Mittwoch, 5. Juni 2013

Maja Nowak: Der Fall Marcy - Die Soap geht weiter! : )

Berühmtheit Marcy!
Ich bin ECHT neidisch! : ) 
Freunde des schnellen Erfolges, tja, was soll ich sagen...
Wir alle haben über Marcy gelesen. Dem "Strassenhund" aus Russland, der aus Angst vor fremden Menschen und Hunden gerne mal nach vorne ging oder zuschnappte und der daraufhin in der nagelneuen TV-Sendung im ZDF "Die Hundeflüsterin - Maja Nowak hilft" landete und dort Nowaks selbstausgedachter Trainingsmethode - vollkommen ohne Konditionierung, ohne Belohnung, ohne Bestrafung und rein über "Kommunikation" eben - zum Opfer fiel.
Und tatsächlich! Ein Wunder geschah! Höchst eindrucksvoll, in der Tat total belohnungsfrei, dafür nur mit ein ganz klein bisschen viel körpersprachlicher, physischer und vor allem psychischer Brachialgewalt, gelang es der frisch gebackenen TV-Hundeflüsterin, die vor lauter Angst panische Hündin total zu entspannen.
Oder auch in die, sagen wir, total erlernte Hilflosigkeit zu stürzen... Was ja aber auch eigentlich total dasselbe ist, Hauptsache, der aggressive Hund liegt endlich ab und ist geheilt, oder. Und das innerhalb von 10 Minuten, bitte schön - Zackzack muss das gehen, anders kann man ja auch unmöglich über 6.000 Hunde in einem einzigen Menschenleben therapieren - von dem man ja immerhin auch schon weit über die Hälfte mit Erwachsenwerden, Liedersingen und russische Seele entdecken und zu Buche bringen verbracht hat!
Und, hey, der nichtsahnende Zuschauer wird die Kröte schon schlucken. Schließlich ist Platz Platz, wo gibt's da überhaupt 'n Unterschied?

Diese Folge wurde am 11. Mai in ZDFinfo ausgestrahlt. Am 2. Juni sollte sie dann im ZDF gesendet werden.
Viele waren von diesem Einstand jedoch entsetzt. Und so gipfelte schließlich die Welle der Empörung von Leuten, die beschlossen hatten, sich gegen diese volksverdummende Hundeflüsterei zur Wehr zu setzen, in einer Petition, die die Absetzung der Sendung fordert. Nicht ganz unerfolgreich, denn bis heute nach nur wenigen Tagen haben bereits über 13.000 mitdenkende Mitmenschen unterschrieben.

Möglicherweise ein klitzekleines bisschen beeinflusst durch die Petition, fühlte sich das ZDF - das laut eines Presseberichts der Berliner BZ "keinen Anlass hat, an der Arbeitsweise von Frau Nowak zu zweifeln" - dennoch seltsamerweise befleissigt, den Beitrag mit Marcy zur Erstausstrahlung am 2. Juni und einen weiteren herauszuschneiden und durch harmlosere zu ersetzen.
In der ZDF-Mediathek sind wohl noch beide zu bewundern.

Marcys Fall gestaltet sich derweil immer dubioser.
Seit gestern schreibt die Tiervermittlung "Hundehilfe Russland" Marcy zur Vermittlung aus, bei Markertraining.de wird Marcy als Vermittlungshund des Monats vorgestellt.
Marcys Geschichte liest sich hier ein bisschen anders, als in der Fernsehfolge gehört:
  • Der angebliche "Strassenhund aus Russland" kam bereits als Welpe nach Deutschland zur ersten Pflegestelle.
  • Die Arzthelferin, die ja immerhin nur für Marcy aufs Land gezogen ist - wie es beim ZDF hieß -, ist ebenfalls nur eine Pflegestelle.
  • Desweiteren wird angegeben, dass der Hündin "fremde Menschen und Hunde [...] Angst [bereiten], und wenn sie sich bedroht fühlt, geht sie nach vorne und schnappt."
Von einer Heilung steht da nichts. Na ja. Ein bisschen dichterische Freiheit sollte man selbst einer serösen, fundiert recherchierenden, mit unseren Gebühren finanzierten Fernsehanstalt zugestehen. Schließlich tun sie das nur für uns, damit wir mit dem Zweiten besser sehen. Und sowas kommt beim Konsumenten einfach besser an...

Die Gegenseite, jedenfalls, hat sich auch geäußert. In der gestrigen Stellungnahme des Dog Institus von Frau Nowak heißt es:
"Um keinen Spekulationen Raum zu geben, können wir nur Informationen mitteilen, die wir bisher erfahren haben. Wie uns die noch währende Pflegestelle von Marcy mitteilte, soll ihr der Hund entzogen werden, damit ist sie keinesfalls einverstanden. Da sich Marcy wunderbar entwickelt hat, wie man am kommenden Sonntag auf ZDF bei unserem 2. Besuch bei Marcys Zuhause sehen wird, möchte die Pflegestelle den Hund auf keinen Fall abgeben. Bitte alle Anfragen zu den Hintergründen an den Tierschutzverein Russland Hilfe.[...]"
Ob Frau Nowak wohl mitbekommen hat, dass das ZDF Teil 1 von Marcy herausgeschnitten hatte, da möglicherweise selbst dem amateurhaften Blickwinkel des Senders aufgefallen sein mag, dass diese Szenen vielleicht doch ein bisschen zu... na, sagen wir, nicht nicht strafend, nicht konditionierend und nicht gewaltfrei genug waren, um dem großspurigen Vorspann zur "gewaltfreien Kommunikation" gerecht zu werden?

Egal. Alles Spekulationen.

In Folge 2 jedenfalls dürfen wir eine glückliche Marcy erleben, die uns - aus welchen Gründen auch immer - in Teil 1 vorenthalten wurde und für die definitiv zum heutigen Zeitpunkt ein neues Zuhause gesucht wird, eines, das der Hündin vielleicht mehr als 10 Minuten Training zugesteht, um die Chance eingeräumt zu bekommen, sich zu einem sichereren, angstfreieren Geschöpf entwickeln zu dürfen.

Echt jetzt mal: "Verbotene Liebe" oder "Marienhof" bei der Konkurrenz sind doch eigentlich voll der Scheiß gegen diese Seifenoper, findet ihr nicht? Hehe... "Verlogene Liebe" oder so...
  
In diesem Sinne:
Dieser Post hier hat keine Kommentarfunktion. Es wurde beim letzten Mal bereits alles gesagt, und ich muss es nicht nochmal hören - mir ist immer noch ganz blümerant vor so viel Gewaltrechtfertigungsbereitschaft, fundiertem Nichtwissen, Klisches und reflektionsloser Promiverherrlichung - das muss ich erstmal verdauen.
Mehr wäre für meine kleine deutsche Hundeseele einfach zu viel : )

P.S.: Übrigens: Alle, die mir beim letzten Mal unterstellt haben, ich sei ja nur neidisch: Ihr hattet ja so recht! Ich bin wirklich neidisch! Ich wäre gerne Marcy! Ich meine, die war immerhin irgendwie mal so halb im Fernsehen : )

Sonntag, 26. Mai 2013

Maja Nowak: Warum bist du bloß nicht Liedermacherin geblieben? <: ?

Wieviele Hundeflüsterer braucht die Welt noch? <: ?
Leute, ich muss es verkünden: Ein neuer Stern am Hundeflüstererfirmament tut sich auf. Endlich! Maja Nowak, einst rübergemachte Liedermacherin aus der DDR, hat sich ganz der Hundeerziehung verschrieben und flüstert sich jetzt durchs Fernsehen mit ihrer ganz eigens ausgedachten und vollkommen gewalt- und leckerlifreien Methode. Na, wenn das mal keine Sensation ist!

Meine grenzenlose Neugier ist geweckt, denn der ganze Schrott, der zurzeit in der Glotze zu bewundern ist und die Hirne der Konsumierer durch seine sensationsgeile Aufmachung weichkocht, benötigt dringend einer seriösen und wissenschaftlich fundierten Konkurrenz. Und wenn sich schon das ZDF mit einer solchen Sendung schmückt, dann nährt das auf jeden Fall meine Hoffnung auf hohe Qualität - denn sieht man mit dem Zweiten nicht besser?

Zwar macht mir bereits der Titel der 5-teiligen Fernsehsendung "Die Hundeflüsterin - Maja Nowak hilft" - wird ab Juni ausgestrahlt -, ein klitzekleines bisschen Zahnschmerzen, aber wir wollen ja mal nicht vorschnell urteilen, oder.
Schließlich gehe ich - als treuer Fan der öffentlich-rechtlichen Anstalten - mal davon aus, dass das ZDF schon bei der Wahl des Titels gut recherchiert hat und daher weiß, dass das Wort "Hundeflüsterer" - spätestens seit Cesar Millan - ein häufig missverstandener und falsch angewendeter Begriff ist. Denn einen wahren Hundeflüsterer zeichnet seine angeborene Begabung aus, mit einem Tier auf einer emotionalen Ebene kommunizieren zu können, die weder erlernbar noch lehrbar ist, da sie nicht auf Methoden, Wissenschaft und Rationalität basiert, sondern auf einem nicht erklärbaren Bauchgefühl, auf Intuition und Empathie oder auch einer inneren Verbundenheit oder Seelenverwandtschaft. Weltweit gibt es eine handvoll echter Hundeflüsterer, so heißt es.
Und Maja Nowak ist nun also eine von denen. Bin ich froh, dass das ZDF sie gefunden hat und sie zufälligerweise auch noch aus Deutschland kommt. Sehr praktisch!

