Donnerstag, 3. März 2016

Salve, Cesar! Eine neue Meisterleistung vom Hundeflüsterer : )

Es tut mir leid, echt, ehrlich! Ich wollt mich über olle Tierquäler Cesar Millan ja nicht mehr aufregen. Es ist ja auch schon alles über ihn gesagt worden. Und es ist ja auch so, dass Cesar-Millan-Fans selbst dann noch Cesar-Millan-Fans bleiben würden, wenn er für die Präsidentschaftswahlen kandidieren und den Tierquälerjob an den Elektroschocker hängen würde. Denn Cesar, ja, gefälligst, der tut ja auch viel Gutes... Ich weiß zwar ehrlich nicht genau wo, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Ob er in dem Video unten so viel Gutes tut, ist hingegen doch etwas fraglich. Na doch, ein Gutes tut er: Er legt sich bei der Jagd auf den schweinchenhassenden Simon ein paar Mal ordentlich auf die Fresse. Ich fand zumindest diese Fangmich-Szene echt, hmm, amüsant. Oder. Nee doch nicht.

Aber mal in medias res:

Also, wir haben da Simon, eine kleine französische oder englische Bulldogge oder etwas in der Art, der offensichtlich die Schweine seines Frauchens so schweinisch scheiße findet, dass er sie attackiert und eines sogar schon getötet hat. Nicht schön, nein.
Die Schweine leben in einem großen grünen Gehege und Simon wird nun von unserem Meister des Flüsterns und Zischens dort hinein geführt.
Ein normaler Mensch würde sich ja schon jetzt fragen, warum die arme Sau, also der Hund, eigentlich in das Schweinegehege rein muss? Was hat der da drin zu suchen? Aber gut, wir wissen es nicht, vielleicht hat das ja total berechtigte Gründe. Vielleicht ist Simon nämlich eigentlich ein Schweinehütehund und muss nur noch ein bisschen auf die Schweinchen geprägt werden.



Wir wissen ja alle, dass eine von CMs Hauptspezialitäten das Zischen wie eine Schlange ist. Das ist sein Abbruchsignal für unerwünschtes Verhalten, für das ihn Millan-Fans neben seinen weißen Zähnen und seinem verstandraubendem Charme so lieben. Sachlich betrachtet, ist Zischen ein Schreckreiz, auf den viele Hunde empfindlich reagieren: Der Hund bricht sein Verhalten meist ab, weil er Angst bekommt. Lernen tut er dabei natürlich nichts Konstruktives.
Jedenfalls, für jemanden, der am Tag wahrscheinlich ca. 500 Mal zischt wie eine Boa Constrictor, würde ich mal davon ausgegangen sein, dass man dann die Methodik im Effeff beherrscht und vor allem ein perfektes Timing besitzt. Na ja. Er ist halt auch nur ein Mensch. So wie die Klickerfraktion häufig trotzdem zum falschen Zeitpunkt klickt, ist's mit Cesars Timing auch nicht weit her - allerdings mit verherenderen Folgen. Denn der Hund wird für richtiges Verhalten bestraft!
Simischweinibaby dreht sich nämlich gleich mal in der ersten Simon-Schweine-Cesar-Szene weg von den Schweinen und wird dafür ordentlich bezischt und gerupft. Schade eigentlich. Wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, Simischweinibaby mal ordentlich zu loben. Aber gut. Den Fans macht das olle Cesar noch viiiiieeeel sympathischer, zeigt das doch nur, dass sich selbst ein Hundeflüsterergott mal irren kann. Falsch! Die Fans werden diesen groben Fehler gar nicht bemerken. So weit reicht deren Fachkenntnis gar nicht. Wie auch, wenn man immer nur von weißen Zähnen geblendet wird.

Spannend ist übrigens auch immer, sich so ein Video mal a) ohne Ton anzuschauen und nur auf die Körpersprache zu achten oder b) gleich in Zeitlupe. Man glaubt gar nicht, was man ohne schicke Hintergrundmusik und Cesars unqualifiziertem Geblubber alles SEHEN kann.
So z. B. gleich mal bei Minute 1:29 einen ziemlich gestressten Simon. Der will überall sein, nur nicht bei den Schweinen (CM eingeschlossen). An dieser Stelle fängt er mir persönlich schon an sehr sehr leid zu tun...
Interessant ist dann auch die nächste Szene, die sein Frauchen so "unbelievable" findet: Da sieht man doch ganz deutlich, dass Klein-Simon mit dem Rücken zu viel zu dichten Schweinen sitzt. Wenn das nicht deeskalierend ist, weiß ich's auch nicht. Simon sagt klipp und klar: "Ich bin nett, ich dreh mich weg." Wieso wird er da eigentlich nicht über den Klee gelobt? Ach, ich vergaß.... Loben ist ja nur was für die Weichgespülten. Der Simon braucht das, na klar, nicht. Der soll ja außer Angst zu haben nix lernen.
Bei der Szene frag ich mich natürlich auch die ganze Zeit ganz intensiv: Warum muss CM mit Simon eigentlich auf eine Entfernung zu den Schweinen, die unter einem Meter liegt? Ach ich Trottel, ich vergaß: "Resozialisierung" in 3 Minuten. Natürlich! Wer in Amerika hat schon Zeit, sich Zeit zu lassen? Time ist Money und so.

Bei Minute 1:34 kommt eines der Schweine sogar noch näher. Und was macht Simon? Der steht erschreckt auf und versucht weg zu gehen! Auch das wird nicht zur Kenntnis genommen. Der Typ ist echt so ein Horst!

So. Und nachdem nun in etwas mehr als eineinhalb Minuten "Training" Simon an der Leine resozialisiert wurde, gehts gleich auf zum nächsten Schritt - Leine ab. Nicht kleckern, Leute, klotzen! Simon soll ja Angst lernen und zwar ordentlich - und sonst nix. Also nicht vergessen!

Und jetzt geht der Spaß los : )
Simon dreht noch auf Abstand zu den Schweinen ein paar Runden, doch dann macht ein Schwein den Fehler und quiekt. Zack! Ein klitzekleiner Reiz zu viel bei einer eh schon am nervlichen Rad drehenden Bulldogge und Simon prescht los und erwischt Schweini am Ohr. Cesar zischt und zischt unkontrolliert und ein bisschen angesäuert, Simon hat dafür gerade aber kein Ohr, der hat jetzt nur noch Schweineohren im Sinn. Ich versteh ihn, seufz...

Ok, dann kommt die übliche Cesar-Millan-Ich-Chef-du-Nix-Kiste: Simon wird an den Hiinterläufen gepackt, vorn hochgerissen und nochmal mit erhobenem Zeigefinger bezischt.
Ein japsender, Ohren anlegender, gestresster Simon legt sich darauf in den Platz - CM würde sagen: jetzt ist er unterwürfig. Und entspannt natürlich.

Hihi, dann steht Cesar auf, zischt nochmal ganz entschieden Klein-Simon an und löst alsdann seinen körpersprachlichen Druck auf. Simon, der schlaue, kleine, enthemmte, lässt die Gelegenheit nicht ungenützt und ergreift die Flucht. Eine fröhliche Hetzjagd beginnt. Simon hetzt die Schweine, Cesar hetzt Simon, die Kamera hetzt Cesar - ein Bild für die Götter, vor allem, wenn sich CM mit vollem Einsatz und Elan wie ein Torwart auf den Ball ins Grün schmeißt. Ich gestehe, das sehe ich nicht ungern...

Na ja, aber eigentlich auch wieder doch, denn die ganze Angelegenheit wird recht ernst und traurig noch dazu. Simon's Hetzerei auf das kleine Schweinchen kann schließlich unterbrochen werden und die Submissionsmissionierung nimmt weiter ihren Lauf. Obwohl sich Simon angesichts des leicht außer Atem gekommenden Millans, der sich ihm gerade wieder bedrohlich nähert, sofort hinlegt und alles gibt, um ihm zu signalisieren "Tu mir nix, ich tu dir auch nix", schubst CM ihn weg, wirft ihn - nachdem Simon dann doch mal geknurrt hat bei so viel massiver Bedrohung - schließlich auf den Rücken und fixiert ihn mit seinen Fingern am Hals so, dass er liegen bleiben muss. Wir sehen einen unterworfenen, hechelnden, lefzenzurückziehenden Simon. Ich behaupte, eine viel ärmere Sau als das Schweinchen mit dem blutenden Ohr! Dann ist der Film leider zu Ende.

Applaus, Applaus, Applaus, Applaus!
Das war wieder eine echte Höchstleistung meines Lieblingshundeflüsterers! Was Simon nicht alles gelernt haben wird! Eine ganze Menge, nur nicht das: Schweine zukünftig in Ruhe zu lassen.
Zum einen hat der gelernt, dass Schweine, die er vorher schon scheiße fand, auch nachher noch scheiße geblieben sind. Einen Mann wie CM wird der auch nicht nochmal treffen wollen. Auf sein passives Frauchen ist auch kein Verlass, die hilft dem nämlich nicht aus der Patsche. Simon hat gelernt, auch in Zukunft die Dinge auf seine Art zu lösen. Denn niemand hat ihm gezeigt, was er gut gemacht hat - nämlich seine Ansätze, wegzugehen -, und niemand hat versucht, ihm aus einer Situation hinaus zu helfen, in die er gezwungen wurde! Und wenn einem keiner hilft, muss man sich selber helfen. Oder komplett aufgeben.

Herr Millan: Setzen, Sechs! Sie haben immer noch nichts dazu gelernt. Sie sind und bleiben ein unverbesserlicher, unqualifizierter Tierquäler, der wieder einmal mehr in einem Video für jeden deutlich sichtbar seinen Unsachverstand und seinen Diletantismus unter Beweis gestellt hat.
Aber hach Gott, ich hör sie schon wieder kreischen, die Fans: Er tut doch aber sonst viel Gutes. Er rettet Tiere! Wir anderen alle würden Simon ja einschläfern lassen!
Ich sag mal so: NEIN, das würden wir nicht. Wir würden CM einschläfern lassen. Jedem was er verdient! >: []

Dienstag, 9. Februar 2016

Sinn und Verstand - es gibt ihn noch! Aber nur im Kleinen... : )

Es gibt da einen Hund. Dieser Hund ist echt ne arme Sau. Der lebte in Spanien, zusammen mit seiner Gefährtin. Die beiden waren ein Herz und eine Seele und hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, denn mehr als sich selber hatten sie nicht. Sie lebten bei einem alten Knacker, der sie in einem Schuppen hielt und nie raus ließ. 4 Jahre lang lebten sie dort ohne Tageslicht, ohne Auslauf. Das Futter hat der miese alte herzlose Drecksack ihnen in den Schuppen geschmissen. Der Hund verlernte das Laufen, er lag nur noch rum. Die Muskulatur an den Hinterläufen bildete sich zurück, so dass er gar nicht mehr die Kraft hatte, sich von sich aus zu bewegen.
Eines Tages starb der Alte - Gott hab ihn selig - und die Hunde kamen in einen Shelter, wo die Hündin, seine Gefährtin und Beschützerin, ebenfalls nach ein paar Monaten starb. Der Hund musste plötzlich mit 450 anderen Hunden allein klar kommen, was ihm nicht gelang. Er wurde dort ziemlich gemobbt, hatte furchtbare Angst, so dass er sich nur in eine Ecke verkroch und dort auf sein Schicksal wartete.
Er musste 1 Jahr warten. Mittlerweile ist er geschätzte 12 Jahre alt.
Es geschah tatsächlich ein Wunder, das der Mehrheit alter abgeschobener Hunde niemals widerfährt: Es kam eine deutsche Familie und holte ihn zu sich, "weil er doch sonst keine Chance mehr gehabt hätte". Sie holten ihn höchstselbst in Spanien ab und brachten ihn zu sich nach Hause, mit dem Ziel, ihm einen schönen Lebensabend zu schenken. Diese Familie hatte vorher noch keinen Hund, dieser ist ihr Ersthund.
Die Leute sagen, "Seid ihr verrückt, was tut ihr euch an". Einige Hundetrainer sagen, was sie offensichtlich zu jedem zweiten Kunden sagen in ihrer unendlichen pädagogischen Einfühlsamkeit und Weisheit: "Das bekommt ihr nie hin". Oder auch: "Tierheimhunde trainieren wir nicht".

