Montag, 5. Mai 2014

"Negativwerbung" - Ja oder nein? : )

Willi philosophiert über den Sinn oder Unsinn
von Negativwerbung
Mich bewegt da was. Immer wieder, wenn man über Missstände redet, zum Beispiel über die Trainingsmethoden umstrittener Hundeflüsterer, werden Stimmen laut, dass man das nicht schreiben oder teilen sollte, weil man ja dann indirekt Werbung für denjenigen und seine Sendung oder Bücher machen würde.

Generell betrachtet ist das natürlich richtig. Jemand, der zufällig meinen Post über Cesar Millan liest und vielleicht vorher noch nie etwas von demjenigen gehört hat, wird möglicherweise neugierig werden und sich ein Buch von ihm kaufen oder ein Ticket für seine Show. Insofern wäre meine "Negativwerbung" natürlich erfolgreiche Werbung für denjenigen gewesen.

Aber ist es nicht so: Einen Tod muss man sterben. Denn was passiert denn, wenn keiner mehr etwas Kritisches anmerken und demnach logischerweise nur noch Positivwerbung an die Öffentlichkeit dringen würde? Wenn nur noch die Stimmen laut würden, die rufen, wie toll und charismatisch der Mann sei und wie phänomenal seine Show? Würde das nicht weitaus mehr Leute anziehen als Negativwerbung?

Da ich ja immer noch nicht den Glauben an die Menschheit verloren habe und überzeugter Freikläffer und selbstredend dominanter Demokrat bin, erwarte ich von jedem einzelnen Menschen, zu recherchieren und sich selber ein Urteil zu bilden. Wenn ich also über die Hundeflüsterer dieser Welt mecker, hat das genau einen Grund: Ich möchte aufrütteln und zum Denken anregen, indem ich MEINE Meinung mitteile. Ich möchte nicht, dass irgendjemand meine Meinung übernimmt, ohne diese kritisch reflektiert zu haben. Wir leben nämlich in einem Luxusland: Denken erlaubt und erwünscht. Meinung sagen auch. Ist das nicht super?

Und wenn dann eben dabei herauskommt, dass andere eine andere Meinung vertreten: Na gut. Dann ist das so. Das bedeutet nämlich Demokratie. Solange diese Meinung Leib und Seele eines anderen Individuums nicht schadet, ist jeder aufgefordert, seine Meinung zu bilden und zu vertreten. 
Ich bin überzeugt, um Reflektieren zu können, muss alles auf den Tisch. Das Positive, aber eben auch das Negative. Sonst bräuchten wir ja auch keine Nachrichten und Reportagen mehr, die mit ihren Beiträgen ungewollt auch "Werbung" machen für Verbrecher, Diktatoren, Vergewaltiger, Steuerhinterzieher, die Machenschaften von Großunternehmen, Banken, der FIFA oder sonstwem.
Wenn über Amokläufer berichtet wird, wieviele Trittbrettfahrer fühlen sich davon animiert oder auf den Plan gerufen? Na klar, das kann passieren und das ist traurig. Aber darf man deswegen nicht darüber berichten?

Es liegt doch an der Moral, am Verstand, dem Gerechtigkeitsempfinden, der Empathie und am Rückrat eines jeden Einzelnen, das "Richtige" aus den Informationen, die tagtäglich kursieren und uns überrollen, zu machen.
Ich glaube daran, dass das Gros der Menschen in aufgeklärten Staaten mit freiem Zugang zu allen Informationen dazu in der Lage ist. 