Ich muss es gestehen, der Samen des Misstrauens gegenüber einem meiner Lieblingssender beginnt mächtig zu gedeihen, als ich lese, wie das ZDF von Maja Nowak schwärmt:
Die Sendung unterscheide sich von allen bisherigen Coaching- und Hundetrainer-Formaten, "in denen die Tiere mit Belohnungen und durch Konditionierungen über lange Zeit dressiert werden", denn - und jetzt kommt's:
"[Maja Nowak] kommuniziert mit Hunden auf einzigartige Weise, nämlich wie ein Hund und nicht wie ein Mensch. Lehren, die Maja Nowak aus der langjährigen Beobachtung von Hunden gezogen hat. Und die sind leicht verständlich. [...] Hier wird kommuniziert. Maja Nowak hat einen ganz eigenen Zugang zu den Tieren – kreativ, ohne Leckerlis und ohne Gewalt. Das Beeindruckende: Eine Veränderung passiert sehr schnell. Der Hund muss nicht mühsam über Wochen und Monate dressiert werden. Er versteht sofort, wenn jemand „seine Sprache“ spricht."

Na gut. Der Redakteur hat sich soeben als totale Katastrophe entpuppt, denn ganz offensichtlich ist er seiner journalistischen Verpflichtung einer fundierten Recherche nicht nachgekommen und hat sich keinerlei wissenschaftlicher Kenntnisse befleissigt - dafür aber jede Menge Klischees wiedergegeben. Aber was soll's, da kann ja nun Frau Nowak auch nix für.

Ich beschließe also, mir das gewalt-, konditions- und belohnungsfreie hündisch von Frau Nowak mal reinzuziehen und herauszufinden, ob sie hält, was sie verspricht. So, wie ich es schon mal ganz theoretisch im Post "Wie erkenne ich einen guten Hundetrainer" beschrieben hatte, nehme ich mir Stift und Papier und beginne anhand des ersten Falles zu beobachten, wie oft Frau Nowak nun tatsächlich gewaltfrei agiert - oder eben auch nicht.

Im diesem ersten Fall geht's um den Strassenhund Marcy aus Russland, der nun bei einer Arzthelferin in Deutschland lebt, die mit den Beißattacken ihrer Hündin gegenüber Menschen verständlicherweise komplett überfordert ist.
Die Hundeflüsterin betritt die Bühne, schickt die Arzthelferin erstmal von derselben - und ich beginne, mitzuschreiben...

... bis nur wenige Minuten später.
Ehrlich, ich war echt gewillt! Ich wollte ganz neutral, nach meinem eigenen Ratschlag aus dem Post, eine Strichliste führen. Wie oft wird belohnt, wie oft wird gestraft, usw.

Aber was muss ich euch sagen? Nach nur wenigen Minuten schon musste ich dringend Stift und Papier wegschmeißen und erstmal ordentlich kotzen gehen!
Diese Frau Hundeflüstererin macht 10 Minuten lang nichts anderes als zu strafen! Positive Strafe, negative Strafe - da ist alles dabei. So viele Striche passen gar nicht auf meinen Zettel!
Ganz leckerlifrei bedroht sie körpersprachlich und handgreiflich diese arme Kreatur, die vor lauter Meideverhalten schon nicht mehr weiß, wohin mit sich. Die bemitleidenswerte Hündin, die sowieso schon vor lauter Angst vor Menschen, diese attackiert sobald sie ihre Individualdistanz unterschreiten, wird nun bei dieser "kommunikativen" Spezialbehandlung noch mehr geängstigt und traumatisiert. Jede Körperfaser dieses Hundes drückt fürchterliche Angst aus. Er wird mit Gewalt festgehalten, mit Gesten und Mimik bedroht, bezischt und auf den Boden gedrückt. Nach einiger Zeit des Kampfes gibt er auf und legt sich "entspannt" ab. Ein voller Erfolg! Ich kriege echt gleich Brechdurchfall!
ENTSPANNT??? Ja, wollt ihr uns verarschen? Seit wann kann man denn Jemandem durch Gewaltanwendung die Angst nehmen und entspannen?
Was für eine bodenlose Volksverdummung! Ich überlege ernsthaft, ob das ZDF wirklich unsere Fernsehgebühren verdient hat.

Fassen wir also nochmal zusammen:
  • Lüge Nr. 1: Frau Nowak ist ganz sicher keine Hundeflüsterin. Aber immerhin eine echte Scharlatanin - das ist ja auch was.
  • Lüge Nr. 2: Frau Nowak mag ihre eigene Methode entwickelt haben. Aber die ist NICHT gewaltfrei. Schaut es euch an. Da muss man wirklich kein Experte in Körpersprache sein, um das zu erkennen!
  • Lüge Nr. 3: Frau Nowak mag ausgebildetete Hundepsychologin sein, aber bei der Lektion "Lerntheorie" hat sie offentlichlich geschwänzt. Sonst wüsste sie, wie Wirbeltiere lernen. Über positive (Belohnungen) und negative (Strafen) Konsequenzen. Auch operante Konditionierung genannt. Das mag sie uncool finden und es lieber Kommunikation nennen - aber Fakt ist, auch Frau Nowak konditioniert. Und zwar nicht über Belohnung (die einzige Wahrheit in diesem Märchen), sondern über Strafe. Und diese ist Bestandteil der operanten Konditionierung. 
  • Lüge Nr. 4: Frau Nowak mag mit Hunden in Russland oder in Kleinkakafuja gelebt haben, aber von Körpersprache versteht sie nichts, was schade ist, wenn man doch so lange angeblich so eng mit Hunden gelebt hat! Insofern ist es entweder Dummheit oder einfach frech von ihr zu behaupten, sie würde wie ein Hund kommunizieren. Frau Nowak kommuniziert wie ein bedrohlicher Mensch! Mehr nicht. Und ich werde jetzt hier nicht zum 97. Mal darauf eingehen, dass es vollkommen ausgeschlossen und lächerlich ist, wenn Mensch sich einbildet, auch nur annähernd wie ein Hund kommunizieren zu können! Und Hunde auch noch doof genug seien, einen Menschen mit einem Hund zu verwechseln. Wer sich einmal mit der extrem feinsinnigen und komplexen Körpersprache des Hundes beschäftigt hat und weiß, welche subtilen Signale Hunde untereinander senden, um sich zu verständigen, wird ganz schnell diesen sauarroganten und dummen Gedanken ad acta legen.
Wegen mir kann Frau Nowak ja "kommunizieren" wie sie es für richtig hält. Sie sollte ihre Methode jedoch nicht mit Worten schön reden, sondern sagen wie es ist. Damit die Leute auch wissen, was sie erwartet. Sie sollte dabei auf jeden Fall auch nicht vergessen zu erwähnen, zu welchen tickenden Zeitbomben Hunde mutieren, deren aggressives Verhalten man durch aversive Methoden hemmt. Und dass ein schneller Erfolg zwar durchaus in unsere erfolgsorientierte Leistungsgesellschaft passt, Lernprozesse allerdings komplex sind und man viel Geduld und sehr viel Training braucht, um unerwünschtes, und schon gar angst- oder aggressionsbasiertes Verhalten zu verändern.

Es ist ein Trauerspiel! Wieder einmal sind es die Medien - und dieses Mal sogar mein hochgehaltenes öffentlich-rechtliches Fernsehen - die aus reiner Unwissenheit und schlampiger Recherche oder auch schnödem Kalkül - die Einschaltquoten fest im Visier -, einen weiteren Scharlatan nach oben schwämmen und zu einem glorifizierten Ruf verhelfen. Ein weiterer falscher Hundeflüsterer, den die Welt nicht braucht.

Frau Nowak, warum bist du bloß nicht Liedermacherin geblieben! >: [

Samstag, 11. Mai 2013

30 Jahre Hundeerfahrung - Ein echtes Qualitätsmerkmal! : )

Der knallharte Killerrüdentipp des Tages:
"Manchmal sind 30 Jahre Erfahrung
einfach voll für'n Arsch..." : )
Wie oft hört man es: "...Hundeexperte mit 30 Jahren Erfahrung..."

Ehrlich? Wenn ich sowas höre, bekomme ich eine gigantische Piloerektion und nehme schnellstens die Beine in die Pfoten!
Denn dieser Satz, der bei so Vielen erstmal mächtig Eindruck schindet und denken lässt, "na, der muss es ja drauf haben", besagt ja nu' mal rein JOR NÜSCHT über die Methode, mit der der sogenannte Experte die Hunde "trainiert".
Und schlimmer noch, ganz oft steckt dann tatsächlich auch noch einer dieser "Experten" dahinter, die es tatsächlich geschafft haben, 30 Jahre lang ohne Weiterbildung durchs Leben zu gehen, die seit 30 Jahren alleine vor sich hin wurschteln, noch nie 'n Fachbuch gelesen haben, dafür aber mit Elan und Fleiß Hunde auf den Rücken schmeißen, den Alpha-Horst raushängen lassen und mit Blechnäpfen um sich scheppern. Herzlichen Glückwunsch!

Aber selbstredend will ich niemandem seinen Expertenstatus absprechen. Verdient ist verdient! 30 Jahre sind schließlich ja auch nich' nix, oder.
Ich bin einfach nur für ein kleines bisschen mehr Sprachgenauigkeit.
Ich meine, wenn man die Putzfrau heute Raumpflegerin nennt und die Sekretärin Office Managerin, dann könnte man sich beim banalen "Hundeexperten mit 30 jähriger Erfahrung" durchaus auch ein bisschen mehr einfallen lassen.

Wie wär's also zum Beispiel mit: "Dominanz- und Alpharollenspezialist". Sehr seriös! Oder: "Experte im Ängstigen und Traumatisieren", kurz: EAT - es soll sich ja keiner die Zunge brechen. Schön fände ich aber auch mal ein paar lateinische oder englische Brocken einzubringen. Die unterstreichen nämlich die Bedeutsamkeit. Zum Beispiel: "Der Submissions-Profi" oder "The Whispering Will Breaker". Ich meine, hallo?! Hier ist der Kreativität doch wahrlich keine Grenze gesetzt!
Und diese echt geilen Titel sind dazu noch voll adequat - denn jeder weiß sofort, woran er ist!

Ok, ich mach's kurz... Freunde des preussischen Obrigkeitsdenkens, was ich eigentlich sagen wollte: 30 Jahre Erfahrung - Toll! Nur, worin eigentlich? : )

Dienstag, 7. Mai 2013

Die teuflische Abhängigkeit vom Futterbeutel : )

Ein frischer, dampfender Pferdeapfel
kann durchaus belohnend wirken : )
© Wikipedia
Freunde der Futterbeutelgegner und Klickerhasser, jetzt kommt was für euch!