3 Wochen ist der Hund nun bei der Familie. Die meiste Zeit schläft er, am liebsten allein, in einem anderen Zimmer. So kannte er es bisher. Er steht niemals von sich auf aus. Zum Gassi müssen sie ihn tragen, denn er mag nicht draußen sein, weil es dort viele Hunde gibt, die unangeleint, unerzogen und unbeaufsichtigt dort herumrennen und ihn bedrängen. Er hasst das. Er legt sich dann hin und macht nichts mehr. Seine Familie versucht, ihn zu beschützen und abzuschirmen, was nur schlecht gelingt - einige Hunde sind einfach zu frech. Deren Besitzer lachen einfach darüber und lassen es die Hunde "unter sich regeln".
In dem Wohnviertel gibt es viele Hunde. Und alle sind Therapiehunde - sagen die Besitzer. Und so kommen sie mit ihren Hunden ungefragt und therapieren den Hund, indem sie ihre Hunde zu ihm schicken und sie "mal machen lassen". Die Bitte der Familie - aus dem Bauchgefühl heraus, dass dies irgendwie nicht gut sein kann - dies zu unterlassen,  ignorieren sie - schließlich geht es um eine Therapie, die den Hund schnell heilen wird. Die Familie weiß nicht mehr, wie sie sich die wohlmeinenden Leute vom Hals halten sollen und sehen nur das Leid ihres Hundes.

3 Hundetrainer haben sie sich angeschaut. Der erste hat gleich seine Hunde aus dem Auto geholt, damit die den Hund kompetent therapieren können. Der zweite hörte, dass der Hund große Angst hat, wenn ein Mensch hinter ihm geht, und so ging er beim Probegassi die ganze Zeit dicht hinter ihm. Man kann schließlich nie früh genug anfangen mit dem Therapieren.
Der dritte beugte sich über den Hund und warf sich zum Streicheln enthusiastisch auf ihn und riet der Familie, ihn nicht in seiner Angst zu bestätigen, indem sie ihm zu viel Aufmerksamkeit schenkten. Sie sollten ihn besser ignorieren und auch bloß nicht loben.

Tja. Ich sag' jetzt einfach mal nix dazu. Weil, wenn ich jetzt anfange, dann hör' ich nicht mehr auf.
Ich konzentriere mich lieber auf das, was mich wirklich beeindruckt:
Diese Familie! Die keine oder wenig Erfahrung mit Hunden haben, und dennoch alles richtig machen. Weil sie auf ihr Bauchgefühl hören. Weil sie sensibel sind. Weil sie sich einlesen in die richtige Lektüre. Weil sie nicht aufgeben und sich nicht beirren lassen und nun auch einen Trainer gefunden haben, der sie so anleitet und berät, wie sie sich das vorgestellt haben.
Diese Familie, die dem Hund intuitiv die Zeit gibt anzukommen, die er braucht, um die furchtbare Vergangenheit, den Flug, die lange Reise ins Ungewisse, die neue Umgebung und die Trauer um den Verlust seiner Gefährtin zu verarbeiten. Die ihn nicht bedrängt, ihm alle Optionen offen lässt, sich sicher und zu Hause zu fühlen, die Vertrauen aufbaut durch Zurückhaltung, Einfühlsamkeit, Schutz und Liebe und die schon kleinste Veränderungen bemerkt, wie einen interessierten Blick, wenn ein Tennisball rollt, ein Blick in ihre Richtung, ein Schutzsuchen an ihrer Seite, ein sich ans Bein drücken oder das glänzende Fell, das langsam zu Tage tritt.

Wie sie sich Therapiehundeinvasionen und aufdringlichen Kläffern stumpfsinniger Nachbarn erwehren können, wissen sie nun auch. Und wie sie ihrem Hund den Stress des Viertels ersparen können, ebenfalls.
Und sie wollen noch mehr wissen! Weil sie diesen sanften Hund in ihr Herz geschlossen haben und fest entschlossen sind, ihm ein schönes Restleben zu bescheren.

Davor habe ich große Hochachtung! Und es bestätigt mir, dass Sinn und Verstand neben Horden riesengroßer Vollidioten doch noch nicht ausgestorben ist.
Über bodenlose Egozentrik, Dummheit, Unsensibilität, fachliche Unkenntnis und Dickfälligkeit kann ich mich auch wieder ein ander mal auslassen. Ich geniesse jetzt erstmal die ausgesprochen guten Vibrationen! : )

Mittwoch, 23. September 2015

Die spezielle Retriever-Ausbildung oder eine weitere Tierquälerei <: [

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Labrador_mit_angelegter_Retrieverleine.jpg#/media/File:Labrador_mit_angelegter_Retrieverleine.jpg
„Labrador mit angelegter Retrieverleine“ von Peter Brockfeld - Eigenes Werk.
Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons
Neulich begegnet uns ein Mann mit Labbi. Der Labbi, weil ja ein Retriever, hatte natürlich eine Retriever-Leine um. Ihr wisst, das sind diese dünnen Dinger, die dafür gedacht sind, den Retriever bei der Arbeit blitzschnell ableinen zu können, indem man ihm die Leine einfach über den Kopf stülpt. Es gibt diese Retriever-Leinen mit Stopp und ohne. Mit Stopp (wie im Bild) heißt, dass sich die Schlaufe um den Hals nicht so weit zuziehen kann, dass sich der Hund, sollte er ziehen, selber erwürgt.
Ohne Stopp heißt, na, ja nun eben ohne Stopp. Also schön lecker Würgehalsband, das sich enger zuzieht, je mehr der Hund zieht. Die Cesar-Millan-Fans unter euch werden das ziemlich gut kennen und lieben, denn damit hängt olle Millan seine renitenten und zu unterwerfenden Opfer gerne medienträchtig auf.

Gedacht ist die stopplose Variante jedoch tatsächlich als Arbeitshilfe für wirklich gut ausgebildete Retriever, die zuverlässig gelernt haben, nicht in der Leine zu hängen. Gedacht ist diese Variante für die Dummyarbeit. Gedacht ist diese Variante jedoch definitiv nicht für den Alltag, denn auch ein gut ausgebildeter Retriever hat mal Feierabend und zerrt eben doch mal zum nächsten Kackhaufen hin, um dran zu schnüffeln, denn letztlich ist auch ein gut ausgebildeter Retriever in seiner Freizeit - Überraschung! - auch nur ein Hund.

Jedenfalls, unser Labbi hatte natürlich eine Retriever-Leine an, die ohne Stopp auskommen musste. Und unser Labbi befand sich auch nicht im Training, sondern auf seinem Gassigang.
Und offensichtlich muss unser Labbi auch noch viel lernen, denn von lockerer Leine war da nichts zu hören - nämlich nichts -, sondern im Gegenteil, der röchelte wie unser Rasenmäher kurz bevor das Kabel durchbrannte und die Sicherungen im Haus rausflogen. Unser Labbi hat sich also schön selber stranguliert. Und komisch, der hat gar nicht gelernt, dass es ihm besser gehen würde, wenn er von sich aus einfach weniger ziehen würde. Nö, der hat sich an die Atemnot schon gewöhnt. Ist zwar nicht so schick, aber irgendwie hält Hund das aus. Man gewöhnt sich eben an alles.

Nu, der Mann blieb also erstmal ungefragt bei uns stehen, sein Labbi setzt sich brav hin. Es werden ein paar knappe Worte zwischen Labbibesitzer und einem Fraule, das relativ wenig gewillt ist, mit Leuten zu reden, denen es offensichtlich nichts ausmacht, wenn sie ihre Hunde strangulieren, die aber auch nicht dauernd moralapostelnd auf die Leute einwirken will, gewechselt und schließlich geht der Mann weiter.
Der Labbi hat das aber wohl nicht gleich kapiert. Ich nehme an, durch den ständigen Mangel an Sauerstoff ist bei dem schon die eine oder andere Gehirnzelle hopps gegangen, und jetzt braucht der halt was länger, bis er was merkt - zumal, wenn keiner vorher mit ihm spricht. Normal, oder.
Jedenfalls, plötzlich reißt der Mann dermaßen mit einer solchen brutalen Kraft an der Labbi-Leine, dass es nicht nur den schier von den Latschen haut, sondern auch Fraule zu Tode erschreckt.
Und der platzt dann doch endlich mal die Hutschnur und sie fordert den Mann auf, unverzüglich mit diesem widerlichen Mist aufzuhören. Da sagt der doch glatt im Brustton tiefster Überzeugung: "Das ist eine spezielle Retrieverausbildung".

ICH GLAUB ECHT, ES HACKT!

Ihr habt wohl 'n bisschen zu viel unter Chemtrails gestanden, ihr jämmerlichen Retriever-"Experten", oder wie kommt es, dass ihr so selten dämlich doof seid, dem noch dämlicheren Gequatsche irgendwelcher inkompetenten Flachpfeifen, die sich trotz Paragraph 11 Zertifizierung immer noch Hundetrainer nennen dürfen, zu glauben und denen eure Hunde anzuvertrauen?
Wo bleibt eigentlich euer Bauchgefühl? Wo bleibt eigentlich eure Loyalität gegenüber eurem sogenannten besten Kumpel? Oder ist er doch nur Sportgerät für euch?

Und was genau sind das für "Ausbilder", die in der heutigen Zeit, mit dem heutigen Wissen, mit den heutigen ausgereiften Methoden immer noch diesen mittelalterlichen Schwachsinn verbreiten - vermutlich einfach nur aus ignoranter Lernresistenz und Arroganz heraus, seinen eigenen Horizont nach ein paar Jahrzehnten Wissensstagnation mal wieder ein wenig aufzupimpen! Oder ist es die pure Angst, weil ihr schon ahnt, dass das neumodische Zeugs schlichtweg zu hoch ist für euer simples Gemüt?

