Mittwoch, 31. Juli 2013

Weniger ist mehr... : )

"Ich weiß nicht, was ich machen soll! Ich mache so viel Programm mit meinem Hund, ich bin mehrmals die Woche mehrere Stunden aufm Hundeplatz, wir trainieren, und er kann dann noch mit anderen Hunden rumflitzen und toben, aber der ist abends immer noch nicht ausgelastet! Der bellt unentwegt und rennt hin und her und ist einfach nicht müde zu kriegen... Dabei ist der erst 6 Monate alt. Was soll ich dem bloß bieten, wenn der älter ist?"


Grumpf.

Ich sag's mal so, so dass es auch ein Mensch versteht:
"Ich weiß nicht, was ich machen soll! Mein Kind ist jeden Tag mehrere Stunden mit anderen Kindern aufm Spielplatz und die rennen und toben und kreischen und prügeln sich, bis der Arzt kommt. Aber jeden Abend ist es dann total aufgekratzt und will nicht einschlafen. Es ist immer komplett überdreht und heult beim kleinsten Anlass. Es reagiert bei jedem Geräusch und regt sich auf. Dabei ist es erst 5 Jahre alt. Wie soll das bloß werden, wenn es größer wird?"

Die Durchschnittseltern werden in dieser Situation ziemlich sicher selber auf die Idee kommen, dass ihr Kind von der vielen Aufregung und Reizüberflutung am Tag abends noch so aufgedreht ist, dass es Schwierigkeiten hat, von selber wieder herunterzukommen und dass es dabei ihrer Hilfe bedarf.
Und Durchschnittseltern werden wissen, wie sie ihr Kind am schnellsten beruhigen können: Durch Vorlesen möglicherweise, durch leise Musik, kein aufregendes Fernsehen, beruhigende Worte oder Düfte und/oder Körperkontakt etc.
Durchschnittseltern werden von sich aus auch auf die Idee kommen, dass der Tag für das Kind an diesem Tag etwas zu viel war. Sie werden entweder wissen, dass es eine Ausnahmesituation war oder aber das Tagesprogramm entsprechend reduziert werden sollte, wenn sie nicht jeden Abend das gleiche Theater erleben möchten.


Wieso nun aber kommen die Menschen - wenn sie es doch eigentlich wissen - höchstselten auf die Idee, dass es bei einem Hund haargenau so ist?
Wenn man in der Hundeschule den frischgebackenen Welpenbesitzern erzählt, dass ein Welpe 20 bis 22 Stunden ruhen und schlafen und selbst ein erwachsener Hund noch 18 bis 20 Stunden nur rumlungern sollte, dann fällt den meisten erstmal die Kinnlade herunter. Danach sagen sie fast alle: "Ja, aber der will ja gar nicht. Der läuft immer hinter mir her, der will immer da sein, wo die Party stattfindet!"

Na klar, will der das! Leute, lasst euch von einem ausgewachsenen Killerrüden sagen: Das ist so. Das ist aber nicht gut so!
Hunde haben im Laufe der Domestikation verlernt, auf ihr Ruhebedürfnis zu lauschen - dennoch ist es da! Ihr Wunsch, lieber immer in der Nähe ihres Menschen zu sein, ist weitaus stärker, als der, sich freiwillig hinzulegen und zu pennen.
Fragt da mal 'ne Katze. Die sind da nun wieder ganz anders, grumpf. Katzen nehmen sich ihr Recht und lassen sich selten aus ihrer Ruhe bringen, diese Mistviecher.
Aber zugegebnermaßen sind die eben auch nicht so stark an ihre Menschen gebunden, so dass sie gut ertragen können, nicht andauernd mit ihnen zusammen zu sein.


Es ist also mal wieder am Menschen dafür zu sorgen, dass der Hund auf seine Ruhezeit kommt - vorausgesetzt natürlich, er will später keinen hyperaktiven, kläffenden, komplett überdrehten ADHS-Hund, der beim kleinsten Reiz hochfährt und es nicht mal im Schlaf schafft, sich wirklich zu entspannen. Ein Leben im Dauerstress. Ein Albtraum für Hund UND Mensch.

Wer mit seinem Hund einmal in der Woche in die Hundeschule für EINE Stunde geht, der tut schon reichlich. Wer mit seinem Hund gerne trainiert oder ihm Denkaufgaben zur Auslastung gibt, der sollte bei jungen Hunden nicht länger als zehn Minuten arbeiten. Und auch erwachsene Hunde brauchen nicht mehr als maximal eine halbe Stunde. Und das, übrigens, auch keinesfalls täglich!

