Montag, 30. Mai 2011

Was Fraule immer wissen wollte und sich nie getraut hat zu fragen : )

Also, als kritisch-reflektierender Hund, der mit seinem Fraule täglich die deutsch-schweizer Grenze passiert, muss ich es heute mal rauslassen: Wie, zum Henker, kommt man auf die Idee, freiwillig Zöllner zu werden???
Liebe Zöllner der deutschen und schweizer Nation, solltet ihr zufällig meinen Blog lesen - was ich nicht glaube, da ihr ja den ganzen Tag, so wie ich, mit Schnüffeln beschäftigt seid, aber falls doch - dann lest jetzt auf jeden Fall weiter, denn nur ihr könnt Licht ins Dunkel bringen.

Wer einen kleinen Jungen fragt, was er später mal werden will, hat bestimmt schon viel gehört, aber noch nie: "Zöllner!" Und wenn doch, wäre es sicher lohnenswert, diesen Pimpf psychologisch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Historisch betrachtet ist Zöllnersein kein Beruf, den Eltern sich für ihre Kinder erhoffen: "Junge, mach was aus deinem Leben, werde Zöllner!" Schon in der Bibel kamen die nicht gut weg. Und warum? Zu Recht!
Man sagt, wer nix wird wird Wirt. Quatsch! Fraule kennt einige Wirte, aus denen sehr wohl was geworden ist. Die haben ganze Imperien aufgebaut. Müsste es also nicht vielmehr heißen: Wer nix wird wird Zöllner (oder Controller, aber das ist eine andere Geschichte : )?

Also, ihr freundlichen Zollbeamten, was hat euch bloß zu eurer total bescheuerten Berufswahl bewogen? War Tyrann schon besetzt? Oder ward ihr als Kinder schon griesgrämige Mimikminimalisten mit Schnüffeltendenzen, die heimlich die Schulturnister der Klassenkameraden nach illegalen Butterbroten durchsucht haben und sich dachten, super, mach' ich doch mein Hobby zum Beruf und werde Zöllner!?

trügerische Einöde morgens um 8 : )
Was bewegt euch dazu, den ganzen Tag bei + 30 oder -15 Grad im, am oder hinter eurem traurigen 70er-Jahre-Zollhäuschen harmlosen Grenzgängern aufzulauern, die seit Jahren täglich mehrfach (!) dieselbe Grenze passieren und deren Autos und Angesichter euch längst bekannt sind, die ihr aber trotzdem immer noch in regelmäßigen Abständen morgens um 8 Uhr (!) mit der stets gleichlautenden dämlichen Frage piesakt: "Bringen Sie Ware mit?"
Springt ihr absichtlich mitten auf der Landstraße unverhofft aus Büschen heraus, damit die Vorbeifahrenden vor lauter Schreck im selbigen landen?

schon vor 2000 Jahren lauerten Zöllner in Bäumen ; )
Merian, Matthäus der Ältere, Der Zöllner Zachäus, 1723)
Fühlt ihr euch wie Bruce der Allmächtige, wenn ihr lediglich mit einer unmerklich hochgezogenen Augenbraue dem verunsicherten Grenzpassierer bedeutet weiterzufahren, oder ist eure Schnüffelei einfach so anstrengend, dass die Kraft nicht mehr ausreicht, ein eindeutig erkennbares "Bitte weiterfahren"-Signal zu senden? Das würde ich ja voll verstehen, schließlich, wer weiß besser als ich, wie anstrengend Schnüffelarbeit ist!
Werdet ihr eigentlich entlassen, wenn euer Hauptoberzöllnerfuchs euch mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht erwischt?
Könnt ihr überhaupt lachen???