Wisst ihr, wenn ihr für euch entscheidet, weiterhin doof zu bleiben, dann ist das eure bedauerliche Entscheidung. Wenn man diese Doofheit aber auch noch an andere weiterverkauft (und vermutlich sogar tatsächlich noch Geld dafür bekommt!) und vor allem andere Lebewesen darunter leiden müssen, dann handelt ihr grob fahrlässig.
Mal ernsthaft: Das, was ihr da vermittelt, ist gesetzeswidrig. Das ist kein Kavaliersdelikt. Ihr, durch die Vermittlung von Schwachsinnigkeiten, und die Hundehalter natürlich selber, fügen Tieren körperlichen wie seelischen Schaden zu.
Beim nächsten Mal wird Fraule herausfinden, wer diesen Mist verkauft und dies dem Veterinäramt melden oder zur Anzeige bringen. Wir haben nämlich langsam wirklich die Faxen dicke!

Den Gesichtsausdruck des Labbis, den hat nur Fraule gesehen. Der arme Kerl hat so erbärmlich traurig geschaut, dass man glatt hätte heulen können! Der war ein voll lieber Kerl - das muss selbst ich zugeben -, gewillt alles richtig zu machen. DOCH BITTE SEHR, WIE SOLL ER DENN, WENN IHM NICHT GESAGT WIRD, WAS ER TUN SOLL???

Was mir bei solchen, fast schon täglichen Geschichten, die wir erleben dürfen, am meisten den Humor nimmt, ist diese bedingungslose Bereitschaft vieler Menschen genau das zu tun, was ihnen andere sagen, ohne über den Sinn oder Unsinn nachzudenken.
Und das ist es, was mir wirklich wirklich Angst macht! <: [

Montag, 10. August 2015

Alpharolle und Nackenschütteln - gängige Korrekturen in der Welt der Lernresistenten >: []

„Und da hat der mich im Spiel attackiert (der Welpe, Anm. d. Killerrüdenred.), und dann hab ich den genommen und ordentlich durchgerüttelt und auf den Rücken gedreht. Danach war gut“.

Leute, ich finde gerade keine Ecke mehr, in die ich kotzen könnte, wenn ich sowas höre. Und abgesehen ja mal davon, dass ich eigentlich knallhart bin, bricht es mir mein Killerrüdenherz, wenn ich an den kleinen Kumpel denke, der jetzt wahrscheinlich seine noch ziemlich neue Welt nicht mehr versteht. Hat der gerade angefangen, Vertrauen zu seinem Menschen aufzubauen, hat der begonnen, sich zu Hause und sicher und geborgen zu fühlen, spielt der mit seinem Vollpfosten von Mensch, und weil er ihn dabei "attackiert" (ha!), wird seine Welt mal eben einfach so komplett zusammengeschüttelt – natürlich um einer beginnenden Weltherrschaftsbestrebung des Zwerges zuvorzukommen.

Ich frage mich ehrlich, WANN hört dieser unsägliche, vor Doofheit triefende Irrsinn endlich auf? Wann fangen die Menschen an, endlich mal ihr Erdnussbutterhirn einzuschalten und verabschieden sich von diesem mittelalterlichen, total überholten und grottenfalschen Rudel-Chef-Schwachsinn?
Ich krieg‘ echt Schnappatmung, wenn ich solche Geschichten höre. Und diese kommt auch noch von einer Person aus MEINEM Umkreis mit der sprichwörtlichen 30jährigen Hundeerfahrung. 30 Jahre! Versteht ihr? D R E I S S I G!
Wenn man 30 Jahre, sprich, 3 Jahrzehnte!, oder auch 10.950 Tage so arbeitet – muss man dann nicht irgendwann bemerkt haben, wieviel Schaden man mit diesen Rambo-Methoden angerichtet hat? Oder ist man dann vielleicht nie auf die Idee gekommen, dass die Bissigkeit, Ängstlichkeit, krankhafte Unterwürfigkeit oder andere Verhaltensauffälligkeiten der Hunde ggf. etwas mit den angewandten „Korrekturen“ zu tun haben könnte??? Oder will mir der 30-Jahre-Hundeerfahrungs-Sitzenbleiber jetzt verklickern, dass all diese Hunde nach all diesen hirnbefreiten Gewaltattacken glücklich und fromm wie Lämmer durch den Rest ihres Lebens gemäht sind und nie mehr „korrigiert“ werden mussten? Na klaro. So war das!

Wie dermaßen lernresistent kann man in 30 Jahren eigentlich sein???
Ich sag euch. Bisher dachte ich ja, dass der gute alte Skinner mit seiner Lerntheorie tatsächlich Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt hätte. So wie man nicht leugnen kann, dass Dinge von oben nach unten fallen - wegen der Gesetzmäßigkeit der Schwerkraft und so, die ja auch keine Erfindung des Menschen ist – so gibt es eben Gesetze, wie Lebewesen lernen. Und Lernen bedeutet im ursprünglichsten Sinne, dass man etwas anderes ausprobiert, wenn man feststellt, dass eine Strategie nicht klappt. Denn nur so kann man überleben bzw. sich an eine sich ständig verändernde Umwelt anpassen.

Aber nööööööö! Olle Skinner hat sich total geirrt! Die Lerngesetze gibt es zwar schon bei den meisten Arten, nur der Mensch, der funzt anders.
Der ruckt nämlich 30 Jahre lang an der Leine wie ein Vollhorst, ohne zu bemerken, dass der Ruck gerade mal die nächsten 5 Meter anhält. Der schüttelt 30 Jahre lang seine Welpen und merkt nicht, dass der sich zukünftig demütig an seinen Menschen ranschleicht und einnässt vor lauter Panik vor seinem unberechenbaren "Rudelchef" (ich krieg schon Herpes, wenn ich das Wort nur tippen muss). Oder anfängt, Zicken zu entwickeln, weil er nämlich zu denen gehört, die sich nicht gern ungestraft in Todesangst versetzen lassen. Der dreht 30 Jahre lang auf den Rücken und nennt das eloquent „Alpharolle“, ohne zu merken, dass er seinen Hund damit genauso wenig unterwürfig macht, als wenn er ihm die Rute nach oben halten würde, um ihn fröhlich zu stimmen.

Da wird 30 Jahre lang rumkommandiert, gebrüllt, gekickt und runtergedrückt – und keiner fragt sich auch nur mal eine Sekunde von diesen insgesamt 15.768.000 Sekunden, ob das, was er da fabriziert, tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt: Nämlich ein Verhalten dauerhaft abzustellen (ohne 10 neue unerwünschte hervorzubringen).

Ich finde das wirklich bemerkenswert. Meine Idee, warum die Lerngesetze beim Menschen nicht zu wirken scheinen, ist ja, dass selbst die größten Dumpfbacken irgendwie vom sozialen Netz aufgefangen werden. Tiere hingegen, die sich als lernresistent erweisen, sterben. So einfach ist das. Was wieder mal beweist, wie ungerecht die Evolution ist. Aber gut. Das Leben ist kein Ponyhof.

So. Und wer jetzt mit „Die Hündin schüttelt auch ihre Welpen“ oder „Hunde schmeißen andere Hunde zum Unterwerfen auch auf den Rücken“ kommt, dem schenk ich 'ne Brille. Zeig mir EINE (geistig gesunde) Hündin, die ihre Welpen schüttelt. Zeig mir EINEN Hund, der einen anderen auf den Rücken dreht, um ihn zu unterwerfen.
Wer schüttelt, will töten. Eine Mutter wird ihre Kinder aber wohl nicht töten wollen. Und wer geschüttelt wird, hat Todesangst. Will man seinen Schutzbefohlenen in Todesangst versetzen?
Und ein Hund legt sich selber auf den Rücken und wird nicht geworfen. Und das tut er aus freiwilligen Stücken, um zu signalisieren, dass er friedlich ist. Wird ein Mensch, der seinen Hund auf den Rücken legt, wohl das damit erreichen? Und wenn nicht, was erreicht er wohl statt dessen? Naaaa?
Und wenn diese 30-Jahre-Hundeerfahrungsexperten mit biologischer Firewall jetzt noch sagen „Ja, neee, diese modernen Hundeschulen heute, das ist ja ganz nett mit dem Belohnen und so… Aber meins ist das nicht…“
Dem antworte ich: "Hier geht's nicht um Irokesenschnitt gegen Kurzhaarfrisur oder Sushi mit Fugu gegen Zwiebelrostbraten. Hier geht's um real existierende Gesetze. Um tierschutzrelevantes Verhalten, das angezeigt werden muss, wenn man es sieht."
ICH kann zwar nicht anzeigen, wer hört schon auf einen Hund, aber ich kann auch schütteln. Und was das bedeutet, konntet ihr gerade lernen! >: []  

Donnerstag, 16. Juli 2015

Anleitung zum Strafe schönreden oder die Baumannsche Definition von Verhaltensunterbindung : )

Wisst ihr, wenn man heute eine Putzfrau "Raumpflegerin" nennt, dann ist das nett. Die muss dann zwar trotzdem noch die Scheiße von anderen ausm Klo und die Zahnpasta vom Spiegel wischen, aber sie macht das bestimmt mit viel mehr Freude, wenn sie dabei "Raumpflegerin" genannt wird.
Es ist auch nett, dass eine Sekretärin heute "Office Managerin" tituliert wird oder der Hausmeister "Facility Manager". Haargenau die gleichen Aufgaben wie zuvor gehen einfach gleich viel leichter von der Hand, wenn man einen wohlklingenderen Jobtitel dazu hat.
"Nullwachstum" hört sich gewiss besser an als Stagnation und "friedlich entschlafen" ist irgendwie weniger erschreckend als wenn einer "gestorben" ist. Unangenehmes wird durch die richtigen Worte plötzlich sehr viel angenehmer.

Und auch wir Hunde profitieren davon!
Wenn uns jemand mit der Wasserflasche traktiert und das statt Strafe dann "Verhaltensunterbindung" nennt, oder wenn zum Leinenruck plötzlich "Leinenimpuls" und zum Würgen und Kicken "Resozialisierung" gesagt werden darf, dann ist das für uns Hunde nämlich auf alle Fälle ein riesen Unterschied und deutlich angenehmer auszuhalten. Und weil das so viel angenehmer ist, hören wir aus lauter Kooperationsbereitschaft auf, das unerwünschte Verhalten zu zeigen, und nicht so wie früher vor lauter Schreck oder Angst (ach nein, Furcht, bleiben wir doch wissenschaftlich korrekt). Wir versuchen auch nicht zu meiden, wegzulaufen oder uns zu verstecken oder verknüpfen die Situation negativ mit der Folge unangenehmer Verhaltensnebenwirkungen, weil wir den Reiz als Strafe empfinden, nein!, wir bleiben locker, weil wir wissen, dass es sich lediglich um eine "Aggressionsblockade" handelt und die Verhaltensunterbrechung gut für uns ist. Wir entscheiden nämlich ab sofort nicht mehr selber, ob wir etwas als Strafe empfinden, weil es sie ja gar nicht gibt. Oder nur im verhaltensbiologischen Rahmen. Aber natürlich nicht im wahren Leben.