Ihr spottet doch immer so hübsch eloquent, dass die "Klickerfraktion" nur mit Leckerlis überleben würde und wehe dem, wenn sie mal ohne aus dem Haus ginge! Dann wäre der Hund nicht mal mehr zu 'nem müden Sitz zu bewegen. Und das ganze Geklickere sei damit auch voll fürn Arsch. So oder so ähnlich...

Hach, ich bin neidisch! Bei solchen Statements erkennt man einfach mal wieder eure hundert- bis mindestens tausendjährige Erfahrung im Umgang mit Hunden, toll!
Allerdings muss ich euch ein ganz klein biki enttäuschen, denn die "Klickerfraktion" - nennen wir sie doch einfach mal, "die, die mit dem Markersignal arbeiten" - ist jung, dynamisch und progressiv und daher nicht mal annähernd so unbedarft, wie ihr es euch in eurem verstaubten Paralleluniversum so vorstellt!

Vor kurzem hab' ich euch ja die Angst vor der Wissenschaft bereits genommen (ihr erinnert euch), deshalb seid ihr jetzt natürlich total aufnahmebereit für ein weiteres Kapitel aus der Lerntheorie:
Säugetiere lernen über die Konsequenzen ihres Verhaltens. Das wisst ihr natürlich, denn das lernt jedes Kind (außer Cesar Millan und Maja Nowak) im Biounterricht.
Diese Konsequenzen können - wie das Leben so spielt - gut oder schlecht sein. Gute Konsequenzen auf ein Verhalten - und jetzt kommt's! - bedeutet in der Praxis, dass etwas Positives, BELOHNENDES folgt, womöglich sogar ein BEDÜRFNIS über einen sogenannten funktionalen Verstärker (= Belohnung, die für den Hund tatsächlich eine Belohnung bzw. Bedürfnisbefriedigung darstellt) gestillt wird. Mit dem Effekt, dass der Hund das Verhalten öfters zeigen wird, da er positive Konsequenzen geil findet.

So. Und nun frage ich euch: Wenn ihr 'ne fette Portion Fritten rot-weiß mit Currywoosch intus habt und die euch so richtig fies im Magen liegt, hättet ihr dann das Bedürfnis, noch 'ne Portion reinzuschieben???

Ahaaaaa?! Klingelt's?

Was wäre in diesem Fall wohl der naheliegendste, natürlichste Verstärker? Vielleicht 'ne Flasche Bier zum Runterspülen? 'Ne Tablette gegen Sodbrennen? Oder gar den Finger in den Hals stecken?
Ei, nu' gugge: Gleich drei völlig unterschiedliche Verstärker, um ein ganz individuelles Bedürfnis zu befriedigen.

Tja. Und nun wird es euch sicher nicht verwundern, wenn ich euch verrate, dass das beim Hund haargenauso funktioniert! Kein Hund ist so simpel strukturiert, dass ihm immer und überall Leckerlis als das Non plus Ultra erscheinen!
Wer jetzt das Gegenteil behauptet, der hat entweder keine Fantasie oder Tomaten auf den Augen, wenn es darum geht, seinen Hund mal zu beobachten. 

So. Und da "die, die mit dem Markersignal arbeiten" ja mitdenken, wissen die das schon lange. Und deshalb schaffen die auch nicht nur mit Leckerlis, sondern mit allem, was für ihren Hund einen Verstärker darstellt.
Im übrigen spielt das Markersignal beim Lernen über Konsequenzen überhaupt keine Rolle. Es kündigt lediglich an, dass etwas positiv Verstärkendes folgt und vereinfacht die Ausführung der Belohnung und das Timing für den Menschen. Nicht mehr, nicht weniger.
Einzig das Verhalten des Hundes bestimmt die Art der Konsequenz!

Was macht euer Hund also wirklich gerne? Was tut ihm wirklich gut? Was sind seine Bedürfnisse in Abhängigkeit zu einer bestimmten Situation?
Zum Beispiel: Der Hund soll ein Sitz machen, würde aber viel lieber gerne rennen. Wäre es da nicht echt clever, ihn zur Belohnung danach rennen zu lassen, wenn es die Umgebung erlaubt, statt ihm ein Leckerli ins Maul zu schieben?
Oder er hat Schiss vor einem entgegen kommenden Hund. Helfen da wirklich Leckerlis, um seinem dringenden Bedürfnis nach mehr Abstand nachzukommen?

Hier mal ein paar killermäßige Anregungen, was eurem Hund gefallen könnte und BELOHNEND / VERSTÄRKEND wirken könnte:
  • Lobende Worte
  • Streicheln (Aber Achtung: Viele Hunde empfinden Streicheln zum Beispiel in aufregenden Situationen NICHT als Belohnung! Sie harren zwar oft aus, weil sie nett sind, meist aber meiden sie, durch Kopfwegdrehen etc., und so bleibt der verstärkende Effekt aus. Die Belohnung ist keine, im Gegenteil, die nett gemeinte Belohnung kann strafend wirken.)
  • Ohren kraulen (s. o.) 
  • (gemeinsam) Rennen
  • Zerren
  • Buddeln
  • Suchen
  • In Kuhfladen wälzen
  • Pferdeäpfel fressen
  • An Baumstämmen hochspringen
  • Schwimmen
  • Jagen
  • Schnüffeln 
  • Körperkontakt
  • Abstand zu anderen Hunden
  • Nähe zu anderen Hunden
  • Ein Stofftier zerlegen
  • Mit anderen Hunden spielen
  • Beobachten
  • Am Menschen hochspringen
  • Auf dem Sofa liegen
  • Bellen
  • u. v. m.!!!
So. Und all dies kann man kreativ einsetzen! Man MUSS keine säckeweise Leckerlis mitschleppen, wenn man der Meinung ist, dass sei uncool.
Sollte der Hund allerdings anderer Meinung und über Leckerlis hervorragend zu motivieren sein, warum sich diese Möglichkeit dann nicht offen halten? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Belohnen mit Leckerlis schnell geht, bequem ist und den Hund oft genug befriedigt.
Was zum Henker ist also so schlimm daran? Weil es für euch nicht zumutbar ist, ein paar Leckerlis in die Hosentasche zu stecken? Weil ihr meint, der Hund sollte einfach so das machen, was ihr von ihm erwartet? Womöglich auch noch ganz ohne Worte natürlich? So 'n bisschen telepathiemässig? Nee, ja, is' klar...

Und die, die jetzt sagen, ich will meinen Hund nicht bestechen, haben den Unterschied zwischen Bestechung und Belohnung nicht kapiert: Bei der Bestechung wird das Leckerli dem Hund schon vor Augen geführt, BEVOR er das erwünschte Verhalten gezeigt hat. Die Gefahr hierbei ist in der Tat groß, dass er zukünftig nur etwas macht, wenn er die Belohnung auch schon vor Augen hat. Deshalb ist es so wichtig, erst in die Tasche zu greifen, wenn das Verhalten auch gezeigt (und das Markersignal gegeben) wurde. Und warum gutes Verhalten dann nicht belohnen?
Herrje! Und selbst ab und an Bestechung - na und? Ist nicht jeder käuflich? Und wieso unbedingt beim Hund anfangen?

Da fällt mir noch was ein: Wie oft rennt ihr eigentlich so auf der Arbeit an der Schüssel mit Gummibärchen vorbei und schiebt euch welche - ganz selbstbelohnend! - rein? Und was ist mit dem Stück Kuchen am Nachmittag?
Na gut, ist natürlich gaaaanz was anderes, ihr seid ja Menschen. Und Menschen sind nun mal von Haus aus immer auf der Suche nach (Selbst-)Belohnung: Ob beim Shopping, beim Sport, durch Anerkennung auf der Arbeit, beim Essen, im Urlaub - heute gönnen wir uns mal was... Hunde müssen natürlich einfach nur funktionieren. Und zwar ohne diesen ganzen Belohnungsquatsch.

Grumpf, ehrlich? Wer so denkt, der sollte definitiv überlegen, ob ein Hund wirklich das Richtige für ihn ist, oder ob er sich nicht besser ein Tamagotchi zulegt.

Dem Rest wünsche ich viel Freude dabei, mit seinem Hund zusammen ein ausgefuchstes Belohnungssystem zu erarbeiten, zu dem ganz sicher auch Leckerlis gehören, oder für besonders tolle Leistungen durchaus auch hochwertigere Futterbelohnungen wie Wurststücke, Futtertube oder Käsestücke - ganz nach Gusto des Hundes!
Er hat es womöglich mehr verdient, als ihr eure Gummibärle, denn er musste dafür arbeiten! Grumpf! : )

Freitag, 3. Mai 2013

We proudly present: Weil es auch anders geht! : )

Kumpels, Tölen, Groupies, Lausemädchen! Sperrt die Schlapp-, Steh- und Kippohren auf und tragt es in die Welt hinaus!

Weil es auch anders geht!
Die Aktion der Hundeschule "FinnsWelt" gegen Gewalt in der Hundeerziehung!

Wir bekennen Farbe! Wir stehen ein für unsere Philosophie!
Denn Gründe gibt es ohne Ende:

Weil Gewalt kein guter Lehrmeister ist!
Weil Gewalt Gegengewalt erzeugt!
Weil Respekt nicht beim Menschen aufhört!
Weil Hund nicht gleich Hund, sondern ein Individuum ist!
Weil Menschen und Hund entspannt besser lernen!
Weil wir miteinander wachsen!
Weil sie uns vertrauen!
Weil auch der Hund einen besten Freund braucht!
Weil Vertrauen keine Einbahnstrasse ist!
Weil wir ein Team sind!

Zahlreiche Kunden und ihre Hunde haben der Aktion IHR Gesicht gegeben! Sie alle unterstützen uns aus fester Überzeugung. Denn sie alle durften erfahren, welchen Lohn, welche Freude und Stolz es bedeutet, gewaltfrei auf Grundlage positiver Verstärkung zu trainieren und den Alltag mit ihren Hunden entspannt und mit Teamgeist zu meistern!