Also, ich bin mir ganz sicher, ab und an ein hochgezogener Mundwinkel und dem Einreisenden das Gefühl geben, dass er im Lande nicht komplett unwillkommen ist, und schon würde dies vielleicht - aber nur vielleicht - bewirken, dass der ein oder andere komische kleine Junge auf die Frage "Was möchtest du später mal werden?" mit einem entschlossenen "Grenzbeamter" antworten würde. Und? Wär das nix? Also, immer schön lächeln... : )

13 eloquente Meinungen zu dem Quatsch : )

  1. Also aus meiner Sicht ist der allerletzte Beruf eigentlich Bloggschreiber und Dauernörgeler!

    Wären diese Menschen nicht so penetrant dabei die Leute zu kontrollieren, würden wohl noch mehr Verbrecher, Drogen, Waffen, Hunde (ja Willi auch Hunde) usw. über die Grenze geschmuggelt.

    Komisch, bei mir sind die Beamten immer sehr freundlich, liegt evt. daran, dass ich ihren Job respektiere und froh bin, dass es sie gibt, ausserdem begegne ich ihnen immer mit einem Lächeln, so kommt auch eins zurück ;o)

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  2. Puh, El Chefe ist aber heute wieder hart! Also, was soll ich da sagen!

    Auch ich kenne zwei Sorten von Zöllnern. Die einen sind den von Dir beschriebenen sehr ähnlich. Auch mir liegt manchmal auf der Zunge: "Entschuldigung, aber es ist nicht mein Fehler, dass sie Zöllner geworden sind und nun Horden von Hausfrauen die Einkaufszettel abstempeln müssen!"
    Gerade an Samstagen oder vor Weihnachten tun mir diese Menschen auch wirklich leid, wenn ihr Berufsalltag eben nur daraus besteht Millionen von Einkaufszetteln zu kontrollieren und abzustempeln! Vermutlich hatten sie sich die Grenzwache schon etwas spannender vorgestellt.

    Andererseits erklingt durchaus auch mal ein freundliches "Schönen Tag noch!" - das ist wirklich selten - aber es kommt vor! Aber eben nur - wie El Chefe schon sagt - wenn man auch ein Lächeln und einen freundlichen Gruss für die andere Seite übrig hat! ... Und es gab Zeiten, als der kleine Zoll im Tägermoos noch besetzt war, da wurde ich dort schon mit Namen begrüsst und manchmal gab es für die Kids sogar Gummibärchen!

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  3. Willi Wollmatingen30. Mai 2011 um 15:56

    Hallo El Chefe! Schön, dass du wieder da bist! : )

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  4. Ich hab bisher nur zweimal Zöllner kennengelernt. Die waren etwas griesgrämig, dann haben sie meine Papiere kontrolliert und auch noch meinen Chip gesucht!
    L.G. Diva

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  5. Wenn weiterhin solche Pöbeleinträge kommen, nicht mehr lange!

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  6. Oooooh je! Was hat dir denn diesen Frust wachsen lassen? Gib' zu, du musstest deinen Lieblingsknochen verzollen!!! Oder hast ein gefundenes Stöckchen illegal eingeführt??? Nein, deine in Deutschland gekauften Leckerlis fallen in der Schweiz unter das Drogengesetz??!! Oder kaut etwa so ein gruselig-griesgrämiger Grenzenmann auf etwas herum, was du gern hättest?? Stell' dir vor, du müsstest dein ganzes Leben in einer Hundehütte verbringen und dürftest höchstens 5 Meter weit heraus, würdest du da noch an Lächeln denken???
    LG, Enya (die niemals Zöllner werden möchte)

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  7. ach willi, deine geschichten sind immer die besten! was frauli und ich uns immer zerbröseln können über deine stories... hast uns wieder mal den tag gerettet! danke! :))

    schlecki

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  8. oh willi - du bist genial. der feuerfuchs funzt wirklich und nun kann ich endlich wieder meinen senf zu deinen heiteren gschichtln dazugeben! obwohl, wer überall seinen senf dazugibt, der läuft gefahr, selbst ein würschtl zu sein... aber du bist ja auch so ein "grenzgänger" wie ich heut erfahren hab, daher auf gutes wörteln! so kommen wir tadellos durch den zoll!
    küßchen deine charlotte