Gewachsen ist diese elegante Aushebelung unerwünschter wissenschaftlicher Lerntheorien jüngst auf dem Mist unseres Meisters der Euphemismen Thomas Baumann. Über seine Facebook-Seite Dogworld-Stiftung verweist er einmal mehr Skinners Lerntheorie knallhart auf die stille Treppe, wo sie in der Realtität gefälligst die Schnauze zu halten hat, denn maximal hat sie ihre Existenzberechtigung in den Laboren der Wissenschaft.

Positive Strafe - also das Hinzufügen unangenehmer Reize als Konsequenz für ein Verhalten - lässt, laut Lerntheorie, das gezeigte Verhalten weniger häufig auftreten. Mindestens seit der Zertifizierung deutscher Hundetrainer gemäß Paragraph 11 TschG weiß heute aber ein jeder Trainer, dass der Preis, den man zahlen muss, wenn man mit Strafe arbeitet, recht hoch sein kann. Deshalb werden Trainer in den Fragebögen und Prüfungen dazu angehalten, Strafe im Sinne von körperlicher und seelischer Gewalt nicht als Trainingsmaßnahme einzusetzen.

Und da kommt die schlaue Baumannsche Definition der "Verhaltenskorrektur" ins Spiel. Denn die hat nur den Anspruch, Verhalten für den Moment zu unterbinden und ist daher zweifelsfrei nicht als Strafe zu verstehen. Also alles im grünen Bereich bei den Baumännern.

Und ich kann nur sagen: ZUM GLÜCK können wir Skinners Gesetzmäßigkeit von Baumanns Absichten unterscheiden! Und so unterbrechen wir unser Verhalten eben einfach so. Und nicht etwa, weil wir die Wasserflasche als Strafe empfinden - natürlich nicht, wir sind ja nicht doof!

Der Thomas bringt das einleuchtend auf den Punkt:
"Jemand der schreibt, Strafreize seien nie sinnvoll, mag seine Gründe dafür haben, aber er weiß nicht so viel über Hunde! Zumal der Begriff Strafreiz ohnehin falsch ist, denn ich strafe nicht, sondern ich unterbinde unerwünschtes und gefahrbringendes Verhalten. Das hat nichts mit Strafe zu tun..."
Und erklärt unmissverständlich:

"Der Begriff STRAFE ist einzig und allein Sache der VERHALTENSBIOLOGEN ansonsten ist der Begriff STRAFE dumm und überholt!!! Ich bestrafe keinen Hund und wüsste auch nicht, warum ich das tun sollte!"

Jaaahaaa! Wieso sind wir bloß nicht viel eher da drauf gekommen, wo das alles so schön einfach macht?

Wenn ein Lehrer einen Schüler demnächst 100 Mal "Ich soll den Unterricht nicht stören" auf die Tafel schreiben lässt, dann ist das Gott sei Dank ab sofort keine Strafarbeit mehr, sondern einfach nur eine Verhaltenskorrekturarbeit.
Wenn ein Gewaltverbrecher demnächst im Knast einsitzen muss, dann nicht etwa um ihn durch Freiheitsentzug zu bestrafen, sondern natürlich nur um sein "gefahrbringendes Verhalten zu unterbinden". Allensfalls ist es Sache der GERICHTSBARKEIT das Ganze Strafe zu nennen.

Wenn also ab sofort bei physischer und psychischer Straf- äh, Verzeihung Korrekturanwendung (zu der Schreckreize, wie der Gebrauch von Wasserflaschen, laut Skinners lerntheoretischer Definition von positiver Strafe ja gehören) alle nur noch von Verhaltensunterbindung sprechen - ja, mensch! dann gibt es physische und psychische Strafe eigentlich gar nicht mehr! Das ist ja super! Ein Geniestreich! Her mit den Wasserflaschen!

Es ist schon toll, wie leicht es doch manchmal sein kann. Ich muss sagen, ihr Menschen habt's da wirklich besser als wir Hunde. Wenn wir bellen, dann wird das nachweislich weiterhin als Bellen und Aggression interpretiert werden. Und wenn wir beißen, dann wird keiner auf die Idee kommen zu sagen, das war kein Beißen, denn der Begriff Beißen ist total dumm und überholt, das war eine Verhaltenskorrektur. Nee. Wenn wir beißen, dann aus "offensiver Aggression". Oder neuerdings auch aus "Lust".
Bei euch Menschen hingegen heißen Putzfrauen "Raumpflegerinnen", Sekretärinnen "Office Managerinnen", Stagnation "Nullwachstum" und Strafe nennt sich ab sofort "Verhaltensunterbindung". Und schon ist die Welt für die Freunde des Euphemismus' wieder hübsch rosarot. So schläft es sich einfach besser.
What a difference a word makes! : )


Noch mehr Euphemismen und andere Strafmaßnahmen, die keine sind, findet ihr bei olle Baumann direkt im Thread.

Montag, 6. April 2015

Eiersuche falsch verstanden >: []

Ich weiß, es ist Ostern, da sucht man Eier. Und ich weiß, ich habe keine, und deshalb rieche ich für viele Kumpels offensichtlich unwiderstehlich.

So auch gestern am schönen Strand von Kervel in der Bretagne. Der Strand war mehrere hundert Meter breit, es war Ebbe. Kaum eine Sau war dort und so hatten olle Kurt und ich mächtig Spaß. Bis, ja bis plötzlich so ein dämlicher wildgewordener Handfeger keine Mühen scheute, die hunderte von Metern zu überwinden und sich schnurstracks von hinten auf mich drauf zu schmeißen und mich zu berammeln. So schnell konnt' keiner gucken! Aufdringliche Tölen bin ich ja schon gewöhnt, aber der war terrierzäh!
Fraule und Kurt waren gleichermaßen perplex wie ich und machten im Versuch ihn abzuwehren keine sehr gute Figur. Diese kleine Ratte klebte an mir wie Kaugummi. Alles an Distanzversuchen, verscheuchen, einschüchtern, anschreien, ja, selbst als ich mich dann mal zur Wehr setzte, blieb komplett wirkungslos, die blöde Töle war restlos unbeeindruckt. Kurt hat übrigens versucht mich zu verteidigen und ne riesen Welle veranstaltet. Was dem Mistzwerg auch komplett am Arsch vorbei ging. Na ja, wenn jetzt einer aufgeregt da hin und herspringt, kläfft und zaghaft anrempelt, wär ich wohl auch nicht ganz so beeindruckt. Aber egal, der Wille zählt und ab sofort gehört Kurtle zu meinen loyalsten Groupies.

Ach ja, das Fraule dieses Kaugummis gab's auch noch. Die kam gemächlichen Schrittes auf uns zu gewandert, war aber noch recht weit weg. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass jegliche Rückrufversuche ihrerseits reaktionlos im All verhallten, oder?
Als sie dann minutenspäter durchaus nicht atemlos ankam und endlich ihre notgeile Bestie angeleint und von mir weggezerrt hatte, erklärte sie resigniert, ach jaaa, das macht er immer. "Il monte tous les chiens", er reitet bei allen Hunden auf, was soll man da bloß tun? Resigniert und entschuldigend zuckt sie mit den Schultern.
Fraule versucht ihr zu erklären, dass sie möglicherweise ihrem dauergestressten Köter endlich die Klöten abschneiden oder ihn einfach nicht mehr zu anderen ranlassen solle, damit die nicht unter seinem testosterongesteuerten Kleinhirn leiden müssten und sie außerdem 'ne total doofe Kuh sei, wenn sie andere Hunde und Menschen vor lauter Ignoranz und Blödheit in solchen Stress bringen würde, zumal ich ja auch nicht umsonst an der Schleppleine liefe und sie froh sein könne, dass ich aus ihrem Fifi und ihr kein Hackfleisch gemacht hätte und dass es ihr außerdem voll stänke, immer wieder mit diesen rücksichtslosen, egoistischen Hundehaltern konfrontiert zu werden, die einem nicht mal an einem quasi menschenleeren Strand vom Ausmaß hunderter Fußballplätze erspart blieben.
Aber hach Gott, Fraule, an deinem Französisch feilen wir nochmal ein bisschen. Denn raus kam nur ein gequält lächelndes "pas de problem" : )

Montag, 2. März 2015

Wir sind weg - au revoir! : )

unser Zuhause auf 4 Rädern, o weia! : )
Jetzt ist es raus!
Ihr glaubt es nicht, aber tatsächlich hauen wir ab. Wir, das sind ich, Fraule und olle Kurt.

Mitte / Ende März gehts los. Der Plan ist, wir bummeln mit nem Camper für drei Monate durch die Weltgeschichte. Ich schätze, wir machen das, damit ich und olle Kurt mal was von der Welt sehen. Meer und so. Gut, Meer kenn ich ja schon, da muss man immer von Kotzen, aber die kleine Nervensäge kennt ja noch jor nüscht und braucht mal ne Horizonterweiterung.

Hier läuft alles auf Hochtouren: Packen, einräumen, organisieren und was man halt so tut, wenn man sich vom Acker macht. Genaue Pläne gibt's auch nicht. Wir werden uns treiben lassen, heißt es. Na, da bin ich mal gespannt, was wir so treiben werden.
Ich werde berichten : )

Wer uns genauer verfolgen will, kann das in Fraules Blog tun. Sie meint, sie will auch mal.

Ihr seht, es wird nie langweilig bei uns.
Abenteuer! Wir kommen! : )

Samstag, 28. Februar 2015

Lebenszeichen : )



Ja, ich weiß, lange her, dass ich mich gemeldet habe. Aber es gibt Situationen im Leben, die sind wirklich wichtiger als das Pöbeln.

Zunächst war da mal Weihnachten. Da musste ich unheimlich viel Würstchen verputzen - das hat meine volle Konzentration erfordert. Da hatte ich unmöglich Zeit, mir über die Ungerechtigkeiten im Leben eines Hundes Gedanken zu machen, das versteht ihr ja wohl.
Dann kam Silvester. Letztlich das Gleiche. So viele Würstchen zu verarbeiten, nur, damit ich von der Ballerei keinen an der Waffel bekomme. Tja, und danach natürlich den Rausch ausschlafen und so.
Der Januar war der Leibesertüchtigung gewidmet. Fraule meinte, die Würstchen müssen wieder runter. Also musste ich mich trimmen. Wie soll man da einen Gedanken frei haben für die wirklich wichtigen Themen im Leben???

So. Und jetzt, wo ich langsam wieder loslegen könnte, ist wieder alles ganz anders.

Große Veränderungen stehen an. So scheint's. Ich verstehe zwar nicht alles, aber so wie es aussieht, betreffen sie auch mich und olle Kurt. Nun ja. Ich werde euch wissen lassen, was läuft, sobald ich selber hintersteige. Bald, versprochen!

