuscheliger Sicherheit und erzählten mit dem Feuereifer eines Märchenonkels die Geschichte vom naiven mexikanischen Einwanderers, der sein erstes Geld in Amerika als Hundesitter verdiente und freuten sich wie ein kleiner Junge stolz über jeden Lacher aus dem Publikum, als Titchmarsh - bäm! - unverhofft den ersten verbalen Stromschlag ausführte.
Und was, um Himmels Willen, machen Sie? Sie zeigen Meideverhalten wie eines Ihrer uneinsichtigen Trainingsobjekte! Oder warum kontern Sie auf die Frage, warum Sie einen Hund brutal in die Kehle boxen würden mit der Behauptung, dass Sie ihn ja gar nicht brutal boxen, sondern nur stubsen würden, es aber möglicherweise nur so aussehen würde, als würden sie ihn boxen!?
Herr Millan, ja sind Sie denn noch bei Sinnen? Ihre Fans wollen doch so was nicht hören! Schließlich sind Sie ein großes Vorbild! Tausende Menschen ahmen bereits den Millan-Style nach und boxen, was das Zeug hält! Und jetzt kommen Sie daher und behaupten, Sie würden nur stubsen???



Nein, so geht das nicht. Was wir an der Stelle hätten hören wollen, wäre sowas gewesen wie, dass es gar keine andere Wahl gäbe, als den Hund an dieser Stelle zu boxen! Und dass Sie beweisen könnten, dass dies die einzig wirksame Methode wäre, dem Hund sein aggressives Verhalten abzutrainieren!

Es wäre doch so einfach gewesen!
Denn haben Sie vergessen? Ihre Fans, das sind doch die dumpfbackigen Betonköpfe, die der Auffassung sind, dass früher sowieso alles besser war als heute! Das sind doch die von vorvorgestern, die, die noch an die Dominanz- und Alphawolftheorie und die Lehre Konrad Mosts von vor hundert Jahren glauben, Mensch! Die, denen vollkommen klar ist, dass der Mensch in der Rangordnung über dem Hund steht und auch stehen muss, weil der Hund ansonsten die Weltherrschaft übernehmen würde. Leader of the pack und so...

Herr Millan, wirklich, Sie beleidigen den ohnehin nicht besonders ausgeprägten Intellekt ihres Fanclubs, wenn Sie entschuldigend daherstammeln, dass Sie Stachelhalsband und Stromschocker doch nur in denjenigen Haushalten einsetzen würden, in denen diese Hilfsmittel bereits ohnehin schon vorhanden seien!
Also bitteschön!
Und wieso laufen Sie dann auch noch volle Breitseite gegen die Wand, als dieser infame Engländer voller triefender Ironie hinterherschiebt, dass der Hund Sie nach Ihrer Attacke auch noch in die Hand gebissen hätte und Ihnen diese Art der Erziehung doch gar keinen Spaß machen könne?
Woraufhin Sie dann zur Krönung aller Peinlichkeiten mit Ihrer vollkommen dämlichen Papageien-Story aufwarten - und das auch noch als Beispiel für positive Verstärkung anführen! Was Sie leider total entlarvt, denn ein Beispiel für positive Verstärkung ist das nun nicht wirklich. Na, na, naaaa! Womöglich früher auch nicht aufgepasst im Biounterricht...
Herr Millan, bitte, Schuster bleib bei deinen Leisten! Reden Sie doch gerne über das, was Sie können, nicht jedoch über das, von dem Sie nichts bis überhaupt nichts verstehen! Reden Sie frei und frank über das Tierequälen, denn das beherrschen Sie perfekt. Aber bitte, reden Sie nicht davon, dass Sie auch Futter beim Training einsetzen würden und deshalb auch ein Anhänger der gewaltfreien Erziehungsmethoden seien. Das nimmt Ihnen doch jetzt mal wirklich keiner ab!

Denn vergessen Sie nicht: Sie müssen Ihre Fans nicht mehr überzeugen. Die wissen doch schon längst, dass ein bisschen Haue noch niemandem geschadet hat, nicht wahr. Zeigen Sie Rückgrat, Herr Millan, stehen Sie doch einfach dazu, dass Sie Brutalität für ein probates Mittel in der Erziehung halten! Damit ihre Fans weiterhin ein gutes Gewissen haben können, wenn sie ihren Hunden mal wieder ordentlich die Fresse polieren. Denn bei einem solchen Interview könnte man auf Dauer auch auf die Idee kommen, dass Sie selber gar nicht so genau wissen, warum Sie so gerne draufhauen. In diesem Fall allerdings würde ich tatsächlich eher zu einem Psychoanalyten raten als zum Hundetraining. Aber das ist sicherlich eine ganz andere Geschichte...

Etwas Gutes nun aber mal zum Schluß: Der einzige ehrliche Satz von Ihnen in diesem Interview war gleich auch einer, der mir wirklich sehr gut gefallen hat: "Reconnect yourself with your natural way of being". Ganz genau! Wie wahr! Das unterschreib' ich: Mensch, hau drauf, denn das ist deine Natur : )

Montag, 22. Oktober 2012

Fellpresse-Vermächtnis Spezial: Die Schlüpper-Story geht weiter : )

Freunde schlechter Horror- und Gruselfilme, es ist noch nicht lange her, da hab' ich euch die Schlüpper-Story erzählt, ihr erinnert euch.
Jetzt muss ich doch glatt noch einen wirklich wirklich unappetitlichen und skandalträchtigen Nachtrag hinterherschieben. Also Achtung:

Meine äußerst schlanke und wohlgeformte Stalkerin Paula, die mir ein fettes Weihnachtsgeschenk für diese Schleimerei versprochen hat und die die Bollerbuxe zuletzt ihr eigen nennen durfte, war letztlich so angewidert von dem nach Käse stinkenden Ding, dass sie sie flugs wieder auf große Reise schickte. Vom Schwabenland zurück ins Rheinland. Und es traf, wie bereits vermutet, tatsächlich unsere dicke Pellewurst, den ehemaligen Fellpresse Hellseher-Scharlatan und ungekrönten Analdrüsenkönig.

Und er hat es TATSÄCHLICH getan! Hochnotpeinlich, aber er hat sich tatsächlich den Wanderschlüpper über seine pelzige Fijur gestülpt. Ich konnte kaum glauben, was sich meinen Augen da aufdrängte! Die Fotos sind so granatenmäßig geschmacklos und augenkrebsgefährdend, dass ich meine Augen hier beim Hochladen lieber mal zugekniffen habe, um Alpträumen und bleibenden Schäden vorzubeugen!
Aber gugge selbst, das Grauen hat einen Namen: Pelle Mann!