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  9. Mann Willi, denken die du willst was schmuggeln oder was ist da los. Zeig doch mal hübsch deine Zähne, vielleicht wird´s dann besser. Äh, ich meine lächeln.
    Liebe wauzis von Emma und Lotte

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  10. ha...ihr beiden...da hättet ihr mal die Zöllner an der Deutsch Deutschen Grenze kennen sollen, die auf der Ostseite, oh oh..........
    einmal blöde grinsen und dein Auto lag in Ersatzteilen vor dir :-)
    Bussi du Killerhund Silvie

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  11. Doch, Indi, zumindest Fraule kennt das auch noch. Die wollten mal den Atlas von Fraules Papa wegnehmen, weil man kein Gedrucktes mitbringen durfte, diese Freds! : )

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  12. Hallo Willi

    Ich bin Zöllner und auf der Suche nach dem Ersten meiner Zunft über diesen Blog gestolpert.
    Nun fühle ich mich natürlich berufen ein wenig Licht ins informative „Nichts“ zu bringen.
    Zuvor aber ein kleiner Exkurs:
    Die Zölle von heute sind Abgaben, die beim unmittelbaren Eingang von Waren in den Wirtschaftskreislauf (Einfuhrzoll) oder beim Verlassen des Wirtschaftskreislaufs (Ausfuhrzoll) erhoben werden.
    Sie dienen in erster Linie als Schutzzölle. Sie sollen dahingehend den heimischen Markt vor ausländischer Konkurrenz (billige gesundheitsgefährdende China-Importe) bzw. bei Ausfuhrzöllen vor Warenabfluss (Inflation durch zu viel Exporte) zu schützen. Antidumpingzölle reagieren auf im Ausland zu günstig hergestellte Waren (Plagiate / Kinderarbeit / Ausbeutung von Arbeitskraft).
    Der Zoll ist eine fiskalische Behörde welche sämtliche Sicherungsaufgaben wahrnimmt die nicht der Polizei oder Bundespolizei zugeschrieben werden können. (Sicherung der Zölle und Verbrauchsteuern, Warenverkehr, Geldwäsche, Bannbruch (Drogen), Artenschutz, Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung, Menschenhandel, Prostitution usw. ) Im Gegensatz zur Polizei hat der Gesetzgeber die Zollverwaltung ermächtigt, in Steuerstrafsachen selbst als Staatsanwaltschaft zu handeln. Kurzum - hätte ich als Kind schon verstanden, daß ich als Zollbeamter ebenso viel „gutes Tun“ kann wie ein Polizist, hätte ich wahrscheinlich auf Polizist und Feuerwehrmann als Wunschberuf verzichtet!

    Der Zöllner der seinerzeit in der Bibel Schlagzeilen gemacht hat, steht im Dienste der damaligen römischen Besatzer. Also kein Vergleich zu dem heutigen inländischen Staatsdiener.

    Ja schlimmer noch ist die Tatsache, dass der gemeine Zöllner zwar in seinem jeweiligen Heimatstaat verbeamtet wurde, jedoch aufgrund der weiteren Tatsache – EU Angehöriger zu sein - nun auch noch verpflichtet wurde, das komplette EU-Recht umsetzen zu müssen. Und zwar im Einklang aller dazugehörigen nationalen Gesetze aller angrenzenden EU-Staaten!!!!

    Wir wissen mittlerweile alle, das nicht alles verständlich ist, was da in Brüssel so für den Rest der EU verabschiedet wird. Deshalb erscheint, so manches Verhalten des Zöllners nahe der Alpen als befremdlich und fragwürdig. Sinn und Zweck ist es jedoch sicherzustellen, dass jeder Zöllner in der EU seine Fälle gleich abarbeitet. Das landestypische Unzulänglichkeiten am Bosporus anders beigelegt werden wie an der skandinavischen Grenze liegt auf der Hand. Der deutsche Zöllner im Binnenland hat aber mit allen Herausforderungen aus allen vier Himmelsrichtungen zu tun und hat diese nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden und dafür auch noch seinen Kopf hinzuhalten.