Bleibt mir doch so lange einfach gewogen.
Euer knallharter Killerrüde Willi : )

Montag, 22. Dezember 2014

Scheiß auf die gute Erziehung : )


Ich war mal vor langer Zeit bei den Eltern von Fraule zu Besuch. Da begab es sich, dass ich einen anderen Hund auf der Straße anbellte.
Da nahm Fraules Mama Fraule beiseite und sagte tadelnd: "Kind, dein Hund ist aber gar nicht gut erzogen!"

Gestern waren wir spazieren und da kam uns ein Mann entgegen. Fraule rief olle Kurt und mich zu sich, wir kamen und setzten uns neben sie. Da sagte der Mann wohlwollend im Vorbeigehen: "Die sind aber gut erzogen!"

Heute war olle Kurt das erste Mal mit im Büro. Und weil er so furchtbar neugierig ist, hat Fraule ihn durchs Büro schlappen lassen, woraufhin er sich erstmal alle Papierkörbe von innen angeschaut hat.
Der offizielle Bürohund hingegen, der sogar noch etwas jünger ist als Kurt, der macht das nie. Der macht überhaupt nie irgendetwas. Der ist total leise, unauffällig und unaufgeregt. Der zerbeißt nix, der räumt keine Mülleimer aus, der bellt nie und der guckt nie über den Tischrand hinaus, um zu sehen, was die Welt sonst noch so zu bieten hat.
Das ist zwar nicht unbedingt normal für so 'nen kleinen Pimpf, aber die Kollegen waren sich sehr schnell alle einig, dass der Bürohund viel besser erzogen ist als olle Kurt.

Letzte Woche waren wir mal wieder auf Seminar in Oberammergau.
Da waren sehr viele Menschen mit ihren Hunden, denn das Hundesporthotel Wolf ist sehr bekannt für seine Hundeseminare, und so ist dort immer viel los.
In der Eingangsrede der Hotelchefin wird jedes Mal inständig darum gebeten, dass jeder Mensch doch bitte die Hinterlassenschaften seines Hundes entsorgen möge, weil der Ärger mit den Nachbarn ansonsten vorprogrammiert sei - bei ca. 80 bis 120 Hunden, die 2 bis 3 mal täglich ihr Geschäft verrichten, nicht unbedingt ein Wunder. Kotbeutel bekommt man für umsonst natürlich an jeder Ecke. Die Robidogs werden täglich aufgefüllt.
Und trotzdem lässt sich kein Quadratmeter Wiese und Weg finden, der nicht zugeschissen ist. Und sogar auch noch auf dem Hotelgelände. Ganz schön schlecht erzogen, diese Hunde.

Dabei geben sich die Menschen wirklich viel Mühe mit der Erziehung: Da wird geschrien, geschlagen, heruntergedrückt und mit Wurfketten geschmissen, dass man die gute Erziehung quasi winseln hören kann. So viel gute Erziehung wie dieses Jahr, haben wir übrigens noch nie gesehen.

Eine junge, dynamische Trainerin dort lief generell mit ihren drei unangeleinten und geschirr- und halsbandfreien Hunden durch die Gegend, die in alle Richtungen davon stoben, während sie - vielleicht war es ja neu - unentwegt mit ihrem Telefon zugange war. Ihre Hunde rannten fröhlich und frei durchs Hotel und ab und an auch mal in die Zimmer fremder Hunde und ihrer Menschen oder in noch besetzte Trainingshallen hinein, um einfach mal freundlich und gut erzogen hallo zu sagen, während sich weniger gut erzogene Hunde mächtig darüber aufregten.
Die gute Erziehung der Trainerin wiederum hielt sie natürlich von einer Entschuldigung ab. Auch als einer ihrer Hunde eine Freundin ansprang, die gerade ihr Zimmer verlassen wollte, und ihr das Essen aus der Hand klauen wollte, war kein Laut aus dem wohlerzogenen Munde der Trainerin zu hören.

So. Seid ihr jetzt genauso verwirrt wie ich? Dann sag ich mal: Scheiß auf die gute Erziehung! Erstens weiß eh keiner was das ist, zweitens kommen die meisten beschtens ohne aus, weil man drittens damit auch nicht weiter kommt.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches Fest der Nächstenliebe. Und fühlt euch frei: Wer in der Christmette furzt und der Oma den letzten Sitzplatz unterm Hintern wegklaut, hat das Prinzip verstanden : )

Dienstag, 11. November 2014

Irrationale Angst - Die Verschwörungstheorien zum §11 TschG : )

Heute las ich in Facebook eine neuerliche Apokalypse-Prophezeiung von Thomas Baumann, Ex-Polizeidiensthundeführer- und ausbilder, renommierter Hundetrainer und Fachautor diverser Veröffentlichungen, zu seinem derzeitigen Lieblingsthema "Sachkundenachweis für Hundetrainer gemäß §11 TschG".

Alter, ich sage euch, das Ende naht! Unheilschwanger verkündet er dort nämlich inbrünstig wie Johannes in der Offenbarung den Weltuntergang. Zumindest den aller "andersfarbigen [Hundetrainer]Schafe" und prophezeit uns allen eine düstere Zukunft von Trainer"klonen", die
"geschlossen und wie im Chor verlauten lassen, dass eine moderne Hundeerziehung zwar konsequent aber frei von Zwängen sein muss." 
Ach du Scheiße, das ist echt bitter! Heißt das, Fraule sieht demnächst aus wie Viviane Theby?

Herr Bauman lässt uns leidenschaftlich wissen, dass die Politik und Gesellschaft momentan im sicheren Glauben gelassen wird, dass goldene Zeiten auf uns zu kommen, weil die Brutalos der Szene durch den Paragraphen 11 endlich ausgesiebt werden.
In Wahrheit aber würde alles viel viel viel schlechter werden, weil
"die meisten Prüfungen in den Veterinärämtern auf die reine Konditionierungslehre abzielen und Hundeverhalten auf die Hormone der Vierbeiner und biologisch nachvollziehbare Mechanismen heruntergebrochen [würde]."
Demnächst würden nur noch operante Konditionierungsautomaten durch die Gegend laufen, weil den meisten "modernen" Hundetrainern nicht mal klar wäre - diese Idioten, echt! - dass das Miteinander von Mensch und Hund hauptsächlich mal auf
"Liebe, Zuneigung, Sympathie, Antipathie, Autorität, Kooperation, Interaktion, Kommunikation, Empathie und vor allem Intuition"
basiere, dies aber nicht abprüfbar sei, weswegen man sich auf die Wissenschaft konzentriere.

Seine Weltuntergangsdepression gipfelt dann in der Behauptung:
"Aus dem sozial hochintelligenten Hund wird eine funktionale Kreatur gestaltet, deren Zukunft alles andere als rosig sein wird."
Mööönsch Thomas, jetzt reicht's dann aber doch mal, oder? Bisher war ich ja eher amüsiert, aber jetzt frag ich mich langsam, welche Pilze dir diesen Trip verpasst haben?

Zeit meines Lebens wurde ich konsequent, aber frei von "Zwängen" erzogen. Du hast jetzt leider versäumt in deinem Verschwörungspamphlet das Wort "Zwang" ein bisschen genauer zu definieren. Daher nehme ich mir jetzt mal die Freiheit zu interpretieren, dass du mit "Zwang" eigentlich aversives Einwirken meinst. Oder "autoritativ"? Ist doch auch so ein Wort, das du gerne magst.
Ebenso wie du mit "andersfarbigen" Schafen Trainer meinst, die sich nicht der gewaltfreien Erziehung verschrieben haben, sondern Strafe (und Achtung, jetzt kommt doch glatt wieder die operante Konditionierung ins Spiel, denn wir reden doch hier eindeutig über positive und negative Strafe und negative Verstärkung, oder?) als adequates Mittel der Erziehung betrachten.
Ich werde jedenfalls ohne diese Art "Zwänge" trainiert. Bin ich deshalb eine funktionale Kreatur, die lieblos erzogen wurde? Wen willst du hier beleidigen?
Glaubst du, meine Erziehung sei frei von Sympathie, Zuneigung, Kooperation, Interaktion, Kommunikation, Empathie und Intuition, nur weil ich gewaltfrei und ohne aversive Einwirkung trainiert werde?
Was ist denn das für ein unprofessioneller und unsachlicher Schwachsinn, mit dem du die Leute da aufwiegeln willst? Schließt denn das eine das andere so aus?

Möönsch Thomas, ehrlich mal, nenn das Kind doch beim richtigen Namen: Dich stört doch eigentlich, dass die Anwendung aversiver Methoden nicht mehr gesellschaftsfähig sein soll. Das zumindest lese ich zwischen deinen Zeilen.
Das hat mit dem Prüfungsinhalt allerdings rein gar nix zu tun. Dort wird nur fachliches Wissen abgefragt - wie das so üblich ist in Prüfungen. Und es wird versucht, ein gewisser Standard einzuführen und zu erhalten. Auch normal im Ausbildungsbereich, nüsch wohr nüsch?

Und wir sind uns doch einig, dass jeder Trainer sein Grundhandwerk beherrschen sollte, so wie jeder Tierarzt auch wissen sollte wie ein Organismus funktioniert, nicht? Das schließt doch aber nicht aus, mit Herz und Seele und allem, was du sozioemotionale Intelligenz nennst, seine Arbeit zu verrichten?!

Weißt du, deine ganze unattraktive Rumheulerei lässt eigentlich nur den einen Schluss zu: Du hast volle Kanne Schiss! Rein wissenschaftlich betrachtet - or Mann ey, schon wieder Wissenschaft - ist Schiss immer irrational. Insofern sind deine haarstreubenden Gedankengänge ja auch irgendwie noch erklärbar.
Ja, man könnte echt den Eindruck bekommen, dir ginge der Arsch auf Grundeis. Du hast Angst, dass du mit deinem sozioemotionalem Dingsbums nicht weiter kommst. Und lassen wir jetzt einmal dahin gestellt sein, was du damit genau meinst. Vor allem in Hinblick auf die von dir erwähnte Integration verhaltensauffälliger Hunde, bei denen laut deiner Meinung die Konditionierungslehre ja versagt. Das nährt irgendwie auch wieder den Verdacht, dass du eigentlich nur die positive Verstärkung meinst und ein Befürworter der positiven Strafe bist. Aber huch, jetzt sind wir ja schon wieder mitten in der verhassten Konditionierungslehre! Oder vielleicht im sozioemotionalen Bereich der Autorität und Intuition? ; )

Aber pass uff, alter Knabe, ich hätte da mal einen heißen Tipp:
Statt Lobbyismus und Verschwörung zu unterstellen und Unfrieden zu stiften, einfach mal Klappe halten, hinsetzen und lernen - so wie das zur Zeit bundesweit hunderte, wenn nicht tausende Trainer und Trainerinnen tun, die ebenfalls nicht das Glück hatten, ihre Ausbildung - so sie denn eine haben - anerkannt bekommen zu haben.
Mit zunehmendem Wissen wird dein Selbstbewusstsein wieder wachsen und deine Prüfungsangst kleiner werden. Du wirst merken, dass alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird und dass in der Prüfung nur Wissen abgefragt wird, auf das sich jeder völlig gleichberechtigt vorbereiten kann. Stell dir vor, ich kenne sogar gewaltfrei (= auf positiver Verstärkung basierend) arbeitende Trainer, die bei CANIS ihre Prüfung abgelegt haben. Naaa? Das ist jetzt nicht gerade etwas geschenkt zu bekommen, wenn sich der Wattebauschwerfer in die Höhle des Blechnapfschwingers traut, oder.