Wir möchten mit dieser Aktion dazu beitragen, ein neues Bewusstsein zu schaffen. Denn es muss endlich Schluss sein mit Leinenruck, Alphawurf, Schnauzengriff, Schreckreizen & Co.!

Weil diese "Lehren" auf Irrtümern entwickelt wurden!
Weil man heute weiß, wie Hunde wirklich lernen!
Weil es falsch ist!



Dienstag, 30. April 2013

Irren ist wissenschaftlich : )

+ + +   H E U T E   G A R A N T I E R T    P Ö B E L F R E I  ! ! !   + + +

Albert Einstein: "Mache Fehler" : )
© picture-alliance
Die Hyphothese : )

Man hört es häufig in der Menschenwelt: "Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass..."
Und kaum ist der Satz rausgeflutscht, gehen bei Vielen sofort die Schotten runter. "Komm mir bloß nicht mit Wissenschaft!"
Bei Diskussionen über Hundetraining zum Beispiel, ein weit verbreitetes Phänomen. Sobald das Wort Lerntheorie fällt, ist Schicht im Schacht.
Jedwede weitere Diskussion könnte man sich zu diesem frühen Zeitpunkt bereits schenken, denn selten wird sich der weitere Verlauf konstruktiv gestalten.
Typischerweise kommen dann solche Antworten wie: "Man kann nicht alles mit Wissenschaft erklären, wir sind schliesslich vor allem Menschen..." oder: "Heute sagt die Wissenschaft so, morgen so. Ich geb' da nix drauf!".

Für Viele ist Wissenschaft etwas höchst Suspektes: Hochschlaue Experten reden oder schreiben hochkomplizert in einer höchst unverständlichen Sprache über hochkomplexe Dinge - die keine Sau kapiert. Und in zehn oder zwanzig Jahren ist das, was als "wissenschaftlich erwiesen" galt, kalter Kaffee und die nächste hochschlaue Generation von Wissenschaftlern präsentiert die nächste hoch komplexe "wissenschaftlich erwiesene" Erkenntnis, die die letzte unwiderruflich widerlegt.
Was ein Theater! Na, da geht mir der ganze Wissenschaftsquatsch doch mal lieber gleich komplett am Arsch vorbei!

Die Theorie : ) 

Was natürlich Selbstbeschiss ist.
Wissenschaft begleitet die Menschheit auf Schritt und Tritt. Ob's eine neue Zahnpasta ist, die die Zähne weißer machen soll, eine neue Laufjacke, die noch mehr Atmungsaktivität und Wasserdichtheit verspricht, ein Mittel gegen Zecken, die Mondlandung oder die Erkenntnis, dass Luft leichter ist als Wasser oder der Hund vom Wolf abstammt: Alles basiert auf Wissenschaft und Forschung!

Nur passen den Menschen manche wissenschaftlichen Erkenntnisse natürlich besser in den Kram als andere.
Selbst dann manchmal noch, wenn sie sich bereits längst als veraltet oder falsch erwiesen haben.

Die ständige Selbstüberprüfung der Wissenschaft : )

Denn natürlich macht Wissenschaft auch Fehler, denn hinter jeder Forschung stehen Menschen, und die sind nun alles andere als vollkommen: Künstliche Forschungsbedingungen, eine falsche Datenbasis, begrenzte finanzielle Mittel, mangelhafte Technologien oder Analysetechniken, aber auch persönliche Präferenzen, politische Färbungen, Lobbyismus etc. können falsche Ergebnisse begünstigen.

Da aber jede wissenschaftliche Erkenntnis ständig auf dem Prüfstand steht - denn jeder hat das Recht, Theorien zu überprüfen, zu verifizieren oder zu verwerfen - werden Fehler auf kurz oder lang aufgedeckt. Damit ist Wissenschaft einer ständigen Qualtitätskontrolle ausgesetzt. Und wird dort korrigierend eingreifen, wo Ergebnisse nicht astrein sind. Wo gibt's so was sonst schon?

Ein Fallbeispiel : )

Der Weg zur Erforschung des Haushundes verlief extrem holperig - auf Kosten vieler Hundegenerationen. Eine Verkettung unseliger Umstände, Zufälle und Versäumnisse verhalfen dem Haushund zu seinem in den Köpfen der Menschen fest verankerten dominanten Ruf.

Die Datengrundlage : )

Weil Wissenschaftler vor knapp 90 Jahren die Hackordnung unter Hühnern entdeckten und diese Erkenntnis dann - und das war der erste Fehler - unüberprüft auf andere Wirbeltiere generalisierten, galt der Hund lange Zeit als eine ebenfalls in einer strengen Rangordnung lebenden Art.

Und als man in den 60er Jahren begann Wölfe zu beobachten, die scheinbar ebenfalls nach hierarchisch organisierten Sozialstrukturen lebten, fühlte man sich in seiner Annahme bestätigt.
Was jedoch bei der Jahrzehnte andauernden Beobachtung von Wölfen nicht bedacht wurde, ist die Tatsache, dass die Wölfe nicht in ihrer natürlichen Umwelt beobachtet worden waren, sondern in künstlichen Gehegen, in denen ganz andere Gesetzmäßigkeiten gelten, als in der freien Wildbahn.

Somit waren die Beobachtungen zwar nicht falsch, aber die Schlussfolgerung dafür um so mehr: Nämlich, dass dies für alle Wölfe dieser Erde gelten müsse und - weil der Hund ja vom Wolf abstammt - somit auch für den Haushund.

Ein tragischer und weitreichender Irrtum einzelner Wissenschaftler und Forscher mit fatalen Folgen für viele Generationen fehlinterpretierter Hunde!

Denn man folgerte natürlich nun konsequenterweise, dass ein Hund auch in der menschlichen Familie in einer Rangordnungsstruktur eingegliedert werden müsse und als unterstes Glied in dieser Kette stets und mit allen Mitteln zu unterwerfen sei, um seine niedere Position im "Rudel" für alle Zeit zu betonieren und seine Dominanzbestrebungen, die man ja bei den Wölfen im Gehege zweifelsfrei beobachtet hatte, zu unterdrücken.

Ein weiteres wirklich blödes Versäumnis war, dass lange Zeit das Sozialverhalten des Hundes als eigenständige Art überhaupt gar nicht ernsthaft erforscht worden ist, da man sich eher auf Wölfe und auf andere Säugetiere verlegt hatte, so dass erst sehr spät viele neue Erkenntnisse gewonnen wurden, die u. a. endlich auch die Domestikation als wichtigsten Einflussfaktor zur Grundlage hatten, und die mehr als deutlich machten, wie sehr sich der Hund vom Wolf tatsächlich unterschied - trotz der engen genetischen Verwandtschaft.

Den Wolf vorzuschicken, um das Wesen des Haushundes zu erklären, galt von nun an allgemein als nicht mehr valide.

Die Validierung : )

Die Forschungsergebnisse und die daraus resultierenden Ableitungen wurden seitdem von vielen Experten breitflächig unter die Lupe genommen, mit dem Resultat, dass alle Forschungsergebnisse in die gleiche Richtung wiesen, die die Theorie untermauert, dass Hunde in einem sozialen Gefüge leben, das weder Alphakonzept noch lineare Rangordnungsstrukturen kennt und dass Hunde nicht in dem Bestreben leben, eine ranghohe Position innerhalb ihrer Gruppe einzunehmen.

Trainingstechniken der alten Schule, in der es um die Rangreduktion des Hundes geht und die Methoden wie den Alphawurf, Nackenschütteln etc. beinhalten, sind somit komplett hinfällig.
Im Gegenteil, der Kenntnisstand, den man heute über Haushunde pflegt, belegt, dass sie sogar kontraproduktiv und mitunter gefährlich sind:
Ein Hund, der ein Tier am Nackenfell schüttelt, will es töten, nicht erziehen! Schüttelt man einen Welpen am Nacken, so erzeugt man Todesängste, was psychische Schäden und spätere (auch gefährliche) Verhaltensauffälligkeiten zur Folge haben kann.

Man könnte nun natürlich behaupten, die Wissenschaft hat sich einmal geirrt, warum nicht auch ein zweites Mal?
Theoretisch ist alles möglich, aber auch praktisch? Eine erneute 180-Grad-Wendung, die alles über den Haufen schmeißt, was in den letzten Jahrzehnten weltweit von vielen Forschern verschiedenster Gebiete wie der Ethologie, Neurobiologie oder Lerntheorie aufgedeckt wurde und deren Ergebnisse ein in sich schlüssiges Gesamtbild ergeben, scheint wenig wahrscheinlich.

Die Schlussfolgerung : )

Wissenschaft an sich ist also eigentlich nicht wirklich suspekt. Mancher vergeistigter Wissenschaftler vielleicht, der den Bodenkontakt vor lauter Fachidiotie verloren haben mag. Nicht aber die Wissenschaft als solche.
Prinzipiell dient sie einem einzigen Zweck: Wissenschaft schafft Wissen! Manchmal auf Umwegen zwar, aber dennoch unaufhaltsam und stetig.
Wissenschaft gehört zum Mensch, wie die Sonne zur Erde, ihr Antrieb ist die Neugier. "Erforschen" Kinder nicht auch ihre Umwelt, "experimentieren" mit Fröschen und Regenwürmern? Sammeln sie nicht auch Daten und Fakten, ziehen ihre Lehren daraus, verfallen möglicherweise Irrtümern, stellen neue Überlegungen an und kommen zu schlüssigen Ergebnissen, die zumindest für sie in dieser speziellen Situation, an diesem speziellen Ort Gültigkeit haben? Bis ein Kumpel vorbeikommt und durch einen neuen Aspekt alles wieder in Frage stellt? Ist das nicht auch eine Art der "Wissenschaft"?

Wenn es stimmt, dass uns Pawlow immer auf der Schulter sitzt und Skinner auf der anderen, dann sitzt uns die Wissenschaft garantiert im Nacken. Wie sagt olle Einstein? "Lerne die Regeln und gewinne das Spiel"! : )

Mittwoch, 17. April 2013

Die Heimsuchung des Wanderschlüppers : )

Ding Dong!
Guten Tag, da bin ich wieder, und jetzt zieh' ich bei dir ein...
Na bravo! Ich hab's gewusst! Mist!