OMG! Aber keine Sorge, es geht noch peinlicher... : )

Muahahahahahahaaaaaa! Saaaaaagenhaft!
Ein Breitarsch-Husky! : )

Tanga-Pelle, hehe... Mann, ist das übel! : )

Ja, ok, und das ist nun der berühmte Tropfen,
der das Fremdschämen-Fass zum Überlaufen bringt...
ICH kenne diesen peinlichen Husky nicht! : )

So. Echt übel, hey, hehe, lange nicht so gelacht... arme Sau...
Jetzt aber sind wir schon wieder gespannt, wann der Schlüpper erneut auf Reisen geht, und welches arme Opfer es dieses Mal treffen wird. Und Pelle, ICH werde es NICHT sein, kapiert!? : )

Fraules Schicksalstag: Et kütt wie et kütt : )

Alaaaaaarm! Ein neuer Portiezüchter, "Água e Fogo", knapp eine Stunde von uns entfernt, im tiefschten Schwobenländle... Und der Hammer: 12 - statt wie vom höchst erfahrenen Tierarzt prognostiziert 2 (!) - kleine wuselnde Nervensägen auf einem Schlag! Mein lieber Herr Gesangsverein!

Kaum war diese Horrornachricht bis an Fraules Ohr gedrungen, stand fest, da müssen wir unbedingt hin. ...???... Die Mädels im Hause - Feuer und Flamme. Herrle - höchst misstrauisch. Ich - auch. Was soll das?

Zwei KillerrüdInnen unter sich:
Willi und Jacky : )
Also wir gestern hoch auf die Schwäbische Alp. Ich bin eigentlich nur mitgefahren wegen der Emails von Jacky. Sie behauptete da nämlich sowas wie eine knallharte Killerrüdin zu sein. 12 auf einen Streich! Das solle ich ihr erstmal nachmachen. Na gut, grumpf, da muss ich zugeben: RES-PEKT! Ich ziehe mein Atze-Toupet!
Kein Wunder also, dass wir uns auf Anhieb so gut verstanden haben. Ich glaube, Jacky war heilfroh mal 'ne Weile von ihrer spitzzähnigen Brut wegzukommen. Wir hatten 'ne prima Party im Garten und durften auch EXPLIZIT durch die Beete rennen und auf Buchsbaumhecken sitzen! Die einzige Blume, die da noch blüte, geht übrigens auf mein Konto...

Und die 12 Zwerge hinter den 7 Bergen? Entzückend, sagt Fraule. So süüüüß, niiiiiiiiedlich, herzerweichend... Or Mann, ey! Pinkeln, kacken, pöbeln und erwachsenen Killerrüden in den Poppes zwicken! Frechheit!
Was erstmal keiner wusste: Heimlich deklarierte Fraule den Tag zu ihrem Schicksalstag: Wäre noch einer übrig - nun, wer weiß... Gedanklich war die wohl schon eine ganze Weile dabei zu überlegen, wo sie möglicherweise einen zweiten Futternapf hinstellen würde. Und wäre keiner mehr übrig, auch gut, dann hätte sich diese Frage wenigstens erstmal erledigt...???... Interessant! Befand auch Herrle - mit sehr sehr hochgezogener Augenbraue.
Das Schicksal entschied jedoch zu meinen Gunsten: Alle vergeben! Ha! Und Herrles Augenbraue entspannte sich zusehends...






Unter diesen Umständen war's denn dann ein toller Nachmittag! Jacky, eine temperamentvolle rassige Italienerin - und in etwa auch so behaart... Der Garten, ein Hundeparadies! Gefüllte Näpfe, eine höchst interessante Küche, und ich muss sagen, ein El Dorado für 12 kleine Piranjas! Die hatten ein größeres Kinderzimmer und mehr Spielzeug darin als man bei Ikea im Kinderparadies antrifft. Jackys Familie: Total locker und nett, das erkennt man aber auch schon auf ihrer Homepage!
Ich frage mich gerade, wie wohl Fraule drauf wäre, wenn sie Mann, Kinder, 14 Hunde und zig Gäste zu betüddeln hätte. Hehe, nee, besser, ich frag' mich das doch nicht.


Und wieder ein Video im speziellen Fraule-Format.
Wer erklärt der endlich mal,
wie man ein IPhone beim Filmen hält?

Jacky seh' ich bestimmt wieder. Wenn die Fuzzis ausgezogen sind. Aber einen behalten sie. Haben die es gut, sagt Fraule. Es kann nur einen geben, sag ich! : )

Freitag, 19. Oktober 2012

Trainieren statt Dominieren: Die Zähmung des Killerrüden! : )

Der wahre Killerrüdenblick! : )
So, ok, jetzt muss ich wohl mal die Hosen runterlassen...
In der Tat machte ich im letzten Jahr zunehmend meinem Namen alle Ehre und benahm mich wie ein waschechter knallharter Killerrüde: Wenn ich nämlich plötzlich eines auf den Tod nicht mehr ausstehen konnte, so waren das einzelne Menschen, die es wagten, mir entgegen zu kommen.
Schon von Weitem waren die mir ein Dorn im Auge. Und ich hab' sie nicht aus demselbigen gelassen, bis sie auf meiner Höhe waren. Wenn sie dann, scheinbar harmlos, an mir vorüber gehen wollten, rastete ich aus. Anfangs habe ich sie nur wütend und wirklich angsteinflößend angeknurrt.
Da mir das aber nicht als ausreichend erschien, bin ich später dann zu drastischeren Maßnahmen übergegangen und preschte zusätzlich volle Lotte in die Leine.
Doch auch dieses Verhalten erschien mir nicht adequat, so dass ich mich alsbald darauf spezialisierte, erst zu starren, dann vorzupreschen und dann abschließend, wenn sich die Gelegenheit ergab, einen kleinen Bogen zu laufen und dem Aggressor von hinten ins Hosenbein zu zwicken. Spätestens jetzt war dann allerdings Alarmstufe Rot im Hause Fraule!