Und die gute Nachricht: Nichts in der Welt wird dich nach bestandener Prüfung davon abhalten können, weiterhin "Liebe" und "Intuition" in dein Training einfließen zu lassen. So wie das jeder empathische Trainer tut, denn selbst der leidenschaftlichste Logiker und Mathmatiker ist letztlich nur ein Mensch. Das gilt sogar für die lobbyistischen Verbands- und Organisationsschweine mit wattebauschschmeißendem Hintergrund!

Also, immer locker bleiben! Trotz vielfacher Mahnung ging die Welt im Jahr 2000 auch nicht unter. Muttu keine Angst haben, Hase... : )

Dienstag, 4. November 2014

Die machen das schon unter sich aus... : )

Olle Kurt kriegt einen drauf : )
Manchmal verschlägt es Fraule ja die Sprache. Sonst immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, aber manchmal vernagelt wie ein Bretterverschlag. Natürlich immer genau dann, wenn's gerade mal wichtig wäre, das Maul aufzumachen. Aber sich dann lieber vorführen lassen wie ein dummes Schulmädchen. Hach Fraule, manchmal erwarte ich einfach mehr von dir!

Da war die mit olle Kurt unterwegs in einem Laden für Hundezeug. Normalerweise schon mal nicht Usus bei uns, das Ganze hatte einen Trainingshintergrund. Also Kurti schön an der Leine, wie es sich gehört, sonst wär der mal in jedes Regal gesprungen zum Gucken. Der Laden ansonsten kundenfrei und sehr ruhig.

Fraule unterhält sich gerade nett und entspannt mit der sehr sehr netten Ladenbesitzerin, da kommt ein unangeleinter AmStaff-Boxer-Verschnitt-oder-was-auch-immer - zunächst mal ohne Besitzer - langsam, aber zielstrebig in den Laden gestiefelt.
Fraule denkt, "huuuch", und geht mit olle Kurtle mal besser ums Eck. Der herrenlose Köter latscht interessiert hinterher, Fraule kriegt einen dezenten Schweißausbruch und sieht irgendwie schon den Laden zu Bruch gehen.
Da kommt dann endlich, betont langsam, der Besitzer in den Laden getrottet und statt seinen Hund zurückzurufen und anzuleinen, fängt er fröhlich und gutgelaunt an, im jovialen Tonfall darüber zu dozieren, dass alles ganz easy wäre und die Hunde das schon machen würden. Fraule solle mal locker bleiben, schließlich seien das "nur Hunde" - was auch immer er damit hat sagen wollen.

Der 7 Monate alte Kurt, der an der Hundedame in aufkeimender Testosteronausschüttung sehr interessiert war, fängt natürlich an, an ihr rumzuschnüffeln, und die Lady versteift sich prompt. Wohlgemerkt, all das auf engem Ladenraum. Fraule wirds wärmer.
Sie denkt sich, "Ok, Zeit, die Biege zu machen" und ruft Kurt rum. Der Typ, betont auf lässig und den Ich-bin-der-Flüsterer-vom-Bodensee machend, doziert von oben herab weiter, dass ja alles ganz cool wäre und seine Hündin jetzt gleich halt mal Bescheid geben würde. Was natürlich justamente auch passiert, denn olle Kurt, vom pubertären Leichtsinn angetrieben, war der leinenlosen, viel zu nahen Hundedame zu aufdringlich.
Der Typ ganz stolz lamentierend, wie toll seine Hündin das doch mache, und Fraule, um Contenance bemüht, nur ein - unbemerkt - ironisches "Wenn Sie meinen" rausquetschend.
Aus Rücksicht vor der netten Ladenbesitzerin und im Hinterstübchen die Warnung herumirrend, dass man als Trainerin einen Ruf zu verlieren hat, also immer schön geschmeidig bleiben sollte, sagte sie daher nichts weiter und trat rasch den Rückzug an.

So. Zum Glück muss ICH ja nicht geschmeidig bleiben. Deshalb mal Folgendes:
Dieses allwissende Dummgeblubber von wegen "Die regeln das schon!" geht mir und vor allem Fraule mal ganz mächtig auf die Eier. Spackos! Na klar regeln wir das unter uns, aber oft genug nicht unbedingt zum Wohle der Schwächeren, oder?!
Abgesehen davon will sich bei uns in der Familie keiner von irgendwelchen selbsternannten Hundeexperten aufoktroyieren lassen, wann hier wer was unter sich regelt! Fraule bestimmt - was uns angeht - wann wer was regelt! Sie hat den Erziehungsauftrag, nicht irgendwelche dahergelaufenen unangeleinten Hundetanten! Sie macht sich ein Bild, sie schätzt die Lage ein, sie entscheidet, wieviel Hundekontakt gut tut und wann, und sie wird sich diese Entscheidung nicht von wildfremden Klugscheißern abnehmen lassen. Na gut, in dem Laden schon - Totalausfall -, aber das kommt sicher nicht noch einmal vor, versprochen!

Es mag ja ungemein sophisticated sein, mit einem unangeleinten, noch dazu großen Hund durch die Stadt zu latschen. Eine ziemlich männliche Attitüde übrigens: Gugge, ich Rudelführer, mein Hund ohne Leine und so, uga-uga... WOW, die Welt kreist nur um dich! Wir sind total beeindruckt!
Aber statt dieser prästeinzeitlichen Ich-habe-den-Längsten-Demonstration würde es diesen Profilneurotikern tatsächlich gut zu Gesicht stehen, Respekt und Anstand zu wahren und ihre Tölen einfach ohne viel Aufhebens und bescheiden anzuleinen - aus Rücksicht auf andere angeleinte (!) Hunde und ihre Halter in der Nähe oder vielleicht auch nur deshalb, weil sich andere Menschen beim Anblick eines unangeleinten Hundes unwohl fühlen könnten. Egal ob draußen und schon gar drinnen auf engem Raum!

Übrigens: Wäre ICH in dem Laden gewesen und nicht olle Kurt, hätte ich mal gezeigt, wer tatsächlich den Längsten hat. Ist klar, oder? : )

Freitag, 24. Oktober 2014

"Unmöglich und aggressiv": Hund apportiert Meerschweinchen - eine wahre Geschichte : )

(c) Augsburger Allgemeine
Mit dem richtigen Outfit wäre das nicht passiert! : )
Eine dumme wahre Geschichte. Wirklich. Ganz dumm.
In einer Tierarztpraxis schnappt sich ein Kumpel, nennen wir ihn mal E., im Angesicht einer bummsvollen Tierarztpraxis ganz vorsichtig ein Meerschweinchen, das seine Leute in einem offenen Schuhkarton in einer ebenso offenen Plastiktüte auf den Boden der Praxis gestellt hatten, während das Fraule von E. damit beschäftigt war, E.'s Behandlung zu bezahlen und konzentriert im Kleingeld zu kramen.

Als E.'s Fraule ihren Hund schließlich mit dem Meerschweinchen im Maul entdeckt, rutscht ihr natürlich augenblicklich das Herz in die Hose. Geistesgegenwärtig ruft sie ihm "Pfui" zu, und sogleich lässt der gut erzogene, gutmütige Kerl das Meerschweinchen fallen, wofür er dann auch ordentlich gelobt wird. Glücklicherweise ist E. kein Terrier, sondern ein Hund, dessen Beutefangverhalten sich aufs Orten und Hetzen beschränkt, sonst wäre die Geschichte vermutlich etwas anders ausgegangen. Nun, geortet hat er, Hetzen war hier ja nicht nötig, also hat er gleich mal den nächsten Schritt ausprobiert und zaghaft zugepackt - wann bekommt man schon diese Chance im echten Hundeleben?

Das Meerschweinchen sah von außen völlig unbeschadet aus, genauere Untersuchungen ergaben aber schließlich drei gebrochene Rippen. Nun muss man dazu sagen, dass mein Kumpel immerhin 32 Kilo auf die Waage bringt und ein weiches Maul auch erstmal erlernt werden muss...

E.'s Fraule war jedenfalls ganz fertig. Sie hatte ein mordsschlechtes Gewissen und natürlich großes Mitleid mit dem armen Tierchen.
Der Anruf der Tierärztin am Abend - denn E.'s Fraule wollte natürlich unbedingt wissen, wie es dem Schweinchen erging - war wenig erfreulich: Zwar wird es wieder ganz gesund werden, aber die Tierärztin war wohl so angesäuert ob dieser Ungeheuerlichkeit, dass sie das Gespräch nicht beenden wollte, ohne E.'s Fraule ordentlich zusammenzufalten:
E.'s Verhalten sei völlig "umöglich" gewesen, behauptete sie empört, und sie (also E.'s Fraule) hätte ihren Hund nicht im Griff, und er könne ja nicht mal bei Fuß gehen. Sie könne froh sein, diesen Hund zu haben, denn er wäre der einzige auf der ganzen weiten Welt, mit dem sie überhaupt klar kommen könne, mit jedem anderen wäre sie mit absoluter Sicherheit komplett überfordert. Und der absolute Gipfel sei gewesen, dass sie ihn auch noch gelobt hätte statt ihn für sein Verhalten zu maßregeln - so nur einige der Vorwürfe, die E.'s Fraule zu hören bekam. Abschließend empfahl ihr die Tierärztin im gleichen Atemzug und ins vertrauliche Du übergehend dringend ihre eigene Hundeschule zu besuchen mit dem wichtigen Hinweis, dass sie die einzige Trainerin im Umkreis sei, der es gelingen würde, aggressive Hunde zu "resozialisieren". Ein Wort übrigens, das seit Cesar Millan eine ganz neue Dimension an Bedeutung erlangt hat.

Mein Kumpel, muss man wissen, ist ein sehr sehr gutmütiger Kerl. Er war mal ein spanischer Straßenhund, der dann in einem Tierheim in Süddeutschland saß und vor fünf Jahren mit seinen Menschen hier endlich das große Los gezogen hat.
Die erziehen ihn nämlich völlig gewaltfrei mit der Liebe, Geduld und dem Sachverstand, der ihn zu dem sozialisierten und in die Gesellschaft integrierten Kumpel gemacht hat, der er heute ist. Er ist ein total gechillter Hund, den ich nur völlig unaufgeregt durch die Gegend schlappen sehe. Er kommt mit den allermeisten Hunden klar (ich meine, einen Erzfeind haben wir ja alle, oder?) oder geht gewöhnlich denen aus dem Weg, die er nicht leiden mag. Er ist freundlich zu Menschen, er liebt und vertraut seinen Leuten, ist vollkommen verhaltensunauffällig, ja, fast scheint er mir manchmal irgendwie einfach nur dankbar dafür zu sein, dass er es so gut angetroffen hat. Mein Kumpel ist körperlich topfit, geistig ausgelastet und ist tatsächlich einer der ganz wenigen Hunde, die ich kenne, bei denen eine Hundeschule rausgeschmissenes Geld wäre.

