Freitag, 6. Oktober 2017

Kinder und Hunde - gewusst wie! Ein Buchtipp für ziemlich beste Freunde : )

Freunde der Reproduktion und der vorausschauenden Rentenversorgung, heute kommt eines meiner Lieblingsthemen! Kinder! Genauer: Kinder und Hunde. Aber ganz konstruktiv, versprochen... : )

Also ich, ich kann ja Kinder nicht leiden. Wegen mir müsste ich das jetzt also nicht schreiben. Kinder sind mir zu … na, Kinder eben. Die kreischen, die springen, die rennen wie die Doofen, und die ärgern mich hinterm Gartenzaun. Hätte ich je die Gelegenheit, sie würden das nur einmal machen – darauf könnt ihr eure magere Rente verwetten. Aber genau deshalb gibt’s in meiner Reichweite ja auch keine Kinder. Manchmal bin ich allerdings nicht sicher, ob Fraule die kreischende Nachbarsbrut nicht noch viel mehr nervt als mich. Aber gut, anderes Thema. Und auch nicht ganz so konstruktiv : )

Jedenfalls… das Thema Kinder und Hunde ist ja schon ein ganz spezielles (ich berichtete). Allein mal, wie oft werden Hunde nur für die Kinder angeschafft? Als wären wir Plüschtiere. Dass das Plüschtier dann ziemlich lebhaft sein kann und vor allem als Welpe übel scharfe Zähne hat und gerne zwickt – das merken die Kinder dann recht bald, und das Gekreische ist groß. Dass das Plüschtier einen eigenen Willen hat, der nicht immer mit dem des Kindes korreliert, kommt dabei auch noch oft ans Tageslicht. Und dass Kinder manchmal Sachen machen, die Hunden nicht gefallen können – das wiederum bemerken viele Eltern nicht oder zu spät. Wie zum Beispiel so sinnige Sachen wie auf dem Hund sitzen oder reiten, ihn umarmen, ihm in die Augen starren, ihn am Schwanz ziehen, ihn grob anfassen, ihn zwicken, ihn beim Fressen oder im Körbchen nicht in Ruhe lassen, ihn überall betatschen, ihm in die Augen pieken … boah ey, ich weiß schon, warum ich kein Kind an mich ranlasse. Kinder sind die Pest.

Dabei wollen eigentlich aber alle nur das eine: Dass Kinder und Hunde die besten Freunde werden: Im Freien gemeinsam herumtollen, über Wiesen und durch Bäche springen, Abenteuer erleben, zusammen kuscheln, zusammenhalten wie Pech und Schwefel, die dicksten Buddies werden wie bei Lassie und den 5 Freunden. Romantisch! Seht ihr auch vor eurem geistigen Auge die grünen Auen im Sonnenschein, fröhliches Kinderlachen und ausgelassenes Hundegebell? *augenroll*

Gut. Aber selbst wenn ICH meine Abenteuer lieber kinderlos bestehe, heißt das ja nicht, dass es prinzipiell nicht möglich ist. Es IST möglich, diese Kinder-Hunde-Buddy-Kiste. Allerdings gäbe es vorher einiges, das die Hoffnungsträger unserer Zukunft wissen sollten, damit sie auch tatsächlich ziemlich beste Freunde werden. Wenn Kinder nicht wissen, worauf sie achten sollten, dann leben sie mitunter ziemlich gefährlich. Den Spruch „Er hat wie aus dem Nichts zugebissen“ haben wir alle in der BILD-Zeitung schön häufig gelesen. Die Bestie Hund. Dass dieser Hund vorher allerdings versucht haben wird, sich freundlich Gehör zu verschaffen, wenn er es nun mal überhaupt nicht leiden kann, zu eng umarmt zu werden – das hat mal wieder keiner mitbekommen.

Natürlich gibt’s auch die anderen Kumpels: Die Duldsamen, die Ertragenden, die Märtyrer unter uns, die es ein Leben lang klaglos über sich ergehen lassen, scheiße behandelt zu werden. Und wenn ihr mich fragt: Von denen gibt’s leider viel zu viele! Genau wegen dieser Weicheier kommen diese weit verbreiteten kommunikativen Missverständnisse, die überall zu sehen sind, überhaupt erst zustande. Denn würden die sich mal rechtzeitig zur Wehr setzen, wäre der Lerneffekt für die Menschen um einiges effektiver. Oder aber die Kumpels, vor allem die kleinen, werden zu Kläffern. Leider merkt auch da schon keiner mehr, dass da Zusammenhänge bestehen könnten. Schließlich kläffen kleine Hunde nunmal gerne. Oder nicht? Nee, nicht.

Na gut. Kommen wir nun zum konstruktiven Teil. Den hatte ich ja versprochen. Eine wirklich gute Nachricht! Denn das, was Kinder (und auch Eltern) wissen sollten, kann man nun nachlesen! Und das finde ich megageil! Weil es nämlich echt gut gemacht ist!