Jaja, von einigen peinlichen Momenten kann ich schon berichten... Wenn Fraule zum Beispiel im Café saß, ich scheinbar harmlos unterm Tisch lag, aber schon längst den Störenfried im Auge hatte, und plötzlich mit Raketengeschwindigkeit darunter hervorgeschossen kam und fast den Tisch mit umriss, nur um denjenigen, der es wagte, sich mir auf 5 Meter zu nähern, in den Senkel zu stellen. Peinlich natürlich nur für Fraule, die dann mit Unschuldsmine so tat, als sei nichts gewesen und als sei es ihr persönlich total egal, dass alle Gäste sie vorwurfsvoll musterten (auch wenn sicherlich heimlich alle bewundernd dachten, "Was ein Granatenkillerrüde!").
Oder der junge Mann, der uns auf dem Bürgersteig entgegen kam und dem ich fast ein Loch in seine nagelneue Designerbuxe gerissen hätte und dem Fraule mit Unschuldsaugenaufschlag glaubhaft versicherte, "O jeee, das hat er ja noch nie gemacht...".
Zu Denken aber gab's mir persönlich, als sich meine Lieblingsmalena weigerte, mit mir zukünftig noch einmal Gassi zu gehen, nur, weil ich meinte, so 'nem Typ im Vorbeigehen seinen blöden Einkaufsbeutel zerreissen und der Typ dann meinte, danach meine süße Malenaschnecke zur Schnecke machen zu müssen. Nun ja, zu Recht... ich geb's zu.

Fraule erhob das Problem nun zur Chefsache und verbot jedem, mit mir einen Schritt vor die Tür zu setzen. Seitdem hat sie mich unter ihre Exklusiv-Fittiche genommen und unterzog mich einem absolut konsequenten (ABER KOMPLETT GEWALTFREIEN, ätsch!) und knallharten Training, in dem sie sich sicherlich weitaus öfter zum Narren machte mit ihrem Klicker, ihrer Leberwurst, ihren seltsamen Worten und Lauten, als ich mich.

Es ging schon damit los, dass Fraule bei jedem Gassigang die Gegend abscannte und sie, sobald am Horizont auch nur ein Hut auftauchte, auf höchste Alarmbereitschaft umschaltete. Jetzt galt es, sich eine Strategie zurechtzulegen. Fraules Strategie lautete, alles anzuwenden aus der Werkzeugkiste "positive Verstärkung", was zum Erfolg führte.

Durch die Methode Zeigen und Benennen zum Beispiel lernte ich, das Wort "Mensch" mit einem sich näher kommenden oder sich in der Nähe aufhaltenden Menschen zu verknüpfen. Wenn ich es schaffte, den anzuschauen, ohne mich ansonsten daneben zu benehmen, wurde das markiert und belohnt. Wenn ich heute "Wo ist der Mensch" höre, weiß ich, aha, irgendwer kommt mir näher, und ich kann mich seelisch darauf vorbereiten, erschrecke nicht oder bekomme so schnell Angst. Das gleiche funktioniert bei mir übrigens auch hervorragend bei "Wo ist der Hund" und "Wo ist der Zug"...

Der Killer im Kuscheltierpelz : )
Zusätzlich hat Fraule begonnen, mehr Platz für mich zu schaffen. Ich musste auf diejenige Seite von Fraule wechseln, die von dem störenden Subjekt am weitesten entfernt war, und wenn das noch zu eng war, dann vergrößerten wir den Abstand und gingen ein Stück auf der Straße oder auf der Wiese, statt uns zusammen auf dem Bürgersteig entlang zu quetschen.

Oftmals wählte Fraule auch den sogenannten "deeskalierenden Sitz". D. h. sie lockte mich mit einer zu mir gewandten offenen Handfläche, der ich sowieso überall hin folge, an die Seite der Straße und ließ mich dort, mit dem Rücken zum Störenfried abgewandt, Sitz machen, wo ich dann geduldig wartete und ein bisschen Fraule angaffte, bis der furchtbare Fiesling vorbei war. Dafür gab's natürlich auch einen Klick und eine Belohnung. Wendete ich mich um zu dem gemeinen Monster, aber nur, um ihn ruhig anzuschauen, wurde ich dafür natürlich auch mächtig belohnt. Ich lernte also, dass es lohnenswerter war, zu schauen als auszuflippen.

Eine andere Methode, die bei mir sehr oft ihren Einsatz fand, war die sogenannte "Intermediäre Brücke". D. h. durch ein regelmäßiges und schneller werdendes Wortsignal (wie bei uns zum Beispiel "Go, Go, Go"), wurde das, was ich gerade machen sollte und auch zeigte, verbal motivierend unterstützt und verlängert. Wenn der Rhythmus von "Go, Go, Go" dann zu einem Prestissimo anschwoll, wußte ich, "Aha, gleich kommt der Klick, also mach ich mal lieber haargenau das weiter, was ich gerade mache". Das kann zum Beispiel ein dichtes Bei-Fraule-Gehen sein, das kann ein Rückruf sein, ein Warten oder ein Schauen in eine bestimmte Richtung. Ganz egal, die IB kann bei allem Möglichen angewandt werden - und wirkt Wunder!

Wenn ich allerdings dann doch mal in die Leine stieg, weil ich's einfach nicht aushalten konnte, dann kam der Geschirrgriff zur Anwendung. Fraule rief "Stopp", griff ins Geschirr und hielt mich mit sanftem Nachdruck zurück. In dem Moment, indem ich meine Nachvornebewegung unterbrach, markierte sie das durch ein Klick, ohne das Geschirr loszulassen und belohnte mich anschließend gebührend. Erst dann wurde der Geschirrgriff wieder aufgelöst. Sollte ich mich allerdings schon zurückorientiert haben, bevor Fraule ins Geschirr griff: Wunderbar! Markieren, belohnen, fertig.
Die Belohnung muss übrigens nicht unbedingt ein Leckerli sein. Es kann alles mögliche zum Einsatz kommen, Hauptsache, ich empfinde das auch wirklich als angemessene Belohnung.

Die absolut idiotensicherste Variante war natürlich, mich mit einem Leckerli oder Spielzeug in der Hand am Feind vorbeizuführen. Das war allerdings eher nur in wirklich stressigen Situation das Mittel der Wahl.

Bestimmt gab's noch zig andere Tricks und Kniffe, mit denen sie mich manipulierte, die sind mir jetzt aber leider entfallen. Eines aber war garantiert nicht dabei: Gewalt, Druck, Ängstigung, Stress. Denn als sie mich am Anfang, schockiert über und selber gestresst von meinem pöbelhaften Verhalten, angeschrien hat oder vor Wut schnaubend an der Leine zerrte, da hat das sowas von absolut überhaupt keinen Eindruck auf mich gemacht, dass ich mich gerad' nochmal umgedreht und daneben benommen habe.
Fraule hat eingesehen: So geht das nicht. Wir machen es lieber richtig, mit Sinn und Verstand - und nachhaltig. Wut und negative Energien waren hier vollkommen fehl am Platze.