Was ich nicht genau weiß, ist, wie man auf die Idee kommen kann, dass E. sich "unmöglich" benommen hätte. Wie kann sich ein Hund überhaupt "unmöglich" benehmen? "Unmögliches" Benehmen ist eine Attitüde des Menschen.
E. hat sich wie ein Hund benommen. Was möglicherweise daran liegen könnte, dass er ein Hund ist. Wir wollen mal nicht vergessen, dass wir Hunde im Laufe der Domestikation von den Menschen (!) in der Regel alle für irgendeine Form des Jagens gezüchtet wurden. Woher sollen wir nun wissen, dass das Zeigen von Jagdverhalten in einer Arztpraxis nicht gesellschaftsfähig ist?
Wäre bekannt gewesen, dass E. gerne in Arztpraxen Meerschweinchen apportiert, ich bin sicher, sein Fraule hätte ihn gut trainiert, das besser nicht zu tun. Allerdings hat mein Kumpel an diesem Tag zum allerersten Mal in seinem Leben überhaupt ein Meerschweinchen gesehen - und war entzückt! Ein zappelnder Dummy!

Vielleicht hätte sich E.'s Fraule nicht so aufs Geldzählen konzentrieren sollen, sondern auch auf ihren Hund, der bisher an der Stelle noch nie etwas anderes getan hat, als neben ihr zu stehen und geduldig zu warten. Vielleicht hätte das Päärle, dem das Meerschweinchen gehörte, den Schuhkarton besser mit einem Deckel verschlossen und die Tüte nicht auch noch offen auf den Boden einer Tierarztpraxis gestellt - in der ja womöglich nicht ganz ausgeschlossen ist, dass die ein oder andere meerschweincheninteressierte Spezies herumschnüffeln könnte. Vielleicht hätte E.'s Fraule ein Antijagdtraining besuchen sollen, in weiser Voraussicht, dass ihr Hund irgendwann im Leben gewiss mal ein Meerschweinchen in einer Arztpraxis apportieren wird. Vielleicht, vielleicht, vielleicht...

Dumme Dinge geschehen. Shit happens. Und das Meerschweinchen ist echt 'ne arme Sau, keine Frage.
Aber wenn eines sicher ist, dann das: Mein Kumpel ist nicht "unmöglich" oder gar aggressiv. Er hat getan, was ein Hund tun muss, wenn er es nicht besser weiß.
Eine Tierärztin und schon gar Hundetrainerin sollte so etwas wissen. Sie sollte auch wissen, dass Jagdverhalten nicht über Maßregelung in den Griff zu bekommen ist, sondern ein genetisch verankertes Verhalten ist, das nur über ein geduldig aufgebautes Antijagdtraining in kontrollierte Bahnen gelenkt werden kann. Sie sollte auch wissen, dass wenn sie schon maßregelt, dann auch das zu maßregelnde Verhalten gemaßregelt werden muss und nicht das Verhalten danach. Wäre mein Kumpel fürs Ausgeben bestraft worden, würde er zukünftig hoffentlich keine Meerschweinchen mehr ausgeben, sondern gleich runterschlucken.

Und zu guter letzt sollte ein Mensch, der sein Geld mit Kunden verdient auch wissen, wie man mit Kunden umgeht. Sonst wird er nämlich am eigenen Leib erfahren, was es heißt, gemaßregelt zu werden: Wenn die Kunden dann nämlich ausbleiben. So wie E.s Fraule ab sofort. Ja, manchmal haben Maßregelungen tatsächlich sogar lerneffektive Folgen und wirken strafend: Das Verhalten wird nicht mehr oder weniger gezeigt. Da sind sie wieder, die unumstößlichen Gesetze der Lerntheorie... : )

Dienstag, 7. Oktober 2014

Die Definition von Wahnsinn... : )

Genie und Wahnsinn liegen manchmal
weiter auseinander als man glaubt : ) 
"Ich hab's positiv probiert, aber es funktioniert nicht."
Ein Satz, den man immer mal wieder hört.
Menschen fummeln mit Leckerlis vor der Nase ihres Hundes rum, und trotzdem kläfft der und benimmt sich wie Godzilla. "Ist doch 'n Scheiß, dieser Wattebauschmist. Taugt nix. Ich zieh' dem lieber eine mit der Leine über. Hilft zwar auch nix, aber Strafe muss sein."

"Jahrelang machen die Wattebauschwerfer rum am Problemverhalten ihrer Hunde und kommen keinen Millimeter weiter", so hört und liest man auch des öfteren.
Dass das natürlich auch für die Leinenrucker und Rangordnungsfreunde gilt, wird schnell mal vergessen. Ein Leben lang wird geruckt und als erster durch die Tür dominiert, ohne sich je zu fragen, warum man etwas so konsequent tut, ohne dass es einen Fortschritt bringen würde.

Wie sagte einst Einstein? "Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten". Hehe, wahr! Und so typisch Mensch. Der schafft es glatt noch, die Gesetze der Lerntheorie außer Kraft zu setzen. Na ja, vielleicht gelten diese Gesetze ja nur für die intelligenteren der Spezies. Aber müssten die Dummen dann nicht längst ausgestorben sein? Irgendwas stimmt doch hier nicht...

Egal. Es wird also schnell mal die Flinte ins Korn geschmissen und behauptet, "alles Scheiße, das mit den Leckerlis".
Dabei kann es natürlich unendlich viele Gründe geben, warum etwas nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt. Falsche Zielsetzung, falsch gewählte Trainingswerkzeuge, falsche Anwendung, falsche Belohnung, falscher Trainer, gar kein Trainer (falscher Geiz), falscher Ehrgeiz und und und...
Häufig müsste man vielleicht nur an ein paar kleinen Schrauben drehen, und schon würde es besser klappen.
Es scheint aber viel leichter zu sein, an der Gewaltschraube zu drehen und den Stachler auszupacken (der richtig angewandt keine Tierquälerei ist, las ich neulich), statt sich zu überlegen, welche Bedingungen man ändern müsste, um das erwünschte Verhalten auf Basis von Überzeugung und Freiwilligkeit zu erhalten.

Und nur mal angenommen: Selbst, wenn man alles richtig machte, tatsächlich alle Möglichkeiten ausschöpfte und trotzdem nicht weiterkäme, rechtfertigte das auf aversive Methoden zurückzugreifen, gemäß dem Motto: "Ich habe alles probiert, jetzt habe ich keine andere Wahl mehr, als zu maßregeln?" (Wie erfolgversprechend diese Art des "Trainings" dann ist, wollen wir jetzt mal außen vor lassen.)

Nur mal so gefragt: Wenn ein Mensch eine Schraube locker hat und zum Psychoanalytiker geht, um sich behandeln zu lassen, der dann nach Monaten oder Jahren einen Entwicklungsstillstand konstatiert, was passiert dann? Wird der Psycho dann mal so lange verhauen, bis die Schraube wieder festsitzt?
Ich denke nicht. Vielleicht wird der Analytiker gewechselt, gesundheitliche Probleme ausgeschlossen, Medikamente verabreicht, ein Umgebungswechsel empfohlen oder die Macke einfach akzeptiert.
Und im Falle einer Gefährdung der Allgemeinheit wird der Psycho in die Geschlossene eingewiesen und weitertherapiert - ein Leben lang! Mitnichten wird er dort aber in Eisbäder gesetzt, in Zwangsjacken gestopft, isoliert oder Elektroschocktherapien ausgesetzt. Das war früher. Experten haben zwischenzeitlich herausgefunden, dass Eisbäder keine psychischen Erkrankungen zu lindern oder heilen vermögen, haben dem Wahnsinn getrotzt und entsprechende Veränderungen in Form neuer Behandlungsmethoden herbeigeführt - die, siehe da, in vielen Fällen auch neue Ergebnisse brachten!

Bei einem Hund wird sich diese Mühe natürlich nicht gemacht. Man erwartet, dass ein verhaltensgestörter Hund schnell erfolgreich therapiert, auf neudeutsch auch "resozialisiert", werden kann - auf die eine oder andere Art: "Und bist du nicht willig, so nehm ich Gewalt...".
Der Hund hat kein Recht auf seine Psychose. Und nach seiner Kindheit und familiären Umständen fragt auch keiner. Der muss funktionieren, sonst kommt er weg. Ohne lebenslange Therapie!

Ja, vielleicht bleiben tatsächlich alle Versuche vergebene Liebesmüh, und der Psycho bleibt ein Psycho. Dann wäre in der Tat eine individuelle Grenze erreicht. Und zwar eine persönliche Grenze des Halters, Trainers oder Therapeuten. Eine Begrenztheit des Wissens (denn noch hat die Wissenschaft nicht alle Geheimnisse des Säugetierorganismus aufgedeckt) oder der Fähigkeiten sollte aber fairerweise keine Gewaltanwendung am Hund rechtfertigen! : )

Dienstag, 30. September 2014

TsD - Die Illuminati der Hundeszene : )

Psssssst, heute plaudere ich mal ein bisschen aus dem Nähkästchen.
Ein paar heiße Insider-Tipps, die blütenreine Wahrheit über die "Trainieren statt Dominieren"-Loge für alle Outsider, damit auch ihr endlich mal aus zuverlässiger Quelle erfahrt, wie es bei den dubiosen Gewaltfreien so zugeht. Denn Gerüchte und Unterstellungen gibt es ja ohne Ende. Aber was davon soll man glauben?
Es gibt ganze Foren in Facebook, die sich speziell zu dem Anlass gegründet haben, nicht nur Dummheit und Unsachverstand zu vereinen, sondern auch darüber zu fabulieren, wie es im innersten Zirkel der TsD wohl aussehen mag. Sehr erheiternd oftmals, allerdings weit weit weg von der Wahrheit!

Für alle Ahnungslosen, ihr wisst ja, TsD, die Wattebauschwerfer, die Antiautoritären, die Lalas, die, die keine Grenzen setzen, die Sozialpädagogen der Hundeszene - das schmerzhafte Furunkel am haarigen Arsch der traditionell verhafteten Hundeerziehung, ihr erinnert euch...