    Ok, ich hatte also meinen Wunschberuf verfehlt. Als ich während meiner Ausbildung die Vorschriftensammlung ausgehändigt bekam, kamen mir die ersten Zweifel. Nun muß man sich vor Augen führen das allein das dt. Steuerrecht mehr Gesetze beinhaltet als die komplette Verfassung Australiens.
    Die Vorschriftensammlung diverser notwendiger Gesetzestexte und Nebengesetze belief sich auf ca. 1m-Lange aufgereihte Gesetzestexte. Hierzu kam noch ein Laptop mit weiteren Vorschriften damit man auf das trage weiteren drei Meter der Vorschriftensammlung verzichten konnte.
    (…)

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  13. (…)
    Zurück zur Grenze:
    Wenn sich Reisende ein wenig mit der Zollrechtsmaterie auskennen würden, gäbe es nicht ständig so viele Fragezeichen auf den Köpfen der Selbigen.
    Wenn ein Zöllner einen Reisenden mit den Worten „bringen Sie Waren mit“ begrüßt, sollte man ihm eigentlich dankbar sein, da er dem Reisenden damit die Möglichkeit eröffnet Straffrei seine (gekauften) Waren anzumelden. Tut er das nicht, und wird dabei während einer Kontrolle mit Waren aufgegriffen, können neben den Einfuhrabgaben auch empfindliche Strafen folgen.

    Es hat nichts mit Allmächtigkeit zu tun wenn man einen Reisenden durchwinkt oder nicht.
    BIS der Zollbeamte sich entschließt jemanden durchzuwinken muss er dem Reisenden die Möglichkeit geben seine anzumeldenden Waren auch gestellen zu können.
    D. h. der Zöllner gibt dem Reisenden bis zur Landesgrenze die Möglichkeit seine Waren anzumelden.
    Dies erfolgt zu meist mit einer Zollanmeldung. Diese muss nicht unbedingt schriftlich erfolgen. Mündliche Anmeldungen oder eine Anmeldung durch eine konkludente Handlung (Grün-Ausgang am Flughafen / Grenzübergang überqueren ohne anzuhalten) GELTEN bereits auch als Abfertigung bzw. Anmeldung.
    Das Durchwinken ist für den Zöllner ein Verwaltungsakt, mit dem er auf eine Beschau der (vermeintlich gekauften) Waren verzichtet und gleichzeitig eine Zollanmeldung des Reisenden annimmt (und ihm glaubt, nichts zu verzollen dabei zu haben).

    Wenn also demnächst ein Zollbeamter nur seine Augenbrauen anhebt…..dann denkt an meine Worte.
    Der Mann oder die Frau denkt nach.
    Klar werdet Ihr gemustert, das ist seine Arbeit….. und geht im Kopf seine Paragraphenkette aus bundesdeutschem und europäischem Recht durch und ergänzt sie mit seinem Wissen aus Durchführungsanordnungen und seinen bisher gemachten Erfahrungen. Er versucht sich an das zu erinnern was der Chef ihm heute morgen erzählt hat, den Nummernschilder von flüchtigen vermeintlichen Terroristen, anderweitig ausgeschriebenen geistig abnormen Rechtsbrechern und sonstigen zu kontrollierenden Fahrzeugen.

    Und ja, meine Tochter möchte Zollbeamtin werden.

    Und freut euch, dass ich mich mit meinem 70er Jahre Zollhäuschen abfinde….ein Neubau oder eine Sanierung würde den Steuerzahler nur unnötig belasten.

    Gruß

    Ein Zöllner

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