Klar, das, was Fraule da seit Monaten mit mir praktiziert, ist arbeitsintensiv: Sie muss hellwach sein, stets die Umgebung im Blick haben und auf der Hut sein, einfach, um schneller zu sein als ich. Sie muss Ideen an den Tag legen, sich zum Deppen machen, spontan und entschlossen sein und vor allem hundert Prozent konsequent bleiben. Ich glaube, seit wir so intensiv arbeiten, ist kein einziger Mensch an uns vorbei gegangen, ohne dass der mindestens angezeigt und benannt worden ist. An jedem Menschen, an dem ich heute locker vorbei marschiere, werde ich immer noch wie Harry gelobt und belohnt.
Wir üben täglich, auf jedem Gassigang. Mittlerweile suchen wir auch die Challenges und stellen uns den Situationen.
Fraule ist heute total entspannt, wenn sie mit mir unter Menschen geht. Es gab allerdings eine kurze Zeit, da hatte sie auch nicht allzu viel Bock andere Menschen beim Spaziergang anzutreffen, und manche Situation trieb ihr den Schweiß auf die Stirn. Aber es war ihr fester Wille, ihr Vorsatz den Stress aus mir, aus ihr und solchen Situationen herauszunehmen. Eine solche Macke möglicherweise zu einer echten Psychose ausarten zu lassen, kam für sie nicht in Frage. Und so blieb uns nichts anderes übrig als zu üben, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat...

Tja, und mittlerweile?
Mit Stolz kann ich jetzt durchaus behaupten, dass mir entgegen kommende Menschen total am Arsch vorbei gehen (jetzt sind's die, die von hinten kommen... Spaaaaaß!). Manchmal nehme ich sie noch merkbar zur Kenntnis, oft übersehe ich sie aber auch, weil mir anderes plötzlich viel spannender erscheint. In jedem Fall lasse ich mich aber sofort umorientieren und der Mensch ist schnell vergessen.
Neulich bestanden wir unsere Reifeprüfung: Von vorne ein Mensch, von der Seite eine Katze und von hinten ein anderer Hund. Der totale Reiz-Overflow, normal ein Grund zum Sich-in-der-Erde-verbuddeln. Zumindest für Fraule. Die hatte noch vor mir geblickt, was sich da zusammenbraute und klickerte erst mal drauf los, auf Teufel komm raus. So driftete ich erst gar nicht ins Hinterhirn ab, dorthin, wo nur noch die Reflexe zu Hause sind... Ich blieb komplett ruhig und konnte mich sogar hinsetzen und abwarten, bis sich die Reize des Teufels in alle Himmelsrichtungen verflüchtigt hatten. Mann, war die stolz auf mich! Und ich war irgendwie ganz beschwingt, weil die sich so mörder gefreut hat : )

Jetzt bin ich wohl in der Phase, wo sich Abläufe immer mehr automatisieren. Ich war auch schon wieder mit Herrle joggen, und zwar ohne Zwischenfälle, und bald darf ich sicher auch mal wieder mit meiner Malenamaus Gassi gehen.
Später werde ich sicher nicht mehr andauernd belohnt werden, nur weil ich brav an jemandem vorbeilatsche, ohne dem die Buxe runterzuziehen, das weiß ich wohl. Aber ab und an krieg' ich sicher noch das ein oder andere Leckerli, damit das Gelernte auch im Kopf bleibt und sich weiter verfestigt, da bin ich mir sicher. Sonst such' ich mir einfach ein neues Hobby! Grumpf!

So. Und bevor jetzt wieder die üblichen Betonköppe ihr Gift verspritzen, sag ich euch: Mir doch wurscht! Macht, was ihr wollt. Aber der Erfolg gibt UNS Recht! Das Resultat ist ein fröhlicher, angstfreier Killerrüde, der mit seinem Fraule einen Mordsspaß beim Gassigehen hat. Und der nicht in geduckter Haltung und ängstlicher Erwartung ob der nächsten Bestrafung, dem nächsten Anschiss, dem nächsten Leinenruck oder weit Schlimmeren unterdrückt und überfordert durch die Gegend schleicht.
Wir machen weiter. Trainieren statt Dominieren! : )

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Fellpresse-Vermächtnis Spezial: Der Wanderschlüpper : )

Der Wanderschlüpper:
Ein Traum in pink und XXL : )
Alles begann mit einem Geschenk. Meinem Geschenk! Einem Weihnachtsgeschenk im letzten Jahr an den Dicken, Sammy, dem Ex-Chefredakteur der Fellpresse und meinem Ex-Boss. Und es kam von Herzen, wollte ich ihm doch die Chance geben, endlich seine homoerotischen und transvestitischen Neigungen ohne Hemmungen auszuleben (ihr erinnert euch). Also marschierte ich los, scheute alle Kosten und Mühen und erstand einen wundererotischen Schlüpper in pink und Größe XXL, damit der dicke Pelzpoppes auch ja hinein passte. Mir schien die Freude war groß, gugge hier...


Die pure Vorfreude
steht dem Dicken ins Gesicht geschrieben : )
 
Stolze Präsentation des Objekts der Begierde: 
Passt wie angegossen! : )

...aber währte keineswegs lange, der Mistsack... Ich schätze, es verliess ihn der Mut, damit in der Öffentlichkeit aufzuwarten, denn eines unverhofften Tages tauchte das Teil plötzlich und unerwartet, aber nicht unbeobachtet, bei seiner Dauerverlobten und unserer allseits unbeliebten Fellpresse-Hochschläferin und Bürozicke Jamie von Adventure-Dogs (siehe auch in "Hall of Willi") auf.
Dieses eitele Weibsbild quetschte sich sogleich in das zarte Gewebe und sah damit aus wie 'ne Presswurst im eigenen Darm oder wie Mariah Carey im Stretchfummel. Ist ja auch kein Wunder, trägt sie doch normal eine Größe, in die auch Elefantenbabys reinpassen würden (also, ich meine jetzt die Zicke natürlich)... Gugge hier und mache dir dein eigenes Bild:

Muahahahahaha! Ein Trauerkloss
in pinkem Presswurstdarm ♥  : )
Ich für meine Person war natürlich zu Tode beleidigt und zutiefst verletzt. Mein Geschenk, weitergereicht an diese blonde Käsezicke, wie ein Wanderpokal, Frechheit!
Aber der Dicke, beseelt von dem Gedanken, das Werk des Teufels und der Verführung schnell wieder loszuwerden, beschloss, die Buxe eben an Jamie zu vererben, ohne zu ahnen, dass dies die Geburtsstunde einer neuen Tradition sein sollte: Der Fellpresse-Wanderschlüpper war geboren.