Diese ständige Leistungsorientierung, behaltet die doch einfach euch vor. Viele Kinder kennen sicher das Lied: Montags Klavier, dienstags Turnen, mittwochs Nachhilfe, donnerstags nochmal Turnen, freitags Chinesischunterricht, am Wochenende Turniere und nebenbei noch Schule, Hausaufgaben und Lernen - aus dem Kind soll ja schließlich mal was werden, und Rumhängen ist nicht!

Und doch bin ich sicher: Ein wenig weniger von all dem, und der mentalen Gesundheit wäre gedient. Bei Mensch wie Hund. Ich will damit nicht sagen, dass beide nicht gefordert werden sollten. Aber wie es halt so ist: Extreme wirken auf Dauer schlichtweg kontraproduktiv: Burnout, Nervenzusammenbruch, Lustlosigkeit, Überforderung, Entwicklungsstillstand oder gar -rückschritt, Aggression, Frust.
Und merke: Ein Extrem ist bei Hunden sehr viel schneller erreicht als mensch das auch nur ahnt! Was für den Menschen nämlich aussieht wie eine träge Schnarchbackenveranstaltung - weil ja gar nicht viel passiert! - ist für die Hunde dennoch oftmals bereits fordernd und anstrengend. Und das zeigen sie dann auch: Gähnen, Übersprunghandlungen, Unkonzentriertheit, gesteigerte Aggressivität, Leinebeißen, Rumspringen, Aufhocken, Kratzen, Buddeln etc.
Vielen Menschen fehlt dafür oft das Verständnis und erbost und ungeduldig interpretieren sie das als "der bockt rum" oder "der will jetzt seinen Kopf durchdrücken", ebenso wie sie fehlinterpretieren, dass ein hyperaktiver Hund immer noch mehr braucht, "um endlich mal müde zu werden".
 

Wie wichtig tatsächlich das Thema Entspannung für Hunde ist, wird heutzutage leider immer noch durchweg komplett unterschätzt.
Dabei behaupte ich, würden die Menschen von Welpe an darauf achten, dass nach jeder Action eine Entspannungssequenz folgt (durch Entspannungsübungen beispielsweise, oder einfach beruhigende Massnahmen wie Streicheln, Bürsten, Massieren, etwas zum Kauen geben, langsames Schlendern, Schnüffeln lassen etc.) und würden sie ihm die Ruhe gönnen, die er dringend benötigt - es gäbe viele Probleme nicht.
Ein entspannter Hund ist ein friedlicher Hund!

Manchmal ist weniger einfach mehr! : )

Noch mehr zum Thema Entspannung gibt's hier. Aber schlaft bitte nicht drüber ein... ; )

Donnerstag, 4. Juli 2013

Zu lange durch den Strohhalm geatmet >: []

Fraule hat Asthma. Schon seit ihrer Pubertät. Sie hatte also viel Zeit, sich daran zu gewöhnen und kann gut damit leben. Ohne Medikamente geht das allerdings nicht. Denn regelmässig, mehrfach am Tag, verengen sich die Atemwege und die Bronchialmuskulatur verkrampft, so dass Fraule das Atmen schwer fällt. Zum Glück gibt es für sowas ja aber Mittel, die augenblicklich wirken. Nach wenigen Sekunden kann Fraule wieder normal atmen für die nächsten Stunden, und das beklemmende Gefühl weicht der Erleichterung.
Es gab aber schon Zeiten, da waren die Anfälle so schlimm, dass kein Mittel mehr geholfen hat. Da hiess es dann: Aussitzen. Fraule erinnert sich an Momente, in denen sie die Nächte sitzend im Bett ausgeharrt hat, da das Liegen oder gar Schlafen mit Atemnot unmöglich ist. Sie erinnert sich an Momente, in denen sie mit dem Tempo einer uralten Frau durch die Strassen geschlichen ist, um an jeder Parkbank zu verschnaufen, weil die Luft zum Atmen so knapp war, dass jede Bewegung zu einer unglaublichen Anstrengung wurde. Sie erinnert sich, dass sie auf einer der vielen Parkbänke vor lauter Erschöpfung im Sitzen eingeschlafen ist.