Nun ja. Seit damals ist viel passiert. Und man kann durchaus behaupten, dass sich aus dem kleinen Furunkel eine richtig fiese, eiternde Wunde entwickelt hat, die stinkend vor sich hin schwelt, so dass die traditionelle Hundeszene quasi unmittelbar vor der Amputation steht. Sie ist eigentlich nicht mehr zu halten.
Das TsD Facebook-Forum hat mittlerweile über 7.200 Mitglieder, die Zahl der begeisterten Mitleser und Mitglieder wächst beständig! Es gibt kein Forum weit und breit, in dem so konstruktiv und freundlich miteinander umgegangen wird wie hier. Reiner Fokus auf positives Hundetraining, kein Trainer-Bashing, extrem wenige Beleidigungen und Provokationen, die sogleich freundlich, aber bestimmt von den engagierten Admins im Keim erstickt werden. Die totale politische Korrektness. Eine wahre Kunst in der heutigen anonymisierten Welt der sozialen Netzwerke!
Aber, hahaaaa! Genau DAS ist ja der Trick! Die machen das nicht etwa, weil sie selbstlose Philantrophen wären!
Aus dem locker zusammengewürfelten Haufen gewaltfrei arbeitender Hundetrainer und Initiatoren der Gruppe hat sich nämlich ein streng organisierter Kreis von Sektenadmins herausgebildet, deren Aufgabe es ist, ahnungslose Hundebesitzerseelen mit verständnisvollen Worten einzufangen und in die große "Familie" "einzugliedern".

Wenn ihr wüsstet, wie es da zugeht! Dagegen sind die Zeugen Jehovas kleine Pickel im Gesicht eines pubertierenden 15-Jährigen!
Da die TsD-Sekte aka Grünschleifen, wie sie von den aversiven Hardlinern gerne frustriert genannt werden, aber so verschwiegen und so unglaublich megakonspirativ ist, ist es quasi unmöglich, den weit verzweigten Strukturen und Organisationen auf den Grund zu gehen, und so bleibt Vieles einfach Spekulation:
Wer sind die Anführer dieser Bruderschaft? Oder sind es womöglich gar keine Brüder, sondern Schwestern???

Sicher ist, wer Mitglied bei TsD werden möchte, muss sich einer strengen Aufnahmeprozedur unterziehen. Von Ritualen, Kapuzenmänteln und Dolchen ist die Rede. Die Antragsteller müssen ihr gesamtes Vermögen der TsD überschreiben, weswegen die, ich nenne sie jetzt mal "Illuminati der Hundeszene" so dermaßen gigantisch reich sind, dass die gesamte Hundeweltpopulation lebenslang in Würstchen baden könnte!

Die TsDler arbeiten ehrgeiziger an der Übernahme der Weltherrschaft als der dominanteste Hund im Umkreis. Sie betreiben knallharte Lobbyarbeit, gründen Vereine und Verbände für Hundetrainer und untergraben sukzessive die politischen Parteien unserer demokratischen Ordnung! Es werden Bestechungsgelder an hohe Beamte verteilt und Schutzgelder bei den armen teletaktgebeutelten Hundesport- und Polizeischutzhundevereinen eingetrieben!
Und das krönende Meisterstück ihrer Machenschaften ist die Erfindung der Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Betreibung einer Hundeschule nach Paragraph 11. Jahaaaaa! Kein Werk des Teufels! Ein Werk der TsD, was glaubt ihr denn!!!

Dahinter steckt der perfide, aber überaus geniale Plan, allen gewaltfrei arbeitenden Hundetrainern den Sachkundenachweis zu SCHENKEN und alle nicht sektenkonform arbeitenden Trainer durchfallen zu lassen und für alle Zeit von diesem Planeten zu verbannen! Per Anhalter durch die Galaxie... Ist das nicht durch und durch böse??? 
Und zuletzt ist mir zu Ohren gekommen, dass die TsD auch bei dem Ding mit dem Mond ihre Hände im Spiel hat! : )

So. Jetzt wisst ihr's! Trainieren statt Dominieren - die gefährlichste und mächtigste Sekte, seit es die Illuminati gibt!
Für alle anderen einfach eine Gruppe, in der sich Trainer und interessierte, lernbereite Halter überaus erfolgreich und konstruktiv über das gewaltfreie Training von Hunden austauschen.
Vielleicht ja auch deshalb einfach ein Dorn im Auge derer, die lieber ihre kostbare Zeit damit verplempern, Gerüchte zu streuen und Menschen zu diffamieren, statt ihre Angst vor neuem Wissen zu überwinden und sich endlich mal weiterzubilden.

Dabei hätten wir doch auch für euch gewiss noch ein Plätzchen frei in unserer schwesterlichen Bruderschaft: Ihr könntet zum Beispiel stumm wie ein Wachtturm in der Einkaufspassage unsere TsD-Schleifen verteilen. Jeder fängt mal klein an... : )

Montag, 29. September 2014

Die Pubertät - Und nun? : )

Achtung! Gehirn under construction! : )
Olle Kurt ist nun 6 Monate alt und pubertiert so leise vor sich hin. Der hat plötzlich ganz dicke Eier gekriegt und klappert mit den Zähnen, wenn er an meinem Hintern rumschnüffelt, grumpf. Der unternimmt plötzlich Abenteuertouren auf eigene Faust, und wenn er sich setzen soll, bleibt er stehen und guckt dumm aus der Wäsche, so als wäre "Sitz" Suaheli und nicht das Wort, das er seit seiner Geburt mindestens schon 30.000 Mal gehört und geschätzte 10.000 Mal auch befolgt hat.

Was ist los mit dem? Ist olle Kurt gar nicht mehr olle Kurt, sondern plötzlich ein ganz anderer? Muss ich jetzt Angst kriegen?
Wenn man vielen Büchern und der Meinung vieler Leute glauben soll, dann ja. Dann ist ein pubertierender Hund ungefähr gleichzusetzen mit Lippenherpes oder Hämorrhoiden - hartnäckig und trotz Salben und Tinkturen nur schwer beizukommen.

So hört und liest man, dass in der Welpenzeit ja irgendwie alles pippifax ist und quasi von selber funktioniert: Der Welpe braucht keinen Rückruf, weil er sowieso immer am Bein seines Menschen klebt und ihm hinterher dackelt. Er lernt alle Signale spielend und schnell und ohne zu Murren. In der Pubertät aber, da wird alles anders: Wir kennen plötzlich unseren Namen nicht mehr und verschließen unsere Ohren vor den einfachsten Signalen, die wir vorher begeistert und zuverlässig ausgeführt haben. Wir sind scheinbar an Taubheit erkrankt - zumindest phasenweise. In der Pubertät stellen wir uns gerne stur, sind dickköpfig und testen Grenzen bei unseren Menschen aus. Wir stellen in Frage, wer der Herr im Hause ist! So. Und spätestens jetzt wäre der geeignete Moment, in dem wir eine strengere Hand bräuchten, damit wir gar nicht erst auf dumme Gedanken kämen.

Na ja. Dass olle Kurti manchmal taub zu sein scheint, stimmt. Und dass er draußen manchmal lieber auf Schnüffelkurs geht, statt an der lockeren Leine, das stimmt auch. Dass er aber die Weltherrschaft anstrebt - nein, das ist nicht so. Der weiß, wer hier der Weltherrscher ist! : )

Kurti, müsst ihr wissen, befindet sich gerade in einer Phase der Selbstfindung. Denn Pubertät bedeutet in gewissem Sinne Ablösung und Übernahme von Eigenverantwortlichkeit. Damit geht einher, dass er mutiger wird, aber auch ängstlicher, denn er muss nun selber einschätzen, wer Freund oder Feind ist.
Genaugenommen heißt Pubertät eigentlich nur, dass wir in dieser Zeit die Geschlechtreife erreichen. Die Pubertät ist zu Ende, wenn Kurti endlich regelmäßig sein Bein hebt beim Pinkeln oder die Hündin zum ersten Mal läufig wird. Erwachsen sind die dann aber noch lange nicht!
Denn wovon wir hier eigentlich reden, das ist die sogenannte Jugendentwicklung. Und die dauert zwischen 24 und 35 Monaten (bei großen Hunden). Wir verdanken der Domestikation, dass wir Kinder zeugen können, obwohl wir selber noch grün hinter den Ohren sind. Genau wie bei euch Menschen, hehe... Bei wilden Tieren korrelieren Geschlechtsreife und Jugendentwicklung besser. Aber die sind ja nun auch wirklich auf sich gestellt.

So. Was nun wichtig zu wissen ist, ist, dass in dieser Zeit unser Gehirn bekloppt spielt. Es verändert sich dramatisch! Unser Arbeitsspeicher, das Kurzeitgedächtnis - der sogenannte präfrontale Kortex, der auch für die Impulskontrolle zuständig ist - wird in der Jugendentwicklung messbar kleiner. Es gibt dort weniger Zellen als normalerweise.
Auf der anderen Seite wird der Mandelkern - also der Teil im Hirn, der für Emotionen und Instinkte zuständig ist - größer! Er bekommt mehr Verschaltungen mit der Folge, dass wir leichter erregbar sind und Angst und Aggression leichter ausgelöst werden. Was logisch ist, denn das kann unter Umständen Leben retten. Und das ist wichtig, jetzt, wo wir theoretisch selber auf uns aufpassen müssen...
Wir haben also keine Zeit, lange nachzugrübeln, ob der abgesägte Baumstumpf auf der ansonsten leeren Wiese - der übrigens garantiert erst seit heute da liegt, zumindest haben wir ihn bis dahin noch nie wahrgenomnmen - uns wohlgesonnen ist oder nicht! Da heißt es gucken und reagieren - und zwar alles in einem. Gedacht wird später.

So. Und da wundern wir uns also nun, dass Kurti nicht mehr hört und "Sitz" macht, wo der doch gerade blitzartig entscheiden muss, ob ihm der Baumstumpf ans Leder will? Der arme Kerl, DER KANN GAR NICHT ANDERS als nicht zuzuhören! Kurti ist weder stur noch dickköpfig, noch will der die Weltherrschaft und sich auflehnen! Sein Gehirn ist zurzeit einfach "under construction". Olle Kurti ist die nächsten Monate neuronal out of order! Und dafür kann der nun echt nix. Nach der Jugendentwicklung übrigens werden diese neuronalen Schaltkreise wieder umgebaut. Dann übernimmt der präfrontale Kortex die Führung und die alte Ordnung ist wieder hergestellt.

Aber was bedeutet das jetzt für das Training? Braucht Kurti jetzt wirklich eine strengere Erziehung? Oder sollte man ihn einfach mal machen lassen, schließlich soll er ja nun seine eigenen Entscheidungen treffen?
Wer seinen Hund bis dahin gut trainiert hat und ihm viele wichtige Basics beigebracht hat, der hat eine super Grundlage geschaffen und sollte einfach genauso weitermachen. Die Devise heißt jetzt: Am Ball bleiben! Nicht aufgeben, nicht verzweifeln, nicht sauer werden. Es gibt keinen Grund, den Hund nun härter anzufassen. Trainiert einfach weiter wie bisher. Und wenn der Pubi sich nicht konzentrieren kann, dann brecht halt ab und macht ein anderes mal weiter. Bleibt geduldig und konsequent. Und lächelt! Das hilft. Zumindest eure eigene Laune hochzuhalten...
Und wenn ihr im Hinterstübchen behaltet, welche neurologische Party im Hirn des Hundes da gerade steigt, dann habt ihr das Wissen, das ihr braucht, um das nötige Verständnis aufzubringen zu akzeptieren, dass euer Hund euch gerade des öfteren scheinbar den Stinkefinger zeigt. Er meint es nicht so. Ehrenwort! : )