Der Wanderschlüpper auf Fahrt:
Wer wird das nächste Opfer sein?
Und tatsächlich nahm die Wanderung ihren Lauf und machte Halt im nächsten Bundesland. Denn auch die Zicke hatte bald die Schnauze voll von dem pinkfarbenen Einmannzelt, kniff es doch stänig in ihren Allerwertesten! Und so landete der Schlüpper erneut bei einem weiteren Ex-Fellpresse-Mitarbeiter, nämlich bei unserem Dr. Indi Sommer, dem küchenpsychologischen Notdienst für unlösbare und hoffnungslose Beziehungsfragen (siehe auch in "Hall of Willi"). Dessen ausgeprägte Würstelwasserwampe hängt hoch über der Buxe, weshalb ihm der Schlüpper sehr gut zu Arsche stand, was er auch gleich mal unter Beweis stellte. Gugge:


Ein gewisses Misstrauen schwingt mit:
Riecht eindeutig nach Käse... : )

Passt, wackelt und hat Luft : )
In den folgenden ereignisreichen Monaten aber geriet der Wanderschlüpper ein wenig in Vergessenheit. Auch wenn das Damoklesschwert immer mal wieder über der ein oder anderen Fellbirne schwebte. Wen würde es als nächsten heimsuchen? Pelle, die olle Schwedenpölse und Ex-Fellpresse-Hellseherin mit einer Glaskugel so kristallklar wie ein Novembertag am Bodensee? 
Eine andere Sorte
von rosa Schlüpper : )

Oder gar mich, dem man ja - aus Gründen, die mir nicht bekannt sind - ein Faible für pinkfarbene Accessoires nachsagt (obwohl diese Buxe für Mollige nun aber wahrlich nicht meinem Astralkörper schmeicheln würde)? Oder gar irgendeinem anderen nichtsahnenden Opfer?

Fast dachte ich, Indi hätte den Schlüpper heimlich zerkaut oder auf seiner Hundewiese 'ner alten Lady antherapiert. Doch nein!
Vermutlich aus dem letzten Würstelwasserkoma erwacht, erinnerten sich die letzten verbliebenen Gehirnzellen an seine Pflicht, der Tradition Folge zu leisten und den Wanderschlüpper endlich an eine Töle seiner Wahl weiterzureichen.

Und so traf es dieser Tage eine gute FB-Freundin, eine ehemalige aktive Unterstützerin der Fellpresse und Mitstreiterin in dem Dicken sein Kampf gegen den Welpenhandel über der Ladentheke und, grumpf, meine jahrelange Stalkerin - Paula Veilchen.
Paula gab sich wirklich alle Mühe, eine gute Figur zu machen, doch in ihrem Fall steht ihr das Schlüpperlein tatsächlich besser zu Gesicht als zu irgendetwas anderem, denn Paula hat, so wie ich, eine bemerkenswert attraktive und sportliche Figur, so dass ihr die Buxe natürlich von den mageren Hüften rutschte (Stalkerin, wenn du das liest, vergiss nicht, dass du mir ein tolles Weihnachtsgeschenk versprochen hast!).
Also gugge nochmal:

Ja, na ja, wie Madonna und "Like a virgin" : )
Der Beweis: Bei Paula tatsächlich ein Schlabberschlüpper : )
Neee, also wirklich nicht... : )
So parkt denn dem Dicken sein Wanderschlüpper nun im schönen Schwabenland zwischen und hat bereits einen weiten deutsch-deutschen Weg hinter sich.
Doch die Frage bleibt: Wen trifft es als nächstes? Und wann schlägt das Grauen zu? Wir wissen es nicht... Wir ahnen es vielleicht... Rechtzeitig zu Halloween würde es sich ausgesprochen gut bei Hunden machen, die man öfters für den Wolf im Schafspelz hält, oder auch für den Husky im Aussiepelz... finde ich... Aber wer weiß, wer weiß, der Weg des Wanderschlüppers ist unergründlich...

Doch wo immer er sich auch je aufhalten wird auf seiner Schlüpperwegwanderung und welche Abenteuer er noch erleben wird, eines ist sicher: Wir werden dabei immer an den Dicken denken! : )

Die olle Zicke hat mich gebeten, die Schlüpper-Story zu erzählen. Ich hab's gern gemacht ♥ : )

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Fellpresse: Hilfe für die Chefin : )


Liebe ehemalige Fellpresse-Fans, liebe FB-Freunde, liebe Blog-Freunde, liebe überhaupt alle Freunde,

heute trete ich mit einer sehr persönlichen Bitte an euch heran.

Ihr alle habt die Fellpresse - Das Satirewurstblatt vom Hund für Hunde - noch in guter Erinnerung. Hier wurden wir täglich mit neuen Infos und Berichten versorgt, wir haben herzhaft gelacht, manchmal geweint, ab und an getobt vor Wut und Empörung. Die Fellpresse hat sich vor keinem Thema gedrückt, hat den Finger in die Wunde gesteckt, hat aufgeklärt, Missstände aufgedeckt, diskutiert und manchmal gestritten. Die Fellpresse hat sich stark gemacht für die Schwachen und für die, die keine Lobby haben. Aber sie hat auch manchmal einfach nur Nonsens verbreitet, und Spaß und ausgelassene Freude in die Welt posaunt. Und für alle Analphabeten gab's viele bunte Bildchen zu gucken.

Verantwortlich dafür war - wie alle wissen - der Dicke, Sammy, der Wald- und Wiesenreporter und einzigartige Chefredakteur der Fellpresse. Seine spitze Zunge und sein vor Satire triefendes Goldie-Maul wurde von vielen geliebt, die Anzahl seiner Groupies war spektakulär. Er war ein genialer Chefredakteur, ein beschissen fauler Boss und ein guter Freund.
Und wie ihr auch alle wisst, steht hinter jedem mächtigen Mann, grumpf, eine starke Frau. Und das war beim Dicken nicht anders. Hinter dem stand nämlich seine Chefin, Antje.

Antje, die voller Leidenschaft und Ideenreichtum der Fellpresse ihren unverwechelbaren Stempel aufgedrückt hat. Die uns jeden Tag mit neuen kreativen Ideen überraschte, die mit Wut im Bauch satirische Seiltänze vollbrachte. Die uns jeden frühen Morgen mit ihren Anekdoten, Wetterberichten und Badetagbildern den Alltag versüßte. Die nie aufhörte, sich zu engagieren, sich aufzuregen, an allen Fronten zu kämpfen.
Ja, Antje, die Kämpferin.