Die Autorinnen Maria Rehberger, Aurea Verebes und der Autor Andreas Baier haben ihren gesamten Hirnschmalz zusammengeschmissen und 3 Bücher für Kinder in verschiedenen Alterstufen entstehen lassen, da die geistige und motorische Reife eines Kindes im Umgang mit Hunden ja natürlich eine große Rolle spielt.


Band 1

Der erste Band ist ein Bilderbuch für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren. Die kleinen Scheißer lernen ganz einfach dargestellt etwas über unsere Körpersprache UND dürfen aktiv kleine Aufgaben lösen, für die sie sogar noch ein Geschenk erhalten, wenn sie eine Postkarte mit Klebepunkten zurückschicken. Ick find dat super! Ehrlich! Ich würde auch gerne ein Geschenk erhalten, vielleicht Würstchen, allerdings hab ich Probleme mit meinen Pummelpfoten und den Klebepunkten…

Sinn der Sache ist jedenfalls, dass die kleinen Trampeltiere mit ihren vorwitzigen Patschflossen auf verständliche Weise und bunt und anschaulich die ersten ganz einfachen Regeln im Umgang mit Hunden lernen, damit Situationen, die möglicherweise in Beißvorfälle münden könnten, gar nicht erst aufkommen.

Band 2

Der zweite Band richtet sich an Kinder zwischen 7 bis 11 Jahre, und auch hierin gibt’s wieder viel zu lernen: Ein bisschen über die Geschichte des Hundes oder wie man erkennen kann, ob er Angst hat oder droht. Und es werden Tricks vorgestellt, die Kinder ihren Hunden beibringen können. Und zwar mit Sinn und Verstand und nicht, indem dem Hund 30 Mal „Siiiiitz“ ins Gesicht gebrüllt wird bis ihm die Ohren flattern und er sich vor lauter Verzweifelung hinsetzt… Auch in diesem Band warten wieder spannende Aufgaben, die es zu lösen gilt, und auch für diese gibt’s wieder ein nettes Geschenkle, wenn die Postkarte mit den Klebepunkten zurückgeschickt wird. Ist das cool oder ist das cool? Also, ich find das cool.

Band 3

Band 3 nun wieder richtet sich an Kinder ab 12 Jahre, und jetzt wird’s schon richtig anspruchsvoll: Körpersprache und ihre Bedeutung, Praxisaufgaben und Spiele, Trainingsanleitungen, die Sinne des Hundes, Hundeberufe, Poster und viele viele Infos findet man hier auf 91 bebilderten Seiten verteilt.

Und das allerallertollste: All das basiert auf fundiertem und neuem Wissen, hier werden keine alten Ammenmärchen zum siebenmillionsten Mal aufgewärmt, die man leider immer noch in vielen auch neueren Büchern finden kann. Hier geht’s nicht um Rudelführung und Chefsein und verstaubte Rangreduktionsverblödung. Hier wurden neueste Erkenntnisse über Hunde so verwurstet, dass sie Sinn machen und vor allem für alle verständlich sind und eine gute Grundlage geschaffen werden kann, mit seinem Hund tatsächlich ziemlich bester Freund statt debiler Rudelführer zu werden.

Ihr wisst es ja selber: Selten bin ich voll des Lobes. Aber diese Bücher sollten in keinem Haushalt mit Kindern fehlen. Sie sind einzigartig in ihrer Art, kindgerecht, liebevoll gestaltet und mit viel Herzblut der Autorinnen und des Autors geschrieben. Man merkt, denen ist das Thema wichtig. Und die wissen, wovon sie sprechen. Zum einen haben sie Ahnung von modernem Hundetraining. Zum anderen haben sie selber auch noch Hunde. Ja, und Kinder natürlich... : )

Wenn ihr also nicht wisst, was ihr euren Enkeln, Nichten, Neffen, Töchtern, Söhnen, Stieftöchtern und Stiefsöhnen, Patenkindern, Großnichten und -neffen oder Nachbarsgoofen zum Geburtstag oder zu Weihnachten oder einfach auch mal so schenken sollt: Jetzt wisst ihrs! Wenn ihr Lehrer seid und gute Literatur zum Thema sucht, um in den Schulklassen das Thema Hund zu beackern: Eure Suche hat ein Ende! Wenn ihr Tierärzte seid, die zur Abwechslung mal geistreiche Literatur ins Wartezimmer legen möchten: Hier habt ihr alles, was ihr braucht:

VersteHen, StaUnen, TraiNieren, EntDecken (Band 1 – 3) von Maria Rehberger, Aurea Verebes und Andreas Baier, Canimos Verlag, 19,90 Euro pro Band.


Macht was draus! Sammelt Klebepunkte! : )

Sonntag, 17. September 2017

It's magic: Die Antizugleine : )


Wisst ihr, wir sind ja gewohnt, dass aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht immer nur das Gelbe vom Ei hier rüberschwappt: Cesar Millan, Donald Trump, Klimaanlagen, Burger zum Frühstück… (na gut, das tät mir ja noch gefallen…), Country Music, Vera am Mittag…

So. Und nu‘ kommt gleich mal die nächste unglaublich effektive Erfindung aus dem Land, in dem Time Money ist und die Verzweifelten hierzulande gleich zu Tausenden begeistert kreischen lässt: Die sogenannte „Antizugleine“.