Ich werde also weiterhin "negative Werbung" betreiben, wenn ich denke, dass es hilfreich sein und der Sache dienen könnte : )

10 eloquente Meinungen zu dem Quatsch : )

  1. Ja, ich finde auch, man muss auch schon mal sagen, wenn was gar nicht geht (wie z.B. der CentimeterMan). Aber mindestens ebenso wichtig ist, den Leuten die Alternativen bekannt zu machen.
    Und da bin ich ein bißchen anderer Meinung als du: ich glaube nicht, dass ich erwarten kann, dass die Leute selber recherchieren. Manche machen das. Viele aber nicht.
    Es ist unser Job, es den Leuten so leicht wie möglich zu machen, über die positiven Alternativen zu "stolpern", sich damit zu "infizieren", und dann tröpfchenweise mehr und mehr darüber zu erfahren und natürlich möglichst anzuwenden.
    Dem einen liegt das eine (zu sagen, was nicht geht) besser, dem anderen das andere (die Alternativen "auszustreuen") - Teamwork zwischen beiden wäre ideal :)

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    1. aber da bin ich doch voll bei dir! und da mache ich mit, sonst wär ich nicht bei TsD...
      mir ging's hier wirklich nur um das thema "negativwerbung". weil ich immer wieder höre, das sei schlecht. und das finde ich eben nicht : )

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    2. Wenn man "Aufklärung" betreiben will, muss man "Negativwerbung" in Kauf nehmen - und ich finde es gut und wichtig, dass über Missstände berichtet wird, solange es im sachlichen Bereich bleibt. Ich gebe aber auch Martina Recht, denn Menschen, deren Meinung sich ja eigentlich schon gebildet hat, neigen dazu aufzuhören, sich weiter durch den Dschungel an Informationen zu ackern, weil´s unbequem ist. Deshalb sehe ich es ähnlich wie beim Hundetraining - Alternativen anbieten und sich freuen, wenn sie angenommen werden.

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  2. ...dem Auszug aus deinem obigen Artikel "Es liegt doch an der Moral, am Verstand, dem Gerechtigkeitsempfinden, der Empathie und am Rückrat eines jeden Einzelnen, das "Richtige" aus den Informationen, die tagtäglich kursieren und uns überrollen, zu machen.
    Ich glaube daran, dass das Gros der Menschen in aufgeklärten Staaten mit freiem Zugang zu allen Informationen dazu in der Lage ist" - schließe ich mich ja auch an....aber leider ist es heut zu tage oft so, dass nur noch Werbung in Form von Bildern aufgenommen wird und wenn ich Cesar mit seinem Zahnpastalächeln teile, kommt von vielen Hundebesitzern spontan:" Ja, den kenne ich, der ist doch im Fernsehen, du findest den also auch gut." Nein, finde ich nicht gut und warum, dass kann ich euch erzählen und dass könnt ihr auch unter dem Bild lesen...." - klar muss aufgeklärt werden aber jeder der aufgrund meines Teilens Cesar Milan guckt ist ein Gucker zu viel....

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  3. Damit jemand überhaupt kritisch nach denkt muss erst mal die Bereitschaft dazu da sein zu reflektieren. Und das ist ein Problem - sich irgendwann mal selbst einzugestehen, dass man Bockmist gebaut hat. Da ist es leichter auf stur zu schalten und den besseren Ansatz zu belächeln. Dann kommt noch Personenkult dazu und die allgmein verbreitete unterschwellige Ansicht, dass das was im Fernsehen kommt wahr ist und meiner Meinung nach das allerschlimmste - die Einstellung das überall was Gutes zu finden sei und man da sich was abgucken kann. Da können sich die Probleme mit dem eigenen Hund zu einem Berg anhäufen - unübersehbar und nervend sein aber solange nicht alles vorher geschriebene überwunden wurde, stellt sich keine Besserung ein - egal wie viel Kritik man von anderen liest.

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  4. Den Zusammenhang verstehe ich nicht wirklich. Explain! Explain! :-)

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    1. wie, du verstehst mich nicht? ich dachte, wir verstehen uns blind? mann or ey! du zerstörst meine illusionen über die menschheit, meinte ich! : )

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    2. Sorry ich merke gerade, dass ich mich komplett verlesen hatte. Ich habe gelesen "Ja mutti" ... frag mich nicht warum wieso und weshalb - manchmal bin ich einfach geistig umnachtet.

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Wenn du allerdings einfach nur mal unter dem Deckmäntelchen der Anonymität oder wegen mir auch unter deinem richtigen Namen unflätig werden oder destruktiv stänkern willst, weil dir sonst keiner zuhört, dann wird dies hier leider nicht deine Bühne werden - versprochen! : )