Humor auch in schlimmen Zeiten:
Bild aus Antjes Fritz-Chronik
in FB
Bis zum 25. März diesen Jahres, als sie, kurz vor ihrem 47. Geburtstag, plötzlich ein bösartiger Hirntumor niederstreckt und sie aus ihrem Alltag reißt. Ein grausamer Leidensweg nimmt seinen Anfang.
Jetzt hieß es wieder kämpfen, gegen den gemeinen "Fritz", wie sie ihn nannte und für die eigene Gesundheit. Und Antje kämpfte mit aller Macht - gegen seltene Allergien, tausende Komplikationen und Gebrechen, die mit dem Krankheitsbild einhergehen, ein völlig geschwächtes Immunsystem, Lungenentzündungen, den Verlust motorischer Fähigkeiten, dem Verlust ihrer Kreativität, Schrift und Sprache - einige ihrer stärksten Eigenschaften und Fähigkeiten, für die wir sie so mochten und bewunderten.
Es folgten unzählige OPs, monatelange Krankenhausaufenthalte in sämtlichen Abteilungen, die ein Krankenhaus aufbieten kann, eine Chemotherapie, die wegen Unverträglichkeit wieder abgebrochen werden musste, der ermüdende Kampf mit der Krankenkasse und der Bürokratie, ein Kampf gegen die Verzweifelung und Angst, gegen die eigene Wut, plötzlich abhängig und schwach zu sein. Und immer wieder der Kampf gegen unerträgliche, nie enden wollende Schmerzen.

Seit dieser Woche liegt Antje nun in einem Hospitz in Leipzig, in dem sie die professionelle Pflege erhält, die sie benötigt. Die Krankenkasse hat sich nach einem langen Kampf endlich dazu bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen.
Doch Antje kämpft nicht mehr. Seit einer Woche verweigert sie das Essen. Die Schmerzen nehmen ihr jede Kraft und jede Hoffnung. Sie gibt auf. Ihr wichtigstes Ziel war es, mit ihrer Familie noch einmal Weihnachten zu feiern. Ob sie das nun überhaupt noch schaffen will, ist fraglich, denn jeder Tag ist für sie ein Märtyrium. Und wer kann ihr das verdenken?

Obwohl die Krankenkasse die Hospitzkosten übernimmt, ist es Usus, dass die Familien der Betroffenen 10 Prozent der Kosten selber tragen. Im Fall von Antje sind dies 25 Euro pro Tag. Anna, Antjes geliebte Frau und treue Partnerin, kann diesen Beitrag von ihrer Rente nicht abknapsen. Doch wer sich diesen Beitrag nicht leisten kann, muss auch nicht zahlen, so das Hospitz. Immerhin.
Doch Antje und Anna wären nicht Antje und Anna, wenn sie damit zufrieden wären. Sie möchten das Hospitz gerne auf irgendeine Art unterstützen, denn nur ausreichende Mittel dienem auch dem Wohle der Patienten. Und so hatten sie die Idee, möglicherweise zu einer Spende für das Hospitz aufzurufen.


Mit der Veröffentlichung dieser Idee auf meinem Blog möchte ich einen kleinen Beitrag leisten, um Sammys Chefin zu unterstützen. Sie war eine solch außergewöhnlich starke Persönlichkeit, die sich stets eingesetzt hat für die Schwächeren. Nun aber ist sie selber schwach. Und so ist es an der Zeit, sich zur Abwechslung mal für sie stark zu machen. Ich habe die Hoffnung, mit einer kleinen Spende an das Hospitz wenigstens einen winzigen Beitrag dazu leisten zu können.
Aus diesem mir sehr am Herzen liegenden Grunde traue ich mich auch, an euch alle heranzutreten und euch darum zu bitten, an dem Spendenaufruf teilzunehmen. Für Antje.

Geld- oder Sachspenden sind herzlich willkommen (es müssen allerdings nicht gerade Bananen sein...) und finden ihre Bestimmung bei den Patienten. Auf der Homepage von ADVENA könnt ihr euch auch gerne informieren.


Geldspenden gehen an das Spendenkonto des Hospiz ADVENA, Birkenstr.11, 4177 Leipzig:

Sparkasse Leipzig
Kontonummer: 1100 943 010
BLZ: 860 555 92
Stichwort: Antje Delater

Sachspenden sollten vorher mit dem Hospitz besprochen werden. Ihr könnt euch dazu gerne mit dem Hospitz telefonisch unter der Nummer 0341 / 48 62 736 in Verbindung setzen oder auch das Kontaktformular verwenden:

Ich sage jetzt schon einmal herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, dies zu lesen, und ich sage danke für euer Engagement und eure Bereitschaft zu helfen!

Ich weiß, viele sind in Gedanken bei Antje, ihrer Familie und auch dem Dicken, der unter der Krankheit seiner geliebten Chefin natürlich ebenfalls sehr leidet und sie schrecklich vermisst.
Wir wünschen ihr und allen Angehörigen alle Kraft und allen Mut, diesen schweren Weg bis zum Ende weiterzugehen!

Vielen Dank!
Euer Willi, Ex-CKO [Chief Killer Kolumnist Officer] der Fellpresse : )

P. S.: NOCH EINE WICHTIGE BITTE:
Auch, wenn ihr Antje gerne einen Besuch abstatten würdet, bittet die Familie dringend davon abzusehen. Antje ist leider nicht in der Lage, Besucher zu empfangen. Das würde sie zu sehr anstrengen. Vielen Dank euch allen für euer Verständnis! : )

Dienstag, 9. Oktober 2012

Wie erkennt man einen guten Hundetrainer? : )

knallharte Killerrüdentipps:
Wie erkennt man einen guten Hundetrainer : )
Jeder Trottel darf sich Hundetrainer nennen. Hundeschulen sprießen aus dem Boden wie Pilze im Regen. Und alle behaupten von sich, ihre Erziehungsmethoden seien selbstredend voll modern, viele sagen, sie erzögen natürlich total mit positiver Verstärkung und so.
Und in dem Wust an verlockenden Angeboten soll sich nun Ottonormalhundehalter zurecht finden und glaubt vermutlich erstmal, was ihm so aufgetischt wird, vor allem, wenn er eigentlich überhaupt gar keinen Blassen hat, was nun eigentlich "modern" im Zusammenhang mit Hundeerziehung bedeutet oder gar nicht so genau weiß, was eigentlich positive Verstärkung beinhaltet. Ab und zu Leckerlis und so... Oder. Irgendwie...

Doch wie erkennt man als Laie nun aber, ob die Hundeschule auch tatsächlich so gut ist, wie sie von sich behauptet, und ob auch tatsächlich das Anwendung findet, was der Trainer verspricht? Schöne Worte sind schöne Worte. Folgen den schönen Worten auch schöne Taten?