Und wer steht da vor der Tür? Ihr ahnt es schon, der olle Wanderschlüpper! Dieser sagenumwobene, unselige, unkaputtbare, pinke und wirklich innerdeutsch weit herumgekommene Wanderschlüpper, der vor über einem Jahr zum ersten Mal auf Reisen ging (ich berichtete mehrfach)! 

So. Und nu' hab ich ihn an der Backe, dank Bazi, dem ollen Ossisack! 

Die Eifel-Terrier-Terrör-Agents schickten die Buxe nämlich - die mittlerweile die Form eines 2-Mann-Zelts angenommen hat, dank einiger dicker Ärsche, die sich ja unbedingt da reinzwingen mussten - erneut in den dunkelen Teil Deutschlands, nach Leipzig. Da war er ja schon mal bei seiner ersten Reise, ihr erinnert euch, doch dieses Mal hieß das Ziel nicht "der Dicke von der Fellpresse", sondern "Bazi's Fundbüro".

Was ist das? Ein Metropa-Nudelholz aus Plaste?
Und: Wem gehört das?
Abzuholen in Bazis Fundbüro, Leipzig : ) 
Bazi, der in den Osten rübergemachte Bayer und bester Kumpel vom Dicken, müsst ihr wissen, ist nämlich leidenschaftlicher Messie. Der sammelt alles, was nicht niet- und nagelfest ist:
Ob Schnuller, Mützen, Schals, Handschuhe, Stofftiere, BHs, Schuhe, Rührschüsseln oder seltsame Dinge unbestimmter Bestimmung und Herkunft: Bazi findet alles, bringt alles und schleppt alles heim - leidenschaftlich - vollkommen freiwillig - kompromisslos - und seit Jahren!
Sein Fundbüro kann sich mittlerweile sehen lassen. Und man könnte wirklich darüber staunen, was die Ossis nicht alles so verlieren!
Kein Wunder, dass die nüscht haben, die alten Schlamper... 

Aber kommen wir zum Wesentlichen.
Hier ein misstrauischer Bazi bei der obligatorischen Anprobe der Flodderbuxe:

Jo mei, wos is jetz' des? Iiihhhh, das stinkt nach Käse
und diversen Hundehintern! : )

Also nee, echt nicht... : )

Mit lila Fundkappe fast Glööckler-reif.
Die Kapp' ziert übrigens mittlerweile Fraules (also mein Fraules!) Kopp : )
Tja. Nun ja. Bazi dachte wohl, so viel lila und pink, das schick ich mal besser zum Willi, der freut sich. So. Na toll. Und jetzt liegt also das Ding bei mir rum und wartet auf seine weitere Bestimmung. Und die kenne ich bereits, das kann ich euch versprechen! Ich sage nur:
Konstanz - Leipzig - Siegen - Seesen - Stuttgart - Bad Honnef - Dormagen - Eifel - Leipzig - Konstanz. Und was liegt da eigentlich näher als Leipzig? Die Buxe ging zuallerst in den Osten - als Geschenk, MEIN Geschenk, möchte ich nochmal betonen! - und dort wird sie auch enden! So. Schreibt euch das hinter die Schlappohren, meine Freunde! : ) 

Übrigens müsst ihr nicht glauben, dass ich so ein fieses stinkendes Ding über meinen allerhochheiligwertesten stülpe. Ich habe schließlich einen Ruf zu verlieren und das wäre wahrlich unter meiner Killerwürde! Mal ganz davon abgesehen, dass mir die Buxe natürlich Kilometer zu groß ist.
Deshalb habe ich meinen Kumpel Benni gebeten, mir Model zu stehen. Und das hat er, nach anfänglichem Rumgezicke und einigen unsittlichen Annäherungsversuchen, ganz gut gemacht. Seht selbst... : )


Also schön, Benni, mein Gudster...
Ich werde dich jetzt ankleiden! : )

Jetzt halt still, du oller Elefant, du! : )

So ein Zappelphilipp, der Dicke!
Mann ey, scheiß viel Abeit! : )

Uffz! Na also, geht doch! : )


Sitzt, passt, wackelt und hat Luft! Und steht ihm super, oder? : )

Mönsch, Benni, du olle Wutz, hier gucken Kinder zu! : )

Ahhhhhhrghhhh! Du Sau! Runter von mir! : )
 
Jetzt ist aber Schluß mit lustig! : )

So. Na also - Ende gut, alles Gut! : )




Donnerstag, 11. April 2013

Achtung: Dominanz hört nicht an der Türschwelle auf! Sie geht viel weiter!!! : )

Ok, Freunde der Dominanztheorie, ihr seid ja schon ganz schön fit bei diesem allseits beliebten Dauerbrenner. Ich fasse kurz zusammen:

Ein Hund - und das wissen wir ja alle - will sein ganzes Leben lang dominieren: Kaum aus dem Mutterleib geschlüpft, da ist es ihm klar wie Würstlwasser: Er will die Weltherrschaft! Und jaaa, er will sie unbedingt! Sein ganzes Walten und Schalten, alles Denken, seine Träume und jeder Plan, den er von nun an schmiedet, kreist um den einen, den einzigen Zweck: DIE DOMINANZ! Es ist ihm genetisch mitgegeben, das hat er quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Und zwar Dominanz über alles und jeden. Er ist Dr. Mabuse, Voldemort, Sauron und der Antichrist in Hundegestalt! Und das beweist er ja auch von Welpenbeinen an pausenlos:
  • Er will andauernd aufs Sofa!
  • Er will im Bett schlafen!
  • Er will höher sitzen als alle anderen!
  • Er will immer als erster durch die Tür!
  • Er stubst ständig seinen Menschen an!
  • Er legt unentwegt die Pfote auf Körperteile anderer Lebewesen!
  • Er rennt seinem Menschen bis aufs Klo nach!
  • Er besteigt alles, was nicht bei drei aufm Baum sitzt!
  • Er will dauernd als erster fressen!
  • Er manipuliert mit Unschuldsmine und harmlos aussehenden Schlappohren seinen Menschen!
Die Liste geht sicher weiter, aber ich muss ja nicht alles aufzählen, schließlich, wem erzähl ich das? All dies ist euch ja nun wirklich hinlänglich bekannt!

Dennoch möchte ich nicht versäumen, euren Horizont um einen weiteren, ganz wichtigen Aspekt zu erweitern, der ebenfalls als eindeutiger Beweis für die Dominanzbestrebungen eures Hundes gewertet werden kann - euch das womöglich bisher nur nicht bewusst war:

Habt ihr euch vielleicht schon öfters mal verschämt gefragt, warum euer Hund so gerne die Kackhaufen von anderen Kumpels frisst? Habt ihr ihn daraufhin womöglich untersuchen lassen auf irgendwelche Mangelerscheinungen? Dachtet ihr, er macht so voll ekelige Sachen, weil ihm das Häufchen so gut mundet? Oder weil's so lecker riecht?




HAHAAAA! FALSCH GEDACHT! TOTAL DANEBEN!
Die Wahrheit nämlich ist, und ihr erratet es jetzt schon: Er frisst die Kacke von anderen Hunden, weil er sie DOMINIEREN will! Also nicht die Kacke, sondern die anderen Hunde natürlich. Jetzt seid ihr platt!

Woher ich das weiß? Das weiß ich ausm Forum, aus erster Pfote sozusagen, von einem sehr erfahrenen Hundehalter, der sein "Rudel" im Auslauf hält und dort mit einem besonders dominanten Exemplar zu kämpfen hatte, dessen Strategie lautete, dem Allerallerranghöchsten im Rudel seinen Führungsanspruch durch Kacke unterm Hintern wegfressen streitig zu machen. Diese ausgesprochen hinterhältigen Dominanzbestrebungen seines Hundes im Kot ersticken konnte der ausgefuchste Hundehalter übrigens durch ein konsequentes, und ganz oft wiederholtes "Nein", "Nein", "Nein", "Nein", "Nein", "Nein", "Nein", "Nein", "Nein". Nun ja...

So. Jetzt wisst ihr Bescheid! Man lernt doch einfach nie aus!

Ich meine, das mit der Dominanz ist doch echt easy. Wenn ihr euch absolut nicht erklären könnt, warum euer Hund irgendwas macht oder irgendein bestimmtes Verhalten zeigt, dann ist die Antwort auf die Frage garantiert: Weil er dominieren will! Wie war das, ist die Antwort auf alles nicht immer 42 oder so?

Ich meine, das ist doch auch viel viel einfacher, als sich wirklich mal ernsthaft mit dem Thema Dominanz zu beschäftigen, und zum Beispiel ganz einfach über Google oder unzählige gute Bücher, Zeitschriften oder Berichte womöglich herauszufinden, dass diese sich so hartnäckig wie Nagelpilz haltende Dominanztheorie seit mindestens 20 Jahren wissenschaftlich widerlegt ist und überhaupt nur auf einem fatalen Irrtum begründet, entstanden ist.

Ja, das bringt Weltbilder zum Einstürzen!
Und da ist es doch eigentlich wirklich viel gemütlicher, einfach ein bisschen zusätzlichen Verbalkot in den Orbit zu schwallern, um die Dominanztheorie weiterhin mit den notwendigen Nährstoffen zu versorgen, damit sie schön dick und rund bleibt. Grumpf! : )

Montag, 18. März 2013

Cesar Millans "Trainingsmethoden" unter Beschuss! : )

In Deutschland zwar nur ein unbekannteres Blatt, aber dennoch ein guter Anfang! Die Vorarlberger Nachrichten berichten sachlich und fundiert über die tierschutzrelevanten Trainingsmethoden des sogenannten Hundeflüsterers Cesar Millan. Respekt!

Ich wünschte, viel mehr Medien würden das Thema aufgreifen und die Konsequenzen und Gefahren seiner tierquälerischen und selbstdarstellerischen Handlungen an Schutzbefohlenen in die breite Masse tragen und so zum Nachdenken anregen.

Jaja, I have a dream...

Ach ja: Ich habe heute leider keine Kommentarfunktion für euch...