Da heißt es:
„Ihr Liebling zieht permanent an der Leine, sodass ein angenehmer Spaziergang für beide Parteien gar nicht mehr möglich ist? - Dann ist diese Antizug Leine mit Geschirrfunktion genau das Richtige für Sie.“
Oh lá lá, um es mal französisch auszudrücken, ich war da gerade im Urlaub… : )

Das hört sich amazing an! Fantastic! America first, ehrlich - ein Geschirr, das auf wundersame Weise den Hund vom Zerren abhält. Ohne Kraftanstrengung.

Doch seht ihr mich langsam und misstrauisch meine Theo-Weigel-Augenbrauen lupfen? Jaaaa, seht ihr. Ich kann ja nix dafür, dass ich ein denkender Hund bin, aber bei mir zumindest meldet sich bei solchen Versprechungen auf der Stelle der ungezügelte Argwohn. Und so ne Aussage kommt in etwa in die Nähe der Verheißung, ich sollte bei Vollmond die zerstoßene Asche eines getrockneten Pferdeapfels nach dreimaligem Kreiseln um die eigene Achse über meine behaarte Schulter schmeißen, damit ich am Morgen in einer Badewanne voller Würstchen aufwachte…

Also gut. Wie funktioniert das magische Wunderwerk des amerikanischen Erfindungsgeistes mit dem nüchternen Auge des Skeptikers betrachtet? Es wurde ja nun schon eine Menge an uns herumgedoktert im Laufe der Generationen, um uns die leidenschaftliche Zerrerei abzugewöhnen. Doch dummerweise sind Teletakt, Stachelhalsbänder und Würgeleinen im tierschutzgeilen Deutschland ja verboten. Jetzt also die Antizugleine. Ihr müsst euch das so vorstellen, dass das ähnlich aussieht wie ein Sicherheitsgeschirr mit zwei Brustschlaufen, nur dass die zweite Sicherheitsschlaufe nicht um die Rippen sitzt, sondern viel weiter hinten, da wo es bei uns schön weich wird. Sobald ein Hund an der Leine zieht, zieht sich die Schlinge fest um seine Taille. Mit der Folge, dass er prompt aufhören wird mit Ziehen. Was für eine perfide Meisterleistung! Ein Wunderwerk der Überzeugungskunst! It’s echt magic! Die deutschen Fans jaulen auf und schreien „Haben, haben, haben!“

Und denken nicht!

Wieso auch!

Ist doch „gentle“ und „vet approved“!

Der deutsche Vertreiber schreibt:
  • Die Erfolgsquote liegt bei 99% und das OHNE Ihren Liebling am Halsband, teilweise schmerzhaft, kontrollieren zu müssen.
  • Auch perfekt für große & schwere Hunde geeignet!
  • Anwendbar bei allen Größen & Rassen
  • Kein Würgen

Leute, haltet doch mal ganz kurz inne in eurer Euphorie und schaltet vorübergehend den Frontallappen ein. Ist das nicht eigentlich so bitter und zynisch, dass es einem glatt mal wieder die Spucke gefrieren lassen könnte?

Keine Schmerzen, weil kein Halsband? Kein Würgen? Absolut korrekt! Sehr freundlich. Aber stattdessen möglicherweise ein bissi Quetschen der inneren Organe? Oder warum glaubt ihr, hört der normale Hund – auch der große und schwere - auf zu ziehen? Weil er nett ist? Weil er so ne tolle Bindung – haha – zu seinem Menschen hat? Oder hat er möglicherweise Schmerzen? Macht ihm das womöglich Angst? Wird ihm vielleicht schlecht? Könnte es sein, dass bei stumpfer Gewalteinwirkung – und um nichts anderes handelt es sich hier – auf innere Organe Gewebe und kleinere und größere Blutgefäße verletzt werden, die man zwar äußerlich nicht sehen kann, die aber u. a. auch zu Schwellungen und Blutergüssen führen können? 

Jaaaaaahaaaa, könnte!

Ist also die Antizugleine möglicherweise in Wahrheit eine Gedärmequetschleine?

Jaaaaahaaaa, ist sie.

Sagt die Gesetzsprechung. Und deshalb ist sie in Deutschland verboten. Also so ein Pech aber auch mal wieder. Ihr könnt den Scheiß zwar kaufen, aber anwenden dürft ihr ihn nicht.

Es bleibt also euch Leidgeplagten nix anderes übrig, als entweder mal in richtig gutes Training zu investieren und mit Aufwand den Hund zu überzeugen, dass das Nicht-Ziehen auch Spaß machen kann, oder euch einfach weiterhin deppert durch die Gegend zerren zu lassen oder – und vielleicht würde ich das sogar dem ein oder anderen raten – ein Stofftier zu kaufen! Das zieht nicht. Trust me! Ich weiß das! : )