Ich glaube, über die Furcht und Panik, die einen beschleicht, wenn man nicht mehr die Fähigkeit hat, genügend Sauerstoff in seine Lungen zu pumpen, muss ich nichts schreiben. Das sollte sich ein normaler Mensch vorstellen können. Dazu kommt das Gefühl der Verzweifelung, denn man kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie es nochmal ist, so zu atmen, dass man es gar nicht mitbekommt - so wie es für alle anderen um einen herum auch völlig selbstverständlich ist. Fraule erinnert sich an ihren viel zu schnellen Pulsschlag, an Herzrasen und Schwindel und an die Schmerzen in der Lunge und in jeder Rippe in den nächsten Tagen, weil das ungewohnte heftige Luftholen den Organen und Muskeln zusetzt. Und an das dringende Gefühl, LEBEN und einfach nur ATMEN zu wollen!

Wer sonst noch an Asthma leidet, weiß, wovon ich spreche. Alle anderen können sich einfach mal einen Strohhalm in den Mund stecken und versuchen, drei Minuten dadurch zu atmen.
Dann wären wir alle zumindest in der gleichen Ausgangslage, um ungefähr erahnen zu können, wie es einem Hund wohl so ergehen mag, dem man aus "Erziehungsgründen" mit einem Würgehalsband die Luft abschnürt, damit er "lernt", ein bestimmtes Verhalten nicht mehr zu zeigen. Oder den man - weil ein wenig Zug offensichtlich nicht die erhoffte Wirkung zeigt - dann eben so stark würgt, dass man ihn an der Leine nach oben lupft, bis er den Bodenkontakt verliert. Und weil das immer noch nichts bringt, ihn da oben einfach ein paar Minuten baumeln lässt.

Ja, ganz gewiss: Der Hund, der da gerade um sein Leben kämpft, hat ja natürlich dabei auch genug Zeit - wenn er da so baumelt - sich in Ruhe zu überlegen, warum er dort hängt. Er wird natürlich reflektieren und erkennen, dass sein ungebührliches Verhalten (wie etwa etwas so Ungeheuerliches wie Leineziehen) Grund für die Würgerei ist. Sein Mensch meint es ja nur gut mit ihm! Und er wird sich fest vornehmen, nie wieder an der Leine zu zerren, wenn man ihn nur erst herunterlassen würde und er jemals wieder aus der Ohnmacht erwachen sollte. Allerdings gibt es auch die Fälle, in denen es besser gewesen wäre, lieber nicht mehr aufzuwachen.

Ihr glaubt, solche Methoden sind nur Ausnahmeerscheinungen, kein normaler Mensch würde je mit seinem besten Freund auf vier Pfoten so umgehen? Tja. Falsch gedacht!
Es gibt immer noch viele sogenannte "Hundetrainer", die empfehlen, Hunde zu Erziehungszwecken zu würgen. Und man trifft mehr Menschen auf der Strasse als man sich vorstellen kann, die Würgehalsbänder bei ihren Hunden dauerhaft im Einsatz haben.

Seltsam.
Ich behaupte jetzt mal, in der Kindererziehung läuft das anders. Die wenigsten Eltern kämen je auf die Idee, ihre Kinder aus pädagogischen Gründen zu würgen oder aufzuhängen. Und ich schätze, sie kämen deshalb nicht auf die Idee, weil ihnen ganz intuitiv so was wie Misshandlung oder Folter in den Sinn käme.
Und in der Tat kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Würgen bis zur Besinnungslosigkeit in gewissen geheimdienstlerischen Kreisen durchaus zum festen Repertoire gewiefter Folterknechte gehört, um den Gefolterten ihre Geheimnisse zu entlocken.

Wieso aber kommt keiner, der seinem Hund ein Würgehalsband zumutet, auf die Idee, dass es auch Folter sein könnte, einem Hund die Luft abzuschnüren? Wieso erdreisten sich Menschen zu glauben, mit ihren Vierbeinern so umgehen zu dürfen?
Wieso haben diese Menschen überhaupt Hunde, wenn sie doch offensichtlich Universen davon entfernt sind, so etwas wie Empathie, Respekt oder gar Liebe für sie zu empfinden?
Wieso erzählen gerade diese Menschen gerne, dass sie ihre Hunde nicht "vermenschlichen" möchten - obwohl sie doch genau dies tun?! Schliesslich erwarten sie ja, dass der Hund wie ein Mensch unter Folter versteht und einsieht, warum er gefoltert wird und was von ihm erwartet wird.
Wie kann ein Mensch einem anvertrauten Schutzbefohlenen so etwas antun???

Ich schätze, möglicherweise deshalb, weil sie einfach selber zu lange durch den Strohhalm geatmet haben und ihr Hirn durch den Sauerstoffmangel irreparablen Schaden genommen hat! >: [