Aber dafür den Link zum Artikel! : )


Montag, 4. März 2013

Gibt es Grenzen beim gewaltfreien Hundetraining? : )

Der Killerrüde ratlos : )
Es gibt ja Menschen, die sind total unmusikalisch. So sehr sie sich auch anstrengen, es gelingt ihnen einfach nicht, im Takt zu tanzen oder melodisch zu singen - keine Chance. Fraules beste Freundin in der Schule war so eine: Ein Mathe- und Physikgenie, aber der Gitarrenlehrer schmiss sie eines Tages aus seinem Unterricht, da die von der Freundin bis zur Unkenntlichkeit verunstalteten Allegren und Präludien sein empfindsames Künstlerohr beleidigten. "Gequirlte Scheiße" nannte er ihr Spiel damals erbarmungslos ungnädig.
Das gleiche gilt wohl auch für den Sport: Auch, wenn er noch so viel übt, ein unsportlicher Mensch wird niemals die notwendige Motorik, das Ballgefühl, den Gleichgewichtssinn oder die Körperspannung erlernen können, um seine Ungeschicklich- oder Unbeweglichkeit zu überwinden.
Die armen Tollpatsche, die dauernd über ihre Füsse stolpern oder beim Bodenturnen so grazil wie eine Elfe mit Rüssel über die Matten poltern! Oder denkt nur mal an deutsche Männer, die mit ihrem angeborenen Stock im Hintern versuchen, einen Salsahüftschwung zu erlernen, hihi...
Tja. Mit Intelligenz hat das alles natürlich überhaupt nix zu tun, wie das Beispiel mit Fraules ehemaliger Schulfreundin beweist: Eine Einserkandidatin im Abi, Architekturstudium mit Auszeichnung, aber zeitlebens der Totalausfall in Musik und Sport.

Nun ist gewaltfreies Hundetraining natürlich weder Musik noch Sport, is' klar. Aber nichtsdestotrotz verlangt die Praxis einiges an Grundvoraussetzungen, die sich von denen in der Musik und im Sport gar nicht so sehr unterscheiden: geschickte Koordination, Feinmotorik, genaue Beobachtungsgabe, Schnelligkeit, perfektes Timing, Flexibilität - in gewisser Weise ein Gefühl für Takt und Körper...
Am Anfang tun sich alle schwer: Bis das menschliche Gehirn erst einmal alle Informationen verarbeitet hat, was zu tun ist, warum welche Hand wann was klickern, die Leine halten und das Leckerli rechtzeitig in Reichweite haben sollte - da vergeht durchaus 'ne Weile.
Und manche Abfolgen in der Werkzeugkiste der positiven Verstärkung haben's ja auch echt in sich: Sitz, Klick, Belohnung, Warte, Klick, Belohnung, Hol's, Go Go Go, Klick, Briiiings hiiiier, Zack Zack Zack, Klick, Belohnungspartyyy, yeahhh! Du liebe Zeit!

Bis der Mensch das alles mal perfekt drauf hat und er gelernt hat, selbst die kleinsten Signale des Hundes zu erkennen und zu nutzen, vergehen durchaus Monate! Bis er kapiert hat, wozu der ganze Aufstand - auch. Und bis die entsprechenden Verknüpfungen im Hirn entstanden sind, wie die ganze Theorie im Alltag praktisch um- und eingesetzt werden, wie man verschiedene Werkzeuge kombinieren kann, und bis sich endlich eine gewisse Automatisierung und Routine entwickelt hat, so dass gar nicht mehr nachgedacht werden muss, was wann und wieso getan werden kann, um ein bestimmtes Verhalten abzurufen oder zu unterbrechen, da vergehen mitunter Jahre!

Es steht außer Frage: Menschen und Hunde brauchen ihre Zeit, um zu eingespielten Teams heranzureifen - aber der Weg dorthin macht natürlich sehr viel Spaß durch die vielen kleinen Erfolge, die diesen Weg begleiten.
Doch leider ist es wie es immer ist: Es gibt eben auch hier Ausfälle!
Nämlich die, die echt gewillt sind und sich richtig Mühe geben - aber es einfach nicht umsetzen können.
Die Unmusikalischen, sozusagen.
Die, die über die Leine stolpern, während sie den Klicker in der Tasche suchen. Die, denen ihr Trainer dreimal hintereinander motivierend zuruft "Aaaanker! Jetzt den Aaaaanker!" und die dennoch kein Wort herausbringen, weil sie völlig verpeilt sind und sich ihnen irgendwie auch immer noch nicht der Sinn des Ganzen erschließen will. Die, die immer drei Sekunden zu spät klickern, gerade dann, wenn ihr Hund anfängt, einen anderen anzupöbeln, obwohl er kurz vorher so schön ruhig war und mit dem Klick zur richtigen Zeit hätte perfekt abgeholt werden können.
Das sind die, bei denen die gewaltfreie Hundeerziehung definitiv auf ihre Grenzen stößt - denn der Trainingserfolg wird sich hier nicht so schnell einstellen. Bei unkoordiniertem und chaotischem Einsatz verschiedener Techniken, ist die Gefahr groß, beim Hund das Falsche zu verknüpfen und ihn zu verwirren, da nicht eindeutig mit ihm kommuniziert wird. Er weiß nicht, was von ihm erwartet wird. Mit der Konsequenz, dass er "nicht gehorcht", "macht, was er will", "seinen eigenen Kopf durchdrückt".

Anerkennenswerterweise bleiben trotzdem einige dieser Ausreißer bei der Stange und geben ihr Bestes. Aber "weil der Hund manches einfach nicht lernen will", wird eben doch an der Leine geruckt oder er verbal mal in den Senkel gestellt. Mit viel Glück geht das auch gut - solange die Hunde nachsichtig mit ihren Menschen sind. Wenn man Pech hat, entwickelt der Hund unerwünschte Verhaltensweisen, die man dann sehr gerne der Erziehungsmethode in Rechnung stellt. So nach dem Motto: Jetzt sieht man mal, wohin das führt!

Aber vor allem schade ist es um die anderen, finde ich. Die, die irgendwann gefrustet aufgeben und sagen, "alles scheiße, das klappt eh nicht". Die vielleicht peinlich berührt sind, weil sie spüren, dass sie die Einzigen in einer Gruppe sind, die es nicht auf die Reihe kriegen. Diese Leute versuchen ihr Glück vielleicht lieber beim nächsten Trainer, der ihnen einfache Methoden mit schneller Erfolgsaussicht verspricht: Trainieren ohne Leckerlis, Halsband statt Geschirr für die bessere Leinenführigkeit, ein idiotensicherer Tritt in die Leiste gegen's Zerren oder den Schnauzgriff bei generellem Ungehorsam - ganz ohne Klick, Go Go und Zack Zack.

Man könnte ja jetzt sagen, was soll's, ein bisschen Schwund ist immer. Und ein unmusikalischer oder unsportlicher Mensch ist zu verschmerzen. Das stimmt, der schadet nun wirklich keinem.
Aber ist es auch zu verschmerzen, dass der Hund nun die Unzulänglichkeit seines Menschen ausbaden muss?
Sind diese Fälle wirklich hoffnungslos, oder gibt es nicht vielleicht doch irgendeine Möglichkeit, die scheinbare Grenze des Machbaren zu erweitern?
Wie bringt man einen Chaoten dazu, koordiniert zu handeln? Wie bringt man Ruhe in einen Hektiker, Geduld in einen Ungeduldigen oder Selbstvertrauen in einen unsicheren Menschen?
Wie macht man aus einem unmusikalischen Menschen einen musikalischen?
Ich bin ratlos... : )

Donnerstag, 28. Februar 2013

Der vegane Hund : )

+ + + Kumpels, Kläffer, Groupies, Lausemädchen: Achtung! Achtung, Achtung, Achtung!!! + + + 

Schweineohren ade! : )
Ich höre es immer wieder: Wir Hunde sollen Veganer werden!!!
Erst dachte ich ja, na super! Das ist bestimmt 'ne neue Würstchensorte, immer her damit!
Aber nein! Ganz falsch! Nix da Würstchen! Es sei denn aus Tofu... o weia...!

Nein, Hunde sollen kein Fleisch mehr fressen! Alaaarm! Zu Hilfeeeee!
Und nicht nur das, die sollen auch sonst nix mehr fressen, was irgendwie aus oder von einem Tier produziert wurde. Keine Knochen, keine Rinderkopfhaut, kein Pansen, keine Hühnerfüsse oder Schweineohren, geschweige denn Würstchen! Keine Eier, kein Fisch, kein Honig, kein Käse, kein Yoghurt, kein Hüttenkäse, kein JOR NÜSCHT!!! Womöglich nicht mal mehr saftige, dampfende Pferdeäpfel - schließlich werden die auch vom Tier produziert...

Nicht ohne meine Rinderkopfhaut! : )
Ja, bin ich denn ein Ossi-Hund??? Ich meine, mal ehrlich, wir alle wissen doch, die im Osten, die haben ja nüscht. Aber ich bin doch ausm Westen! Sogar ausm Südwesten, einem der ganz wenigen Bundesländer, die es sich sogar noch leisten können, in den Länderfinanzausgleich einzuzahlen. Dem Schlaraffenland, sozusagen...grumpf! Da wird doch wohl noch 'n klitzekleines Würstchen für mich drin sein!? Nicht?

Aber abgesehen mal davon: Was soll ich denn statt dessen fressen? Soll ich jetzt meinem ehemaligen Fressen das Fressen wegfressen und mich auf Gras, Wurzeln, Möhrchen und Salatblätter konzentrieren? Oder ist das dann nicht auch irgendwie unmoralisch? Dann vielleicht einfach von Luft und Liebe? Also, bei aller Liebe: NEIN DANKE!