Und damit kommen wir prompt auch schon zu
  • Regel Nr. 1: Egal, welcher Philosophie die Hundeschule anhängen mag, seid auf alle Fälle kritisch! Glaubt nicht alles, was der Trainer sagt. Denn es ist völlig wurscht, was er sagt. Er wird euch nämlich sagen, dass er der Allertollste ist. Dass er es voll drauf hat. Dass er total zeitgemäß erzieht, dass seine Methode die ultimative und er voll der Hundeversteher ist. Er wird überzeugende und Gewissen beruhigende Worte fallen lassen wie Kommunikation, Verständnis und Vertrauen, und ihr werdet denken, wow, ein totaler Hecht, ein echter Hundeprofi, -versteher, wenn nicht sogar -flüsterer - Hier bin ich richtig! Undsoweiterundsofort.
Ok, ich sage, Achtung, aufgepasst! Reden kann es schon mal gut, das Trainerlein, aber was kann es noch? Jetzt gibt's für euch nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Nämlich über
  • Regel Nr. 2: Beobachtet die Trainingsmassnahmen genau, bevor ihr euch möglicherweise vertrauensvoll in die Hände eines Scharlatans begebt! Was MACHT er? Passt das, was er sagt zusammen mit dem, was er tut? Wie arbeitet er wirklich?
Und da genau dies zu beobachten als Laie gar nicht mal so einfach ist, gibt es eine kleine nette Beobachtungshilfe, die es einem viel leichter machen kann, am Ende zu beurteilen, wie "modern" - was auch immer das heißen mag - die Erziehung tatsächlich ist.
  • Regel Nr. 3: Führe eine simple Strichliste über die angewandten Erziehungsmassnahmen des Trainers! Wie oft belohnt er? Wie oft bestraft er? Wie oft bedrängt oder ängstigt er den Hund, wie oft schüchtert er ein? Wie oft zwingt er den Hund zu einem bestimmten Verhalten? Wie oft unterdrückt er den Hund?  
Denn eines ist mal klar: Lernen bedeutet positive oder negative Konsequenzen als Folge eines bestimmten Verhaltens zu erfahren. Und je nach dem, ob die Konsequenz angenehm oder unangenehm ist, wird das entsprechende Verhalten öfter oder seltener bis gar nicht mehr gezeigt.
Demzugrunde liegt (neben anderen Einflussfaktoren) immer das, was B. F. Skinner operante Konditionierung nannte - beim Menschen ebenso wie beim Hund, bei jedem Säugetier. Das ist so, ob man will oder nicht.
Wenn also zum Beispiel ein Trainer von sich behauptet, er konditioniere nicht, er kommuniziere nur - dann ist das schon mal seine erste fette Lüge - vermutlich gebettet auf bequemer Unwissenheit (und ein Trainer sollte ganz sicher nicht unwissend sein, oder). Erziehung ist Konditionierung! Zur Erinnerung, denn vermutlich hattet ihr das alle ja schon im Biounterricht, nur habt ihr da mal wieder nicht aufgepasst: Die operante Konditionierung besteht im Wesentlichen aus vier Pfeilern:
  1. positive Verstärkung (befriedigende Belohnung) - Ein Verhalten wird durch Zugabe von netten Dingen belohnt. Der Hund verknüpft die Belohnung mit dem Verhalten. Er wird das Verhalten zukünftig häufiger zeigen - in der Hoffnung, wieder belohnt zu werden. Beispiel: Hund kommt auf Rufen zurückgelaufen und wird dafür belohnt mit etwas, das ihn voll anmacht: Würstchen!, Leckerlis, Streicheln, Spielen, Toben, Zerren, Handtargets, Schnüffeln, Buddeln, Schuhe schnüffeln oder weiß der Geier was sonst noch.
  2. negative Verstärkung (erleichternde Belohnung) - Ein Verhalten führt dazu, dass eine unangenehme, sprich aversive, Konsequenz ausbleibt. Das Verhalten wurde verstärkt und die Wahrscheinlickeit steigt, dass es erneut gezeigt wird. Das setzt allerdings voraus, dass im Vorfeld eine unangenehme Konsequenz zugefügt wurde. Beispiel: Hund umgeht Gullideckel, da er gelernt hat, dass er sonst drin stecken bleiben könnte. Hund vermeidet Elektrozäune, da er schlechte Erfahrung damit gemacht hat. 
  3. positive Bestrafung (ängstigende Strafe) - Ein Verhalten hat eine unangenehme, aversive Konsequenz. Es wird Schmerz, Angst, Bedrohung, Zwang, Stress, ein Trauma, etc. zugefügt. Das Verhalten wird (zeitweise) weniger oder (beim Trauma wahrscheinlich) nicht mehr gezeigt. Beispiel: Hund kommt erst nach mehrmaligem Rufen zurückgelaufen, und bekommt dafür ordentlich verbale oder sogar handgreifliche Kloppe (mit der Konsequenz, dass er zukünftig noch seltener zurückkommen wird aus Angst vor weiteren unangenehmen Konsequenzen). Hund kläfft Fahrradfahrer an und wird dafür mit der Wasserpistole erschreckt. Hund knurrt Besucher an und wird dafür mit einer Klapperdose eingeschüchtert, sensible Hunde möglicherweise sogar traumatisiert. Hund springt am Küchenschrank hoch und hört ein scharfes "Willi!". Sollte ich, ähm, Hund am nächsten Tag das Verhalten wieder zeigen, redet man übrigens von einer vorübergehenden Hemmung, nicht aber von einem nachhaltigen Lernprozess.  
  4. negative Bestrafung (frustrierende Strafe) - Ein unerwünschtes Verhalten führt dazu, dass eine angenehme Konsequenz ausbleibt, das unerwünschte Verhalten wird seltener oder gar nicht mehr gezeigt. Beispiel: Hund kommt erst nach mehrmaligem Rufen zurückgelaufen, bekommt dafür ein "Schade" und kein Leckerli. Hund springt mit seinem angematschten Knochen aufs Sofa, der Knochen wird ihm weggenommen. Hund beißt im Spiel zu fest in die Hand, das Spiel wird abgebrochen.
Was bei diesem ganzen theoretischen Quatsch noch sehr interessant ist und auf gar keinen Fall vergessen werden darf, ist die Tatsache, "dass Bestrafung NIEMALS zu einer Verstärkung eines erwünschten Verhaltens führt, sondern lediglich zu einer kurzfristigen Abschwächung oder Unterdrückung eines unerwünschten Verhaltens" (s. Heineken, Edgar & Habermann, Thomas (1994). Lernpsychologie für den beruflichen Alltag. Heidelberg: Sauer-Verlag, S. 48). Auf gut deutsch: Du kannst dein Kind, deinen Mann oder deinen Hund, zwar schlagen und bestrafen, wenn er was Verbotenes gemacht hat, und der Übeltäter wird womöglich sein Verhalten auch sofort aufgeben. Aber nur, um sich beim nächsten Mal geschickter anzustellen, um einfach nicht mehr von dir erwischt zu werden.
Würdest du statt Druffzukloppen und zu Bestrafen deinem Kind, Mann oder Hund lieber mal ein alternatives, erwünschtes Verhalten aufzeigen, so würde dies womöglich sogar gerne aufgegriffen und zukünftig statt des unerwünschten Verhaltens gezeigt werden, da das gewünschte Verhalten ja eine positive Konsequenz erwarten ließe.