Ich will was Handfestes! Ab und zu mal 'ne Möhre zum Spaß ist ja nett, obwohl die mir gesundheitstechnisch nur püriert oder gedünstet überhaupt was bringt. Aber vor allem will ich FLEISCH! Denn zur Erinnerung: Hunde sind vorwiegend FLEISCHFRESSER, und das werden auch ein paar verträumte Idealisten nicht ändern! Wir sind sozusagen dafür gemacht, hauptsächlich Fleischhaltiges zu fressen! Von der Nase über die Reißzähne bis zum Poppes - alles ist darauf ausgerichtet! Und wir haben auch keinerlei moralische Bedenken, dies zu tun - da können wir euch beruhigen!
Ich soll den Knochen hergeben?
Vergiss es! : )
Ich weiß, es gibt garantiert gänzlich tierproduktfreies Hundefutter, Kapseln oder Pulver, das mir alle Nährstoffe liefert, die ich brauche, um groß und stark zu bleiben. Voll gesund, ganz sicher! Aber ich sag euch mal was: Diese pürierte Schlabberpampe und euer Astronautentütenfutter könnt ihr selber fressen! Ich habe gesunde Hauerchen im Maul, und die wollen echtes Fleisch ZERKAUEN, meine Geschmacksnerven wollen echtes Fleisch SCHMECKEN und meine Nase will echtes Fleisch RIECHEN! Mir reicht schon dieser Trockenfutterfraß, den ich persönlich bekomme, statt BARF, wie sich das für einen richtigen Hund gehören würde. Aber wenigstens bekomme ich zwischendrin mal was Ordentliches zwischen die Kiemen! 

So. Und was sag' ich eigentlich Nachbars Katze, die gerade mal wieder 'ne halbtote Maus vor der Tür ablegt oder dem Löwen im Dschungel, der sich gerade 'n Zebraschenkel zu Gemüte führt? Hey... ihr...also ähm, peace und so, entschuldigt mal die Störung, aber das mit dem Jagen und Töten, das ist jetzt politisch aber mal so gar nicht in Ordnung und konkret ausbeutend! Versucht doch mal so ein paar knackige Baumrinden oder saftige Palmwedel, die wachsen nämlich wieder nach, wisst ihr. Das ist total nachhaltig und wär voll korrekt von euch... Have respect, dudes, jo jo...

Oder gilt das womöglich nur wieder für uns gearschten Haushunde und alle anderen (Haus-)Tiere sind ausgenommen? Wieso immer wir? Frechheit! Dann sollen gefälligst wenigstens auch die Katzen mitmachen, grumpf! Sagt denen, Mäusejagd ist uncool, dann fress ich ab sofort auch Brot ohne Wurst!

Die Zeiten, wo ich's vegan
probiert habe, sind lange vorbei! : )
Ernsthaft, was ist das mal wieder für ein verquerer Furz im Gedärm einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft, die sich keinen Kopf darüber zu machen braucht, was sie morgen zum Essen auf den Tisch stellt?
Ehrlich, ich bin ja totaaaal tolerant, wie allgemein bekannt. Und daher ist mir schnurzpiepegal, was ihr Menschen so täglich in euch reinstopft. Wegen mir könnt ihr den ganzen Tag lang Hamburger mampfen oder euch Salatgurken reinpfeifen. Ihr werdet Gründe dafür haben, unterschiedlichster Motivation und Überzeugung. Das finde ich voll korrekt.

Aber müsst ihr uns euer Credo deshalb auch gleich überstülpen und uns einmal mehr zu einem Menschenähnlichen machen?
Auch, wenn wir seit Zehntausenden von Jahren mit in euren Häusern leben und uns euch angepasst haben, wie sonst kein Tier auf dieser Welt, bleiben wir dennoch Carnivoren und würden uns gerne einen Rest Würde erhalten und nicht zum zahnlosen Tiger verkommen.
Wenn ihr es mit eurem Gewissen nicht vereinbaren könnt, uns mit Nahrung aus der Massentierschlachtung zu versorgen - was euch ja ehrt! -, dann hab ich 'ne super Idee: Kauft uns Fleisch von glücklichen freilaufenden Tieren von vertrauensvollen Biobauern! Oder schafft euch einfach kein Haustier an, dann stellt sich euch dieses Dilemma erst gar nicht. Erzählt mal der Schlange in eurem Terrarium, dass sie fortan nur noch Kartoffeln runterwürgen darf... Mann, echt ey...

Also, ich sag euch was: Bevor ich zum veganen Hund mutiere, werde ich eher zum dominanten Alpha-Rüden und die Weltherrschaft endgültig an mich reißen! Sobald ich die erste Blume in meinem Napf finde, ich schwör, hau ich mit der Pfote aufn Tisch und zeige mal allen, wo der Schinken hängt! : )

Sonntag, 24. Februar 2013

Respekt und Empathie - Nicht Jedermanns Sache! : )

Ja, Freunde der Verniedlichung, süße Bilder gehen um die Welt. Niedliche Bilder, die wichtige Botschaften vermitteln, die zu Tränen rühren oder den Betrachter in Verzückung geraten lassen sollen.
Mit Erfolg. Dieses beeindruckende Foto hier zum Beispiel. Ein "Kampfhund", der sich von einem Kind friedlich und entspannt bemalen lässt. Ist das nicht toll? 

Die Botschaft, die das Foto vermitteln möchte, ist - auch durch die ironische Überschrift - klar wie Würstlwasser:
Seht her, Kampfhunde sind ungefährlich, ihr könnt eure Kinder ruhig mit ihnen alleine lassen, die tun nix. Seht her, man kann sie sogar bemalen, sie sind geduldig und brav wie Lämmer, sie haben ihren schlechten Ruf einfach nicht verdient...

Die Reaktion auf solche Fotos, die in Facebook zahlreich kursieren, ist immer die gleiche:
"Gröhl!"
"Wie süß!"
"Voll niedlich!"
"Boah, voll gefährlich, kicher!"
"Lach! Meine Kinder machen das mit unseren Hunden auch immer!"
"Bei uns gibt's auch haufenweise solche Fotos! Unsere Kinder können sogar auf dem Hund sitzen und Pferdchen spielen, der findet's toll!"
Undsoweiterundsofort...

Alter, mir kommt gleich mein letztes Würstchen wieder hoch! Was fällt mir nicht alles zu einem solchen Foto ein. Das letzte allerdings wären Attribute wie "süß" oder "niedlich".
Wie gedankenlos und dämlich kann man eigentlich sein, stünde da zum Beispiel ziemlich vorne. Wie falsch ist dieses Foto und wie dumm und oberflächlich sind die Kommentare dazu, käme direkt danach.

Wenn man in einem Kommentar kritisch anmerkt, dass Hunde ziemlich sicher Lebewesen seien und kein Stück Papier und es somit fraglich sei, warum ein Kind einen Hund überhaupt bekritzeln müsse, stößt man auf komplettes Unverständnis und erntet hochinteressante Antworten:
"Herrje, das Leben ist so ernst, da muss doch mal ein bisschen Spaß erlaubt sein!"
"Du liebe Güte, man kann's auch übertreiben! Der Hund leidet ja wirklich sehr!"
"Kinder bemalen doch auch Menschen, die machen da keinen Unterschied!"

Aaaaaaargh! Bei dieser geballten Intellektualität schlag ich mir doch die Pfote vor den Kopp! Kinder bemalen auch Menschen??? Spaß haben???
Na klar, bemalen Kinder auch Menschen! Kinder bemalen alles, was ihnen unter die Finger gerät. Na und? Ist das deshalb in Ordnung? Bei der Tapete dann vielleicht doch nicht. Oder bei Papas teuerstem Oberhemd. Oder später dann beim Eisenbahnwagon oder in der U-Bahn. Hey, was denn? Immer schön locker bleiben, wir wollten doch nur Spaaaaß!

Ich finde es bezeichnend für unsere ichzentrierte, spaßgesteuerte Welt, dass beim Anblick dieses Fotos keinem der fleissigen "Süßfinder" mal sowas in den Sinn gekommen wäre wie Respekt, Wertevermittlung, Vermenschlichung, Erziehungsauftrag oder Verantwortung. Warum nicht? Weil's "nur" ein Hund ist?
Was vermittelt ein Erwachsener seinem Kind da eigentlich, wenn er ein solches Verhalten duldet oder sogar befürwortet - denn immerhin schießt er ja ein Foto fürs Familienalbum? Mach mit dem Hund, was dir gefällt, der macht ja nix? Und was der fühlt (falls soweit überhaupt gedacht wird!) ist völlig wurscht, Hauptsache, wir haben ein bisschen Spaß?

Versuchen wir uns doch mal ganz kurz in den Hund zu versetzen - auch wenn's schwer fällt. Denn Empathie ist scheinbar nicht Jedermanns Sache, und schon gar nicht gegenüber artfremder Geschöpfe.

Ein glücklicher Hund sieht anders aus! >: [
Findet der Hund das nun eigentlich wirklich so toll? Oder die Abwaschprozedur später?
Was meint denn wohl der nächste Hund dazu, der vom Kumpel zum Beispiel? Ist doch ein tolles Spiel, das will man seinem besten Freund natürlich nicht vorenthalten. Zum Beispiel dummerweise genau dann, wenn die Eltern gerade nur ganz kurz beim Einkaufen sind und der Hund auch gar nicht so richtig müde ist und hinliegen mag, so dass man ihn ein bisschen dazu zwingen muss...

Wie soll ein Kind die vielen verschiedenen Situationen und Stimmungen unterscheiden können? Wie soll ein Kind die Feinheiten der Körpersprache eines Hundes verstehen lernen, wenn es die meisten Eltern nicht einmal können?
Hunde lassen immer erkennen, ob ihnen eine Situation unangenehm oder gar lästig ist. Situationen, die Menschen völlig missinterpretieren und immer noch "süß" und "niedlich" finden, wie das zweite Foto hier - weil sie ausschließlich die Menschenbrille auf der Nase haben und sich nicht die Mühe machen, die Gefühle des Hundes zu erahnen oder gar auf die Idee zu kommen, dass er überhaupt welche hat.

Hunde versuchen über ein Wegschauen, Kopfabwenden, Weggehen, durch ihre Mimik oder andere feine Signale mitzuteilen, dass sie der Situation gerne entfliehen würden, weil sie sich unwohl oder bedrängt fühlen - nur leider werden ihre Bitten übersehen oder ignoriert. Und nett wie sie sind, erdulden viele von ihnen dieses aufdringliche, dispektierliche menschliche Verhalten, weil sie eine hohe Toleranzgrenze haben und weil sie ihren Menschen zugeneigt sind - aber sicher nicht, weil es ihnen Spaß macht. 
Doch manchmal, wenn alles nichts hilft, sieht sich ein Hund eben doch mal dazu gezwungen, zu einer deutlicheren Kommunikation zu greifen. Und dann heißt es wieder: "Er hat einfach so, ohne Vorwarnung zugebissen!" Mir scheint, die Arschkarte ziehen irgendwie immer die Hunde!

Respekt und Empathie - 
in der Tat nicht Jedermanns Sache : )
Kinder sollen Spaß mit Hunden haben, gar keine Frage! Sie sollen gemeinsam Toben und Spielen dürfen und die Sau rauslassen. Aber sie müssen auch Werte vermittelt bekommen und lernen, dass sie es mit einem Lebewesen zu tun haben, das fühlt, das Glück und Freude, aber auch Schmerz und Unwohlsein empfindet, und dem man gefälligst mit Respekt zu begegnen hat, wie man dies gegenüber jedem Lebewesen tun sollte. Und das bedeutet automatisch, dass man artgerecht mit ihm umzugehen hat und es nicht vermenschlichen darf.
Und dies nicht zuletzt auch zum eigenen Schutz!
Und wer, wenn nicht die Eltern, könnten diese Werte vermitteln?
Doch wie sollten sie damit jemals Erfolg haben, wenn sie es weiterhin total süß und niedlich finden, dass sich ihre Kinderlein auf den Hund walzen, um "Pferdchen" zu spielen???
>: []

Sonntag, 17. Februar 2013

Entspannung für den Hund - Was ein neumodischer Firlefanz! : )

Ommmmm!
Ich sag's euch... Ommmmm!
Entspannung ist das halbe Leben - vor allem, wenn die andere aus Action, Stress und Aufregung besteht.
Wieder so'n neumodischer Firlefanz, werden jetzt manche sagen. Aber wenn's doch schee macht???

Ich behaupte, aktive Entspannung - regelmäßig angewendet - kann wahre Wunder wirken, und das nicht nur bei den Hunden, die sich sehr schnell aufregen und die per se nervöser sind als andere, sondern bei allen. Entspannung tut einfach gut. Welcher Mensch weiß das nicht aus eigener Erfahrung? Und nein! Ein Hund ist kein Mensch, aber mit Verlaub, ein Säugetier, und das haben wir gemeinsam, bäh!

Mit der richtigen Entspannung sinkt der Stresslevel schneller, man kommt eher zur Ruhe, kann eher regenerieren, wird ausgeglichener, wird nicht mehr so schnell überfordert, regt sich erst gar nicht mehr so schnell auf UND kann schließlich seine Energie gezielt da ablassen, wo es auch erwünscht ist...

Ein kurzes Entspannungsspiel auf
einem Workshop bei Supergerdi,
alias Gerd Schreiber : )
Action und Entspannung sollten im besten Fall miteinander einhergehen: Nach aufregenden Sequenzen sollten immer kleine Entspannungsübungen folgen, und sie sollten immer den Abschluss bilden. Ein Hund, der zum Beispiel von der HuSchu nach Hause kommt, ist zwar wahrscheinlich ziemlich müde, kommt aber vielleicht einfach nicht so schnell herunter, als dass er sich gleich hinlegen und pennen könnte. Eine gezielte Entspannungsübung kann da Wunder wirken.
Agile quirlige Powerpakete werden oft zum actionreichen Hundesport gebracht, damit sie sich da "mal richtig austoben können". Das ist nett gedacht, der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen: Nicht selten werden diese Hunde dabei so hoch geputscht, dass sie Tage (!) brauchen, um wieder herunterzukommen. Ein überdrehter Hund ist eigentlich wie ein überdrehtes Kind: Todmüde, aber unfähig, selber den Ausknopf zu drücken. Hier ist eine Hilfestellung dringend notwendig.

Erlaubt ist alles, was (dem Hund!) gut tut: Verbale Beruhigung, Kraulen, Streicheln, Massieren (an Stellen, die dem Hund wirklich gefallen und nicht von denen man nur annimmt, dass sie gut kommen!), konditionierte Entspannung mit oder ohne olfaktorischer Unterstützung (wie bestimmten Duftölen), isometrische Übungen und - Schlaf! Viel Schlaf! Aber auch ein entspannter Gassigang ohne Spiel und Ablenkung kann hilfreich sein, ruhige Bewegung, Schnüffeln lassen in einer stressfreien Zone - es kommt einfach auf die jeweilige Situation an. Ach ja, und eine Selbstreflektion des Menschen könnte ebenso entstressen: Ein genervter, hektischer, aufgeregter Mensch bringt selten Entspannung ins Spiel, ihr wisst, was ich meine...

Entspannungsübungen, wie isometrische Übungen oder die konditionierte Entspannung, sollten immer mal wieder zwischendrin geübt oder "aufgeladen" werden. Wer's richtig aufgebaut hat, kann später zum Beispiel über ein konditioniertes Wort oder eine bestimmte Berührung den Hund damit in aufregenden Situationen ein Stück herunterfahren. Ein Hund auf hohem Stresspegel wird beim "Eeeeeeasyyyyy" sicher nicht gleich ins Koma fallen, aber seine Aufregung wird etwas sinken, und er bleibt womöglich ansprechbar, so dass er souverän aus der Stresssituation herausgeführt werden kann.

Wer jetzt sagt, na ja, MEIN Hund ist IMMER entspannt, der braucht das nicht, dem sage ich: Hilfe, ein Alien!
Es ist doch wie bei jedem Individuum: Zwischen dem hyperaktiven, dauerkläffenden ADHS-Zappelphilip und dem tiefenentspannten Gemütshund gibt es alle nur denkbaren Varianten. Der eine braucht ganz viel, der andere nur wenig Entspannung, dem einen muss man's beibringen, der andere weiß selber, wie er da raus kommt. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen, auch ein Hund, der nicht so aussehen mag, kann dennoch gestresst sein. Eine genaue Beobachtungsgabe und korrekte Interpretation der Körpersprache sollten die Nuancen erkennen lassen.

Action in der Oase...
Der Mensch sollte auch nicht von sich auf andere schließen: Was für ihn Peanuts sein mögen, kann für den Hund enorm anstrengend sein: Stadtverkehr, Reisen, Training, Sport, Trennung, Alleinsein, ein Umzug, Hundetreffen, Impulskontrolle, ein scheinbar netter Gassigang mit dem Nachbarshund, viele Termine an aufeinander folgenden Tagen, Arztbesuche, alles, was kein Alltag ist, aber auch alles, was Alltag ist. Meine zwei Nachmittage in meiner Hundeoase zum Beispiel sind Stress pur! Es macht, na klar, voll Spaß (Stress ist ja nicht unbedingterweise negativ!), mit den anderen herumzuturnen und non-stop Gas zu geben, aber es stresst mich auch, mit all den anderen Hunden auf begrenztem Raum auszukommen. Es ist mir in den seltensten Fällen möglich, mir dort mal eine Auszeit zu gönnen, und abends renn ich oft noch 'ne Weile aufgekratzt durch die Gegend, es sei denn, Fraule legt sich mit mir aufs Sofa und massiert oder streichelt mich.
Arbeitende Hunde wie Therapiehunde, Spurensucher usw. usw., die ihre Arbeit zwar sicher gern machen, deren Job aber geistig enorm viel von ihnen abfordert, sollten sich nach der Arbeit entspannen dürfen - auch, wenn sie ja eigentlich daran gewöhnt sein dürften! Für geistig stark geforderte Hunde ist es sicher wichtig, einen körperlichen Ausgleich zu haben und auch einfach mal "die Seele baumeln" lassen zu dürfen...

... ist voll super, aber anstengend!
Entspannungsübungen zu Hause bringen mich
schneller wieder auf den Boden der 
Tatsachen : ) 
Ebenso wie der Mensch ist auch kein Hund wie der andere. Jeder Hund hat seine ureigensten Eigenschaften, Vorlieben, Bedürfnisse und Macken, und was den einen aufregen mag, entlockt dem anderen vielleicht nur ein müdes Gähnen (im Sinne von tatsächlich "müde" ; )
Daher sollte jeder verantwortungsvolle Mensch seinen Hund so gut beobachten, dass er erkennen kann, wann er wirklich in Stress gerät und Hilfe braucht. Er sollte herausfinden können, welches für die spezielle Stresssituation auch die beste Gegenmaßnahme sein könnte. Denn natürlich hilft nicht immer alles gleich gut. Eine isometrische Übung ist Gold wert, aber manchmal ist der Stress zu groß, als dass der Hund sich in der Situation noch anfassen lassen wollte. Und manchmal wäre es schon ausreichend, das Agi-Turnier einfach abzubrechen, auch auf die Gefahr hin, womöglich als Verlierer dazustehen. Aber schließlich macht man das ganze Wettkampfzeug ja nur für den Hund und weil's ihm so viel Spaß macht, nicht wahr, und nicht etwa für sich selber, oder...

Gemeinsam entspannen -
die beste Art wieder aufzuladen : )
Die Bedeutung von Entspannung für den im Privat- und Berufsleben stark geforderten Menschen wird heutzutage nicht mehr angezweifelt und von Krankenkassen, Vereinen, Firmen und dem Staat durch vielseitige Programme gefördert.
In der Hundeerziehung sind wir noch weit davon entfernt, ihre Wichtigkeit zu erkennen und sie in das oftmals auch recht anspruchsvolle Hundeleben einzubauen.

Entspannung für den Hund mag also vielleicht "neumodisch" sein - im Sinne von "noch nicht im Bewusstsein von Ottonormalhundehalter" -, aber es ist ganz sicher kein Firlefanz!

Ein entspannter Hund ist die halbe Miete. Für die seelische und körperliche Gesundheit des Hundes, für seine Stimmung und sein Verhalten - UND damit nicht zuletzt auch für die seines Menschen...

In diesem Sinne: Ommmmmmm! : )