Wir merken uns also: Je öfter ein Hundetrainer mit positiver Verstärkung arbeitet, desto nachhaltiger wird der Hund lernen, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Viele Striche unter "positiver Verstärkung" können also nicht schaden, wenige bis keine Striche unter "positiver Bestrafung" wäre ein weiteres Plus und spräche für den Trainer!
Nichtsdestotrotz wird sich niemand davon frei sprechen können, auch die anderen Pfeiler der operanten Konditionierung anzuwenden. Wer also behauptet, ausschließlich positiv zu verstärken, lügt schon wieder.
Manchmal hat man nämlich gar keine andere Wahl, der Alltag ist voller solcher Situationen.
Prescht der Hund beispielsweise in die Leine, weil er auf der anderen Straßenseite eine Katze sieht, und wird reflexartig durch Leinenruck davon abgehalten auf die Straße zu springen, so ist dies eindeutigerweise ein Fall von positiver Bestrafung. Geht ihr einen Schritt näher auf den Hund zu, stellt euch bedrohlich dicht vor ihm auf, starrt ihn an oder beugt euch über ihn, um ihn dazu zu bringen, nun doch endlich Sitz zu machen, dann ist dies positive Bestrafung. Drückt ihr dem Hund auf den Hintern, damit er Sitz macht, so ist dies positive Bestrafung.
Es ist unvermeidbar, dass Lebewesen auch über andere Methoden als die positive Verstärkung lernen. Und es ist oft auch sinnvoll und nützlich. Zum Beispiel, wenn das Kind dummerweise auf die heiße Herdplatte fasst und nun die Herdplatte mit Schmerz verknüpft, dann wird es ziemlich sicher nicht nochmal absichtlich auf die Herdplatte patschen. Das gleiche gilt für den Hund, der aus Versehen in den Elektrozaun rennt. Natürlich wäre es schöner gewesen, dass beide die Chance gehabt hätten, auf positive Art zu lernen, dass manches Verhalten negative Konsequenzen haben kann. Denn die weitere unschöne Konsequenz mag sein, dass forthin das Kind eine panische Angst vor Herdplatten entwickeln mag und der Hund vor Zäunen. Aber Shit happens nunmal im Alltag und gelernt wird immer. So oder so.

Für euch und eure Einschätzung der wie Pilze aus dem Boden schießenden Hundeschulen und kompetenten Hundetrainern bedeutet dies also:
Zieht euch die vier Grundregeln zur operanten Konditionierung rein (das Internet ist voll davon) und beobachtet und führt Striche auf Grundlage dieser vier Pfeiler. Schaut genau hin! Vieles ist augenfällig, doch Vieles auch höchst subtil und geht voll in die Richtung Psychostress. In "modernen" Hundeschulen wird heutzutage nicht mehr offensichtlich geschlagen oder stromgeschockt, Schnauzgriff und Unterwerfung sollten Geschichte sein (außer bei inkompetenten Schwachmaten wie kleinen profilneurotischen Machomexikanern, die sich selber Hundeflüsterer schimpfen, dabei aber nichts anderes sind als brutale Tierquäler, die es schaffen, durch geschickte Propaganda und Selbstvermarktung die Massen und sensationsgeilen Medien in die Irre zu leiten!), aber erschreckend Vieles geschieht auf der Basis von Zwang, Angst und Einschüchterung mit dem Ergebnis des schnellen, aber kurzfristigen Erfolges und der spannenden Aussicht auf ungeahnte und unangenehme Spätfolgen. 

Wenn ihr nicht sicher seid, ob eine Massnahme nun gut oder schlecht für euren Hund sein mag, dann hört doch zur Abwechslung mal auf ihn: Fühlt er sich wohl? Macht er das, was er tut, freiwillig? Wird er gezwungen? Unter Druck gesetzt? Hat er sogar Angst? Zeigt er Meideverhalten? Oder ist er hoch motiviert und mit Spaß bei der Sache?

Und wenn das alles auch nicht reicht, dann, so mein ganz persönlicher Tipp, würde ich eine goldene Regel über alle anderen stellen:
Hört nicht auf den Trainer! Hört auf euer Bauchgefühl. Was sagt euch euer Verstand? Wolltet ihr so behandelt werden wie der Hund in der Hundeschule? Wenn ihr das ohne zu Zögern mit "Ja" beantworten könnt, dann seid ihr garantiert und hoffentlich richtig! Ich meine, manche Menschen haben ja auch ziemlich seltsame Bauchgefühle...

Ach ja, grumpf. Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken. Diese, wie ich finde, äußerst effiziente Methode zur Einschätzung der Qualität einer Hundeschule oder eines Trainers, die hab' ich mir natürlich nicht selber ausgedacht. Die kommt - ich muss es gestehen - von unserem allseits bekannten und höchst beliebten Fischkopp Supergerdi (Gerd Schreiber, ihr erinnert euch), der vor ein paar Wochen hier unten mal wieder zu einem Workshop geladen hatte und uns mit dem Vortrag "Die Geschichte der Hundeerziehung. Von der Antike bis zur Neuzeit" beglückt hat. Ein lohnenswerter Beitrag, der viel zum Verständnis beigetragen hat, woher die einzelnen Lehren kommen, wer die Geschichte maßgeblich beeinflusst hat, warum heute über Hundeerziehung so viel gestritten wird und die Meinungen so deutlich auseinander gehen.

In diesem Sinne: Macht Strichlisten! Lasst euch nicht einlullern! Egal was der Trainer sagt, egal, was irgendwelche Medien behaupten, egal, was das Fernsehen euch - mit dramatischer Musik untermalt - suggerieren möchte. Macht die Augen auf und seht genau hin! Tut's für uns. Wir werden es euch danken! Grumpf : )